Inklusion: Schulversuch ERINA ausgewertet

Inklusion: Schulversuch ERINA ausgewertet

Seit dem Schuljahr 2012/13 wird in vier sächsischen Modellregionen das gemeinsame Lernen von Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf erprobt. Die Ergebnisse des Schulversuchs „ERINA“ wurden nun im Rahmen eines Fachtages vorgestellt.

Ziel des Schulversuchs ist es, den gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf an sächsischen Regelschulen weiterzuentwickeln und zu verbessern. Die Ergebnisse des Schulversuchs zeigen, dass Inklusion ein Entwicklungsprozess ist, der nur mit viel Mut, Kooperation und Engagement der Beteiligten gelingen kann.

Der Schulversuch ERINA verfolgt vier Teilziele. Das erste Teilziel umfasst die Entwicklung und Erprobung des lernzieldifferenten Unterrichts in der Sekundarstufe I. Unter lernzieldifferentem Unterricht wird verstanden, dass Schüler mit den Förderschwerpunkten geistige Entwicklung und Lernen an den Oberschulen unterrichtet werden können, jedoch nach individuellen Lehrplänen.

Verschiedene Organisationsformen durchgeführt

Der Unterricht in den Regelklassen wird individuell abgestimmt. Ein Augenmerk liegt auf der engen Begleitung von Schulübergängen, wie zum Beispiel von der Grund- auf die Oberschule oder schließlich an eine berufsbildende Schule. Zudem sind verschiedene Organisationsformen Bestandteil der Erprobungsphase: die Einzelintegration eines oder mehrerer Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in einer Regelschulklasse und die Beschulung nach dem Modell der Kooperationsklasse, bei welchem eine Förderschul- und eine Regelschulklasse in ausgewählten Fächern zusammen unterrichtet werden.

Im Ergebnis sind an den Grundschulen sowohl das Kooperationsmodell als auch die Einzelintegration erfolgreich umgesetzt worden. Besonders gut ist die Inklusion gelungen, wenn der Schulalltag an die Bedürfnisse der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf angepasst wurde, wie durch längere Pausen oder individuelle Lernzeiten. Als positiver Faktor stellte sich auch die gemeinsame Bearbeitung eines Unterrichtsthemas heraus, das jedoch mit unterschiedlichen Arbeitsmaterialien und Aufgaben gefestigt wird. Daneben hat zum Gelingen des lernzieldifferenten Unterrichts die individuelle Unterstützung beigetragen, beispielsweise durch Lernhilfen, Förderunterricht und Arbeitsgruppen.

Im Verlauf des Schulversuchs zeigte sich jedoch auch, dass die Einzelintegration in den höheren Klassen der Oberschulen schlechter zu organisieren ist als in den Grundschulen. Die Lehrpläne der Oberschulen und der Schulen für geistig Behinderte sind schwieriger miteinander zu verknüpfen, sodass die Entwicklung lebenspraktischer Kompetenzen nicht immer ausreichend berücksichtigt werden konnte. Hier mussten die Schulen zusätzliche individuelle Angebote entwickeln und die Zeit des gemeinsamen Unterrichts reduzieren. Einzelintegrationen mehrerer Schüler und Kooperationsklassen erwiesen sich als effektiver und flexibler in der Gestaltung des gemeinsamen Unterrichts.

Zusammenarbeit wichtiger Gelingensfaktor

Das zweite Teilziel richtet sich vor allem auf die enge Vernetzung und gegenseitige Unterstützung der am Schulversuch beteiligten Akteure. Dies sind die ERINA-Schulen, Kindergärten, Horte, aber auch außerschulische Partner. Positiv hat sich im besonderen Maße der Einsatz von Sonderpädagogen und Inklusionsbegleitern im gemeinsamen Unterricht gezeigt. Gute Absprachen und enge Zusammenarbeit, Transparenz und Dokumentation der Vereinbarungen, verlässliche Ansprechpartner und feste Strukturen zwischen Lehr- und Fachkräften sind ebenso förderlich.

„Die Umsetzung des lernzieldifferenten Unterrichtes ist an Herausforderungen gebunden, die von der Einzelschule weder strukturell noch organisatorisch oder personell allein bewältigt werden können. Darüber hinaus zeigen Erfahrungen aus dem Schulversuch, aber auch aus anderen Bundesländern, dass sich Erfolge vor allem dort einstellen, wo Haltungen zu Inklusion positiv sind, Kollegien an einem Strang ziehen und Aufgaben und Verantwortlichkeiten teilen.“

Kultusminister Frank Haubitz

Das dritte Teilziel umfasst die Qualifizierung der am Schulversuch beteiligten Personen. So unterstützen beispielsweise Fortbildungen, Hospitationen, Fachtage und Coaching-Angebote die Lehrkräfte, die Anforderungen der lernzieldifferenten Beschulung umzusetzen.

Das vierte Teilziel ist es, die Eltern eng in den Schulversuch einzubeziehen, sie über die Inhalte und Ziele zu informieren und einen guten Austausch sicherzustellen.

Materialien für Lehrkräfte abrufbar

Die im Schulversuch erfolgreich erprobten Maßnahmen werden in die künftige Arbeit der Schulen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention einfließen. Für Lehrer stehen Planungsbeispiele zur Unterstützung beim lernzieldifferenten Unterricht sowie der Leitfaden „Binnendifferenzierung und lernzieldifferenter Unterricht“ in der Lehrplandatenbank zur Verfügung.

Am Schulversuch ERINA nehmen acht Grundschulen, sechs Oberschulen, vier Gymnasien, ein Berufsschulzentrum sowie sieben Förderschulen in den Modellregionen Bobritzsch-Hilbersdorf, Leipzig, Oelsnitz/Vogtland und Radebeul/Moritzburg/Coswig teil. Im Schuljahr 2016/17 wurden insgesamt 291 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf inklusiv an den am Schulversuch beteiligten Grund- und Oberschulen sowie Gymnasien unterrichtet. Die Projektleitung wird von der Landesarbeitsstelle Schule-Jugendhilfe Sachsen e. V. übernommen.

Der Freistaat Sachsen hat den ERINA-Schulen zusätzliche Ressourcen zur Erprobung des gemeinsamen Unterrichts zur Verfügung gestellt. Dazu zählen Mittel für Sachkosten, für regionale und zentrale Fortbildungen und Personal. An 14 von 26 Schulversuchsschulen werden Inklusionsbegleiter eingesetzt. Die lernzieldifferente Unterrichtung wird zum 1. August 2018 an den sächsischen Oberschulen möglich sein. Zu diesem Zeitpunkt endet auch der Schulversuch.

Details und Ergebnisse zum Schulversuch ERINA sind zudem in zwei Broschüren abrufbar.

Bianca Schulz, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

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