Flüchtlingskinder: Ministerin warnt vor Stimmungsmache

Flüchtlingskinder: Ministerin warnt vor Stimmungsmache

Kultusministerin Brunhild Kurth warnte heute davor, sächsische Schüler gegen die Flüchtlingskinder auszuspielen. „Niemand bestreitet, dass die hohe Zahl an Schutzsuchenden auch die Schulen vor eine Herausforderung stellt, die es so noch nicht gegeben hat. Ich warne jedoch vor Hysterie. Verbale Brandstifter spalten das Land. Mit Stimmungsmache schaffen wir Probleme, statt sie zu lösen.“

Die Ministerin ließ keinen Zweifel daran, dass Sachsen die Herausforderungen im schulischen Bereich bewältigen wird: „Wir wollen und können die Integration von Flüchtlingskindern meistern.“

Zahl der Flüchtlingskinder an Schulen deutlich gestiegen 

Die Ministerin gab heute auch die aktuellen Zahlen der Flüchtlinge an den Schulen bekannt. So ist die Zahl der Schüler in Vorbereitungsklassen von 3.751 zu Schuljahresbeginn auf aktuell rund 5.000 gestiegen. Die Zahl der Vorbereitungsklassen hat sich von 290 auf rund 340 an etwa 200 Schulen erhöht.  Derzeit sieht es so aus, dass am Ende des Kalenderjahres rund 28.000 Schüler mit Migrationshintergrund in den Schulen lernen werden. In den Vorbereitungsklassen werden dann über 5.300 Schüler sein. Dazu erwarten wir rund 1.500 so genannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Sachsen ist gut vorbereitet

Der Bildungsbereich hatte 14 Millionen Euro aus dem Asylpaket der sächsischen Staatsregierung erhalten. Damit konnten die Lehrerstellen für Flüchtlingskinder gegenüber dem vorangegangenen Schuljahr auf 632 Stellen fast verdoppelt werden. Kultusministerin Kurth machte zudem deutlich, dass weitere Lehrer eingestellt werden müssten. „Jedem ist klar, dass wir noch zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer für den Unterricht von Flüchtlingskindern benötigen. Die schulische Integration von Flüchtlingskindern gibt es nicht zum Nulltarif“, so Kurth. Außerdem werden die Ausbildungskapazitäten für Deutsch als Zweitsprache-Lehrer weiter ausgebaut (Genaueres dazu im Beitrag DaZ-Lehrer dringend gesucht!).

Infopaket für alle Schulen

Zum Schulstart hatten die Schulen mit Vorbereitungsklassen ein Infopaket für die schulische Integration „Mit sprachlicher Kompetenz zum Schulerfolg“ – erhalten. Jetzt werden alle Schulen das Starterpaket bekommen, also auch die, die bislang keine Vorbereitungsklassen haben. In dem Infopaket sind alle Regelungen, Beschlüsse und Lehrpläne enthalten, die Lehrer für die Arbeit und den Unterricht mit Flüchtlingskindern benötigen. Auch die freien Schulen bekommen das theoretische Rüstzeug für die Arbeit mit Flüchtlingskindern.

Verwaltung muss jetzt flexibel sein

Die steigende Zahl von Asylbewerbern und Flüchtlingen in den letzten Monaten hat das Schulsystem bisher gut bewältigt. Aber natürlich kommen weitere Herausforderungen: „In dieser Situation müssen wir flexibel auf die sich ständig ändernden Bedingungen reagieren. Und schon gar nicht dürfen wir den Fehler machen, an unser Verwaltungshandeln dieselben Maßstäbe zu setzen, wie in normalen Zeiten. Das würde der Lage nicht gerecht werden“, so Brunhild Kurth. Jetzt seien Sachlichkeit, ein gewisses Maß an Gelassenheit und vor allem Flexibilität das Gebot der Stunde. „Wir sollten akzeptieren, dass die Ausnahmesituation für eine lange Zeit Normalzustand sein wird“, so Kurth.

Jetzt auch Vorbereitungsklassen an Gymnasien

Wenn in nächster Zeit Raumprobleme an Oberschulen auftreten, können künftig auch Vorbereitungsklassen an Gymnasien eingerichtet werden. „Damit erweitern wir nicht nur die räumlichen Kapazitäten, sondern eröffnen auch eine zusätzliche Personalressource. Denn an den Gymnasien gibt es natürlich auch Lehrer mit einer DaZ-Ausbildung. Ob die Kinder nach ausreichendem Spracherwerb am Gymnasium verbleiben, wird auf Grundlage einer Bildungsempfehlung wie bei jedem anderen Schüler auch entschieden“, so die Kultusministerin.

Freie Schulen möchten auch Flüchtlingskinder aufnehmen

Einige Träger von freien Schulen haben angeboten, ebenfalls Flüchtlinge aufzunehmen. Die Ministerin bedankte sich für dieses Angebot sehr herzlich. „Nach einem Gespräch mit den Spitzenvertretern der freien Schulträger haben wir in dieser Woche alle freien Schulen über die Rahmenbedingungen informiert. Wer als freier Schulträger Flüchtlingskinder aufnehmen und unterrichten möchte, kann dies tun. Die sächsische Bildungsagentur steht mit Rat und Tat zu Seite.“ Für den Unterricht von Flüchtlingskindern bekommen die freien Schulen die für die jeweilige Schulart üblichen staatlichen Zuschüsse pro Schüler.

Manja Kelch, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

5 Kommentare

  1. Gustav Hansen 2 Jahren vor

    Ist es nicht scheinheilig, wenn die Bundesregierung einerseits nichts gegen Flüchtlingsursachen unternimmt- im Gegenteil- diese immer wieder durch Unterstützung von Despoten und Waffenlieferungen fördert und anderseits sich „stoisch entsetzt“ zeigt über all die unschönen Begleiterscheinungen beim Flüchtlingsthema und obendrein die Städte und Gemeinden viel zu lange im Regen stehen lässt?

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Sorry, dass es länger mit einer Antwort gedauert hat, ich war unsicher, was ich Ihnen hier antworten kann. Es ist ja eine moralische Frage, die Sie stellen. Fachlich kann ich Sie mit Ihnen nicht diskutieren und meine persönliche Meinung wäre hier fehl am Platz.

  2. Kohl, Jeannette 2 Jahren vor

    Sie haben recht, Hysterie ist fehl am Platz. Aber Euphorie auch!
    Das dies eine schwierige Aufgabe für alle wird, ist mir bewusst. Ich frage mich nur, wie Sie zu der Behauptung kommen Sachsen wäre gut vorbereitet. Die Zustände die jetzt schon an den Schulen herrschen, sind schwer zu ertragen. Vielleicht gibt es ja Schulen die ausreichen Lehrer haben. An unsere Schule nicht. Der Schulalltag unserer Kinder wird geprägt durch Unterrichtsausfall, Stundenkürzung in der Stundentafel und überlastete Lehrer. Es ist unseren Lehrern zum jetzigen Zeitpunkt schon nicht möglich, den §1 des Schulgesetzes des Freistaates Sachsen umzusetzen. Wie soll es dann erst werden wenn Flüchtlingskinder integriert werden müssen. Der Spagat den die Lehrer dann leisten müssen, macht mir Kopfzerbrechen. Wenn wir dies als Normalzustand akzeptieren, verprellen wir nicht nur unsere Lehrer. Nein, wir akzeptieren eine schlechte Ausbildung unserer Kinder. Und dabei kann ich Sie Frau Kurth nicht unterstützen.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Niemand spricht von Euphorie. Wir alle wissen, dass es keine leichte Aufgabe ist und wird. Natürlich wird nicht alles reibungslos laufen, das ist bei dieser Herausforderung, die wir so noch nie hatten, aber auch völlig normal. Das Kultusministerium und die Bildungsagenturen tun alles, was in ihrer Macht steht, um noch mehr Lehrer zu gewinnen, einerseits für den Regelunterricht sowie für DaZ. Das ist nicht leicht, der Arbeitsmarkt ist leer. Aber mit einer Negativ-Einstellung erreichen wir gar nichts. Wir müssen diese außergewöhnliche Situation jetzt alle meistern. Es ist unsere Pflicht, jedem Kind Bildung zu ermöglichen.

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  1. […] sich bislang die meisten Blog-Beiträge um das Thema Flüchtlinge und Schule. So wird von einer Pressekonferenz zum Thema Asyl und Schule und einem Besuch der Kultusministerin in einer DaZ-Schule berichtet; es finden sich aber […]

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