Kultusminister ermutigt Pädagogen, den Ukraine-Konflikt im Unterricht aufzugreifen

Kultusminister ermutigt Pädagogen, den Ukraine-Konflikt im Unterricht aufzugreifen

Am Montag geht in Sachsen die Schule wieder los. In einem Brief an die Schulen ermutigt Kultusminister Christian Piwarz Lehrerinnen und Lehrer dazu, auf das „bedrückende“ Kriegsgeschehen in der Ukraine im Unterricht einzugehen.

Die Schülerinnen und Schüler würden mit Sicherheit Ängste, Sorgen und Fragen zum Geschehen in der Ukraine haben und mit in die Klassenzimmer und auf die Pausenhöfe tragen, schreibt der Minister an die Schulen. Kinder und Jugendliche dürften mit ihren Fragen, Sorgen und Nöten nicht allein gelassen werden.

„Bisher kannten die Kinder und Jugendlichen ebenso wie viele ihrer Eltern und Lehrkräfte Krieg nur aus Erzählungen und Schulbüchern. Jetzt ist er leider wieder wieder näher an unsere Lebensrealität herangerückt und in Europa angekommen“, so der Kultusminister. „In diesen besorgniserregenden Zeiten muss Schule mehr denn je für die junge Generation ein sicherer Hafen sein. Dazu gehören verlässliche Abläufe, der Austausch mit Gleichaltrigen, den Familien und den Lehrkräften“, schreibt Kultusminister Christian Piwarz.

Lehrerinnen und Lehrer hätten das nötige Feingefühl und pädagogische Rüstzeug, um mit den Schülern über kritische Situationen im persönlichen Erleben wie im Weltgeschehen zu reflektieren und zu diskutieren.

Piwarz ermutigte die Pädagogen dazu, Gesprächsmöglichkeiten anzubieten und das aktuelle Geschehen einschließlich der medialen Berichterstattung im Unterricht zu thematisieren. „Dabei sollte es darum gehen, Fakten sachlich aufzugreifen und auf der Grundlage von Quellen den Konflikt aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, in den Dialog oder auch in die Debatte zu treten. Die Lehrpläne nicht nur der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer bieten dafür ausreichend Anknüpfungspunkte“, so der Kultusminister.

Ergänzend zum Unterricht und den vertrauten Anlaufstellen in der Schule finden die Schülerinnen und Schüler auch unter der 116 111 – der „Nummer gegen Kummer“ – anonym und kostenlos von Montag bis Samstag, 14 bis 20 Uhr ein offenes Ohr.

Dirk Reelfs, Pressesprecher im Sächsischen Staatsministerium für Kultus

4 Kommentare

  1. eine Lehrerin 3 Monaten vor

    Sehr geehrte Damen und Herren des SMK!
    Ich schätze natürlich diese Aufforderung, wobei ich mir mehr als sicher bin, dass es dieser eigentlich nicht bedurft hätte und wir dies als gestandene Pädagogen ohnehin getan hätten.
    Lassen sie mich aber an dieser Stelle auf einen eklatanten Mangel hinweisen: Es gibt ab Klasse 6 KEINE fest in der Stundentafel verankerten Klassenleiterstunden mehr. Dies ist mehr als fatal aus mehreren Gründen: gerade im sensiblen Moment des Übergangs in die Pubertät verlieren die Kinder im schlimmsten Fall den beständigen Kontakt zum Klassenlehrer, bei Fachkombinationen mit „Einstundenfächern“ wie Biologie, Chemie, Kunst, … sieht ein Klassenlehrer seine Klasse bestenfalls einmal die Woche und soll in den 90 Minuten Fachlehrer sein, Corona-Lücken, Quarantäne-Lücken und die Erfüllung des Lehrplanes bewerkstelligen und auch noch als Klassenleiter aktuelle Anliegen klären, Wandertage etc. besprechen, den sozialen Zusammenhalt und die Persönlichkeit der Schüler stärken. Herr Piwarz möchte gern mehr Personal in den Schulen. Gut. Eine feste KL-Stunde pro Woche für alle Klassenlehrer wäre schon einmal ein Anfang den Kindern einen beständigen Ansprechpartner zu geben.
    Dies sollte nicht unmöglich sein! Immerhin gibt es auch keinerlei Abmilderungsstunden etc. für den Mehraufwand als KL. Ich möchte aber sehr gern sehr viel mehr für meine Klasse da sein können – gerade jetzt nach den zurückliegenden und in den aktuellen Zeiten. Schenken sie den Schülern Stabilität und soziale Nähe – ich bin sicher, dass sich dies unendlich lohnt!
    Viele Grüße
    eine Lehrerin

    • Autor
      Dirk Reelfs - SMK 3 Monaten vor

      Sehr geehrte „Lehrerin“,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Ehrlich gesagt, kann ich Ihren Wunsch nach einer Klassenleiterstunde gut verstehen. Doch die vorhandenen Lehrerressourcen lassen dies leider nicht zu. Gern würden wir deutlich mehr Lehrerinnen und Lehrer einstellen. Ausreichend freie Stellen gäbe es. Doch es mangelt an Bewerbern. Das gilt besonders für die MINT-Fächer. Eine Klassenleiterstunde zu ermöglichen, würde jedoch die Lehrerbedarfe erhöhen – zusätzliche Bedarfe, die wir aber anhand der Bewerberlage nicht decken können. Aus diesem Grund können wir leider keine Klassenleiterstunde zur Verfügung stellen.
      Viele Grüße
      Dirk Reelfs

  2. Küchenrückwand Folie 3 Monaten vor

    Es ist einfach toll, dass Ihr so gut organisiert seid. Danke auch für die unermüdliche Arbeit, die ihr leistet.

    Lg Alisa

  3. Omi 3 Monaten vor

    Unglaublich Herr Piwarz, was Sie nach Corona nun von uns GrundschullehrerInnen verlangen: wir sollen den Kleinen den Krieg erklären? Natürlich werden die Kinder mit Fragen morgen auf uns zukommen und wir werden mit dem uns in die Wiege gelegtem Feingefühl im Morgenkreis Kinder zu Wort kommen lassen und versuchen, Ängste zu nehmen. In erster Linie ist diese fürchterliche Situation jedoch ein Thema, welches im Elternhaus verarbeitet und besprochen werden muss.
    Einen Krieg erklären, sorry, das kann ich nicht. Mein Schock und die Aussicht auf dass, was da nun auf uns zukommen wird, ist zu verstörend…