Inklusive Beschulung: Erfolg oft abhängig vom Unterricht

Inklusive Beschulung: Erfolg oft abhängig vom Unterricht

Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Katrin Liebers (Universität Leipzig) zur Auswertung des Schulversuchs ERINA zur inklusiven Beschulung an sächsischen Schulen. 

Erstmals zum Schuljahr 2018/19 können Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf (spF) Lernen oder geistige Entwicklung an Oberschulen angemeldet werden. Viele Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf wünschen sich, dass ihre Kinder in einer „ganz normalen“ Oberschule weiterlernen. Andere Eltern fragen sich, ob ihre Kinder ohne spF im lernzieldifferenten Unterricht noch ausreichend lernen können.

Diese und viele andere Fragen wurden von der wissenschaftlichen Begleitung im Schulversuch ERINA untersucht. Am Ende der Klassenstufen 5 bis 8 wurden die Leistungen in den inklusiven Klassen mit bundesweit normierten Tests für Schulleistungen in Deutsch und Mathematik, zur Motivation und sozialen Integration geprüft und mit Oberschulklassen ohne Inklusion verglichen.

Es zeigte sich, dass die Lese-, Rechtschreib- und Mathematikleistungen aller Klassen im vergleichbaren Bereich mit anderen Schulen lagen. Die inklusiv arbeitenden Klassen lernten über die vier Jahre zumeist vergleichbar viel und zuweilen sogar etwas mehr hinzu. Vier von fünf inklusiv unterrichteten Schülern mit spF Lernen konnten im Schulversuch einen Hauptschulabschluss erwerben.

Wie gut der Unterricht insgesamt von den einzelnen Lehrkräften gestaltet wird, ist für die Schülerleistungen dabei wichtiger, als ob eine Klasse inklusiv oder nicht inklusiv unterrichtet wird. Problematisch kann es werden, wenn ausschließlich Hauptschüler und Schüler mit Lernproblemen, also viele schwache Lerner, in einer Klasse zusammen lernen, denn dann sinkt das Anstrengungs- und Leistungsniveau.

Die 13 Schüler mit spF geistige Entwicklung machten schulisch ebenfalls Fortschritte. Jedoch erwies sich ihre soziale Integration in den Klassenstufen 7 und 8 als nicht immer einfach. Im Einzelfall erfolgte der Wechsel auf eine Förderschule.

Für jeden Schüler sollten Eltern und Schule deshalb sehr genau prüfen, welche Bedingungen für ein erfolgreiches Lernen benötigt und wie diese geschaffen werden können.

Veröffentlichungen zur Erprobung von Ansätzen zur inklusiven Beschulung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Modellregionen:

Informationen zum Schulversuch und den Modellregionen:

 

Zur Autorin:

Prof. Dr. Katrin Liebers ist Inhaberin der Professur „Schulpädagogik des Primarbereichs“ an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig. Prof. Dr. Liebers leitete die wissenschaftliche Begleitung des Schulversuchs „Erprobung von Ansätzen zur inklusiven Beschulung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Modellregionen“ in Sachsen (ERINA).

Bianca Schulz, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

0 Kommentare

Eine Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*