Ministerin fordert Lehrer zu Arbeit gegen Rechtsextremismus auf

Ministerin fordert Lehrer zu Arbeit gegen Rechtsextremismus auf

Das Problem Rechtsextremismus ist heute aktueller denn je. Da Schulen immer auch ein Spiegelbild der Gesellschaft sind, zeigen sich rechtsextreme und fremdenfeindliche Gesinnungen natürlich auch dort, wenn auch in abgemilderter Form. Kultusministerin Brunhild Kurth fordert deshalb im folgenden Beitrag alle Lehrer auf, sich dem Thema zu stellen und offensiv mit den Schülern zu sprechen. 

Unterstützen soll die Lehrer dabei ein neues Modellprojekt von Robert Bosch Stiftung, Kultusministerium und TU Dresden.

„Wann immer ich Schulen besuche, an denen Flüchtlingskinder lernen, erlebe ich eine beispielgebende Willkommenskultur. Es ist schön zu erfahren, wie engagiert Schüler und Lehrer ihre neuen und fremden Mitschüler aufnehmen. Doch natürlich gibt es auch Schüler, die sich gegenüber rechtsextremen Gedankengut offen zeigen. Sie sind eine Minderheit, aber sie sind da. Ich sehe deshalb zwei wesentliche Aufgaben für uns:

1. Demokratieerziehung muss den gleichen Stellenwert besitzen wie zum Beispiel das Kernfach Mathematik.

2. Demokratische Bildung darf sich nicht auf ein Unterrichtsfach beschränken. Es kann und muss in vielen Fächern eine Rolle spielen. Noch viel wichtiger ist gelebte demokratische Kultur an den Schulen.

Lehrer sollen aktuelle politische Diskussionen im Unterricht aufgreifen

Ich ermuntere deshalb alle Lehrerinnen und Lehrer aktuelle politische Diskussionen in den Unterricht einzubinden. Nichts macht den Unterricht anschaulicher, als die Verknüpfung mit dem ‚echten‘ Leben außerhalb von Schule. Allen Lehrerinnen und Lehrern, die das bereits tun, möchte ich ausdrücklich danken und den Rücken stärken. Ich weiß, dass es außerordentlich schwer ist, sich politisch heiklen, emotional aufgeladenen und komplexen Themen wie Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus zu stellen. Wer vor einer Klasse steht, muss gut vorbereitet argumentieren können und über pädagogische Handlungsstrategien verfügen, um mit rechtsextrem orientierten Schülern umgehen zu können.

Pilotprojekt zu Auseinandersetzung mit Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus an berufsbildenden Schulen

An den berufsbildenden Schulen zeigen die Schüler häufiger Affinitäten zu rechtsextremen Positionen. Für Berufsschullehrer ist der Umgang damit eine besondere Herausforderung, da sie vor allem berufsfachlich ausgebildet sind. Wir wollen deshalb die Lehrer für den Umgang mit fremdenfeindlichen und antidemokratischen Einstellungen von Schülern qualifizieren und begleiten. Dafür starten wir jetzt gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung und der TU Dresden das Pilotprojekt „Starke Lehrer – starke Schüler“.  Lehrer sind die entscheidenden Akteure für eine demokratische Schul- und Unterrichtskultur. Wir wollen sie stärken. Unser Ziel, nämlich die bewusste Auseinandersetzung mit Fremdenfeindlichkeit und antidemokratischen Einstellungen, ist ehrgeizig. Deshalb ist die Teilnahme am Projekt freiwillig. Bisher beteiligen sich neun Schulen. Wir möchten, dass alle Methoden und Ansätze, die im Pilotprojekt erfolgreich sind, diesen Schulen auch nach Projektende erhalten bleiben. Und natürlich sollen die Ergebnisse auch auf andere Lernorte übertragen werden. Ich wünsche mir sehr, dass dieses Projekt von Erfolg sein wird.“

Brunhild Kurth

Sächsische Kultusministerin

 

Details zum Projekt können Sie in unserer Medieninformation vom 13.November 2015 nachlesen:

Robert Bosch Stiftung und Sächsisches Kultusministerium starten Modellprojekt gegen Rechtsextremismus an Berufsschulen

Manja Kelch, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

11 Kommentare

  1. andrea koch 1 Jahr vor

    wenn demokratie von der regierung nicht vorgelebt wird, wie sollen schueler sie dann begreifen ? deutschland ist keine wirkliche demokratie wie grossbritannien und wird es auch nie werden. die demokratie wurde den westdeutschen nach 1945 aus dem angelsaechsischen raum erklaert, verstanden haben viele ihr wesen nicht.

  2. Oliver 1 Jahr vor

    Warum sollen immer die Lehrer alle Schüler indoktrinieren müssen.
    Zu demokratie gehört ein differenziertes Meinungsbild zu aktzeptieren.
    Wenn Lehrer schon an den SChulen Staatlich verordnet indoktrinieren, dann erinnert das stark an die DDR.

    Wenn Extremimus egal welcher Colour auftaucht, dann zeigt das oft Misstände auf, die schon über Längere ZEiträume ausgeblended werden, man denke dabei nur an den Erfolg von Trump oder Orban.

    Ich denke sie verkennen das PRoblem, wenn sie glauben, nur durch Indioktrination würden die PRobleme aus der Welt geschaffen, Religion ist Heilbar und mehr als eine Ideologische Religion haben sie nicht zu bieten.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 1 Jahr vor

      Anti-Demokratische Einstellungen oder Fremdenfeindlichkeit gehören überhaupt nicht zur Demokratie und sind auch nicht zu akzeptieren. Und wenn solche oder in anderer Weise diskriminierende Äußerungen von Schülern kommen, sind Lehrer/innen gefragt, dem entgegenzutreten.

  3. Peter v. Wolffersdorff 2 Jahren vor

    Sehr geehrte Frau Kurth,
    kann es sein, dass der Freistaat Sachsen den Kampf gegen Rassismus längst verlor? Bereits 1991 lautete das Signal in Hoyerswerda: Rassisten aller Schichten vereinigt Euch und übt Gewalt in allen seinen Facetten aus (physisch, psychisch, medial), dann werden Migranten den Ort verlassen. Heute, rd. 24 Jahre später hat sich die Situation in Sachsen nicht etwa aufgrund einer massiven Bildungsoffensive in puncto Politik, Geschichte (vor allem Deutsche Geschichte) und Gesellschaftsdiskurs verbessert, sondern aufgrund des Fehlens eben jener Offensive dramatisiert. Und verschweigen wir nicht, dass ein nicht unwesentlicher Teil der staatlichen Stellen, z.B. in der Polizei, im Verfassungsschutz, in der Justiz, in den Stadtverwaltungen, in den Landratsämtern und – ja auch – in den Schulen diesen seit 1990 erkennbar grassierenden Rassismus stillschweigend trägt. Es ist chique geworden, gegen Migranten zu hetzen. Ernsthafte Sanktionen braucht niemand zu befürchten. Wie wäre es, wenn ein Pegida-Hassprediger vor laufender Kamera verhaftet und am folgenden Tag zu einer 12-Monatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung wg. Volksverhetzung verurteilt würde? Wie wäre es, wenn jede Schule verpflichtet würde, eine Anti-Rassismus-Erklärung abzugeben, mindestens 1 x monatlich ein Sportfest mit Flüchtlingskindern zu organisieren, 1 x vierteljährlich eine Altkleidersammlung durchzuführen, Patenschaften für Deutschkurse z.G. Migrantenkindern zu übernehmen u.s.w. Der Phantasie zu gut nachbarschaftlichen Beziehungen bräuchten keine Grenzen gesetzt zu werden. Ich fürchte indes, dass Sachsen den Kampf gegen Rassismus bereits 1991 auf Dauer verlor – obgleich viele Bürger altruistisch nahezu unerkannt bis an die Grenzen des Belastbaren Flüchtlingshilfe leisten.

    Mit freundlichem Gruß
    Peter v. Wolffersdorff

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Sehr geehrter Herr v. Wolffersdorf,
      dazu ein Auszug aus einem Interview mit Kultusministerin Brunhild Kurth in der taz: „Wichtig ist der jungen Generation, das junge Pflänzchen Demokratie immer wieder nahe zu bringen, damit sie es verinnerlicht. Wenn etwas oktroyiert wird, nimmt das vor allem eine junge Generation so nicht ab.“ Hier der Link zum kompletten Interview: http://www.taz.de/Sachsens-Kultusministerin-über-„Pegida“/!5023879/

      Freundliche Grüße

  4. Dietmar Claus 2 Jahren vor

    Werte Fr. Kelch,
    danke für Ihre Antwort. Leider spiegelt sie die derzeitige Situation in Deutschland aber auch speziell in Sachsen wider.
    Verantwortlich und zuständig sind die Anderen .
    Meine “ recht unkonkrete Behauptung und Medienkritik “ erschliest sich Ihnen sicherlich bei einem Blick in eine beliebige Programmzeitschrift bei ZDF Info. Sie können dabei Ihre eigenen Schlußfolgerungen ziehen.
    D.Claus

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Sehr geehrter Herr Claus, von Schuldzuweisungen bin ich weit entfernt. Da Sie das Uni-Thema ansprachen, sollte es nur ein Tipp sein.
      Freundliche Grüße
      Manja Kelch

  5. Dietmar Claus 2 Jahren vor

    Sehr geehrte Frau Kurth,
    mit Interesse und Zustimmung habe ich Ihre Forderung an die Lehrer zu Arbeit gegen Rechtsextremismus gelesen.
    Das ist sicher eine gute Möglichkeit die deutlich steigenden und allerorts sichbaren rechtsextremen Aktivitäten entgegenzutreten.
    Der Erfolg derartiger Bemühungen hängt natürlich auch wesentlich von weiteren Aktivitäten ab.
    Wo bleibt eine deutliche und spürbare Reaktion auf den Auftritt von Heiko Hessenkemper – AfD-Kreisrat und Professor der TU Bergakademie der Sächsischen Staatsregierung. Diese Leute werden aus Steuermitteln sicher gut bezahlt und können auf Kosten der Gesellschaft ihre Gedanken verbreiten.
    Was nützt die engegierte Arbeit von Lehrern an den Schulen wenn die Schüler nach der Schule dann das Programm von ZDF Info sehen.
    Hier findet in regelmäßigen Abständen Bildungsfernsehen für die alten und neuen Rechten finanziert aus Steuermitteln aber vorallem mit den Beiträgen der GEZ statt.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Sehr geehrter Herr Claus, vielen Dank für Ihren Zuspruch! Schulen sind immer Spiegelbild der Gesellschaft und Schüler bringen ihre Ansichten aus Freundeskreis oder Elternhaus mit. Deshalb ist es so enorm wichtig, dass Lehrer/innen aktuelle politische Diskussionen in den Unterricht einbeziehen. Zu den Vorkommnissen in Freiberg, die Sie schildern, könnten Sie sich bei Bedarf an das Ministerium für Wissenschaft und Kunst wenden. Es ist für die Hochschulen zuständig. Zu Ihrem letzten Punkt: Ihre recht unkonkrete Behauptung und Medienkritik kann ich nicht nachvollziehen.
      Freundliche Grüße
      Manja Kelch

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  1. […] wird auch der Vorschlag, die Ergebnisse aus dem Modellprojekt „Starke Lehrer – starke Schüler“ möglichst flächendeckend an allen berufsbildenden Schulen einzusetzen. Das Projekt wendet […]

  2. […] wichtiger ist gelebte demokratische Kultur an den Schulen“, betonte sie  beim Start des Modellprojekts gegen Rechtsextremismus an Berufsschulen. Die Ministerin ermunterte alle Lehrerinnen und Lehrer dazu, aktuelle politische Diskussionen in […]

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