Lehrereinstellungen: Ernüchterndes Ergebnis

Lehrereinstellungen: Ernüchterndes Ergebnis

Nicht alle freien Lehrerstellen konnten zum 2. Schulhalbjahr 2017/18 besetzt werden. Der Anteil der Seiteneinsteiger an den Einstellungen hat sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum verdoppelt. Das sind die vorläufigen Ergebnisse zum jetzigen Stand des Einstellungsverfahrens.

660 freie Stellen sollten besetzt werden, davon 217 an Grundschulen, 208 an Oberschulen, 92 an Gymnasien und 83 an Förderschulen. Darüber hinaus wurden 60 Lehrerinnen und Lehrer für berufsbildende Schulen gesucht. Rund 2.100 Personen hatten sich insgesamt beworben, darunter lediglich 323 grundständig ausgebildete Lehrer. Doch nicht alle ausgebildeten Lehrkräfte hielten ihre Bewerbung aufrecht. Am Ende konnten lediglich 236,6 Stellen (Vollzeitäquivalente) mit grundständig ausgebildeten Lehrern besetzt werden.

62 Prozent sind Seiteneinsteiger

Entsprechend fällt das Einstellungsergebnis aus. Zum jetzigen Stand des Einstellungsverfahrens konnten 622 Stellen besetzt werden, davon lediglich 38 Prozent mit grundständig ausgebildeten Lehrkräften und rund 62 Prozent mit Seiteneinsteigern (385 Vollzeitäquivalente). Damit hat sich der Anteil von Seiteneinsteigern gegenüber dem Februar 2017 mehr als verdoppelt. Damals betrug der Anteil rund 30 Prozent.

Besonders hoch fällt der Anteil der eingestellten Seiteneinsteiger an den Grundschulen (62 Prozent) und Oberschulen (80 Prozent) aus. Über die Hälfte der neu eingestellten Lehrkräfte an den allgemeinbildenden Förderschulen (53 Prozent) und über zwei Drittel an den berufsbildenden Schulen (69 Prozent) sind nicht grundständig ausgebildet. Am geringsten ist der Anteil der Seiteneinsteiger an den Gymnasien mit 18 Prozent.

„Das Einstellungsergebnis ist ernüchternd“, kommentiert Kultusminister Christian Piwarz die Zahlen. Dabei wiege bereits schwer, dass nicht alle Stellen besetzt werden konnten. Große Sorge bereite zudem der hohe Anteil von Seiteneinsteigern. „So sehr ich die Expertise der Seiteneinsteiger schätze und dankbar dafür bin, dass wir die neuen Kolleginnen und Kollegen an den Schulen haben, es muss aber unser Ziel sein, die freien Stellen mit denjenigen zu besetzen, die dafür ausgebildet wurden. Wir müssen Neulehrern dringend ein besseres Angebot unterbreiten und ältere Lehrkräfte mit finanziellen Anreizen und Entlastungen zusätzliche Motivation verschaffen. Es ist fünf nach zwölf“, so der Kultusminister.

Der Blick in die Regionen ergibt ein differenziertes Bild. Während es in den Ballungszentren Dresden und Leipzig weitgehend gelang, freie Stellen zu besetzen, ist das in den ländlichen Regionen, allen voran Bautzen, nicht der Fall. Im ländlichen Raum fällt auch der Anteil der Seiteneinsteiger deutlich höher aus als in den Ballungsräumen.

Zahlen für die Standorte des Landesamtes für Schule und Bildung im Detail

Bautzen

Von den 92 geplanten Einstellungen konnten insgesamt 75,3 Vollzeitäquivalentstellen (VzÄ) besetzt werden – fast 80 Prozent mit Seiteneinsteigern. Allein für die Oberschulen in Ostsachsen konnten 30,5 Einstellungen (VzÄ) nur 1,7 VzÄ mit grundständig ausgebildeten Lehrkräften realisiert werden.

Chemnitz

In Chemnitz konnten 95 Prozent der geplanten 140 Stellen besetzt werden. Die insgesamt 133 Vollzeitäquivalente sind zu 72,5 Prozent mit Seiteneinsteigern besetzt. An den Chemnitzer Berufsbildenden Schulen konnten mehr Lehrkräfte gebunden werden, als ursprünglich gesucht.

Dresden

Deutlich geringer ist der Anteil der Seiteneinsteiger mit rund 60 Prozent in der Landeshauptstadt. 177 freie Stellen sollten besetzt werden – nach derzeitigem Stand konnte ein Arbeitsvermögen von 163,1 Vollzeitäquivalenten gebunden werden.

Leipzig

In Leipzig konnte nicht nur mehr Einstellungen vorgenommen werden als geplant (166 geplant, 170,5 VZÄ besetzt), auch der Anteil der Seiteneinsteiger ist hier am geringsten mit rund 48 Prozent.

Zwickau

Von den 85 geplanten Einstellungen in Westsachsen konnten insgesamt 80,1 Vollzeitäquivalentstellen besetzt werden. Der Anteil der Seiteneinsteiger beträgt rund 61 Prozent.

 

Die Grafiken zum Download:

Bianca Schulz, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

20 Kommentare

  1. Robert Bennett vor 9 Monaten

    Eine Altersgrenze bei der Verbeamtung von Lehrern wurde bereits in einigen Fällen vom Bundesverfassungsgericht gekippt. Das heißt aber nicht, dass das grundsätzlich gilt.
    Hier:
    http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/recht-und-gehalt/bverfg-in-karlsruhe-hebt-altersgrenze-bei-verbeamtung-auf-13628340.html
    Beste Grüße
    R. Bennett

  2. Robert Bennett vor 9 Monaten

    Mathe kürzen!!!
    Musik, Sport und Kunst kürzen… warum? Das sind Fächer, bei denen SchülerInnen etwas entspannen bzw. über körperliche Aktivität Stress abbauen können. Zudem sind diese Fächer pesönlichkeitsbildend!
    Man sollte vielmehr darüber nachdenken, ob man wirklich alle mathematischen Inhalte braucht, mit denen man Schülern und Schülerinnen eher Angst macht, anstatt Fächer wie Sport und Musik und Kunst zu kürzen, in denen nur wenig Mangel besteht.
    Warum schlägt niemand ein Kürzung des Matheunterrichts vor? Klar sollte man die Grundrechenarten und auch die Prozentrechung eingermaßen beherrschen, aber was um alles in der Welt bringt z.B. das Lösen quadratischer Gleichungen oder die Berechnung der Zahl Pi? Das kann man gut und gern in der Berufschule lernen, wenn man es in der Praxis benötigt.
    Etwas anderes ist die Vorbereitung auf die Universität, aber diejenigen, die keinen naturwissenschaftlichen Beruf anstreben… warum müssen die sich im Abitur mit „Kurvendiskussionen“ und anderen seltsamen Inhalten herumschlagen?
    Dann könnte man ja z.B. auch allen Abiturienten das Fach Latein verordnen, denn Latein benötigt man, um Sprachen aller Art zu studieren.
    Also: Gerade im Fach Mathematik könnte man Kürzungen vornehmen, z.B., indem man es ab einem bestimmten Zeitpunkt als Wahlfach anbietet. Das würde Million SchüerInnen körperlich, psychisch und zeitlich entlasten und zudem Kapazitäten schaffen, denn die Stunden, die frei werden könnten dann in den jeweiligen Zweitfächern oder fachfremd unterrichtet werden.
    Beste Grüße
    R. Bennett

  3. Robert Bennett vor 9 Monaten

    Guten Tag,
    meiner Ansicht nach spielt das Bewerbungsverfahren ebenfalls eine Rolle bei der desolaten Situation in Sachsen.
    In anderern Ländern kann ich meine Bewerbung bzw. meine Unterlagen auf den entsprechenden Portale einstellen und die Schulen können darauf zugreifen.
    Warum bietet Sachsen nicht ebenfalls ein unkkompliziertes Online-Verfahren an, mit dem auch die Schulen Bewerber selbst sichten und ggf. einladen können?
    Auch sollte es für Interessierte möglich sein, sich ganzjährig – und dann auch direkt, also „schulscharf“, auf Stellen bewerben zu können.
    Vielleicht sollte Sachsen mal über den Tellerand schauen, z.B. nach Hamburg, Schleswig-Holstein , Brandenburg etc…!
    Es ist nämlich so, dass diese Bundesländer aufgrund ihrer Bewerbungsmodalitäten einfach schneller und bedarfsgerecht reagieren können.

    • Autor
      Bianca Schulz - SMK vor 9 Monaten

      Hallo Herr Bennett,
      vielen Dank für Ihren Kommentar und die Hinweise.
      Ich stimme Ihnen zu, dass das Bewerbungsverfahren in Sachsen noch Potenzial nach oben hat. Es wird aber intensiv daran gearbeitet, das Bewerben serviceorientierter und bewerberfreundlicher zu gestalten. Etwa ist ab dem kommenden Jahr die Möglichkeit des Online-Bewerbungsverfahrens geplant.
      Bereits mehrmals wurden Stellen in Sachsen sowohl schulscharf als auch kombiniert mit dem Listenverfahren ausgeschrieben. Zudem sind Initiativbewerbungen jederzeit möglich und werden gern entgegengenommen, wie auch auf dem Internetauftritt vermerkt.

      Beste Grüße
      Bianca Schulz

  4. Thomas vor 9 Monaten

    Ich finde es nur noch beschämend was aus dem einst mustergültigen Bildungsland Sachsen geworden ist. Jetzt wird zu guter Letzt noch die Stundentafel eingekürzt um sich ein paar Stellen zu sparen,- wer braucht schon Musik , Kunst und Sport und Fremdsprachenunterricht. Und mit der willkürlich und rein wieder nur aus der Brille des Finanzministeriums festgelegte Verbeamtungsgrenze bei 42 Jahren offenbart doch eindeutig, dass immer noch in erste Linie am Lehrpersonal gespart werden soll und wieder zu erst bei den Bestandslehrern die die bislang guten Pisa Ergebnisse in den letzten Jahren trotz Zwangsteilzeit etc. ermöglicht haben. Man kann also jedem Lehrer über 42 und bis 47 nur empfehlen sich schnell noch nach z.B. Thüringen zu bewerben um dort die Verbeamtung zu erreichen. Wenn man überhaupt noch eine Chance auf dem Lehrerarbeitsmarkt haben will, ist eine für 5 Jahre befristete Verbeamtungsmöglichkeit mit der zudem extra dafür abgesenkten Verbeamtungsgrenze auf 42 Jahre sicher nicht das durchschlagende Signal – andere Bundesländer verbeamten Lehrer bis 50! Besonders stört mich aber das ehemalige oberste Verantwortungsträger im Kultus sich jetzt auf hochdotierten Posten im Landtag oder Ruhestand sonnen statt die Verantwortung zu übernehmen und die jetzt aus meiner Sicht echt engagierte Führungsmannschaft im Ministerium den Scherbenhaufen aufräumen darf. Leider geht es um unsere Kinder und damit die Zukunft unseres Landes!

  5. Evelin Nachtwei vor 9 Monaten

    Sachsen fehlen die Lehrer! Seit Jahren weist man darauf hin, das die Altersstruktur in sächsischen Lehrerzimmern nicht mehr stimmt (Durchschnitt 50 und höher?). Diese Zahlen dürften eigentlich bekannt sein. Man hat jedoch nichts unternommen, um dies zu ändern. Die Einstellung junger Lehrer hier in Sachsen steht und fällt mit den Bedingungen ( Gehalt, Verbeamtung). Wenn andere Bundesländer verbeamten, darf man sich nicht wundern, dass sich für Sachsen keiner interessiert. Und was ist mit den „alten“ Bestandslehrern? Man hat diese Gruppe bei den letzten Tarifverhandlungen kaum bzw gar nicht beachtet. Die so genannte Erfahrungsstufe 6 ist ein Hohn für all die Lehrkräfte , die sich noch einmal beurteilen lassen mussten, um in E 13 zu kommen. Jetzt hat man wieder eine Wartefrist von 5 Jahren zu erfüllen. Ich bin seit 1980 im
    Schuldienst und habe einen Uniabschluss und werde immer noch, wie viele andere Lehrer, als Lehrer 2. Klasse geführt. Der Vorschlag der SPD in der heutigen Presse zu lesen ist vollkommen Nonsens. Wer soll die „Sächsische Sonderprämie“ erhalten, nach welchen Kriterien und wer legt dies fest?. Ich mache der SPD einen anderen Vorschlag. Zahlen Sie uns Bestandslehrern, die die sächsische Bildung aufrecht erhalten haben, einen Teil des verlorengegangenen Lohnes als Prämie und erhöhen Sie die Gehälter auf Beamtenniveau. Vielleicht überlegt sich dann der eine oder andere Kollege länger als 63 zu arbeiten.

  6. Thomas Baukhage vor 9 Monaten

    Eine Verbeamtung, noch dazu auf Zeit und Facheinsatz beschränkt, halte ich für unnötig bis unverantwortlich. Für junge Leute ist eine Verbeamtung eher sekundär (siehe Beitrag weiter unten) – was sie erwarten, ist ein (Netto-)Gehalt, was den Vergleich mit anderen Bundesländern standhält! Die angestrebte Verbeamtung kostet unseren Freistaat mehr als 240Mill Euro allein an Nachzahlung in den Pensionsfond, wird in den Lehrerzimmern für Lehrer erster und letzter Klasse sorgen und tausende Beitragszahler den Sozialkassen entziehen. Eine Verbeamtung erfordert umfangreiche Änderungen in den Beamten- und Besoldungsgesetzen und im Haushaltgesetz des Freistaats. Diese Gesetze werden aber weder vom Ministerpräsidenten, noch vom Kultus- oder vom Finanzminister, sondern noch allemal vom Parlament gemacht. Wann soll dieser Prozess dann abgeschlossen sein? Die Hütte brennt JETZT lichterloh! Warum nutzt die Landesregierung nicht sofort(!) wenigstens die Möglichkeit des §16 Abs.5 TV-L?

    • Autor
      Bianca Schulz - SMK vor 9 Monaten

      Sehr geehrter Herr Baukhage,
      vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Die sächsische Staatsregierung nutzt bereits seit mehreren Jahren intensiv tarifliche Personalgewinnungsinstrumente wie z. B. die Vorweggewährung von Entgeltstufen nach § 16 Absatz 5 TV-L.
      Festzuhalten ist allerdings, dass auch diese verbesserten Einstellungsangebote auf dem bundesweiten Lehrerarbeitsmarkt kaum nachgefragt werden. Als entscheidendes Kriterium für die Wahl des Arbeitsplatzes und künftigen Arbeitgebers bzw. Dienstherrn wird von vielen pädagogischen Nachwuchskräfte immer wieder die Möglichkeit einer Übernahme ins Beamtenverhältnis genannt.

      Beste Grüße
      Bianca Schulz

  7. R.Heinze vor 9 Monaten

    Kann mir mal jemand logisch erklären, warum ein Abschluß Bachelor-Lehramt (2 Fächer) der TU Dresden zur Bewerbung nicht zugelassen wird , weder direkt noch als Seiteneinsteiger? Angesichts der Probleme eigentlich ein Unding! Das sind immerhin 9 Semester Hochschulstudium! Die TU Dresden scheint für ein Lehramtsstudium offensichtlich völlig ungeeignet. Wozu wird dann ein Bachelor-Lehramt überhaupt angeboten?

    • Autor
      Bianca Schulz - SMK vor 9 Monaten

      Hallo Herr Heinze,
      vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Die Thematik ist sehr vielschichtig und nicht in der Absolutheit darstellbar. In jedem Fall erhalten Sie ganz individuelle Beratung in dem für Sie zuständigen Standort des Landesamtes für Schule und Bildung (https://www.lasub.smk.sachsen.de). Die Kollegen können in jedem Einzelfall prüfen, welcher Weg Ihnen anhand Ihrer Qualifikation offen steht.
      Etwas verwundert sind wir dennoch über Ihre 9-Semester im (Korrigiert 06.03.2018 / 13:56) Bachelorstudium Lehramt – das wurde an der TU Dresden, unserer Kenntnis nach, nie angeboten. Seit 2012 bieten jedoch alle sächsischen Hochschulen nur noch Lehramtsstudiengänge mit staatlichem Abschluss an.

      Beste Grüße
      Bianca Schulz

    • Verwirrt vor 9 Monaten

      Hallo,
      ich würde mich mal in die Diskussion einklinken und mich verwirren beide Kommentare: Ein Semester an einer deutschen Universität dauert ein halbes Jahr (nicht einen Monat, liebe Frau Schulz). Und lieber Herr Heinze: Wer für den Bachelor 4,5 Jahre braucht (in der Zeit haben viele dann immerhin ihren Master in der Tasche, der Einstellungsvoraussetzung ist), ist auch sicherlich ungeeignet für einen stressigen Job im Schuldienst. Ich bitte um qualitativ hochwertige Kommentare.

    • Autor
      Bianca Schulz - SMK vor 9 Monaten

      Hallo,
      Sie haben natürlich recht, vielen Dank für den Hinweis! Ich habe es transparent korrigiert.

      Beste Grüße
      Bianca Schulz

  8. Herr Lehmann vor 9 Monaten

    Ich hoffe nur, dass schnell eine Verbeamtung und eine Absenkung der Wochenunterrichtstunden auf NRW Niveau (20 statt 26 minus 1 Klassenlehrerstunde) stattfindet. Sonst können wir nicht konkurrieren und die Eltern müssen ihre Kinder bald selbst unterrichten.

  9. Müller, Irmgard vor 9 Monaten

    „Ein ernüchterndes Ergebnis“ ist es für die Schülerschaft des sächsischen Freistaates auf jeden Fall. Das heißt, es kommt nicht mehr nur auf die Herkunft an, wenn es sich um Bildungserfolg handelt, sondern vielmehr noch, an welcher Schule das Lesen und Schreiben gelernt wird, vielleicht hat das Kind Glück und es gibt einen Seiteneinsteiger oder Pech und es lernt an einer Schule mit 70% Seiteneinsteigern. Das „Gejammer“ in der heutigen SZ von wegen kaum freien Wochenenden und Ferien kann man als ausgebildeter Lehrer kaum ertragen. Es gibt viele, die vier oder fünf Jahre Universitätsstudium auf sich genommen haben und ein, einhalb oder zwei Jahre Referendariat. Selbst danach konnte man auch Ferien und Wochenenden nicht immer frei halten. Das ist als Lehrkraft nun mal so. Es handelt sich, dazu müsste man sich eben vorher auch mit dem Beruf intensiv beschäftigen, um keinen Job von morgens bis mittags und viel frei in den Ferien. Wie kann es heutzutage überhaupt noch Seiteneinsteiger geben, die meinen, glücklich mit ihrer jetzigen Arbeit zu sein??? Vor fünf, sechs Jahren gab es bereits die Erkenntnis, dass Sachsen die Lehrerschaft ausgeht. Hätte man sich nicht gleich dafür entscheiden können, wenn es jetzt (plötzlich) der Traumberuf ist? Die Argumente, die Seiteneinsteiger in meiner Einrichtung bemühen, sind meistenteils die familienfreundlichen Arbeitszeiten, die Ferien, das Gehalt und die sofortige unbefristete Einstellung. Dafür musste ich damals als grundständig Ausgebildete kämpfen. Wenn der Freistaat nach Lösungen sucht, wie kann ein ausgebildeter Gymnasiallehrer ein Angebot an einer Oberschule ablehnen. Es handelt sich hier um entwicklungsmäßig fast das Klientel, für welches er ausgebildet wurde. Der Freistaat hat diese Ausbildung bezahlt und finanziert u.U. wiederum die Arbeitslosigkeit. Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Und es stellt sich die Frage, was ist das für ein Mensch (Lehrer), der es ablehnt, mit diesen Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Ich finde das hochgradig diskriminierend, zumal es jetzt sogar das gleiche Entgeld gibt.
    Außerdem sollte man überlegen, besser mit dem Wissenschaftsministerium zusammenzuarbeiten und nachzuforschen, warum so viele ihr Lehramtsstudium abbrechen. So viele, die sich bewusst entschlossen haben auf Lehramt zu studieren. Die Studenten interessiert kaum, ob sie später verbeamtet werden, vielmehr, ob sie das Studium schaffen. Und wie die Geschichte zeigt, sind die Träger der spitzenmäßigen Pisaergebnisse der Vergangenheit in Sachsen durchaus Lehrkräfte gewesen, die, besonders an Grundschulen, eine Ausbildung an Pädagogischen Hochschulen erfahren durften (Viele haben nicht einmal Abitur und werden jetzt als „ungelöste Problemfälle“ beschrieben.). Man mag nicht darüber nachdenken, was besonders an Grundschulen geschehen würde, wenn diese sich nicht so rührend um Seiteneinsteiger kümmern würden. Außerdem stellt sich für Studierende die Frage, wenn jetzt alle freien Stellen mit Seiteneinsteigern besetzt werden, hat man in fünf Jahren überhaupt die Chance, in Sachsen eingestellt zu werden? Und wird mich eine erfahrene, grundständig ausgebildete Lehrkraft durch das Referendariat begleiten? Bei allen Überlegungen und Engpässen muss daran gedacht werden, dass derzeit zu besetzende Stellen, die an Seiteneinsteiger ausgereicht werden, nicht durch ausgebildete Lehrer besetzt werden können, unter Umständen für mindestens 20 Jahre. Hier tun mir die Kinder leid, denn eins muss dem Kultus- und dem Wissenschaftsministerium klar sein. Diese Strategie negiert eindeutig den Sinn einer grundständigen Lehrerausbildung. Wenn’s auch so geht, wozu sich die Mühe machen, jedes Semester Prüfungen zu schreiben, dann ein erstes Staatsexamen und nach einem Referendariat ein zweites abzulegen? Fragen Sie mal bei Abiturienten nach, da kursiert schon die Einstellung,dass man erstmal irgendwas studieren will und wenn’s nicht klappt, Seiteneinsteiger geht immer.
    Mir geht es dabei nicht um mich – ich leide mit den Kindern mit, deren Zukunft durch diese Vorgehensweise bestimmt wird. Und schon muss ich mich revidieren, es geht auch um mich, da diese Kinder die Zukunft des Freistaates sein werden. Dessen sollte man sich bewusst sein.
    Anmerkung: Es gibt durchaus auch Seiteneinsteiger, die es irgendwie verpasst haben, sich im Lehrerberuf ausbilden zu lassen, die vielleicht auch den NC (manchmal nahe am Medizinstudiums-NC) nicht geschafft haben und eine super Arbeit leisten. Diese sollten das Ganze nur zur Kenntnis nehmen. An meiner Einrichtung ist es genau eine Person von Fünfen.

  10. Herrmann vor 9 Monaten

    Es hilft nur: Erleichterungen für langjährige und gestandene Lehrer schaffen.Ich kenne niemanden,der nur einen Tag länger arbeiten wird.Von den Schwierigkeiten des Schulalltages und deren Bewältigung redet zurzeit niemand.Schulfremde,die z.B. ein Projekt gestalten,sagen ganz oft,dass sie heute kein Lehrer sein möchten.Mehr muss man zur Situation wohl nicht mehr sagen.Wir haben inzwischen März,wann kommen endlich die versprochenen Lösungsmöglichkeiten,ist die Absprache zwischen Parteien und Lehrervertretern erfolgt?

    • Autor
      Bianca Schulz - SMK vor 9 Monaten

      Sehr geehrte Frau Herrmann,
      vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Das „Lehrer“-Konzept“ soll ausdrücklich nicht nur zur Lehrergewinnung beitragen, sondern auch langjährigen Lehrern Entlastungen schaffen. Dem Staatsminister ist sehr bewusst, was die Lehrkräfte tagtäglich leisten.
      Der im Januar vorgelegte Entwurf befindet sich noch immer in der Abstimmung. Ich hoffe, dass man sich in der nächsten, spätestens übernächsten Woche auf ein Konzept einigen kann.

      Viele Grüße
      Bianca Schulz

  11. Jens Berger vor 9 Monaten

    Nun denn, bei fast 100% Seiteneinstergern im Bereich Bautzen an den Oberschulen ist doch langsam klar, dass sofort etwas passieren muss. Was gedenkt das SMK konkret und zeitnah umzusetzen ohne nur darüber zu beraten und mit den betroffenen zu reden und festzustellen, dass ein riesiges Problem besteht? Wie sieht die Strategie aus die Verbeamtung durchzusetzen?

    • Autor
      Bianca Schulz - SMK vor 9 Monaten

      Sehr geehrter Herr Berger,
      ich kann Ihre Ausführungen sehr gut verstehen. Bereits im Januar haben der Kultusminister und der Finanzminister ein umfangreiches Paket zur Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufes in Sachsen vereinbart. Dazu gehört unter anderem die Verbeamtung und vieles mehr. Leider konnte bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Einigung mit dem Koalitionspartner erzielt werden. Aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt und ich hoffe, dass in der nächsten, spätestens übernächsten Woche ein abgestimmtes Konzept vorgestellt werden kann.

      Beste Grüße
      Bianca Schulz

  12. Carsten vor 9 Monaten

    Was die Pressemeldung und die angeschlossenen Grafiken verschweigen bzw. außer Acht lassen: Die Zahl der schulartfremd eingestellten Kollegen.
    Vielleicht sollte dies auch veröffentlicht werden. Denn wir alle wissen, dass auch diese Kollegen (vor einem Unterrichtseinsatz in einem streng gegliederten Schulsystem) erst qualifiziert werden müssen.

    • Autor
      Bianca Schulz - SMK vor 9 Monaten

      Hallo Carsten,
      vielen Dank für Ihre Nachfrage.
      Die Anzahl der schulfremd eingestellten Lehrer ist natürlich kein Geheimnis. Kurz zusammengefasst für ganz Sachsen wurden im Einstellungsverfahren zum Februar 2018 mit Stand vom 26.2.2018 an den Grundschulen 5 VZÄ; an den Oberschulen 18,8 VZÄ; an den Berufsbildenden Schulen 4 VZÄ und an der allgemeinbildenden Förderschule 1 VZÄ ausgebildete Gymnasiallehrer eingestellt.
      Schulartfremd eingesetzte Lehrer verfügen als grundständig ausgebildete Lehrkräfte über das pädagogische Rüstzeug und müssen nicht vor einem Unterrichtseinsatz qualifiziert werden – wenngleich sich die Lehrerinnen und Lehrer natürlich zusätzlich vorbereiten. Fortbildungen werden daneben an den unterschiedlichen Standorten durchaus angeboten.

      Beste Grüße,
      Bianca Schulz

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