Schüler an Fachoberschulen werden entlastet

Schüler an Fachoberschulen werden entlastet

Nachdem bereits die Unterrichtsbelastung für die kommenden Elftklässler an den Gymnasien und Beruflichen Gymnasien gesenkt wurde, gibt es auch für die Fachoberschüler in Sachsen bald Entlastung. Für die Fachoberschulen ist erstmals nach 19 Jahren die Schulordnung und die Stundentafel überarbeitet worden. Damit wird auch die bisher hohe Unterrichtsbelastung gesenkt. In allen fünf Fachrichtungen haben die neuen Elftklässler bzw. die Zwölftklässler der 12L ab nächstem Schuljahr 32 Unterrichtsstunden wöchentlich. Bisher lag die Zahl je nach Fachrichtung bei 31 bis 37 Unterrichsstunden und damit über den Anforderungen der Kultusministerkonferenz. Außerdem ist die Berufs- und Studienorientierung in enger Zusammenarbeit mit den Kammern IHK und HWK verbessert worden. Insgesamt 20 Lehrpläne wurden neu geschrieben oder überarbeitet. Die wesentlichen Änderungen in der neuen Fachoberschulordnung gibt es hier schon einmal im Überblick.

Neue Fachrichtungen

  • Gesundheit und Soziales (bisher Sozialwesen)
  • Agrarwirtschaft, Bio- und Umwelttechnologie (bisher Agrarwirtschaft)
  • Gestaltung
  • Technik
  • Wirtschaft und Verwaltung

Änderungen in den Stundentafeln

Die Schüler des einjährigen Bildungsganges erhalten mit der Angleichung an die Stundentafel des zweijährigen Bildungsganges die Möglichkeit, in die Klasse 12 integriert zu werden.

Das Fach Mathematik wird nicht mehr unterschieden in Mathematik/technisch und Mathematik/nichttechnisch. Es wird einen Lehrplan für alle Fachrichtungen geben. Das Fach Sozialkunde wird integriert in das neue Fach Geschichte/Gemeinschaftskunde.

Es kommt als neues Fach Musik oder Kunst oder Literatur hinzu. Bei den Naturwissenschaften wird Physik oder Biologie oder Chemie angeboten.

Die jeweiligen fachrichtungsbezogenen Prüfungsfächer sind Volks- und Betriebswirtschaftslehre mit Rechnungswesen, Angewandte Physik, Gesundheitsförderung und soziale Arbeit, Künstlerisch-ästhetische Praxis sowie Agrarbiologie. Damit erfolgt ein deutlicher Bezug zwischen Fachrichtung und Prüfungsfach sowie eine Betonung der Fachrichtungen.

Stärkung der Berufsorientierung

Das Praktikum findet ausschließlich in der fachrichtungsbezogenen Branche statt und außerhalb der Schule. Ein Praktikumsplan legt auf Grundlage des Lehrplans für den fachpraktischen Teil der Ausbildung die Inhalte fest. Den Turnus Praktikum und Schule legt jede Schule nach den Spezifika der Fachrichtung eigenverantwortlich fest.

Leichterer Zugang auf die Fachoberschule

Aufnahmevoraussetzung für den einjährigen Bildungsgang ist jetzt eine dreijährige Berufstätigkeit in einem Beruf, der für die Fachrichtung förderlich ist. Bisher waren fünf Jahre Voraussetzung.

Wer einen Berufsabschluss, der für die Fachrichtung förderlich ist, vorweisen kann, benötigt keine dreijährige Berufstätigkeit. Der Berufsabschluss muss nach Bundes- oder Landesrecht mit mindestens zweijähriger Ausbildungsdauer erworben worden sein. Diese Regelung gab es auch schon in der vorherigen Fachoberschulordnung.

Mehr Leistungsnachweise möglich

Die Schüler können jetzt auch Projektarbeiten, Hausaufgaben, Dokumentationen, Kurzberichte und Präsentationen als Leistungsnachweise einbringen. Außerdem schreiben sie am Ende der 11. Klasse im fachrichtungsbezogenen Fach statt einer Klassenarbeit eine schriftliche Vergleichsarbeit mit zentraler Aufgabenstellung des Kultusministeriums. Dies hat eine orientierende Funktion für die Schüler.

Notenausgleich, Notenbildung und Prüfung

Thema und Note der Facharbeit werden ab jetzt gesondert im Zeugnis der Fachhochschulreife ausgewiesen. Bei der Versetzung von Klasse 11 in Klasse 12 ist jetzt ein Notenausgleich möglich. So können Noten für Englisch, Deutsch, Mathematik und ein fachrichtungsbezogenes Fach ausgeglichen werden: Note 5 kann einmal mit Note 2; in allen anderen Fächern kann Note 5 einmal mit Note 2 ausgeglichen werden. Die Vornote wird aus der Jahresnote gebildet. Für die Zulassung zur Prüfung gilt ebenso der Notenausgleich.

Bei einem Durchschnitt aus der Vornote und der Prüfungsnote von n,5 können die Schüler zusätzliche mündliche Prüfungen in den Fächern Deutsch, Mathe und im fachrichtungsbezogenen Fach beantragen. Damit ist auch eine Verbesserung möglich.

Die Prüfung ist bestanden, wenn in keinem Fach die Note 6 erreicht wurde. Die Note 5 kann ausgeglichen werden.

Neu ist auch, dass die Schüler zum Halbjahr Halbjahreszeugnisse erhalten. Bisher gab es Halbjahresinformationen.

Am Ende der Klasse 11 und am Ende der Klasse 12 werden jeweils Jahresnoten gebildet. Die Durchschnittsnote wird aus allen Fächern außer Sport gebildet.

Nachprüfungen und Wiederholungen

Nach der neuen Schulordnung ist im Krankheitsfall nun ein Nachprüftermin innerhalb des Schuljahres möglich. Die Wiederholung der Abschlussprüfung setzt jetzt die Wiederholung der Klassenstufe voraus. Das bedeutet, es ist keine kurze Wiederholung oder Dezembernachprüfung mehr möglich. Neu ist weiterhin, dass der Klassenleiter über Vorliegen eines wichtigen Grundes für das Versäumnis eines Leistungsnachweises entscheidet. Er kann bei wiederholt krankheitsbedingten Fehlzeiten zum Nachweis der Erkrankung die Vorlage eines ärztlichen Attestes anfordern.

Die Fachoberschule im sächsischen Schulsystem

An der Fachoberschule können Schüler die Fachhochschulreife ablegen. Damit ist sie ein wichtiger Anschluss nach dem mittleren Bildungsabschluss an der Oberschule. Derzeit lernen an dieser Schulart 5.844 Schüler. Die Fachhochschulreife kann unter Berücksichtigung spezifischer Lebens- und Berufserfahrung in zwei Schuljahren (Klassenstufen 11 und 12) oder in einem Schuljahr (Klassenstufe 12L) erworben werden. An der zweijährigen Fachoberschule gibt es einen hohen Praxisbezug. Damit erlangen die Schüler nicht nur ihre Studienqualifizierung, sondern erhalten auch Orientierung für die Berufsfindung bzw. Wahl des Studiums an einer Fachhochschule, einer Berufsakademie oder in einer dualen Ausbildung.

Eine Besonderheit der Fachoberschule ist auch, dass für die Aufnahme keine Altersbeschränkung existiert. Die Fachoberschule eröffnet somit einem großen Kreis von Jugendlichen und Erwachsenen die Chance, sich für ein Fachhochschulstudium zu qualifizieren.

Überblick der Änderungen im Schema

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Manja Kelch, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

10 Kommentare

  1. Baumgarten 5 Tagen vor

    Guten Tag,
    ich habe eine Frage zur Facharbeit. Muss diese in dem profilgebenden Fach geschrieben werden oder können Schüler sich das Fach aussuchen?
    Problematisch wäre dann der extreme Anstieg der zu korrigierenden Facharbeten für die Lehrer, die das fachrichtungsbezogene Fach unterrichten, vor allem wenn diese Lehrer auch noch Praktikumsarbeiten und Belegarbeiten aus dem BGy im vergleichbaren Zeitraum korrigieren müssen…
    Mfg

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 3 Tagen vor

      Hallo,

      die Facharbeit ist in der Klassenstufe 12 in einem Fach zu erstellen. Der Schüler hat sich dabei auf der Grundlage der im Unterricht erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten unter Einbeziehung fachpraktischer Ausbildungsinhalte oder seiner vorhandenen Berufserfahrung mit einem fachrichtungsbezogenen Thema auseinanderzusetzen. Das heißt, dass die Facharbeit in unterschiedlichen Fächern geschrieben werden kann, aber mit einem fachrichtungsbezogenen Thema. Das vom Schüler gewählte Thema der Facharbeit ist vom jeweiligen Fachlehrer zu bestätigen.

      Viele Grüße

  2. Kerstin Stybalczek 7 Tagen vor

    Hallo Herr Reelfs,

    wir sind seit letzter Woche auf der Suche nach einer geeigneten Fachoberschule für unseren Sohn. Die Fachrichtung sollte natürlich seinen Erwartungen und Wünschen entsprechen. Wir haben bei mehreren freien Trägern in Leipzig angefragt. Kein Träger hat die neuen Stundentafeln! Und wie sollen sich denn Eltern und Schüler entscheiden können? Finden Sie nicht auch, dass eine Veröffentlichung eher geschehen sollte?

    Mit freundlichen Grüßen
    Kerstin Stybalczek

    • Dirk Reelfs - SMK 6 Tagen vor

      Hallo Frau Stybalczek,
      hinsichtlich der Schulwahl empfehle ich Ihnen gemeinsam mit Ihrem Sohn ein Beratungsgespräch in der Sächsischen Bildungsagentur, Regionalstelle Leipzig. Entscheidend für die Schulwahl dürften weniger die Stundentafeln sein, die sich ohnehin nicht wesentlich ändern. Dessen ungeachtet genießen freie Träger größere Freiheiten bei der Gestaltung der Stundentafeln. Viel entscheidender sind die Fachrichtungen. Aber auch die bleiben weitestgehend bestehen – wenn man von zwei kleineren Umbenennungen absieht:
      ❙ Gesundheit und Soziales (bisher Sozialwesen)
      ❙ Agrarwirtschaft, Bio- und Umwelttechnologie (bisher Agrarwirtschaft)
      ❙ Gestaltung
      ❙ Technik
      ❙ Wirtschaft und Verwaltung

      Mit freundlichen Grüßen
      Dirk Reelfs

  3. Vater 1 Woche vor

    Hallo lieber Pressesprecher, ich glaube, es wäre sicher wichtig, an dieser Stelle noch einmal zu betonen, das die Verringerung des Unterrichtsumfanges in Gymnasien und jetzt auch Berufsschulen nichts, aber auch gar nichts, mit dem Mangel und Lehrern in Sachsen zu tun hat. Man könnte meinen, hier einen Zusammenhang konstruieren zu können.

    • Dirk Reelfs - SMK 1 Woche vor

      Hallo lieber Vater,
      diesen Zusammenhang herzustellen, gelingt Ihnen immer wieder außerordentlich gut, wie wir Ihren treuen Kommentaren entnehmen können. Doch glauben Sie mir, uns im Kultusministerium fällt es zunehmend schwerer, zu vermitteln, warum unsere sächsischen Schüler deutlich mehr leisten müssen als andere. Lange hatten wir gehofft, andere Bundesländer würden auch ’ne Schippe drauf packen. Aber das haben wir uns nun abgeschminkt.
      Herzliche Grüße vom
      lieben Pressesprecher

    • Vater 1 Woche vor

      Hallo, ich nochmal. Habe ich recht verstanden: nur weil die anderen Bundesländer (Bildungsangelegenheiten werden einzig und allein im eigenen Land entschieden) nicht „eine Schippe draufpacken“, nehmen wir von unserer Schippe was runter? Damit ist dann wieder das Gleichgewicht hergestellt? Formal natürlich völlig richtig. Erstaunlich nur, das wir uns nur bei ausgesuchten Punkten an den anderen Bundesländern orientieren. Warum nicht auch bei … sagen wir mal dem Beamtenstatus oder der Klassengröße, der Artenvielfalt von Schulformen und so weiter. Und „abgeschminkt“ klingt bischen nach Resignation. Nicht schön in Ihrer Position.

    • Dirk Reelfs - SMK 7 Tagen vor

      Mit der Ironie ist es manchmal schwierig. Nicht jeder versteht sie.

  4. Reinsberger 1 Woche vor

    Guten Tag,
    wo findet man die neuen Lehrpläne und Stundentafeln?

    Mit freundlichen Grüßen
    Lothar Reinsberger

    • Dirk Reelfs - SMK 1 Woche vor

      Sehr geehrter Herr Reinsberger,
      vielen Dank für Ihre Anfrage. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Stundentafeln, Schulordnung und Lehrpläne noch nicht veröffentlicht worden. Die Schulordnung wird voraussichtlich Ende März im Gesetz- und Verordnungsblatt erscheinen, Stundentafeln und Lehrpläne werden bis Schuljahresende veröffentlicht. Die Fachoberschulen wurden allerdings bereits über die Änderungen und neuen Stundentafeln informiert.
      Mit freundlichen Grüßen
      Dirk Reelfs

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