Mehr politische Bildung an den Oberschulen

Mehr politische Bildung an den Oberschulen

Sachsens Schüler sollen sich intensiver mit Politik und Gesellschaft auseinandersetzen. An den Oberschulen wird deshalb die Wahlmöglichkeit für Geschichte oder Geographie in der 10. Klasse gestrichen. Die Änderung gehört zu einem Maßnahmenkatalog, den das Sächsische Kabinett  im März beschlossen hat, um die Demokratiebildung in Sachsen zu stärken. Schon ab dem kommendem Schuljahr 2016/ 17 wird dies umgesetzt. Doch der Wegfall der Wahlmöglichkeit kann nicht ohne weitere Auswirkungen auf die Stundentafel bleiben.

Schüler beim wettbewerb "Jugend debattiert" 2016 im Sächsischen Landtag

Schüler beim Wettbewerb „Jugend debattiert“ 2016 im Sächsischen Landtag

Mehr Raum für aktuelle Diskussionen

Die Schüler erhalten künftig mehr Raum, um sich mit gesellschaftlichen Aspekten auseinanderzusetzen. Damit gibt es auch mehr Zeit für aktuelle Diskussionen im Unterricht. Junge Menschen sollen so verstärkt grundlegende Kompetenzen erwerben, um sich aktiv an politischen, gesellschaftlichen und rechtlichen Prozessen zu beteiligen.  Außerdem entwickeln Kultus- und Justizministerium ein Konzept, wie demokratische, politische und rechtliche Prozesse noch besser in den Unterricht einbezogen werden können. Am Konzept beteiligen sich auch die Sächsische Bildungsagentur und die Sächsische Rechtsanwaltschaft. Es wird mit Beginn des Schuljahres 2016/17 zur Verfügung stehen.

 

Vertiefungskurse werden für mehr Gesellschaftswissenschaften gestrichen

Das Streichen der Wahlmöglichkeit zwischen Geographie und Geschichte muss jedoch Konsequenzen haben. Sobald die Schüler nicht mehr zwischen den beiden Fächern wählen können, hätten sie in der Abschlussklasse theoretisch zwei Wochenstunden mehr im Stundenplan stehen als bisher. Um diese Belastung auszugleichen, werden die Vertiefungskurse der 10. Klassen ab dem kommendem Schuljahr 2016/17 abgeschafft. Damit entfällt auch Komplexarbeit, die die Schüler bisher im Vertiefungskurs erbringen mussten. Die Vertiefungskurse im Wahlpflichtbereich wurden mit drei Wochenstunden unterrichtet. Die Schüler  konnten dabei entweder Wirtschaft oder Technik oder Kunst und Kultur oder Gesundheit und Soziales wählen.

Ein Teil der Schüler darf weiter wählen

Es gibt aber auch einige Schüler, die weiter zwischen Geographie und Geschichte wählen dürfen. Das sind Schüler mit abschlussorientierter zweiter Fremdsprache, Schüler an Oberschulen mit vertiefter sportlicher Ausbildung und Schüler an der Palucca-Oberschule. Hintergrund ist hier, dass diese aufgrund der höheren Belastung bisher schon keine Vertiefungskurse besucht haben. Die überwiegende Zahl dieser Schüler wird weiter lernen und später auch das Abitur erwerben. An den weiterführenden Schulen wie Gymnasium und berufliches Gymnasium belegen sie dann generell bis zum Abschluss das Fach Geschichte und setzen sich so intensiv mit gesellschaftlichen Prozessen auseinander.

Manja Kelch, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

116 Kommentare

  1. Peter 1 Jahr vor

    Natürlich wird mit der Einstellung der Vertiefungskurse die aufbauende Weiterführung, Spezialisierung und
    Konkretisierung von WTH ohne Rücksicht auf die Folgen und Auswirkungen für die spätere Ausbildungsfähigkeit und Berufstätigkeit der zukünftigen sächsischen Realschüler abgeschafft. Die größere Zahl von Schülern an der Oberschule sind REALSCHÜLER, mit der Klassenstufe 9 und den zur Ausbildung wechselnden Hauptschülern setzt einfach nur die endlich mögliche Differenzierung und Spezialisierung im Fachbereich ein. Die fachlichen Inhalte, Möglichkeiten und praktischen Tätigkeiten in diesem einen Jahr unter Einbeziehung der in dieser Zeit angefertigten Komplexarbeit haben die positive Entwicklung der einzelnen Schüler stärker und intensiver beeinflusst, als alle Jahre zuvor. Hier setzte zum richtigen Zeitpunkt das richtige Programm ein. Die Fachlehrer wünschten sich sogar im Sinne der Hauptschüler schon immer Vertiefungskurse in Klasse 9 und 10. Welche Schulpraktiker und Experten sollen so eine Entscheidung zur Abschaffung ruhigen Gewissens unterstützt haben? Hier wird nicht eine Nachmittags-AG oder ein Ganztagsangebot eingestellt, hier wird ein tragender Teil der sächsischen Oberschule im letzten Jahr Ihrer Schullaufbahn für alle sächsischen Realschüler beerdigt! Das Schuljahr, welches den Betroffenen einen nahtlosen Übergang zur Berufsausbildung möglich machen soll! Wir haben in diesem Land einen akuten Fachkräftemangel, der nötige Nachwuchs in diesem Bereich kommt nicht vom Gymnasium. Schulische Bildung hat die Vorrausetzungen für das wirtschaftliche Überleben, Gedeihen und den Gesamtfortschritt eines Landes abzusichern. Abgesehen vom Vergraulen der derzeitigen Studenten im Fach WTH, werden auch die Leistungen aller langjährigen Fachlehrer im Profilbereich und den anschließenden Vertiefungskursen beim Aufbau und Ausbau dieser Angebote über einen Zeitraum von 14 Jahren in die Bedeutungslosigkeit verabschiedet. Es sind nach Umfrageergebnissen die bei den Schülern beliebtesten Fächer, wegen ihrer Lebensnähe und dem Praxisbezug. Mühsam aufgebaute langjährige Kontakte zur Industrie und zum Handwerk, zu Institutionen und Behörden speziell zugeschnitten auf die Anforderungen der Vertiefungskurse und die anschließende Berufsausbildung mit beiderseitigen Nutzen werden ohne wirkliche Notwendigkeit beendet. Eine dringliche Bitte an alle Verantwortlichen und Entscheidungsträger: Größe und Weitblick kann man auch mit dem nochmaligen Überdenken und Überarbeiten und von sehr weitreichenden Entscheidungen zeigen……
    Die Anzahl der Blogeinträge zur hier diskutierten Problematik in Relation zu allen anderen Themenbereichen spricht eigentlich auch eine sehr deutliche Sprache, für Beschwichtigungen ist das Thema zu ernst und zu wichtig.

  2. Lehmann 1 Jahr vor

    Liebes Ministerium, und liebe Interessierte,
    die sächsische Presse hat noch Verstand und Recherchefähigkeit. Meines Erachtens ein sehr gut recherchierter Artikel. Schön zu lesen, dass also die sächsische Lehrerbildung Ihrem bundesweit guten Ruf scheinbar gerecht wird. Kein Wunder, wenn sich die Absolventen/-innen dann attrative und wertschätzende Arbeitgeber suchen, die die lebensweltliche Bildung aufstocken und zukunftsfähige wirtschaftlich stärkende Bildung fördern. Das ist leider nicht in diesem Bundesland der Fall….
    Das SMK wird, wenn es schlau ist, endlich auf die berechtigte Kritik reagieren und sich nicht ängstlich abtauchen. Bitte ein richtiges Signal an Fachkräftestärkung und das Recht auf Mündigkeit von zufriedenen Bürgen. Frau Kelch, wann nimmt man endlich die sehr sachlich geführte ratgebende Kritik auf und zeigt sich von einer nachhaltig denkenden Art? Die Institutionen und Bürger/innen aus der Mitte der sächsischen Gesellschaft haben doch nun langsam genug Rat gegeben und warten auf adäquates Handeln…Nach dem Artikel zu urteilen, scheint der Ball nun auf Ihrer Seite. Hier nur eine black-box zu schaffen, wo der „Wutbürger“ sich auslassen darf aber dann wieder schön lieb und still sein soll, ist doch nicht Ihr Ansinnen. Was passiert mit den Kriterien.?

    http://www.sz-online.de/sachsen/studenten-bangen-um-ihr-unterrichtsfach-3414701.html
    Lehmann

    • Dirk Reelfs - SMK 1 Jahr vor

      Sehr geehrte/r Frau/Herr Lehmann,
      die SZ-Redakteurin gehört in der Tat zu den Besten ihrer Zunft. Doch allen Leserinnen und Lesern unseres Blog sei gesagt. Niemand muss um das Unterrichtsfach WTH in der Oberschule bangen. Niemand unter den Studierenden muss sich um eine künftige Anstellung als WTH-Lehrer/in sorgen. WTH ist und bleibt ein Kernfach für die Schulart Mittelschule/Oberschule. Lehrerinnen und Lehrer werden für dieses Unterrichtsfach gebraucht. Bei der Entscheidung, die Vertiefungskurse (nicht WTH) in der 10. Klassenstufe zu streichen, geht es keinesfalls darum, den Lehrerbedarf zu senken. Es geht einzig und allein darum, die Unterrichtsbelastung für die Schülerinnen und Schüler nicht wachsen zu lassen. Dieses ist wäre aber der Fall, wenn für das kommende Schuljahr die Abwahlmöglichkeit von Geschichte oder Geographie gestrichen wird.
      Beste Grüße
      Dirk Reelfs

    • Grit 1 Jahr vor

      Nun betrachte man die derzeitige Stundentafel. Die Klassen 8/9 haben in der Woche 34/35 Stunden.
      Die Klassen 10 derzeit 31 Stunden. Nun werden drei Stunden VK zu Gunsten zwei Stunden GEO/GE gestrichen. Das macht 30 Stunden pro Woche. Selbst bei Fortführung der VK und GE und GEO wären wir bei 33 Stunden pro Woche. Das Argument, die Schüler sollen nicht mehr belastet werden, ist für mich fragwürdig und zu simpel. Da hätte ich schon gern mal die Argumente der Entscheider gehört. Sehr geehrter Herr Reelfs, waren Sie bei der Entscheidung dabei? Ich möchte es gern verstehen und das kann ich nur mit ein paar mehr Fakten.

  3. Peter 1 Jahr vor

    Der Leipziger Bundestagsabgeordnete Thomas Feist (CDU) hat eine sehr interessante Rede im Zusammenhang
    mit der hier diskutierten Problematik gehalten. Das Thema lautet: „Ohne Bildung keine Fachkräfte“ und die daraus
    abgeleiteten Forderungen verlangen nach einer breiteren und umfassenderen Berufsorientierung und Ausbildung
    in allen dafür denkbaren Bereichen.

  4. Peter 1 Jahr vor

    Sehr geehrte Frau Kelch,
    der Link zum Lehrerbedarf für das Fach WTH in den nächsten Jahren führt leider zur einer nicht funktionierenden Seite mit einer Fehlermeldung. Könnten Sie bitte im Interesse der Teilnehmer am Blog eine Beseitigung des Problems auslösen?
    Danke!

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 1 Jahr vor

      Also der Link stimmt zwar, funktioniert bei mir aber auch nicht. Bitte alternativ mal auf http://www.lehrerbildung.sachsen.de/lehrerwerden.htm gehen. Rechts gibt es das Papier zum download unter der Überschrift „Entwicklung des Lehrerbedarfs in Sachsen“.

    • Claudia 1 Jahr vor

      Leider stehen auch hier keine KONKRETEN Zahlen drin. Wie viele WTH-LehrerInnen von der Uni kommen werden, wurde ja bereits Dank der Studierenden in etwa geklärt… Aber wie viele WTH_LehrerInnen gehen im kommenden Schuljahr in Ruhestand oder fallen anderweitig aus? Wieviele werden benötigt? Wie viele hätte das Land benötigt, wenn die Vertiefung weiter unterrichtet worden wäre?

    • Anne Lochschmidt 1 Jahr vor

      Sehr geehrte Frau Kelch,
      es ist sehr schade, dass Sie auf aufgeworfene Fragen nicht mehr antworten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dem SMK solche Statistiken nicht vorliegen. Das lässt nur einen Schluss zu: Keine Antwort ist auch eine Antwort.

    • Dirk Reelfs - SMK 1 Jahr vor

      Sehr geehrte Userin,
      wegen personeller Engpässe hat die Moderation im Blog leider gelitten. Das bitte ich zu entschuldigen. Alle User, die statistischen Angaben zum Bedarf nach WTH-Lehrkräften wünschen, muss ich leider enttäuschen. Eine Analyse der über 32000 Personen umfassenden Datenbank kostet Zeit und Personalaufwand. Das können wir uns nicht leisten. Sollte hinter Frage die Vermutung stecken, dass wir die Vertiefungskurse streichen, um den Lehrerbedarf zu senken, trete ich dem gern und deutlich entgegen. Die Streichung der Vertiefungskurse (nicht WTH-Unterrichtsfach) verfolgt einzig und allein das Ziel, die Unterrichtsbelastung der Schülerinnen und Schüler nicht wachsen zu lassen. Denn die Oberschüler müssen ab dem kommenden Schuljahr Geschichte und Geographie belegen und können eines von diesen Fächern nicht mehr abwählen. Noch eines sei gesagt: WTH ist und bleibt ein Kernfach in der Mittelschule/Oberschule. Lehrkräfte für dieses Fach werden auch künftig dringend gebraucht.
      Beste Grüße
      Dirk Reelfs

    • Dirk Reelfs - SMK 1 Jahr vor

      Sehr geehrte Claudia,
      leider kann ich Ihnen mit den gewünschten Angaben nicht dienen. Die Entscheidung, die Vertiefungskurse zu streichen, wurde zwar im Vorfeld intensiv mit Schulpraktikern und Experten diskutiert, aber eine Analyse der Altersstruktur der WTH-Lehrkräfte, um daraus die Abgänge und Bedarfe abzuleiten, wurde nicht durchgeführt. Musste auch nicht. Denn es ging einzig und allein um die Frage, auf was man eventuell verzichten könnte, wenn man die Abwahlmöglichkeit von Geschichte oder Geographie in der 10. Klassenstufe streicht. Eines war nämlich auch klar: Die Unterrichtsbelastung der Schülerinnen und Schüler sollte dadurch nicht steigen. Dass der Wegfall der Vertiefungskurse auf Kritik stößt, ist verständlich. Jeder würde so reagieren, ginge es um sein Unterrichtsfach. Deshalb sei auch an dieser Stelle gesagt, WTH ist und bleibt ein Kernfach der Mittelschule/Oberschule.
      Beste Grüße
      Dirk Reelfs

  5. Rolf 1 Jahr vor

    Weniger WTH-Unterricht könnte für ein paar Lernende schon ausreichend sein, um den teils ohnehin schweren Einstieg in die Berufswelt noch zu verkomplizieren. Die meisten die hier diskutieren haben nur eine geringe Vorstellung, welcher gesellschaftlichen Ingnoranz sich Menschen mit einem geringen Einkommen tagtäglich stellen müssen. Leider sieht so die Zukunft vieler Schülerinnen und Schüler aus. Ihnen ein weiteres Stück der zu vermittelnden Handlungskompetenz zu entziehen, ist schlicht gesagt sehr unvernünftig. Ich engagiere mich seit längerem an Schulen und ehrenamtlich für Migranten. Eine Veränderung des Verhaltens der Lernenden gegenüber Migranten kann meiner Meinung nach im schulischen Rahmen nur durch eine bessere Berufsorientierung/Kompetenzerwerb (führen teils zu besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt) und damit dem persönlichen Lebensglück der Lernenden sowie umfassenden Projekten und direkten Begegnungen mit Geflüchteten/Migranten (in alle Fächern möglich) geschehen. Persönliche Anmerkung: Abschließend sei gesagt, dass den in Sachsen stark ausgeprägten rechten Tendenzen in ALLEN Gesellschaftsschichten nicht durch ein paar Geschichts- und Geostunden und vielen teils unmotivierten/unengagierten Lehramtsanwärtern und arbeitenden Leherinnen und Lehrern entgegengewirkt werden kann (eigene Erfahrung & und eventuell nicht repräsentativ für die breite Masse). Ich werde ebenfalls das Bundesland verlassen. Der mangelnden Wertschätzung des Berufes werdet ihr Lieben Studenten übrigens überall (außer in Japan oder Norwegen) ausgesetzt sein. VG Student/in der Fächer Geo & WTH

    • Diana 1 Jahr vor

      Bei mir als Mutter eines betroffenen Kindes hat sich durch diese überstürzte und unüberlegte Maßnahme des Kultusministeriums, der Vertrauensverlust in die Politik des Landes Sachsen noch weiter gestärkt.
      Diese Maßnahme hat damit bereits bei mir und weiteren zahlreichen Betroffenen Ihr Ziel der politischen Bildung erreicht, allerdings im negativen Sinne.

      Auch mein Kind wollte das Fach Geschichte abwählen, da bedingt durch die Lehrkraft in diesem Fach keine politische Bildung stattfindet, sondern sich auf das reine Bulimielernen von Fakten beschränkt.
      Die politische Bildung erfolgt an dieser Schule durch andere engagierte Lehrkräfte in den Fächern Ethik und GK.

      Da mein Kind direkt betroffen ist, stehen wir aber auch vor einem rechtlichen Problem.
      Die rechtliche Grundlage die VwV Stundentafeln wurde noch nicht geändert und
      der Landesbildungsrat wurde entgegen des Schulgesetzes nicht angehört.
      Wie soll das Fach Geschichte schon ab kommenden August wieder verbindlich werden, wenn die rechtlichen Grundlagen fehlen bzw. die Änderung an einem rechtlichen Mangel leidet, wenn die Anhörung des Landesbildungsrates unterblieben ist.
      Die Noten auf dem Abschlusszeugnis stellen einen Verwaltungsakt dar, welcher vor dem Verwaltungsgericht angefochten werden kann. Eltern könnten bei Bedarf die Geschichtsnote anfechten, da dass Fach Geschichte mangels rechtlicher Grundlagen nicht hätte erteilt werden dürfen.

      Ebenfalls noch nicht rechtlich geregelt ist, weshalb Schüler mit einer zweiten abschlussorientierten Fremdsprache das Fach weiterhin abwählen dürfen.
      Trifft das nur auf Schüler zu, welche die abschlussorientierte Fremdsprache in der Oberschule lernen oder auch auf Schüler, welche die Fremdsprache auf dem zweiten Bildungsweg lernen.
      Es gibt Oberschüler, welche z.B. regelmäßig auf der Volkshochschule in Verbindung mit dem Besuch von Auslandsschulen abschlussorientiert Fremdsprachen lernen. Die Abschlüsse bilden international anerkannte Sprachzertifikate, welche den Abschlüssen an staatlichen Schulen gleichgestellt sind.

      Diese „indirekten“ Schüler zum Erwerb einer zweiten Fremdsprache wären nach dem Grundgesetz und der Sächsischen Verfassung den „ direkten“ Schülern gleichzustellen.

      Wo können diese Schüler den Antrag stellen, um vom Fach Geschichte in der 10 . Klasse befreit zu werden? Welche rechtliche Regelung mit welchen Antragsfristen ist hier geplant?

      Derzeit gilt rechtlich noch die alte VwV Stundentafeln, nach der eine Abwahl des Faches Geschichte möglich ist. Betroffene Schüler können mangels Rechtsgrundlage oben erwähnten Antrag derzeit noch nicht stellen.
      Wann genau tritt die neue rechtliche Regelung in Kraft, damit Betroffene noch rechtzeitig vor Beginn des neuen Schuljahres entsprechende Anträge, Widersprüche bzw. Klagen einreichen können?

      Wenn Betroffene durch eine rechtliche Änderung von Vorschriften direkt in ihren Grundrechten verletzt werden, kann auch direkt gegen die neue Vorschrift vor dem Verfassungsgericht Klage erhoben werden.

      Es würde niemanden schaden, wenn diese Regelung nochmals unter Beteiligung aller Betroffenen in Ruhe durchdacht würde und auf das Schuljahr 2017/18 verschoben würde.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 1 Jahr vor

      Hallo Diana, die Schulen wurden in einem Schulleiterbrief im Mai 2016 vom SMK über die Änderungen informiert. Dies bildet die Handlungsgrundlage für die Planung des neuen Schuljahres für die Schulen.
      Die rechtlichen Grundlagen wie bspw. die Änderung der Schulordnung Mittelschulen und Abendmittelschulen sowie die Stundentafel Mittelschule sind in Erarbeitung und werden ab dem 01.08.2016 in Kraft treten.
      Ebenfalls geändert werden die VwV Zeugnisformulare und die VwV Klassenarbeiten. Diese rechtlichen Grundlagen werden auch für die lernzielgleich unterrichtenden Förderschulen geändert.
      Schüler mit einer abschlussorientierten zweiten Fremdsprache können weiterhin wählen zwischen Geschichte und Geographie. Dies gilt nicht für Schüler, die außerhalb des Unterrichts und der Schule an Sprachkursen wie z.B. an der Volkshochschule teilnehmen.

    • Diana 1 Jahr vor

      Hallo Frau Kelch,

      Vielen Dank für die Auskünfte.

      Steht es nicht im Widerspruch zum Recht auf individuelle Förderung, wenn die
      „indirekten“ Sprachschüler gegenüber den „direkten“ Sprachschüler benachteiligt werden.
      Zahlreiche Schüler haben das Problem, dass bei einem notwendigen Wechsel der Schulen, die bisherige Zweitsprache an der neuen Schule nicht mehr angeboten wird. Um trotzdem entsprechende Abschlüsse zu erreichen, bleibt deshalb nur der Weg über den regelmäßigen Besuch von Volkshochschulen etc.
      Wäre es nicht ein Zeichen von gelebter Demokratie, auch für diese Schüler eine gleichwertige Regelung zu finden ?
      ———–
      Die Vertiefungskurse zu Lasten des Faches Geschichte abzuschaffen, stößt bei vielen Betroffenen oder Beteiligten auf absolutes Unverständnis.
      Weshalb hat sich das Kultusministerium eigentlich gegen die schon existierende Regelung entschieden? Gleichzeitig Geo und Geschichte unterrichten, dafür Kunst und Musik in der 10. Klasse komplett abschaffen.
      Die Festlegung, dass Kunst und Musik für einen Realschulabschluss in Sachsen nicht notwendig sind, existiert doch schon seit Jahren. An den Abendoberschulen wird in der 10. Klasse seit Jahren so unterrichtet. (Anlage 5 VwV Stundentafeln)

      Weshalb werden die Regelungen der Oberschule und der Abendoberschule nicht einfach angeglichen? Mit dem neuen Schulgesetz wird jeder Schüler die Möglichkeit haben, nach der 9. Klasse zu entscheiden, ob er die 10 . Klasse an der Oberschule oder Abendoberschule absolviert.
      ( Änderungspunkt 18 zu § 14 SchulG – Besuch der Abendschule nach Erfüllung der Vollzeitpflicht; 9 Jahre; in Verbindung mit § 28 SchulG)

      Wieso werden die zu erwerbenden Fachkompetenzen in den Fächern Musik und Kunst von Kultusministerium höher bewertet, als die berufsvorbereitenden Kompetenzen in den Vertiefungskursen?

      Zitate aus den Lehrplänen

      Ziel im Fach Kunst der 10 . Klasse:
      Sie gewinnen Einsichten in die Mechanismen des Kunstmarktes im Spannungsfeld von Zeitgeist, Geschmack, Rolle der Medien und Konsumverhalten der Menschen.

      Ziel im Fach Musik der 10. Klasse:
      Bei der Ausführung verschiedener Tänze wiederholen und festigen sie ihr Repertoire an Bewegungsbausteinen und tänzerischen Elementen.

      Das Maßnahmenpaket des Kabinetts zielt grundsätzlich darauf ab, die politische Bildung und damit das Demokratieverständnis zu stärken.
      Eine Umsetzung mit den bisherigen undemokratisch anmutenden Mitteln durch das Kultusministerium erscheint mir hier kontraproduktiv.
      Demokratie bedeutet die Meinungen und Erfahrungen aller Beteiligten und Betroffenen bei den neuen gesetzlichen Regelungen angemessen zu würdigen und umzusetzen.

      Bis jetzt zeichnet Sachsen in dieser Angelegenheit öffentlich wieder ein sehr trauriges Bild:
      Symbolisch für mehr Demokratie auf dem Papier sorgen, unter Nutzung undemokratischer Mittel; zum Nachteil von Oberschulen, Schülern und Lehrern.

  6. Jana Haupt-Balcer 1 Jahr vor

    Ich bin Lehrerin an einer Oberschule und unterrichte dort die Fächer Wth, Gk, TC und auch bis jetzt den VK „Gesundheit und Soziales“. Als ich vor einigen Wochen hörte, dass der VK in der Klasse 10 abgeschafft wird, zu Gunsten mehr politischer Bildung in Geschichte, war ich traurig. Auf der einen Seite begrüße ich mehr politische Bildung, sehe hier jedoch eher Chancen in der 7. oder 8. Klasse mit zusätzlichen Stunden in Gk. In diesem Alter kann und muss man zunehmend mit politischer Bildung bei den Schülern ansetzen. Sorry, aber in der Klasse 10 sind viele Einstellungen schon sehr verfestigt, da kann man noch darüber diskutieren, aber kaum noch einwirken. Als Gk Lehrer würde ich hier zusätzlichen Gk Unterricht in Klasse 7 und 8 für viel geeigneter halten. Dafür könnte man die Stunden für Neigungskurs kürzen. Als ausgebildeter Berufsschullehrer an der Oberschule halte ich gerade Wth und VK für besonders wichtig, denn ich habe erfahren, dass genau die Kompetenzen, welche wir an den Berufsschulen manchmal sehr vermisst haben, hier gefördert werden. Wir haben in kleinen Gruppen an Projekten gearbeitet und in der Facharbeit haben sich die Schüler selbständig und interessenbezogen vertieft in ein Thema eingearbeitet. Präsentationsmethoden konnten genau so geübt werden, wie wissenschaftliche Dokumentation und Erarbeitung, und das alles auch noch an einem Thema, was sich die Schüler selbst gewählt haben. Auch die wichtigen Außenkontakte in der Berufswelt konnten gepflegt und geübt werden. Sind das nicht die Fähigkeiten und Kompetenzen, welche die Ausbildungsbetriebe so oft bei ihren Bewerbern vermissen? Ich finde es sehr Schade, dass wir Lehrer zu dieser Entscheidung überhaupt nicht befragt wurden. Ich war nun in der misslichen Lage als Klassenlehrer einer 9. Klasse den Eltern mitteilen zu müssen, dass ihre getroffene Wahl hinfällig sei. Das stieß auf sehr viel Unverständnis bei den Jugendlichen und Eltern. Meinen Hauptschüler konnte ich dafür leider kaum das Fach Gk nahe bringen, da sie eigentlich nur ein halbes Jahr dafür Zeit hatten. Und gerade für diese Schüler wäre mehr politische Information und Diskussion sehr gewinnbringend. Ich finde, die Intention der Entscheidung ist gut, aber die Umsetzung geht am Ziel vorbei und beeinträchtigt andere Zielsetzungen in der Oberschule. Wer auch immer die Entscheidung getroffen hat, die Basis an den Schulen wurde dabei nicht befragt, denn dann wäre man vielleicht zu anderen Lösungen gekommen.

  7. Ferdinand Lorenz 1 Jahr vor

    Sehr geehrte Frau Kelch,
    schon in meiner damaligen Zeit an der Mittelschule/Oberschule zählte das Fach WTH sowie der Vertiefungskurs zu meinen Lieblingsfächern. Ganz einfach darum, weil in diesem Fach ein Bezug zur echten, reellen Lebenswelt geschaffen wurde. Genauso wurden und werden praktische Fähigkeiten vermittelt, eine wirtschaftliche Grundlage für das spätere Leben geschaffen, Unterricht in Haushalt und Sozialem getätigt, was die Schüler auf ihre Zukunft in einem eigenen Haushalt vorbereitet und meiner Meinung nach einer der wichtigsten Bereiche, die Berufsorientierung in praktischer Art und Weise vollzogen.
    Ich hatte schon damals nach meinem Realschulabschluss das Ziel Lehramt zu studieren. Deshalb holte ich in 3 Jahren mein Abitur nach, wo ich feststellte, dass mir der WTH Unterricht und vor Allem der Vertiefungskurs in der 10. Klasse am meisten half, mein Abitur erfolgreich zu bestehen. Aus den oben genannten Gründen entschloss ich mich nach meinem Abitur meinen langjährigen Wunsch wahr werden zu lassen und Lehramt zu studieren. Für mich stellte sich weniger die Frage, welche Fächer ich in der Kombination mit Lehramt studieren möchte und später einmal unterrichten möchte. Die Wahl stand schon länger fest, dass ich gern WTH Lehramt studieren wollte.
    Jetzt bin ich im Studium und habe in meinen Praktikas feststellen müssen, dass der WTH Unterricht und auch vor Allem der Vertiefungskurs einer der wichtigsten Bestandteile in der Schule sind. Wie oben schon genannt, bilden diese Fächer, wirtschaftlich, technisch, sozial, usw. . Außerdem stellt WTH/VK einen praktisches Pendant zu den restlichen, fast ausschließlich theoretischen Fächern dar. Deshalb finde ich es sehr verwerflich, dass der Vertiefungskurs in Klasse 10 abgeschafft werden soll. Diese Rationalisierung ist in meine Augen unverantwortlich. Doch was mir persönlich auch Angst macht, ist das in Zukunft an weiteren Stellen „gespart werden muss“. Und diese Stellen, werden weiter den praktischen Unterricht betreffen, da dieser auch am meisten Geld in Anspruch nimmt, jedoch auch einen extrem wichtigen Teil der allgemeinen Bildung einnimmt. Deshalb sehe ich in Zukunft weitere Rationalisierungsmaßnahmen im Fach WTH auf uns zukommen. Ich fürchte um meinen späteren Arbeitsplatz. Eigentlich wollte ich nach meinem hier in Sachsen Lehrer werden. Doch wenn ich in meine Zukunft blicke, dann erscheint mir die Alternative in ein anderes Bundesland zu ziehen und da zu arbeiten immer sympathischer. Ganz einfach aus dem Grund, da hier in Sachsen immer mehr am Bildungssystem gespart wird und somit auch an der wirtschaftlichen Zukunft Sachsens eingespart wird.
    Das Land Sachsen steht vor sehr wichtigen Entscheidungen, was das Bildungssystem betrifft. Ich wünsche mir, dass die Opportunitäten gut abgewägt werden. Denn was man mit dem Fach VK aufgrund von Einsparungen aufgibt, wird den Schülern und somit auch dem Staat später auf die Füße fallen.

  8. Katharina 1 Jahr vor

    Für mich stand schon seit der Grundschule fest, dass ich Lehrerin werden möchte. In Sachsen, meinem Heimatbundesland – wo denn auch sonst? Ich habe dafür während meiner Schulzeit gearbeitet, um einen guten Notenschnitt zu erreichen. Ich habe Funktionen gezeichnet, Klausuren geschrieben, Interpretationen verfasst, aber nicht wirklich viel gelernt, was mich auf das wahre Leben vorbereitet.
    Und genau aus diesem Grund habe ich mich für das Fach WTH entschieden. Es bereitet die SchülerInnen ein Stück weit mehr auf die Welt nach der Schule und ohne die Eltern vor. Es gibt den jungen Menschen eine Orientierung, um in den Weiten der Berufe genau das Richtige zu finden. Es ist einfach an der Lebenswelt der SchülerInnen dran und bietet so viele Facetten.
    Und jetzt, während meines Studiums, muss ich erfahren, dass ein unglaublich wichtiger Teil dieses Faches, der unter anderem auf die Berufsausbildung vorbereitet, gestrichen werden soll. Es gibt zwar Ersatz, aber der werde ich mit meinen Fächern nicht sein.
    Vielleicht muss ich den Wunsch, in meiner Heimat zu unterrichten, dann auch im Kopf einfach streichen…

  9. Axel Bender 1 Jahr vor

    Frage:
    Wenn es Probleme mit der politischen Bildung bei Schülern gibt, warum wird dann nicht einfach die Lernfelder der betroffenen Fächer modifiziert, sondern Wahlmöglichkeiten gestrichen?

  10. Johanna 1 Jahr vor

    Ich darf Frau Kelch zitieren? : „WTH-Lehrer können sich zudem überall einbringen, auch z.B. bei Projekten wie Schülerfirmen oder Schülerlaboren.“

    Ich habe dieses Fach als Studienrichtung gewählt, weil mir die komplexe Verbindung zwischen Wirtschaft, Technik, Haushalt und Sozialem gefällt und weil ich mich fachlich intensiv mit ihnen auseinandersetzen kann, um dieses Fachwissen dann an Schüler weitergeben zu dürfen.
    Sollte ich dieses Fach tatsächlich studieren, um dann alles zu unterrichten, was halt so übrigbleibt – eine Art Auffanglehrer für Notfälle jeglicher Art? Wo wird da bitteschön meine fachliche Kompetenz gewürdigt!?
    So leid es mir für die sächsischen Schüler tut, ich werde mir nach meinem Studienabschluss wohl oder übel ein Land suchen, in dem meine im Studium erworbenen Kompetenzen noch gewürdigt werden.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 1 Jahr vor

      Natürlich brauchen wir weiterhin Ihre fachliche Kompetenz als ausgebildete WTH – Lehrerin. Das steht außer Frage. Das Fach WTH wird es weiterhin als wichtige Säule der Oberschule geben.

    • Vivien 1 Jahr vor

      Dass wir uns aber vor den Kopf gestoßen fühlen, können Sie schon verstehen, Frau Kelch?
      Auch ich muss mich dem Beitrag anschließen und plane bereits jetzt meine Zukunft in einem anderen Bundesland. So Schade ich das finde, weil ich ein großer Familienmensch bin, aber durch alle Entscheidungen des Kultus, die uns als Lehrer und jetzt auch die WTH-Lehrer betreffen, fühle ich mich in meiner künftigen Aufgabe NICHT wertgeschätzt!

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 1 Jahr vor

      Sehr geehrte Frau …., Sie können gerne Ihre Meinung äußern, aber ich bitte Sie dabei um einen höflichen und konstruktiven Ton, nämlich um einen Tonfall in dem Sie auch angesprochen werden möchten. Und Ihr erster Satz ist provozierend und alles andere als höflich. Ich bemühe mich hier um eine sachliche und konstruktive Diskussion. Das geht aber nur, wenn sich alle daran halten.

    • Vivien 1 Jahr vor

      Und ich würde mir wünschen, dass sie meinen Nachnamen nicht öffentlich machen, wenn ich das mit GRUND versteckt halte!!
      Und nein, dass war überhaupt nicht provozierend gemeint, sondern das war einfach nur eine Frage! Tut mir Leid, wenn das falsch ankam, aber ich kann mir vorstellen kann, dass an uns nicht gedacht wurde und das finde ich Schade!!
      Und deswegen kam die Frage von mir, ob sie sich in uns hineinversetzen können? Wenn wir WTH studieren und nun einfach unser Fach in der Vertiefung abgeschafft wird!

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 1 Jahr vor

      Nachname ist weg, war nicht beabsichtigt, Ihren Namen gegen Ihren Willen zu nennen, sorry! Ansonsten: Ich nehme die Entschuldigung an, allerdings empfinde ich es immer noch so, dass es genauso gemeint war, wie ich es verstanden habe. Aber jetzt Schwamm drüber. Und zu Ihrer Frage: Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass Sie verunsichert sind. Wobei ich aber auch schon mehrfach betont habe, dass Sachsen Sie natürlich als Lehrerin braucht.

    • Peter 1 Jahr vor

      Johanna, eine leider zutreffende Formulierung. Die Lehrer aus dem Profilbereich sind bereits seit vielen Jahren
      die Auffanglehrer für die Naturwissenschaften. Die meisten von Ihnen sind aufgrund des Altersdurchschnitts und der seit Jahren fehlenden jungen Kollegen ehemalige Polytechniklehrer mit einer breiten Ausbildung auch in den Naturwissenschaften. Allerdings hat eine Klage des Freistaats Sachsen in den neunziger Jahren beim Bundesarbeitsgericht diese Berufsgruppe flächendeckend zu Ein-Fach-Lehrern mit entsprechend schlechterer Bezahlung degradiert. Welches dieses eine Fach ist, weiß ich bis heute noch nicht. Nicht zur Abschreckung, aber zur Vorbereitung für zukünftige Kollegen auf die sächsische Oberschulrealität: Momentan unterrichte ich WTH, TC, Informatik, noch den Vertiefungskurs und Physik bei Haupt- und Realschülern, alles in den Klassenstufen 6 bis 10. Mein persönlicher Rekord lag bei sieben Fächern gleichzeitig in Klasse 5 bis 10: Zu den oben genannten kamen noch Mathe und ein Neigungskurs hinzu, außerdem bin ich seit langer Zeit der PITKO der Schule. Die Vertiefungskurse wurden nach ihrer Einführung von uns Fachlehrern mit viel Energie und Engagement aufgebaut und zu einem festen Bestandteil der Berufsvorbereitung und Spezialisierung an der Oberschule gemacht. Der nun endlich differenzierte und fachspezifische Unterricht war bei Schülern und Lehrern beliebt, an den späteren Anforderungen ausgerichtet und unter den heutigen Bedingungen des Ausbildungs- und Arbeitsmarkts für Schüler unverzichtbar. Die Anfertigung der Komplexarbeiten war dabei eine sehr wichtige Erfahrung für die Realschüler, durch sie wurden wichtige Entwicklungsschritte für den Einzelnen ausgelöst. Über Jahre haben wir für die Kurse mühsam Beziehungen nach außen zu Betrieben, Behörden und Institutionen für ein gemeinsames Wirken aufgebaut, gepflegt, intensiviert und zu einem gemeinsamen Nutzen geführt. Schüler wurden in zahlreichen Fällen über diese Wege in Ausbildungen und ihr späteres Berufsleben gebracht. Ohne meinen Kollegen in den Fächern Geschichte und Geographie mit ihren neuen Zukunftsaufgaben zu nahe treten zu wollen: Das System WTH und der zugehörige Vertiefungskurs stellen die wirkliche und notwendig Basis der Oberschule dar, wir alle waren in einer Schule zur Vorbereitung für das spätere Leben – das wird nun einmal weitestgehend von beruflicher Tätigkeit bestimmt. Der finanzielle Ertrag aus diesem Berufsleben ermöglicht dem erwachsenen Menschen in unserer Gesellschaft erst die wie auch immer aussehende Gestaltung seines Lebens, so funktioniert unser System eigentlich für jedermann erkenn- und verstehbar. Diese Tatsache im Bildungsbereich auszublenden, ist wieder eine schwere Fehlentscheidung mit weitreichenden Konsequenzen.
      Übrigens, keine Sorge wegen der Beschäftigung als WTH-Lehrer nach Wegfall der Vertiefungskurse: Als wir
      Fachkollegen die Mitteilung zur Abschaffung unserer Kurse erhielten, kam gleich danach die „tröstliche Nachricht“: die wegfallenden Stunden können wir im nächsten Schuljahr durch noch mehr Einsatz in Mathematik und Physik ausgleichen.

  11. Claudia 1 Jahr vor

    Heute der Beweis in allen Medien: Sächsische Politik ist kopflos und schafft noch die letzten Chancen ab für sächsische Betriebe und Wirtschaftszweige, Fachkräfte für sich zu gewinnen. Die Vertiefungsrichtung Gesundheit & Soziales hat immer für die duale Ausbildung in personenorientierten Dienstleistungsberufen (Pflege und Gastgewerbe) die Berufsorientierung gesichert. Frage an das SMK: Weiß das Wirtschaftsministerium von diesem Unfug?

    Mitteldeutschland: Gastronomie fehlen Fachkräfte
    In der mitteldeutschen Gastronomie fehlen tausende Mitarbeiter. Das haben Recherchen von MDR Aktuell bei den Arbeitsagenturen ergeben. Demnach sind in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen etwa 3.600 Stellen unbesetzt. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga geht von einer viel höheren Zahl aus. Er rechnet allein in Sachsen-Anhalt mit 7.000 freien Stellen. Der sächsische Gaststättenverband bezeichnete die Lage als dramatisch. Präsident Hüpke sagte MDR Aktuell, der fehlende Nachwuchs treibe ihm seit Jahren den Angstschweiß auf die Stirn. Wenn gastronomische Betriebe schließen müssten, gehe touristische Infrastruktur verloren.

    Quelle: http://www.mdr.de/nachrichten/nachrichten100.html#sprung2

  12. Peter 1 Jahr vor

    Ob das Kabinett bei seiner Entscheidung beim Beschließen des Maßnahmenpakets für ein „starkes Sachsen“ am 4.03.2016 zur Wiedereinführung von Geschichte und Geographie vom zuständigen Kultusministerium bereits darüber informiert war, dass dafür ein relevantes und unverzichtbares Pflichtfach der sächsischen Oberschule in Klasse 10 in Form der Vertiefungskurse ersatzlos abgeschafft wird, darf bezweifelt werden. Sollte es doch der Fall gewesen sein, gab es mit Sicherheit im Vorfeld keine Informationen oder Beratungen durch Fachleute aus der Praxis. Denn mehr Stunden in der Schule bedeuten nicht besser, nützlicher oder wertvoller: Wann werden sich die veränderten Bildungsinhalte in Geographie und Geschichte auf den politischen Zwiespalt in der sächsischen Bevölkerung auswirken? Welche Gruppe wird hier überhaupt angesprochen, sind das wirklich die richtigen Adressaten? Danke Frau Kelch für den Hinweis in einer Ihrer Antworten, dass die Schüler eines Tages auch Eltern werden und auf ihre Kinder positiv wirken, das hoffe ich selbstverständlich auch. Aber: Die Intensivierung von Geschichts- und Geographieunterricht setzt ab nächsten Jahr für Schüler der 10. Klassen ein. Diese sind dann überwiegend 16 Jahre alt. Beim gegenwärtigen und zukünftigen nächsten schon jetzt kaum lösbaren Riesenproblem für unser Schulsystem in Form steigender Neigung zur Fortpflanzung junger Menschen, wird die überwiegende Zahl dieser Schulabsolventen also in ca. 8 bis 12 Jahren selber Kinder haben. Diese Kinder werden im Alter zwischen 12 und 16 beginnen, ein eigenes politisches Bewusstsein zu entwickeln und im Dialog mit ihrer Umwelt entsprechende Sachverhalte und Vorkommnisse zu begreifen und für sich daraus persönliche Schlussfolgerungen und Handlungsweisen ableiten. Ihre Eltern hingegen haben zu diesem Zeitpunkt sicher schon recht feste Überzeugungen, aber leider ist das anhand der zuvor genannten Zahlen in ca. 20 Jahren der Fall. Weitsicht in die Zukunft ist sicher eine löbliche Eigenschaft von Politik, die steckt hier aber nicht dahinter. Die jetzt in unserer alltäglichen Gegenwart lebenden Menschen und ihre persönlichen Problemlagen oder radikalen politischen Orientierungen werden von Veränderungen in der heutigen Schule in keiner Weise beeinflusst. Das Fach WTH und die Vertiefungskurse haben aber immer im Rahmen ihrer breiten fachlichen Aufstellung und der Ausrichtung auf das reale Leben ständig Wissen und Fähigkeiten unter Einbeziehung des Hier und Jetzt betrieben, das ist eine fachliche Notwendigkeit. Uns gibt es außerdem in mehrfach geänderter Form schon seit den Anfängen des neuen sächsischen Schulsystems. Die einzige Fachabschaffung in dieser frühen Zeit betraf berechtigterweise Staatsbürgerkunde. Wir wirken als Fachbereich also bereits seit über 20 Jahren in der notwendigen Art und Weise im jetzigen Schulsystem, bisher ohne unüberlegte Unterbrechungen. Keine technischen, wirtschaftlichen oder sozial-gesundheitlichen Inhalte lassen sich ohne Bezug zum realen Leben oder ohne Rückblick in die Historie vermitteln – gesellschaftliche Geschehnisse und ihre Auswirkungen eingeschlossen. Für die Aufgaben, die sich der Freistaat Sachsen vorgenommen hat, reicht kein Austauschen von Schulfächern. Schule kann sicher ihren Anteil im Gesamtsystem leisten, aber nur bei überlegter und strukturiert geplanter inhaltlicher und schwerpunktmäßiger Anpassung aller Fachbereiche an neue Notwendigkeiten. Dies sollte aber abgestimmt aufeinander in allen Schulformen von der Grundschule über die Oberschule bis zum Gymnasium geschehen.

  13. Maria 1 Jahr vor

    Können an dieser Stelle aktuelle Zahlen über die Anzahl der aktuell im Freistaat Sachsen beschäftigten:
    a) im Studienfach WTH/S-Lehrer ausgebildeten Lehrer
    b) fachfremden Lehrer (Quereinsteiger)
    und den berechneten Bedarf an WTH/S Lehrer mit und ohne Kürzung für das Schuljahr 2016/17 veröffentlichen. Weiterhin wäre die Anzahl der Absolventen 2. Staatsexamen für das Fach WTH/S von Interesse.
    Wenn Sie diese Transparenz schaffen, könnte der vielfach angedeutete Verdacht, dass vor allem der Lehrermangel in diesem Bereich zur Kürzung der Vertiefungskurse führt, entkräftet werden. Eine nich-Angabe würde ich dann als Bestätigung verstehen. Dem gegenüberzustellen wäre die Anzahl an beschäftigten Geschichte- und Geografielehren sowie zu erwartenden Absolventen des 2. Staatsexamens gegenüber dem Bedarf an entsprechenden Lehrerstellen. Warum überarbeiten Sie eigentlich nicht die Vertiefungskurse, um politische Bildung zu stärken? Hier besteht im Gegensatz zu den Fächern Geschichte und Geografie die Chance reale Lebenssituationen und politische Herausforderungen aus verschiedenen disziplinären Perspektiven zu beleuchten. Man wundert sich schon, warum es in der Politik Ministerien für Wirtschaft, Gesundheit und Soziales, Infrastruktur etc. und weniger für Geschichte und Geografie gibt?

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 1 Jahr vor

      Die Streichung der Wahlmöglichkeit von Geschichte oder Geographie in der 10. Klasse an der Oberschule gehört zu einem Maßnahmenkatalog des Sächsischen Kabinetts vom März 2016. Mit diesem Maßnahmenpaket soll u.a. die politische Bildung und die Demokratie in Sachsen gestärkt werden. Hier die damalige Pressemitteilung vom 4. März 2016 der Staatsregierung dazu: http://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/202389?page=3

    • Anne Lochschmidt 1 Jahr vor

      Es ging ja auch um die Transparenz zum Lehrerbedarf und die Zahl an Lehramtsanwärtern für WTH. Ersteres würde mich auch interessieren.
      Zu letzterem kann ich als WTH-Studentin sagen: vom 2. Stex. redet hier noch niemand. WTH wird ja erst seit 2012 als Studiengang angeboten. In diesem Semester absolvieren die ersten ihr 1. Stex in WTH. Und zwar handelt es sich um 2 (!) Student/-innen. (Nein, ich habe keine 0 vergessen…) Zeugnis gibt’s (wenn alles gut geht) im September, da dann das Schuljahr bereits begonnen hat, werden diese beiden bis Februar, bis die SBA sie ins Ref. lässt, arbeitslos sein 😀
      Ein Hoch an dieser Stelle auf die sächsische Bildungspolitik!

    • Isabel 1 Jahr vor

      In meinem Studiengang (STEX im WiSe 17/18) werden ca. 20 WTH-Studierende fertig. Ca. die Hälfe will dann aber in andere Bundesländer arbeiten gehen, da sie sich von Sachsen im Stich gelassen fühlen. Dasselbe gilt für meine Mitstudierenden aus der Mathematik. –> Hier bricht sich Sachsen selber das Genick, schade eigentlich….

    • Anne Lochschmidt 1 Jahr vor

      Für’s WiSe 16/17 sieht’s übrigens ähnlich aus. SoSe 2017 weiß ich nicht. Fassen wir also zusammen: in den nächsten 2 Jahren erlangen ca. 50-60 angehende WTH Lehrer das 1. Stex – und davon geht ca. die Hälfte weg aus Sachsen.
      Wie sieht’s denn nun mit dem WTH-Lehrerbedarf in den nächsten 5 Schuljahren aus? (siehe Beitrag von Maria)

    • Sharon 1 Jahr vor

      Ich bitte um eine Angabe der in den nächsten 5 Jahren benötigten WTH Lehrende in Sachsen.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 1 Jahr vor

      Hallo Sharon, es besteht generell dringender Bedarf an qualifizierten Lehrkräften für die Oberschulen (Abschluss Lehramt Mittelschulen). Mit einer abgeschlossenen Ausbildung im Fach WTH (insbesondere wenn es mit einem weiteren Fach mit besonderem Bedarf kombiniert ist) bestehen sehr gute Einstellungschancen. Diese Situation wird nach derzeitigem Kenntnisstand auch in den kommenden Jahren so bestehen bleiben. Zum Einstellungsbedarf hat das SMK Hinweise veröffentlicht. Dort können Sie sehen, wie hoch der Bedarf für WTH-Lehrer ist. Hier der Link dazu: http://www.lehrerbildung.sachsen.de/download/download_smk/Bedarfshinweise(1).pdf

    • Claudia 1 Jahr vor

      Ich vermute, dass es hier nicht um die Bange um den Job ging, sondern eher um den Leidensdruck auf das SMK. Ich verstehe auch nicht, warum es für Frau Kelch so problematisch ist, an dieser Stelle einfach mal ein paar konkrete Zahlen hinzutippern…

  14. Lehmann 2 Jahren vor

    Lehmann
    Nach langer Überlegung und Recherche hier die notwendigen Grundwahrheiten und Gedanken:
    – Das SMK hat langfristige Misswirtschaft betrieben, Kultusminister scheinen Spielbälle des Wirtschaftsministeriums und schwach. Sie treffen Entscheidungen wider besseren Wissens und müssen dieses dann als Erfolge verkaufen. Seit 2002 wissen alle Beteiligten, dass Sie die notwendige Zahl gesunder Lehrer/-innen in Sachsen langfristig durch fehlgeleitete Einstellungspolitik und Abschreckung von jungem Nachwuchs nicht sichern können und haben dieses in Ihrer Komfortzone ihrer Wahlperiode in Kauf genommen. Das ist der Hauptgrund für die Kürzung von personal- und kostenintensiven Fächern. Unattraktive Arbeitsstandorte müssen aber zur Verbesserung ihrer Lage eigentlich qualitätive Entscheidungen treffen, um qualitativ wertvolles Fachpersonal zu halten. Was macht Sachsen: Stellt stattdessen unqualifiziertes Personal ein (der Techniker unterrichtet Werken in Grundschulen, der Vit-C-Forscher versucht sich in Bio, der Chemiker nimmt Chemieschülern die Freude am Lernen.) Schule braucht Pädagogen und keine Fachexperten aus Seiteneinsteigerprogrammen….
    – Sachsens CDU hat Angst vor PEGIDA und der AFD und sieht ihre nächste Wahl vor Augen: Das Volk zurückgewinnen durch möglichst barrierefrei Zugänge ins Gymnasium und in die Uni – ein Geschenk an den „Wutbürger“ und Schutz der rechtsgerichteten Familien vor dem gemeinsamen Unterricht mit Migranten. Denn diese landen im überwiegenden Maße politisch geleitet und kompetenzunabhängig in den Oberschulen. Potential geht der Wirtschaft damit in jeder Hinsicht verloren und ganz nebenbei werden auch die Hochschulen geschwächt durch Studierende mit Abitur ohne Studienreife. Intereressant ist dabei, dass ungünstiger Weise die AFD (als eine eigentlich von kultivierten Bürgern abzulehnende Partei) die Duale Berufsausbildung und den Schutz des Bildungsniveaus deutlch für sich programatisch proklamiert. Schwierig für einen demokratischen Bürger bei einer Wahl das Kreuz dann noch bei der CDU zu setzen, wenn sie die klassischen Themen den extremen Randpartein überlässt und zum Getriebenen wird, der durch Schnellschüsse genau das tut, was die Gegenseite will.
    Lösung: Mit dem Fach WTH und den dazugehörenden Vertiefungsrichtungen ist ein Instrument vorhanden, was es zukünftigen Bürgern erlaubt, mündig zu werden, sich wirtschaftlich und im Privatleben erfolgreich zu etablieren und somit weniger Grund hat, sich den Randparteien oder extremistischen Radikalen zuzuwenden. Würde die Sächsische Regierung auf demokrsatisierte Menschen setzen, hätte sie WTH und Vertiefung in der Oberschule gestärkt und endlich ein lebensweltlich bildendes Fach im Gymnasium eingeführt – das tun derzeit andere Bundesländer mit langfristigen über Wahlperioden hinausgehenden Plänen.
    Sächsische Wirtschaft sucht Fachkräfte: Warum versperrt Sachsen Ihnen zukünftig eine kompetente Bewerbergruppe und leitet sie im Akademisierungswahn um? Und den „Rest“ lässt man unmündig in der Oberschule zurück. Hier gehört ein Aufschrei der Wirtschaft hin!!!
    Frage an die Regierung: Die Abschaffung der Vertiefungskurse muss doch eindeutig ohne Experten getroffen worden sein, oder von Menschen, die der Allgemeinbildung in Sachsen schaden wollen!? Das kann und willl ich mir nicht vorstellen…
    Lehmann – Familie mit Kindern, demokratisch gebildet und interressiert an einer langfristig für Sachsen guten Bildungspolitik.

    • Morgner 1 Jahr vor

      Die Entscheidung zur Abschaffung der Vertiefungskurse ist ohne die Experten – also die in den Vertiefungskursen unterrichtenden Lehrer – getroffen worden. Ich habe die Neuregelung aus der Zeitung erfahren, Diskussionen im Vorfeld darüber waren mir nicht bekannt, die Schüler hatten die Kurse schon gewählt, das Material ist bestellt… so viel zu Demokratie, die soll ja gestärkt werden (bei den Schülern).
      Mir sieht das sehr nach Sparzwang aus, denn jahrelang wurden keine WTH Lehrer ausgebildet. Außerdem kann man sowohl WTH als auch den Vertiefungskurs nur in Gruppen unterrichten und benötigt einiges an materiellen Voraussetzungen. Dafür können die Schüler aber auch vielfältige praktische Tätigkeiten üben, wie Werkstoffbearbeitung, Nähen, Löten, Kochen. Außerdem werden wichtige Sozialkompetenzen wie z.B Anstrengungsbereitschaft, partnerschaftliches Arbeiten…geübt. Das gibt es in keinem anderen Schulfach und die Gymnasiasten können von so viel Praxis nur träumen. Leider habe ich bei Lehrermangel immer wieder festgestellt, dass Gruppen zusammengelegt werden müssen und dann nur theoretischer Unterricht möglich ist.
      Das Handwerk sucht nach geeigneten Bewerbern, welche nicht zuletzt ihre Interessen und Fähigkeiten aus dem WTH – Unterricht oder aus Vertiefungskursen erhalten, da die Berufsorientierung hier ein fester Bestandteil ist.

    • Oliver 1 Jahr vor

      Meinen vielen Vorrednern kann ich nur zustimmen. Es erscheint doch nur Paradox, dass Frau Ministerin von mehr Praxis im Schulunterricht spricht, auch Berufsorientierung solle gefördert werden. Was passiert, genau, dass Fach welches den SchülerInnen diese Inhalte und vor allem wichtige Kompetenzen zum Leben vermittelt wird ersetzt?! Überall werden händeringend Fachkräfte benötigt, heute konnte man schon wieder den Hilferuf der Gastronomen hören, welche keine qualifizierten Lehrlinge mehr finden. Verstehe wer will. Hier möchte ich die Ministerin zitieren: „Schüler müssen lernen selbst zu denken. Guter Unterricht muss die Fähigkeit entwickeln, Antworten auf eigene Fragen zu finden. Um Schüler für das Leben auszurüsten, benötigen sie neben einem Basiswissen vor allem analytische Fähigkeiten. Sie sollten sich mit der Welt auseinandersetzen können und nicht allein Gelerntes nachbeten.“ (Pressemitteilung vom 14.04.2016) Ich empfinde, dass genau diese Inhalte in den Vertiefungskursen erfüllt wurden! Um die SchülerInnen selbst denken zu lassen war die Komplexarbeit der Vertiefungskurse ideal!
      Es geht um viel Geld, dass ist allen Beteiligten klar. Lehrer für Geographie und Geschichte sind unzählige vorhanden. WTH – Lehrer werden voraussichtlich erst im Schuljahr 2018/2019 zur Verfügung stehen und nach solchen Entscheidungen von „oben“, werden immer weniger StudentInnen in Sachsen bleiben. Attraktivitätssteigerung sieht anders aus. Nur fragt man sich als Student, ob man hier wirklich so willkommen geheißen wird. Warum hat man für solch eine Entscheidung nicht einen Bürgerdialog gestartet? Sachsen ist ja jetzt darin geübt. Leider werden die besorgten Fragen der Bürger hier im Blog bereits teilweise ignoriert. Man sollte eben nie vergessen, es geht hier nicht um Zahlen sondern um Kinder, welche es genauso verdient haben wie wir, einen guten und sinnvollen Unterricht zu erhalten.

    • Anne Lochschmidt 1 Jahr vor

      … vor allem geht’s um DIE Kinder und Jugendlichen, die schon aufgrund der Schulart potenziell ein höheres Risiko aufweisen, sozioökonomisch oder anderweitig benachteiligt zu sein/werden… Ich sehe es genauso: Kleinhaltung und Schlechterstellung als politische Taktik. Getreu dem Motto: die können sich sowieso nicht wehren. Es ist eine Schande, dass jahrelang an der Bildung gespart wurde. Eine viel größere Schande ist, wie man jetzt versucht die dabei entstandenen Löcher zu stopfen. Und das auch noch unter dem Deckmantel der Demokratie.
      Wie heißt es so schön: wie gut eine Gesellschaft ist, kann man daran sehen, wie gut sie mit ihren Schwächsten umgeht.

  15. Peter 2 Jahren vor

    Ein einfacher und logischer Vorschlag: Geschichte und Geographie werden in Klasse 10 in Zukunft nur mit jeweils einer Wochenstunde unterrichtet. In Klassenstufe 9 werden die NEIGUNGSKURSE komplett abgeschafft, durch dass vorgeschriebene Aufteilungsprinzip in einer mehrzügigen Schule ist das Bedienen von Neigungen der Schüler schon seit Einführung dieser Kurse eine Illusion. Neigungen könnte man ab 7 bis 10 Wahlkursen in einer Klassenstufe in etwa bedienen, fördern und ausbauen. Ihr Bestand in Klasse 7 und 8 sollte für ihre Funktion ausreichen. Die nötigen Fachlehrerstunden werden dadurch frei und stehen für einen veränderten Bedarf zur Verfügung. In der Klassenstufe 9 werden Geschichte und Geographie um jeweils eine Wochenstunde aufgestockt, um dann mit angepassten Lehrplänen die neuen Zukunftsaufgaben für diese Fächer jeweils zu realisieren. Vertiefte geopolitische Bildung in Geographie und das Fach Geschichte in seiner neuen Rolle hätten dann alle notwendige Zeit für ihre neuen Aufgaben. Außerdem dürften gerade die oftmals weniger politisch vorgebildeten Hauptschüler profitieren, denn sie wären in ihrem Abschlussjahr auch in die intensivierte Bildung in diesem Bereich involviert. Dafür der dringend nötige Erhalt aller Vertiefungskurse, in denen es dass alles schon gab, was jetzt irgendwo neu „hineinerfunden“ werden soll (…zukünftig Freiraum für Komplexarbeiten???…..). Kein hier in der letzten Zeit von wem auch immer genannter Grund für die Abschaffung der für das Schulsystem unverzichtbaren Vertiefungskurse hält logischer oder sachlicher Überprüfung stand. Die sächsische Oberschule gründet sich auf den Säulen der Profilfächer und die Vertiefungskurse sind das jeweilige Kapitell, dieses System gehört konzeptionell untrennbar zusammen. Hier noch ein Vorschlag für die Abschaffung weiterer, unwichtiger Fächer an der Oberschule: Für das Ausfüllen von Hartz-4 Anträgen reichen auch die Fachkenntnisse in Deutsch aus der Grundschule……

  16. Professor Dr. Lothar Ungerer 2 Jahren vor

    Landesbildungsrat nicht gehört

    Der Landesbildungsrat des SMK hat von einem Eingriff in die Stundentafel für die Mittelschule durch die Pressemitteilung des SMK vom 03.05.2016 erfahren.

    Nach § 6 Abs. 3 SächsSchulG wird an der Mittelschule ein besonderer Profilbereich eingerichtet. Grundlage für Unterricht und Erziehung sind Lehrpläne und Stundentafeln, die von der obersten Schulaufsichtsbehörde festgelegt werden (§ 35 Abs. 1 SächsSchulG).

    Entsprechend § 63 Abs. 1 SächsSchulG ist beim Staatsministerium für Kultus ein Landesbildungsrat gebildet. Der Landesbildungsrat berät die oberste Schulaufsichtsbehörde bei Angelegenheiten von grundlegender Bedeutung für die Gestaltung des Bildungswesens. Er ist vor Erlass von Rechtsverordnungen des Staatsministeriums für Kultus und zu Gesetzentwürfen der Staatsregierung, welche die Schule betreffen, zu konsultieren. Er ist berechtigt, der obersten Schulaufsichtsbehörde Vorschläge und Anregungen zu unterbreiten.

    Festgestellt wird, dass der Landesbildungsrat des SMK zu dem geplanten Eingriff in die Stundentafel für die Mittelschule entsprechend der Pressemitteilung des SMK vom 03.05.2016 nicht gehört wurde.

    Der Landesbildungsrat wird sich in seiner nächsten Sitzung am 20. Juni 2016 mit der Thematik beschäftigen.

    Dresden, 18.05.2016
    Professor Dr. Lothar Ungerer
    Vorsitzender des Landesbildungsrates

    • Anne Lochschmidt 1 Jahr vor

      Zu diesem spannenden Beitrag würde mich sehr die Stellungnahme von Frau Kelch interessieren. Repräsentative Demokratie hin oder her: hat das SMK hier nicht doch etwas zu repräsentativ gehandelt?

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 1 Jahr vor

      Liebe Frau Lochschmidt, ich müsste mich wiederholen und das ist auf Dauer ja auch irgendwie langweilig…

    • Lisette 1 Jahr vor

      Ich würde eine Wiederholung an dieser Stelle sehr begrüßen, da uns das Thema sehr beschäftigt und noch viele Fragen unbeantwortet und Argumente unkommentiert geblieben sind.

    • Isabel 1 Jahr vor

      Ich würde gern auch eine Wiederholung hören, da ich in den vorherigen Kommentaren leider nicht die passende Antwort auf diesen Kommentar finde

    • Luise 1 Jahr vor

      Ich würde das Statement von Ihnen, Frau Kelch, auch gerne nochmal hören. Auch ich konnte in den bisheringen Kommentaren nichts Passendes finden. Vielen Dank.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 1 Jahr vor

      Hallo Luise, als bei den fast 100 Kommentaren weiß ich ehrlich gesagt nicht, was Sie genau meinen. Bitte stellen Sie doch einfach Ihre konkrete Frage! Danke und viele Grüße

    • Luise 1 Jahr vor

      Liebe Frau Kelch, sorry, da bin ich wohl verrutscht. Es ging um den Beitrag von Herrn Professor Dr. Lothar Ungerer. Dazu würde ich gerne ein Statement vom SMK hören. Ich glaube nämlich nicht, dass Sie sich wiederholen würden, da ich bis jetzt keine passende Antwort von Ihnen dazu finden konnte. Viel mehr habe ich das Gefühl, dass Sie generell versuchen, die Kommentierenden eher mit Standardantworten zufrieden zu stellen. Das ist schade. Hier wurden viele kritische Beiträge geschrieben, die es zumindest Wert wären, dass man darüber sachlich diskutiert. Stattdessen empfinde ich, dass die meisten ihrer Antworten „am Thema vorbei sind“ oder zu knapp formuliert und eigentlich nicht das beantworten, was ursprünglich gefragt wurde. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es auch für Sie nicht einfach ist, hier die Kommentare zu moderieren – bei so viel Gegenwind und der Vielzahl an Beiträgen. Dennoch ist man den Lehrer/innen, Schüler/innen, Eltern, Studierenden und den anderen Interessierten meiner Meinung nach umfassende Antworten schuldig. Die bisherigen Antworten, die zum Teil redundant sind, würdigen meines Erachtens die fundierten und ausführlichen Fragen und Kommentare nicht im ausreichenden Maß. Ich würde mich also über weitere Antworten, speziell zum Beitrag von Herrn Professor Dr. Lothar Ungerer, freuen.

  17. Johanna 2 Jahren vor

    Als zwischen 2002 und 2004 die Lehrpläne der damals noch Mittelschule heißenden Schulart erarbeitet wurden, kam es auf zwei wesentliche Faktoren an
    Erstens: Kein Faktenwissen (Bulemiewissen) vermitteln, sondern kompetenzorientiert lehren und lernen. Grundlage war das Kompetenzmodell von Weinert welches sich in allen Zielbeschreibungen der Lehrpläne wiederfindet – auch der der Vertiefungskurse.
    Zweitens: In allen Lehrplänen Grundlage bilden für lebenslanges Lernen. Dies wurde sehr zur Schelte der damaligen Profillehrer und der ausbildenden Betriebe und Schulen im Fach WTH stringent umgesetzt. Das Fach WTH bietet die Angebote zum lebenslangen Lernen, die Vertiefungskurse, egal welcher davon, setzt diese Angebote für eine der Richtungen fort.
    Damit wurde Drittens die Oberschule dem berufsorientierenden Charakter gerecht – in welchem Fach können sich die Realschüler nun eigentlich das Wissen über weiterführende Schulen aneignen? Bisher war dieser Lernbereich in allen Vertiefungsrichtungen integriert! Dieser Lernbereich Berufsorientierung ist nun völlig gestrichen.
    Sie sprechen von zu großer Unterrichtsbelastung der Schüler. Allerdings verweist die Studie auf die gymnasiale Oberstufe. Es ist aber doch bedenklich, wenn zur Begründung der Veränderung der Stundentafel der Oberschule und der Abschaffung eines Unterrichtsfaches mit weitreichender Bedeutung für die Berufsorientierung der Schüler eine Studie über das Gymnasium mit zu Rate gezogen wird.
    Darüber hinaus war die Verteidigung der Komplexarbeit eine hervorragende Vorbereitung für mündliche und fachpraktische Abschlussprüfungen der Realschüler. In kaum einem anderen Fach können die Schüler diese Kompetenzen so trainieren wie in den Vertiefungskursen.
    Dabei war gerade die Komplexarbeit eine hervorragende Möglichkeiten mit Medien zu arbeiten, komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge zu erfassen, aber auch berufsorientierend zu wirken. Die Themenwahl der Schüler in den vergangenen Jahren zeigt die immer wieder aktuellen Bezüge.
    Ich habe wirklich zu Beginn der Debatte geglaubt, die ja zum größten Teil erst nur in der Tagespresse zu verfolgen war, dass man Neigungskurse und Vertiefungskurse verwechselt hat. Umso entsetzter war ich dann nach der Mitteilung an die Schulen, dass wirklich ein Fach komplett aus der Stundentafel verschwindet. Wäre nicht eher der Ansatz, das Kernfach der Oberschule WTH bis in die Klasse 10 zu führen und damit den Charakter der Schulart zu stärken richtiger? Französisch könnte für die Schüler, die das wünschen, fakultativ angeboten werden, die Neigungskurse – obwohl selbst das sehr schmerzhaft, da dort oft Kooperationen mit Unternehmen der Region in Gefahr sind – gestrichen werden, um die Stundentafel zu entlasten.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Wir sind Ihrer Meinung: Die Arbeit in Projekten fördert das selbstständige und eigenverantwortliche Lernen bedeutend und sind eine wirkungsvolle Vorbereitung für das weitere Leben. Mit den geplanten Änderungen im Schulgesetz ist deshalb auch das Ziel verbunden, Freiräume für derartige Arbeitsformen wie z.B. Komplexarbeiten, zu schaffen und dafür weitere Unterrichtsbereiche zu öffnen.

      Zum Thema Stundenbelastung: Würde man die zwei Stunden Geschichte dazufügen ohne etwas zu ändern, wären die Schülerinnen und Schüler in den Abschlussklassen alle zu zwei Stunden mehr verpflichtet und hätten damit eine deutlich erhöhte Belastung kurz vor dem Realschulabschluss gegenüber den Vorgängergenerationen. Aus diesem Grund musste an anderer Stelle reduziert werden.

  18. Herr T.P.aus D. an der E. 2 Jahren vor

    Mal wieder ein klarer Fall sächsischen Bildungs-Miss-Managements!
    Über Jahre hinweg stopft das Kultusministerium die Löcher im Haushalt durch Kürzungen, investiert weder in Nachwuchskräfte noch in die allgemeine und politische Bildung um Gelder zu sparen. Es gilt ständig das Prinzip „entweder-oder“, statt mit Blick in die Zukunft langfristige Investitionen zu tätigen,die seit Jahren überfällig sind.
    Man begründet mit der dringend notwendigen politischen Bildung ;welche seit Jahren gefordert wird; nun Kürzungen und probiert so jene Menschen die sich für das ein Fach aussprechen und jene die sich für das andere aussprechen zu entzweien. Dabei liegt das eigentliche Problem tiefer und dass schon seit Jahren. Sachsen spart sich die Zukunft kaputt!
    Über Jahre hinweg wurde: nicht in die Ausbildung von Lehrern/innen investiert, immer nur Lückenverwaltung betrieben und nicht langfristig geplant, einerseits wurden Lerhmittel gekürzt und andererseits Technik für den Unterricht angeschafft, für die eher die Schüler als die Lehrer die Kompetenz besitzen. Das Fach WTH, eines der neusten Fächer im Kanon, ausgelegt für den praktischen Kompetenzerwerb und die Vorbereitung auf Ausbildung und Beruf, wird vom Minsisterium stets als ein wichtiges Fach präsentiert. Die Streichung des Vertiefungskurses wird nun als ein notwendige, alternativlose Entscheidung stigmatisiert, dabei geht es nur darum, zu sparen, sich öffentlich zu präsentieren und Lückenverwaltung zu betreiben. Es wird wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit bleiben bis WTH entgegen jedes bildungswissenschaftlichen Ansatzes zum frontal-theorie Unterricht degradiert wird um die Schüler mit Praxis nicht zu überfordern und noch massiver als jetzt schon, zu sparen.
    Hier wird mal wieder an der falschen Stelle gekürzt, bei der Bildung!
    Statt auf die Erfahrungen aus einem jungen, praxisnahen, dynamischen Fach mit direktem Arbeits- und Lebensweltbezug der Schüler aufzubauen und den Schülern Selbstsicherheit und Fachkompetenz zu vermitteln, entzieht man den Schülern lieber Berufsbildungschancen. Die Katze beisst sich hier in den eigenen Schwanz! Man möchte politische Bildung stärken und den Schülern im gleichen zug die Berufschancen verkleinern, mit Blick auf PEGIDA und andere Neu-Rechte Organisationen erschafft man hier weit mehr Probleme als man Löst.
    Die Sparpolitk des Kultusministeriums ist ein gieriges Faß ohne Boden, in dem die Zukunft vieler Schüler verschwindet!
    Den Schülern wird mit Blick auf das Geld ihre Zukunft vorgerechnet und gesagt es ist nicht genug da, bei einer solchen Politik ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Schüler das interesse an Politik verleiren, da die Politik des Freistaates zeigt, dass sich nichts ändert.-> es wird Gespart
    Benötigt wird ein langfristiges Konzept und keine Kürzungspolitik!
    Denn wenn nicht Bald etwas geschieht:
    -verliert Sachsen den Großtiel der jetzt in Ausbildung befindlichen Lehrer an andere Bundesländer,
    -verbaut das Land Sachsen vielen tausend Schülern ihre Berufschancen
    Der Vertiefungskurs WTH muss bestehen bleiben, da den Schülern sonst wieder eine Bildungs und Wahlmöglichkeiten genommen wird allein die Komplexe Arbeit welche die Überprüfung von erlerntem Faschwissen ermöglicht entfällt. Die direkte Vorbereitung auf den Ausbilfungsberuf durch die Wahl der Vertiefung entfällt ebenfalls.
    Da ich noch in den Genuss des WTH-Vertiefunskurses gekommen bin, möchte ich hinzufügen, das gerade der WTH unterricht die Disskusion über aktuelle Themen ermöglicht hat und dies eines der wenigen Fächer ist in welchem Lebenspraxis vermittelt wird. Statt ihn un zu Kürzen und das Fach somit sienes fachlichen Abschlusses zu berauben sollte man eher überlegen den Unterricht des Faches auf das Gymnasium auszdehen.

    Schliesslich ein Hinweis für die Informierten im Ministerium: die Abkürzung WTH ist eigentlich unvollständig, denn in Sachsen Heißt es W/T/H/S; das S steht für Soziales, ein Begriff der Wohl mehr als genug praxisnahe Basis für Politische Bildung Liefern sollte, sofern das das Ziel wäre. Doch es geht mal wieder nur um Kürzungen und Lehrermangel!
    Und Letzterer wird Fortbestehen wenn sie WTH-Studenten wie mir die Unterrichtsstunden aus dem Fach streichen und nicht Langfristig in unsere Ausbildung und die Ausbildung unserer Schüler investieren.

  19. Peter 2 Jahren vor

    Eine Richtigstellung zu WTH und seiner Vorgeschichte: Die Zusammenfassung der vorher eigenständigen Profilfächer gibt es unter den Namen WTH seit 2004. Davor wurden von den Mittelschulen Profile als separate Wahlpflichtfächer für die Schüler der Klassenstufe 7 bis 10 angeboten. Es handelte sich dabei um das technische, sozial- hauswirtschaftliche, musische und sportliche Profil sowohl für Haupt- und Realschüler. Realschüler konnten zusätzlich noch zwischen dem wirtschaftlichen und sprachlichen Profil wählen. Der Unterricht fand im Umfang von 3 Wochenstunden in Halbgruppen statt und konnte sowohl von Haupt- als auch Realschülern als Fach bei den Abschlussprüfungen belegt werden. Mittelschulen in einem Gebiet boten meist mehrere und unterschiedliche Profile an, durch entsprechende Schulwahl konnte jeder Schüler seine Auswahl treffen. Bereits am Ende der Klasse 6 wurde vorbereitend in Zusammenarbeit mit dem Schüler, den Eltern, dem Klassenleiter und den Lehrern aus den einzelnen Fächern des späteren Profilunterrichts unter Einbeziehung von Fähigkeiten, Fertigkeiten, Neigungen und Wünschen eine Vorauswahl getroffen. Am Anfang der Klasse 7 gab es dann in allen Profilen eine „Schnupperphase“ von einigen Wochen, in der ein Wechsel noch möglich war. Dies kam jedoch durch die umfangreiche Vorleistungen bei der Auswahl nur äußerst selten vor.
    Die einzelnen Profile mit ihrem Wahlpflichtcharakter bewährten sich über lange Jahre, die Berufsorientierung und
    der Erwerb von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten konnte von Anfang an viel konkreter und spezifischer auf die zukünftige Ausbildung nach der Schule für die Bedürfnisse des einzelnen Schülers ausgerichtet werden. Das Auswahlverhalten von Jungen und Mädchen entsprach in etwa der Geschlechterverteilung, welche sich bisher in Klasse 10 in den Vertiefungskursen auch ergab. Für die einzelnen Profile existierten jeweils ausführliche Lehrpläne, Lehrbücher und spezielle Arbeitsmaterialien auch für die unterschiedlich großen praktischen Anteile im jeweiligen Bereich. Eigentlich ein gut funktionierendes System mit einer erfolgreichen Ergebnisbilanz. Aus mir nicht
    mehr bekannten Gründen wurden die einzelnen Profile durch die Zusammenlegung in Form von WTH in Klasse 7 bis 9 abgelöst. Bei gleichem Stundenumfang wurde dafür aus den zuvor eigenständigen Fachbereichen Technik, Hauswirtschaft-Soziales und Wirtschaft durch Kürzungen der bisherigen Inhalte das neue einheitliche Profilfach gebildet. Das Wissen für den Schüler wurde dadurch sicher breiter, aber auch weniger spezifisch und konkret. Damals vor der Einführung gab es übrigens zwei Varianten für die sich anschließenden Vertiefungskurse: Nach zwei Jahren WTH in Klasse 7 und 8 im Anschluss noch ein oder zwei Jahre (HS/RS) vom Schüler gewählter Wahlpflichtunterricht wieder in fachspezifischen Vertiefungskursen in Klasse 9 und 10. Durchgesetzt wurde dann das jetzt in Abschaffung befindliche Modell mit den Kursen nur in Klassestufe 10.
    Die Variante mit Vertiefungskursen in den zwei letzten Schuljahren wäre eigentlich ein sehr gut Idee in Hinblick auf die von Berufsorientierung, Berufswahl und Bewerbung geprägte Endphase der Schullaufbahn an der Mittelschule gewesen. Nach zwei Jahren einer breiten Profilbildung in WTH, hätte hier genau zum richtigen Zeitpunkt Spezialisierung und Vertiefung eingesetzt, die Hauptschüler wären mit im Boot gewesen und hätten davon sehr profitieren können. Eigentlich gehört diese Variante in die heutige Zeit, das Gegenteil ist der Fall.
    Das Fach WTH und die Vertiefungskurse konnten bei der Einführung auf allen Strukturen ihrer separaten Vorgänger in Form der einzelnen Profile aufgebaut werden, es gab über lange Jahre praktizierte und bewährte Fächer an der sächsischen Mittelschule als Vorbilder. Somit wäre auch die Einrichtung entsprechender Studiengänge an Hochschulen und Universitäten aufbauend auf den vorhandenen Fachstrukturen durchaus früher möglich gewesen.

    • Michael 2 Jahren vor

      Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung der Vorgeschichte des Faches WTH. Diese beschreibt sehr richtig und logisch, dass die nun abgeschafften Vertiefungskurse Wirtschaft, Technik sowie Gesundheit und Soziales der Klasse 10 Bestandteil der fachlichen Linienführung und damit Krönung und Abschluss der Fächer Technik und Computer (Klassenstufe 5/6) – WTH und eben nicht losgelöst von WTH zu betrachten sind! Ein wesentlicher Grund für die Einführung des Faches WTH war u.a. der Anspruch der Mittelschule als allgemeinbildende, berufsvorbereitende (duale Ausbildung!) Schule und die oft in Zeiten der Einzelprofile fragliche Entscheidungskompetenz der Schülerinnen und Schüler am Ende der Klasse 6 (!) für die Profilwahl ab Klassenstufe 7 bis Klassenstufe 10. Eine Entscheidung der SuS bereits am Ende der Klassenstufe 6 konnte nicht im Kontext einer möglichen späteren beruflichen Entwicklung stehen, sie war zu oft abhängig von weichen Faktoren wie, Entscheidung der Eltern, Gruppendynamik in der Klasse, Lehrerpersönlichkeit, Entscheidungen der Freunde und momentaner persönlicher Interessen. Ein Wechsel des Profilfaches wurde von Seiten der Schulleitung nur in begründeten Ausnahmefällen ermöglicht. Die persönliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler in den folgenden Schuljahren, speziell die Herausbildung individueller Neigungen und Kompetenzen in Verbindung mit der Ausformung eines mehr oder weniger gefestigten Berufswunsches und dessen fehlende Passfähigkeit zum zeitig gewählten Profilfach, führten oft zu Widersprüchen und Hemmnissen. Schade, dass mit der Einführung des Faches WTH nicht die in Bereich der SBA Leipzig erprobte Variante WTH 7 – 8 (3 Wochenstunden auch in Klassenstufe 7) und Vertiefung Klassenstufe 9 – 10 landesweit umgesetzt wurde. Ich stimme hier voll Peter zu – dass wäre eine mögliche zeitgemäße Lösung!
      Die nun getroffene Entscheidung der Abschaffung der Vertiefungskurse wird für unsere OberschülerInnen leider Folgen haben. Die von den Kammern und der Wirtschaft beklagte unzureichende Ausbildungsreife wird sich nicht verbessern. Ein praxisorientiertes, lebensverbundenes und bei Schülerinnen und Schülern beliebtes Fach entfällt. Die Oberschule wird leider weiter geschwächt, ich denke hier nur an den Slogan „Praxiselite Mittelschule“! Die Entscheidung trifft auch schwer die in diesem Fach unterrichtenden Lehrerinnen und Lehrer, welche sich mehrheitlich berufsbegleitend in Fortbildungen bzw. berufsbegleitendem Studium in den vergangenen Jahren qualifiziert haben. Es ist eine persönliche Missachtung der Leistung dieser engagierten Kolleginnen und Kollegen!
      Übrigends haben die Fachberaterinnen und Fachberater der ehemaligen Profilfächer und später des Faches WTH schone seit sehr, sehr vielen Jahren auf die fehlende grundständige Lehrerausbildung hingewiesen.

  20. Grit 2 Jahren vor

    Seit gut einer Woche verfolge ich den Blog und freue mich, dass sich immer mehr an der Diskussion beteiligen und mit der Entscheidung so nicht einverstanden sind.
    Ja, auch ich war zunächst traurig und wütend, ob der Art und Weise der Präsentation der Beschlüsse des Sächsischen Kabinetts.
    Vieles wurde hier geschrieben, was mir aus tiefstem Herzen spricht.
    Da werden also Schüler, Lehrer, Eltern und Schulleitungen (die hatten wohl schon ein paar Infos) Anfang Mai vor vollendete Tatsachen gesetzt ohne Wenn und Aber. Die Schüler hatten bereits fürs kommende Schuljahr ihrer Kurse gewählt. Die Materialien für die Vertiefungskurse sind teilweise schon bestellt.
    Wer überprüft denn die Entscheidungen unserer Vertreter der repräsentativen Demokratie? Würde nicht auch ein Rückrudern von vorschnell getroffenen Entscheidungen von Größe zeugen?
    Sehr geehrte Frau Kelch ich zitiere Sie: „Klar ist nur, mit Inkrafttreten des neuen Schulgesetzes zum Schuljahr 2017/2018 müssen die Arbeit abgeschlossen und die Stundentafeln angepasst worden sein.“
    (Warum dann also die Entscheidung GEO/ GE statt VK ab 2016/17? )
    Wäre nicht genau dort der Zeitpunkt für generelle nachvollziehbare Änderungen ohne ein Fach einfach mal von der Stundentafel zu streichen. Mehr Offenheit und zielführende Gelassenheit (ohne sich durch Medien und Studien unter Druck zu setzen) würde unserer Demokratie gut tun.
    Die Frage, warum gerade an Oberschulen die politische Bildung gestärkt werden soll und Gymnasien sind z. Z. außen vor, muss ich hier ebenfalls nochmal stellen.
    Ich werde auch das Gefühl nicht los, dass der Unterschied zwischen Neigungskursen (Kl. 7 – 9) und Vertiefungskursen (Kl. 10) vielen Entscheidern noch nicht klar ist. Wollte man vielleicht die Neigungskurse und nicht die Vertiefungskurse abschaffen? Denn die werden tatsächlich von den Schulen und Lehrern geplant, ohne dass es vorgeschriebene Lehrpläne gibt.
    Auch viele Eltern und Bürger, die nicht unmittelbar mit der Oberschule zu tun haben, wissen gar nicht was Neigungskurse und Vertiefungskurse sind. Es lässt sich da natürlich gut „verkaufen“:
    „Sachsens Schüler sollen sich intensiver mit Politik und Gesellschaft auseinandersetzen. An den Oberschulen wird deshalb die Wahlmöglichkeit für Geschichte oder Geographie in der 10. Klasse gestrichen…. Das Streichen der Wahlmöglichkeit zwischen Geographie und Geschichte muss jedoch Konsequenzen haben. Sobald die Schüler nicht mehr zwischen den beiden Fächern wählen können, hätten sie in der Abschlussklasse theoretisch zwei Wochenstunden mehr im Stundenplan stehen als bisher. Um diese Belastung auszugleichen, werden die Vertiefungskurse der 10. Klassen ab dem kommendem Schuljahr 2016/17 abgeschafft.“
    Als nicht Beteiligter würde ich auch sagen „Das finde ich gut“.
    Sollte die Vermutung, dass der Vertiefungskurs aufgrund fehlenden Lehrer (speziell WTH) gestrichen werden muss, stimmen, dann würde ich mir eine ehrliche Aussage vorziehen, mit, der wir dann leben müssen. Alle anderen Gründe sind für die Lehrer der Vertiefungskurse schwer nachzuvollziehen, die engagiert und ideenreich gerade dort Projekte durchgeführt haben.
    Nun habe ich nicht das Recht Forderungen zu stellen, aber einen Wunsch kann ich am Ende nochmal formulieren.
    Ich wünsche mir, dass sie Entscheidung der Streichung der Vertiefungskurse an den Oberschulen ab kommendem Schuljahr noch einmal auf die Tagesordnung kommt und überdacht wird. Vielleicht gibt es noch ein Jahr Aufschub, um dann im gesamten Kontext der Bildungslandschaft mit Einführung des neuen Schulgesetzes politische und kontinuierliche berufsorientierende wirtschaftliche, technische und hauswirtschaftlich/ soziale Bildung ein berechtigtes Miteinander bis zur Klasse 10 zu gewährleisten.
    Denn Ziel der Weiterentwicklung der Mittelschule zur Oberschule war doch: „Auch Oberschüler stehen für „Praxiselite“. Aufgabe aller Unterrichtsfächer ist neben der Allgemeinbildung die Vorbereitung aller Schüler auf ein berufliches Erwerbsleben. Eine Leitfunktion übernimmt wie bisher das Fach Wirtschaft-Technik-Haushalt/Soziales.“
    http://www.schule.sachsen.de/15168.htm
    Oder gilt das Ziel nicht mehr?

  21. Nicole 2 Jahren vor

    Ich frage Sie: wer soll Ihre Güter prodzuieren, Ihr Auto reparieren oder sich um Ihren Garten kümmern? Glauben Sie, dass das ein Akademiker machen würde. Jetzt ist ja jeder Jugendliche hochbegabt und total gut geeignet für eine akademische Ausbildung (bedenken Sie die hohen Zahlen von Studienabbrüchen)… Haben Sie mal daran gedacht, dass es Schüler/Innen gibt die sich gerne praktisch ausleben , ihr Produkt in den Händen halten möchten und sehen wollen wie ein echter Arbeitsprozess funktioniert?!! In meinen Augen werden diese Talente von Schüler/Innen herabgesetzt und nur noch das abstraktte Wissen ist wichtig! Sie nehmen den Schüler/Innen ihre orientierung! Oberschule die erste Niederlage im Leben?!! NEIN!!!
    Und überlegen Sie sich mal warum sich viele junge Menschen in extreme Richtungen orientieren –
    “ natürlich wegen WTH/S, dass die so nötige politische Bildung verträngt….“ NA,KLAR!

  22. Freya 2 Jahren vor

    Im Moment wird doch der neue Lehrplan entwickelt, der lebensnaher und praxisorientierter sein soll… und dann schafft man die Vertiefungskurse Wirtschaft, Technik, Gesundheit und Soziales ab? Ausgerechnet an der Stelle soll eingekürzt werden, an der die Schülerinnen und Schüler sich berufs- und interessenorientiert einen Neigungskurs wählen können, in dem sie praktische Erfahrungen sammeln und kooperativ arbeiten können? (Aus dem Sächsischen Lehrplan, Vertiefungskurse: „Beim handlungsorientierten Lernen an alltagsbezogenen Situationen festigen die Schüler ihre Fähigkeiten bei der kooperativen Arbeit in Teams und entwickeln die Fähigkeit zu realistischer Selbsteinschätzung weiter. Mehrperspektivisches Arbeiten fördert nachhaltiges Denken und trägt zur Entwicklung von Urteilsfähigkeit bei. Die Auseinandersetzung mit der Arbeitswelt, mit Berufsbildern und Lebensentwürfen wird intensiviert. Damit erarbeiten sich die Schüler weitere Voraussetzungen zu Ausbildungsfähigkeit und beruflicher Qualifikation sowie zu einer verantwortungsbewussten und selbstbestimmten Lebensgestaltung.“) Die Mittelschule hat laut Lehrplan die Aufgabe, den SuS eine allgemeine und berufsvorbereitende Bildung zu vermitteln. (Aus dem sächsischen Lehrplan: „Für die Mittelschule ist als Leistungsauftrag bestimmt, dass sie eine allgemeine und berufsvorbereitende Bildung vermittelt und Voraussetzungen beruflicher Qualifizierung schafft.“)
    Und auch hier spielen die Vertiefungskurse eine wichtige Rolle, weil laut Lehrplan hier zu Beginn der 10. Klasse noch einmal vorgestellt wird, welche weiteren Bildungswege man nach dem Schulabschluss beschreiten kann. Es wäre also auch gerade im Interesse der Schüler, dass diese Vertiefungskurse erhalten bleiben, oder?
    Oder ist die Abschaffung doch nur eine Maßnahme, um den Lehrermangel in WTH/S durch andere Fächer auszugleichen? Schließlich werden die ersten WTH/S-Studenten erst 2017 ihr Studium abschließen.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Deshalb ist mit den Änderungen im Schulgesetz auch das Ziel verbunden, Freiräume für derartige Arbeitsformen wie z.B. Komplexarbeiten, zu schaffen und dafür weitere Unterrichtsbereiche zu öffnen. Ansonsten kann ich vielen Kommentaren nur zustimmen: Politische Bildung ist ein fächerübergreifender Auftrag. Aber gerade bei Fächern wie Geschichte gibt es doch enorm viele Anknüpfungspunkte, um aktuelle politische Ereignisse zu beleuchten. Ich finde es übrigens interessant und gut, dass sich hier so viele dazu äußern. Bisher waren die Kommentare ja eher rar. Allerdings würde es mich auch interessieren, was eigentlich die Geschichtslehrer dazu sagen. Bisher haben sich offenbar vor allem WTH-Lehrer oder Mitarbeiter des zuständigen Lehrstuhls an der Uni hier geäußert….

      Viele Grüße an alle Kommentatoren!

    • Karen 2 Jahren vor

      Vor allem haben sich auch die betroffenen WTH-Studierenden, mich eingeschlossen, geäußert. Leider hatten Sie bisher auf meine Fragen keine Antwort.
      Zudem erschließt es sich mir auch nicht wirklich, wozu das neue Schulgesetz mit dem Ziel verbunden ist, neue Freiräume u.a. für Komplexarbeiten zu schaffen, wenn diese – eben in den Vertiefungen – bereits bestehen?

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Grundsätzlich möchte ich unbedingt nochmal an dieser Stelle betonen, dass wir Sie als WTH-Lehrer als wichtige Säule der Oberschulen brauchen! WTH-Lehrer können sich zudem überall einbringen, auch z.B. bei Projekten wie Schülerfirmen oder Schülerlaboren. Es ist ein sehr komplexes Fach, dass den integrativen Gedanken, verschiedene Fächer wie Technik, Wirtschaft oder Haushalt zu verknüpfen, in sich trägt.

      Zu Ihren Fragen: Wenn es dann ein neues Schulgesetz gibt, sollen die Lehrpläne überprüft werden, ob sie dem neuen §1 SchulG angepasst werden müssen (nähere Erklärung hier http://www.bildung.sachsen.de/blog/index.php/2016/04/14/weniger-faktenwissen-mehr-kompetenzen-sachsens-lehrplaene-werden-ueberprueft/ )

      Um zu erklären, warum der Studiengang WTH erst 12/13 eingeführt wurde, muss ich länger ausholen. Die Lehrpläne mit dem damals neuen Fach WTH gibt es seit 2004. Damals hat man sie flächendeckend eingeführt und dieses curriculare Gesamtwerk musste erst einmal evaluiert werden. Dies passierte vor dem Hintergrund, dass eventuelle Korrekturen notwendig sind. Als sich dann bestätigt hat, dass Sachsen diesen integrativen Weg in den Schulen gehen will, wurde auf dieser Grundlage eine Konzeption der Lehrerbildung aufgenommen. Damals hatte Sachsen außerdem noch einen Lehrerüberhang. Deshalb haben sich viele Lehrer, die sich schon im System befanden, erstmal berufsbegleitend für WTH weiterqualifiziert. Zudem gab es keine passende Professur an den Unis. Es musste erstmal ein integrativer Lehrstuhl in der Kombination dieser Fächer gegründet werden.

    • Marie 2 Jahren vor

      Doch die für mich entscheidende Frage lautet: Wozu aktuelle Themen in GESCHICHTE diskutieren, während in dem Fachbereich Gemeinschaftskunde politisch ausgebildete Fachkräfte existieren. Wo finde ich die Anknüpfungspunkte in dem Fach Geografie?

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Politische Bildung sollte in jedem Fach eine Rolle spielen. Zu Geographie hier nochmal ein Zitat aus dem Lehrplan aus einem Kommentar von mir: „Geographieunterricht führt zum Verstehen von räumlichen Zusammenhängen in der Welt und entwickelt raumbezogene Handlungskompetenzen. An globalen, regionalen und lokalen Beispielen lernen die Schüler, Räume in ihrer Komplexität zu erschließen und die zwischen raumprägenden Faktoren ablaufenden Wechselwirkungen vor dem Hintergrund historischer und politischer Entwicklungen zu erfassen. Dadurch werden Argumentationsfähigkeiten, Empathie, die Bereitschaft zur aktiven Teilnahme an raumwirksamen Entscheidungsprozessen im Heimatraum und in der „Einen Welt“ gefördert. Kontinuierliche Vergleiche von Heimatraum und Räumen anderer Kontinente regen die Schüler zur kritischen Selbstreflexion ihrer eigenen Lebenswelt und Lebensweise an. Damit sind Lernprozesse der interkulturellen Bildung und Erziehung verbunden, die zu weltoffenem und tolerantem Verhalten beitragen. Die Einordnung aktueller Ereignisse in bestehende Strukturen, ihre Bewertung und das Aufdecken der Folgen verdeutlichen den Schülern den Gegenwartsbezug und die Zukunftsorientierung geographischer Inhalte.“

  23. Peter 2 Jahren vor

    Welches Allheilmittel für die gegenwärtigen gesellschaftlichen Brüche in unserem Land soll die Wiedereinführung eines Schulfachs sein? Das Fach Geschichte blickt zurück in die Historie und bewertet sie aus unserem heutigen Blickwinkel, leitet dabei sicher auch Schlussfolgerungen ab. Es kann Beziehungen zu Gegenwart und Zukunft herstellen und gehört natürlich zur Allgemeinbildung. Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten im Bereich Technik, Wirtschaft, Soziales Verhalten sowie Kunst und Kultur aber in der gleichen Wertigkeit auch. Ich kann mich nicht mehr erinnern, mit welcher Begründung Geschichte vor Jahren in Sachsen zu einem Wahlfach gemacht wurde. Vielleicht kann es jemand im Rückblick in Erfahrung bringen und die Information an dieser Stelle nochmal präsentieren. Schule hat aber zu jeder Zeit und an jeder Stelle in einem demokratischen Gemeinwesen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung aus welchen Gründen auch immer und antidemokratischen Verhalten und Strömungen entgegen zu treten. Jeder Lehrer in diesem Land wird in seinem Fachunterricht bei Notwendigkeit auf der Stelle seine eigentlichen Inhalte links liegen lassen und gegen Verhalten, Äußerungen oder Handlungen aus dem oben bereits genannten Spektrum vorgehen. Das ist unsere berufliche Pflicht und ein selbstverständliches Auftreten jedes demokratisch gesinnten Menschen. Das Problem sind aber nicht die Schüler in den Schulen, sondern die Menschen auf den Straßen bei reaktionären Demonstrationen unter der Regie rechter Rattenfänger oder bei beschämenden „Protesten“ gegen Unterkünfte von Verfolgten oder Menschen aus Kriegsgebieten.
    Im WTH- Unterricht in allen seinen Fachrichtungen und in den sich bisher noch anschließenden Vertiefungskursen
    hat man als Lehrer selbstverständlich Inhalte immer auch historisch und im gesellschaftlichen Umfeld betrachtet und bewertet, so wie das bei allen anderen Fächer an der Mittel/Oberschule bei entsprechenden Möglichkeiten
    auch selbstverständlich war und ist. Bei Veränderung in Lehrplänen, fachlichen Inhalten und Wertigkeiten innerhalb des Systems Schule sollten die Verantwortlichen immer seine Gesamtheit und Ausgewogenheit im Auge haben. Schule braucht sicher Veränderung und Anpassung, aber auch Bestand. Alles andere schafft nur
    wieder neue Baustellen, die sehr oft unvollendet bleiben.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Sie haben Recht. Schule kann gesellschaftliche Probleme nicht komplett reparieren. Ein Allheilmittel wird es nicht geben. Aber: Ist es nicht die Pflicht genau da anzusetzen und zu fragen, was können wir noch verbessern? Und genau wie Sie es selbst sagen: In der Schule haben Sie als Lehrer Zugang zu jungen Menschen und können ein Gegengewicht zu den wie Sie z.B. sagen „rechten Rattenfängern“ sein. Und die Schüler sind doch die Eltern von Morgen. Sie werden künftig unsere Gesellschaft mitprägen.

  24. Daniel 2 Jahren vor

    Die Vertiefungskurse sind wichtig um Neigungen der Schüler gerecht zu werden! Es gibt kein lebensnäheres Fach als WTH. Die Komplexarbeit dient den Schülern zur Spezialisierung eigener Fähigkeiten, ganz nach ihren Interessen. Sie ist eine Chance für Schüler und sollte nicht verloren gehen!

  25. Karen 2 Jahren vor

    Unsere Staatsregierung hat beschlossen, dass sich Sachsens Schüler intensiver mit Politik und Gesellschaft auseinandersetzen sollen. Dieses Ansinnen kann ich nur bekräftigen und unterstützen. In Bezug auf die Art und Weise der Umsetzung dieses Zieles stellen sich mir jedoch mehrere Fragen:
    1. Wenn sich sächsische Schüler mehr mit diesem Thema auseinandersetzen sollen, wieso betrifft das Mehr dann nur Oberschüler, die dadurch auch noch Einschränkungen ihrer individuellen Entwicklungsmöglichkeiten durch den Wegfall der Vertiefungen hinnehmen müssen? Besteht denn bei den Gymnasiasten keine Notwendigkeit dafür? In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob über tatsächliche BildungsINHALTE der Vertiefungen die Chancen der Schüler auf eine qualifizierte Berufsausbildung, welche wesentliche Voraussetzung dafür ist, sich in das gesellschaftliche soziale Leben wissend integrieren zu können, nicht viel mehr erhöht wird. Ansatzpunkte für politische Bildung finden sich bereits in vielen Fächern und sicherlich gäbe es andere Möglichkeiten, dies zu intensivieren.
    2. Weiterhin ist es mir unverständlich, warum derart gravierende Änderungen der Stundentafel so kurzfristig umgesetzt werden müssen, ohne dass es dafür einen soliden Lehrplan, Unterrichtsmaterial oder ähnliches gibt. Zumindest für das Schuljahr 2016/17 ist davon auszugehen, dass konkrete Ziele der politischen Bildung gar nicht definiert sein können.
    3. Weiterhin frage ich mich, wie es um die Wertschätzung und Motivation durch unsere Staatsregierung gegenüber den angehenden WTH-Lehrern bestellt ist. Um das noch einmal festzuhalten: der erste Studienjahrgang im Fach WTH wird erst seit dem WS 2012/13 an der TU Dresden ausgebildet – warum eigentlich erst so spät? Das bedeutet, dass die ersten Studierenden 2017 ihr Studium abschließen können. Die Ausbildung in diesem Fach stellt ausgesprochen hohe qualitative und noch viel mehr quantitative Anforderungen aufgrund der thematischen Breite (Wirtschaft, Technik, Hauswirtschaft/Soziales). Dieses Ausbildungskonzept ist auch aus dem Grund so konzipiert, da die Studierenden eben nicht „nur“ das Fach WTH in den Klassen 7 bis 9 unterrichten, sondern eben auch die Vertiefungsrichtungen Wirtschaft, Technik und Haushalt/Soziales, welche allesamt Spezialisierungen darstellen, die aus dem Fach WTH resultieren. Es ist ein Schlag ins Gesicht aller WTH-Studierenden, die nun kurz vor ihrem Abschluss stehen und diese Misskreditierung ihres Faches – oder eben ihrer Fächer – wahrnehmen müssen!
    Es tut mir leid, dies so formulieren zu müssen. Mir erscheint dieses, von Grund auf löbliche Ansinnen, im Kern nicht durchdacht. Vielmehr wird hier kurzfristig Politik auf Kosten der Bildung gemacht!! Es klingt natürlich gut, wenn die Staatsregierung verkünden kann, dass in der Schule ab SOFORT mehr politische Bildung erfolgt. Nur wird dies auf dem Weg des geringsten Widerstandes umgesetzt – und zwar nur in den Oberschulen und auf Kosten des, scheinbar wenig etablierten und anerkannten Faches WTH bzw. der Vertiefungsrichtungen. Man kann sich schlussendlich auch des Eindrucks nicht erwehren, dass das ursprüngliche Ansinnen gleichfalls ein gutes Argument darstellt, dem eklatanten Lehrermangel entgegen zu wirken.

  26. Sebastian 2 Jahren vor

    In diesem Fall ist es wie sonst immer auch, der Tausch ist kurzfristig nicht anders zu bewerkstelligen. Natürlich schlägt das Land Sachsen damit 2 Fliegen mit einer Klappe. Erstens soll durch den Unterricht vor allem das allgemeine Verständnis für geschichtliche Entwicklungen und geopolitisches Wissen gestärkt werden. Zweitens kann man so wieder leichter von der sogenannten Abdeckung des Unterrichts schwafeln. Denn ja es gibt zu wenig WTH-Lehrer und im Gegensatz dazu ziemlich viele Geschichts- und Geolehrer!
    Man muss aber auch ehrlich sein und sagen das dies die einzige kurzfristige Lösung für das Problem war. Eine Entfernung der Neigungkurse (die eh nur äußerst selten den Neigungen der Schüler entsprechen) wäre dauerhaft besser, aber ist eben schwierig in kurzer Zeit zu realisieren. Für diese Stunden könnten dann Dinge wie Gemeinschaftskunde, aber eben auch Deutsch und Mathe und die Naturwissenschaften wieder mehr in den Fokus rücken. Lässt sich aber eben Lehrplantechnisch schlecht umsetzen!

    • Vivien 2 Jahren vor

      Warum ist eine dauerhafte Entfernung der Neigungskurse besser?? Durch diese Kurse werden den Schülerinnen und Schülern wertvolle Fähigkeiten und Fertigkeiten für den nachfolgenden Einstieg in den Beruf vermittelt, was durch das Anfertigen der fachspezifischen Komplexarbeit gekrönt wird!
      Gegen eine generelle Abschaffung spreche ich mich hiermit deutlich aus, kann diesen Punkt auch wirklich nicht nachvollziehen und auch gegen diese momentane Abschaffung werden wir kämpfen, weil es nicht nur eine Schwächung der Oberschule bedeutet, sondern sich vor allem für die Schülerinnen und Schülern nachteilig auswirken wird!!

      Teuer ausgebildete WTH-Lehrer stehen ab nächstem Jahr zur Verfügung! Lehrer die hinsichtlich des Lehrplans ausgebildet wurden und vor allem auch die Vertiefungskurse fachlich auf hohem Niveau durchführen können. Dass das Land Sachsen einfach ein paar Jahre zu spät mit dieser Ausbildung begonnen hat, sollte nicht den fast fertigen WTH-Lehrern und vor allem nicht den Schülerinnen und Schülern zum Nachteil werden!!

    • Vivien 2 Jahren vor

      Oh, mit den Neigungskursen habe ich mich noch nicht beschäftigt! Dazu kann ich nichts sagen, ich meinte natürlich die Vertiefungskurse!

    • Sebastian 2 Jahren vor

      Und das ist eben der Unterschied! Die Vertiefungskurse sind eine Fortführung des WTH-Unterrichts und damit sinnvoll! Die Neigungskurse sollen hingegen den Neigungen des Schülers entsprdchen. Die Idee ist ja ganz nett, aber dann müsste man pro Jahrgangsstufe mit 3 Klassen mindestens 10 oder eher mehr Neigungskurse anbieten bzw durchführen! Ich habe momentan einen Neigungskurs mit 12 Schülern von denen vielleicht 2 wirklich Interesse daran haben, während der Rest einfach nirgendwo anders rein kam. Deshalb sind diese Stunden einfach mal völliger Blödsinn und eine Verschwendung von Unterrichtsstunden!

  27. Peter 2 Jahren vor

    Danke für die Anteilnahme an der würdelosen, plötzlichen und völlig unüberlegten Beerdigung der Vertiefungskurse für Realschüler in Klasse 10. Hier konnte man bisher an der Mittel/Oberschule differenziert auch Talente fördern, fordern und endlich zielgerichtet nach der eigenen Wahl des Schülers einen Fachbereichs vertiefend unterrichten. Viele unserer Schüler haben aufbauend auf den erworbenen Fähigkeiten und Kenntnissen im Unterricht in diesem speziellen Jahr mit entsprechenden Schulabschlüssen den Weg zu beruflichen Gymnasien und später zu Fachhochschulen eingeschlagen. Da unsere sonstigen Gymnasien sowohl in Sachsen als auch im übrigen Land inhaltlich und bildungsmethodisch im späten 19. Jahrhundert stehen geblieben sind, existiert dort keine eigentlich schon seit Jahrzehnten unbedingt nötige technische und wirtschaftliche Bildung mit einer Ausrichtung auf die gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen an unser Land. Im internationalen Wettbewerb und für die nationale Aufgabe von Technikfortschritt und Technologie-führerschaft unter Einbeziehung und Beachtung der Ökologie ist dies ein schlimmes Versäumnis und zugleich ein schwerer Fehler. Da kann man ja ohne Probleme an der Mittel/Oberschule ruhig noch dringend nötige Bildung in diesem Bereich abschaffen. Genau wegen der Beendigung des WTH- Unterrichtes in Klasse 9 braucht man danach die weiterführenden Kurse, auch für Schüler mit anderen Interessenlagen den Bereich Kunst und Kultur.
    Angeblich hat die Politik in Sachsen ihr Ohr ja immer nah an der Wirtschaft und ihren Bedürfnissen, was sagen deren Vertreter eigentlich zu dieser Entscheidung? Die wieder eingeführte Pflicht für den Geschichtsunterricht wird nichts an unseren derzeitigen und vielleicht auch noch zukünftigen gesellschaftlichen Problemen ändern, hier sitzen die Auslöser viel tiefer und an anderen Stellen. Politik und Staat waren in Hinblick auf die aktuellen Ereignisse viel zu lange im Tiefschlaf.
    Selbstverständlich freue ich mich als Lehrer aus dem Profilbereich auf neue, junge Kollegen – wir warten schon
    sehr lange auf euch. Der Freistaat hatte wohl die Ausbildung von WTH – Lehrern („Profilfächer – Säule der
    sächsischen Mittel/Oberschule“) für etwas mehr als zehn Jahre verschlafen. Es wird doch jetzt wohl keiner denken, das die Vertiefungskurse wegen besonders großem Lehrermangel in diesem Fachbereich abgeschafft werden?
    Die ganze Bildung in unserem gesamten Land muss auf den Prüfstand, bevor es zu spät ist. PISA- Ergebnisse sind ein Blick durch ein Schlüsselloch. Alles gehört in Frage gestellt, die Modernisierung und Vereinheitlichung des Systems Schule ist in Deutschland lange überfällig. Ein Land der Köpfe und Ideen braucht sogar mehr und tiefergehende technische Bildung für seine Zukunft, diese sollte eigentlich schon im Kindergarten spielerisch beginnen. Was jetzt passiert, ist der völlig falsche Weg.

  28. Vivien 2 Jahren vor

    Eine Überlegung hätte ja auch sein können, einfach das Fach WTH hinsichtlich der politischen Bildung ein wenig umzugestalten! Statt dieses wertvolle Fach einfach zu streichen und verpflichtend Geographie einzusetzen. Sorry an alle Geographie-Lehrer, aber das verbinde ich nicht in erster Linie mit politischer Bildung!
    Warum wurde dieser Blickpunkt nicht ins Auge genommen, die WTH-Fachvertreter ins Boot geholt und daran gearbeitet?

    • Luise 2 Jahren vor

      Das sehe ich genau so. Die Vertiefungsrichtungen und auch das Fach an sich bieten sicherlich mögliche Ansatzpunkte. Und so bliebe auch die Wahlmöglichkeit für die Lernenden.

    • Diana 2 Jahren vor

      Das sehe ich ebenfalls GENAU SO.

  29. Kerstin 2 Jahren vor

    Mit Erstaunen habe ich (Elternteil eines Oberschülers und Elterratsmitglied) am 04.05.16 aus der Presse erfahren, dass im kommenden Schuljahr das Fach Vertiefungskurs in der Klasse 10 abgeschafft werden soll. Weder über den KER noch den LER wurde diese Information weitergegeben. Aber vielleicht wussten die Elternvertretungen auch nicht Bescheid?
    Ziel ist es, die Stärkung der Demokratiebildung in Sachsen voranzutreiben, deshalb werden zukünftig wieder Geschichte und Geografie in der Klasse 10 verpflichtend unterrichtet. Das begrüße grundsätzlich ich sehr. Ich möchte allerdings bezweifeln, dass durch diese Maßnahme Schüler mehr politische Einsicht erlangen und damit ihre politische Einstellung ändern.
    Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Abschaffung der Vertiefungskurse Technik, Wirtschaft bzw. Gesundheit/ Soziales der richtige Weg ist. Gerade diese Kurse bereiten unsere Oberschüler auf ihr zukünftiges Berufsleben vor. Interessenspezifisch können die Schüler vertiefendes Wissen in kleineren Gruppen im praktischen und theoretischen Unterricht erlangen. Die verpflichtende Komplexarbeit war eine gute Vorbereitung auf spätere Abschlussarbeiten in der Berufsausbildung. In einem Bundesland, welches eine tiefe technische Wurzel hat (Automobilbau, Textilmaschinenbau…) die technische Bildung zu kürzen, halte ich für den falschen Weg. Suchen doch gerade Handwerks- und Industriebetriebe händeringend nach Azubis. Der Kurs Gesundheit/ Soziales befasst sich mit multikulturellen Besonderheiten in einer globalen Welt, sowie Gesunderhaltung und Pflege. Im Kurs Wirtschaft werden wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte erörtert, die Zusammenhänge darstellen und Diskussionen ermöglichen. Gerade hier wurde Differenzierung gelebt.
    Ihre Aussage: „Die Kurse folgten dabei keinem einheitlichen sächsischen Lehrplan, sondern wurden inhaltlich von den Schulen konzipiert.“ ist m. M. nach falsch. Auch für die Vertiefungskurse gibt es einheitliche Lehrpläne (2004/2009/2011). (siehe: http://www.schule.sachsen.de/lpdb/)
    Fest steht jedoch, dass sich die Stundentafel der Klassen 10 um eine weitere Stunde (außer 2. Fremdsprache) auf 31 Stunden pro Woche reduziert.
    Man kann daher zu der Annahme aus den Erfahrungswerten der letzten 10 miterlebten Schuljahren meiner Kinder kommen, dass diese Maßnahme dem Sparen im Bildungsbereich Rechnung trägt.
    1.Reduzierung der Pflichtstundenzahl um 1 Stunde pro Woche in Klasse 10 (Ist das nur der Anfang?)
    2.Abschaffung von Gruppenunterricht (VK 16 Schüler pro Kurs, GE/ GEO ganze Klasse 25 – 27 Schüler)
    3. Kompensierung des Lehrermangels (WTH- Lehrer fehlen)
    4.Falsche Quoten in der Lehrerausbildung, wo sind die MINT- Fächer (mehrere Referendare mit der Kombination GE/ ETH).
    Sollte nicht Deutschland das Land der Techniker und Ingenieure bleiben oder ist das nicht Aufgabe der Oberschule?
    Eine Kürzung der Stunden auf eine Stunde pro Woche GE und GEO wäre auch eine überlegenswerte Option gewesen, ohne WTH abzuschaffen. Aber das Kosten Geld und Lehrer – und beides ist Mangelware, leider.
    Eine Streichung eines Faches, ohne das Gesamtkonzept der sächsischen Bildung zu überarbeiten finde ich zudem zu diesem Zeitpunkt (Wo bleibt die Planungszeit für das nächste Schuljahr?) recht fragwürdig. Wann wurden Eltern, Schüler und Lehrer befragt bzw. beteiligt? Unter repräsentativer Demokratie verstehen wir an unsrer Schule etwas anderes. Und wieso sofort ab Schuljahr 2016/17, ist das nicht etwas unüberlegt (Nur am Rande, wo bleibt die politische Bildung für unsere Sprachschüler? Sie sollen weiter zwischen GEO und GE wählen. Wie er folgt dort die Klassen- bzw. Gruppenbildung?) oder sollen aufkommende Diskussionen im Keim erstickt werden?

    • Luise 2 Jahren vor

      Hier wurden meiner Meinung nach viele wichtige Punkte treffend zusammengefasst. Vielen Dank dafür.

    • Vivien 2 Jahren vor

      Schön, dass auch Eltern dieses Thema als so wichtig erachten und der selben Meinung sind wie wir!:)

    • Diana 2 Jahren vor

      Viele wichtige Punkte so treffend zusammengefasst! Danke 🙂

    • Anne Lochschmidt 2 Jahren vor

      Danke für den Rückenwind 🙂

  30. Sharon Schönherr 2 Jahren vor

    Wie sieht denn das Konzept oder der Lehrplan für die Klasse 10 in Geschichte aus? Bleibt der Alter erhalten oder entsteht ein neuer Lehrplan? Welche Schwerpunkte werden gesetzt?Haben Sie selbst den GK und Geschichtsunterricht in einer Oberschule hospitiert? Ich stelle es mir aus eigenen Erfahrungen sehr schwierig vor, politische und gesellschaftliche Problematiken ein komplettes Schuljahr intensiv zu unterrichten, da sie so schon in der Lebenswelt der Schüler und Schülerinnen unausweichlich sind.

    Noch dazu verstehe ich die Formulierung nicht:
    „Es gibt aber auch einige Schüler, die weiter zwischen Geographie und Geschichte wählen dürfen. Das sind Schüler mit abschlussorientierter zweiter Fremdsprache, Schüler an Oberschulen mit vertiefter sportlicher Ausbildung und Schüler an der Palucca-Oberschule.“
    Den Schülern und Schülerinnen die sich auf grund eines anderen Schulkonzeptes für eine invidiuelle Vertiefung (Sprache, Sport, etc.) entschiedene haben, bleiben bei der Entscheidung außen vor? Wie ist das zu rechtfertigen? Die Lernenden auf einer „normalen“ Oberschule wählen genauso eine Vertiefung, welche ihren Stärken entspricht und in Richtung Berufsorientierung so entscheidend ist. Wo ist der Unterschied ob ich eine Fremdsprache vertiefe oder das Fach Wirtschaft? Jungen Menschen wird durch die Entscheidung ein wichtiges praktisches Handwerk für ihre Zukunft genommen.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Na die Schüler konnten doch bisher zwischen Geographie und Geschichte wählen. Es gibt also einen ganz normalen Lehrplan für die beiden Fächer bis zur 10. Klasse. Hier der Link zum Lehrplan http://www.schule.sachsen.de/lpdb/web/downloads/lp_ms_geschichte_2009.pdf?v2

      Zum Thema 2. Fremdsprache: Die Schüler belegen die 2. Fremdsprache von der 6. bis zur 10. Klasse. Damit ist der „Lehrgang“ zweite Fremdsprache abgeschlossen. Der Kurs WTH, also das eigentliche Fach, wird von der 7. bis zur 9. Klasse im Pflichtbereich belegt und ist damit abgeschlossen.

      Bei den Vertiefungskursen handelt es sich um eine Vertiefung der Interessen der Schüler, nicht um eine Fortführung des Faches WTH. Sie konnten zwischen Kunst und Kultur, Gesundheit und Soziales, Wirtschaft oder Technik wählen.

      Zum Thema WTH und Berufsorientierung hier nochmal alles ganz genau: Ein grundsätzliches Anliegen der pädagogischen Arbeit an den Oberschulen ist es, die Berufswahlkompetenz und die Ausbildungsreife der Schüler zu fördern und sie zu einer Berufswahlentscheidung zu befähigen, die sowohl ihren persönlichen Voraussetzungen als auch den Gegebenheiten des Arbeitsmarktes entspricht. Dieser Prozess ist ab der Klassenstufe 7 systemisch angelegt und durch das schuleigene Konzept konkret untersetzt.

      Alle Unterrichtsfächer leisten dafür kontinuierlich ihren Beitrag. Die zentrale Stellung nimmt in den Klassenstufen 7-9 das Schulfach Wirtschaft-Technik-Haushalt/Soziales (WTH) ein. Es ermöglicht den Erwerb einer praxisbezogenen ökonomischen Grundbildung, zu der das Sammeln von Erfahrungen in der Lebens- und Arbeitswelt gehört. Es leistet darüber hinaus Beiträge zur Auseinandersetzung mit Berufsbildern und Lebensentwürfen. Die Berufsorientierung ist bis zur 9. Klasse in ihren Grundzügen abzuschließen, weil Hauptschüler danach die Schule verlassen. Die Realschüler, welche in der Klassenstufe 10 einen entsprechenden Vertiefungskurs wählten, konnten hier bisher weitergehende Einsichten und Kompetenzen erwerben.
      Schülerbetriebspraktika an authentischen Lernorten sind der wichtigste Bestandteil einer systematischen Berufsorientierung. Sie geben Schülern Gelegenheit, sich mit den beruflichen Entwicklungschancen in ihrer Heimatregion auseinanderzusetzen, Berufsbilder kennenzulernen und hautnah zu erleben. Durch praktische Arbeit und das Kennenlernen von Arbeitsbedingungen wird das Verständnis für betriebliche Abläufe am besten entwickelt. Deshalb muss jeder Schüler mindestens ein Betriebspraktikum absolvieren.
      Die Berufsberater der Bundesagentur für Arbeit und gemeinsame Maßnahmen mit wie der „Praxisberater“ unterstützen Oberschulen dabei, die Berufs- und Studienorientierung zu optimieren und die individuelle Förderung für jeden einzelnen Schüler noch zielgerichteter auszugestalten.

      Die Schüler mit 2. Fremdsprache, Schüler an Oberschulen mit vertiefter sportlicher Ausbildung und Schüler an der Palucca-Oberschule haben ja aufgrund der höheren Belastung bisher schon keine Vertiefungskurse besucht. Und nochmal Zitat aus meinem Beitrag: „Die überwiegende Zahl dieser Schüler wird weiter lernen und später auch das Abitur erwerben. An den weiterführenden Schulen wie Gymnasium und berufliches Gymnasium belegen sie dann generell bis zum Abschluss das Fach Geschichte und setzen sich so intensiv mit gesellschaftlichen Prozessen auseinander.“

    • Anne Lochschmidt 2 Jahren vor

      Laut dem Schreiben, das an die Schulleiter/innen ging soll „…die Förderung der politischen Bildung und Demokratie sowie die Förderung des Dialogs und des gesellschaftlichen Zusammenhalts“ angestrebt werden. Das ist sehr zu begrüßen. Abgesehen davon, dass diese Grundsätze leider nicht mal vom Kultusministerium gelebt werden (bei der Entwicklung und Durchsetzung der Maßnahme war von Dialog und demokratischen Entscheidungen nichts zu merken), steht nichts davon im aktuellen Lehrplan Geographie 10. Kl. Da geht es um Raumstrukturen, Raumprozesse, topographisches Orientierungswissen, Aneignen geographischer Denk- und Arbeitsweisen usw. – Die Frage nach der Überarbeitung der Lehrpläne finde ich deshalb in Bezug auf Geographie sehr berechtigt. Der aktuelle Lehrplan verfolgt nicht die vom Kultusministerium angestrebten Unterrichtsziele.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      So funktioniert jedoch repräsentative Demokratie und diese hat sicher Vor- und Nachteile.

      Die Lehrpläne müssen ja aufgrund des neuen Schulgesetzentwurfes und den darin geplanten Änderungen im §1 zum Erziehungs- und Bildungsauftrag sowieso alle überprüft werden.
      Aber auch im aktuell gültigen Lehrplan Geographie sind politische Entwicklungen inbegriffen, siehe Seite 2, das haben Sie sicher überlesen: „Geographieunterricht führt zum Verstehen von räumlichen Zusammenhängen in der Welt und entwickelt raumbezogene Handlungskompetenzen. An globalen, regionalen und lokalen Beispielen lernen die Schüler, Räume in ihrer Komplexität zu erschließen und die zwischen raumprägenden Faktoren ablaufenden Wechselwirkungen vor dem Hintergrund historischer und politischer Entwicklungen zu erfassen. Dadurch werden Argumentationsfähigkeiten, Empathie, die Bereitschaft zur aktiven Teilnahme an raumwirksamen Entscheidungsprozessen im Heimatraum und in der „Einen Welt“ gefördert. Kontinuierliche Vergleiche von Heimatraum und Räumen anderer Kontinente regen die Schüler zur kritischen Selbstreflexion ihrer eigenen Lebenswelt und Lebensweise an. Damit sind Lernprozesse der interkulturellen Bildung und Erziehung verbunden, die zu weltoffenem und tolerantem Verhalten beitragen. Die Einordnung aktueller Ereignisse in bestehende Strukturen, ihre Bewertung und das Aufdecken der Folgen verdeutlichen den Schülern den Gegenwartsbezug und die Zukunftsorientierung geographischer Inhalte.“

    • Frank 2 Jahren vor

      Wenn die Vertiefungskurse in der 10. Klasse an den sächsischen Oberschulen wie geplant wegfallen, fehlt eine bedeutungsvolle Möglichkeit das in der 9. Klasse abgeschlossene Fach WTH/S nochmals zu vertiefen. Dabei krönen die Vertiefungskurse in der Klasse 10 dieses Fach eigentlich erst. Außerdem wird durch die Arbeit in Projekten resultierend in einer Komplexarbeit das selbstständig und eigenverantwortliche Lernen der SuS bedeutend gefördert und damit ein wirkungsvolles Werkzeug für den Einstieg in das darauffolgende Berufsleben gegeben. Eine solche Komplexarbeit lässt sich nur mit Kooperation und Kommunikation erfolgreich bewältigen. Auf dem Weg zu einer inklusiven Beschulung sind gerade solche Möglichkeiten zu vervielfältigen und nicht abzuschaffen. Ich denke genau das war das Ziel des neuen Schulgesetzes und einer erfolgreichen Schule von morgen?

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Ich stimme Ihnen zu, dass durch die Arbeit in Projekten das selbstständige und eigenverantwortliche Lernen bedeutend gefördert wird und dies eine wirkungsvolle Vorbereitung für das weitere Leben ist (nicht nur für das berufliche!).

      Mit den Änderungen im Schulgesetz ist auch das Ziel verbunden, Freiräume für derartige Arbeitsformen zu schaffen und dafür weitere Unterrichtsbereiche zu öffnen.

    • Anne Lochschmidt 2 Jahren vor

      Meiner Meinung nach geht es hier nicht um den Beitrag des Faches Geographie zur allgemeinen Bildung generell, sondern darum, was davon in Klasse 10 (S. 24) umgesetzt werden soll/ kann. Da bietet die 10. Klasse derzeit nicht übermäßig viele Möglichkeiten.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Deshalb wird ja auch Geschichte in der 10. Klasse zur Pflicht für (fast) alle und da ist der Lehrplan voller Anknüpfungspunkte für Demokratieerziehung und politische Bildung. Ab Seite 20: http://www.schule.sachsen.de/lpdb/web/downloads/lp_ms_geschichte_2009.pdf?v2

    • Anne Lochschmidt 2 Jahren vor

      Ich schrieb über Geographie. Der Lehrplan 10. Kl. verfolgt nicht die anviesierten Ziele. Die Frage war: soll er zum kommenden Schuljahr überarbeitet werden? Wann sieht der Schulgesetzentwurf eine Änderung vor?

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Das steht nicht im Schulgesetzentwurf, sondern die neuen Bildungsziele im Entwurf machen eine Überprüfung notwendig. Wann das Ergebnis der Lehrplanüberprüfung vorliegt, steht noch nicht fest. Klar ist nur, mit Inkrafttreten des neuen Schulgesetzes zum Schuljahr 2017/2018 müssen die Arbeit abgeschlossen und die Stundentafeln angepasst worden sein. Zum Thema Lehrplanüberprüfung hatte Dirk Reelfs auch einen Blogbeitrag geschrieben: http://www.bildung.sachsen.de/blog/index.php/2016/04/14/weniger-faktenwissen-mehr-kompetenzen-sachsens-lehrplaene-werden-ueberprueft/

    • Anne Lochschmidt 2 Jahren vor

      Also wir der Lehrplan Geographie nicht zum kommenden Schuljahr überarbeitet sein. Da bin ich mal gespannt, wie die Geolehrer die vom Ministerium verfolgten Ziele im Unterricht erreichen werden…

    • Luise 2 Jahren vor

      Auch stellt sich mir die Frage mit welchem Material und Konzept dieses Vorhaben begleitet werden soll. Die aktuellen Lehrbücher für Geographie und Geschichte können sicherlich nicht abdecken, was von der SMK gefordert wird. Entweder sollten hier also Weiterbildungen angeboten werden, oder Materialien zur Verfügung gestellt werden. Oder ist der Plan, dass sich die Lehrkräfte dies selbst erarbeiten? Damit erhielte man aber keine vergleichbare Ausbildung der Lernenden und eigene politische Gesinnungen der Lehrkräfte treten zu weit in den Vordergrund. Oder es würde gar nicht mehr politische Bildung betrieben, sondern einfach wie zuvor der Lehrplan abgearbeitet. Nur, dass die Lernenden nun eben Inhalte aus dem aktuellen Geschichts- und dem Geographielehrplan vermittelt bekämen und nicht nur Inhalte eines der beiden Fächer. Kann das sein?

  31. Vivien 2 Jahren vor

    Die politische Diskussion ist wichtig, sehr wichtig!! Und dass dieser in den Schulen ausgebaut werden soll, finde ich auch grundsätzlich erstmal super! Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die angesteuerte Variante KEINE gute Variante ist!! In jedem guten Elternhaus wird den Kindern von Klein auf mitgegeben, dass die Nazi-Zeit das größte Verbrechen überhaupt war und dass sich sowas nie wieder wiederholen darf! Der Geschichtsunterricht untermauert diese Einstellung dann mit Fachwissen und der Gemeinschaftskundeunterricht bringt die SuS in die Diskussion über aktuelle politische Themen. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, was die Erhöhung des Geschichtsunterrichts bringen soll!? Wenn ich mich an meine Schulzeit erinnere, hatte man irgendwann einfach keine Lust mehr über die NS-Zeit zu sprechen, weil es schon viel zu oft durchgekaut wurde! Selbstverständlich ist die Schule eine wichtige Instanz, aber doch nicht die Einzige. Wenn Feinbilder in den Köpfen der Jugendlichen sind, dann sind diese doch nicht entstanden, weil die SuS in der 10. Klasse Geschichte abgewählt haben, sondern weil diese von den Familien oder den Peergruppen vermittelt wurden.
    Eine Vertiefung von Gemeinschaftskunde würde ich um einiges sinnvoller erachten!!

    Kommen wir nun zu der Folge – die Kürzung des WTH-Unterrichts, welcher mich als angehende WTH-Lehrerin natürlich am meisten ärgert. Wurden die Eltern eigentlich schon über diese Kürzung informiert? Ist bekannt was die darüber denken? Ich kann mir die Antwort selbst geben – NEIN!! Es ist eine bodenlose Frechheit, dass diese Beschlüsse einfach nur am Schreibtisch gefällt werden, ohne dass die betroffenen informiert bzw. überhaupt befragt werden!
    Gab es nicht mal die Diskussion an Gymnasien das Fach „Leben“ einzuführen? Wozu? Um die Schulerinnen und Schüler auf ihr Leben nach der Schule vorzubereiten. Und das Fach WTH, welches sich genau das als Ziel gesetzt hat, wird eingekürzt?? Das ist völlig unverständlich! Letztendlich leiden die Schülerinnen und Schüler unter dieser unsinnigen Entscheidung, aber das scheint hier ja nicht wichtig zu sein!

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Der Geschichtsunterricht bietet jede Menge Anknüpfungspunkte für aktuelle politische Diskussionen. Dafür soll es jetzt mehr Raum und Zeit geben. In Geschichte und auch in Geographie ist an der Oberschule und am Gymnasium die historische und politische Entwicklung, interkulturelle Bildung und dabei die Einbeziehung aktueller Ereignisse expliziter Bestandteil des Lehrplans. Und wo, wenn nicht in der Schule kann man Feindbildern, die in der Familie oder in der peergroup entstanden sind, entgegentreten oder sachlich darüber diskutieren?
      Die Schulleiter wurden natürlich vor dem Blogeintrag und vor der Pressemitteilung darüber informiert, dass die Wahlmöglichkeit ab kommendem Schuljahr gestrichen wird.

      Und nochmal: Am regulären WTH – Unterricht von Klasse 7 bis 9 wird nichts geändert. Die Vertiefungskurse waren nicht generell WTH, sondern die Schüler konnten wählen zwischen Kursen in Wirtschaft oder Technik oder Kunst und Kultur oder Gesundheit und Soziales.

    • Vivien 2 Jahren vor

      Das Schreiben an die Schulleiter liegt mir sogar vor. Das war aber nicht die Frage! Es ging darum, ob die Eltern bzw. die Schülerinnen und Schüler dazu befragt wurden. Wurden Sie aber nicht, denn diese werden einfach vor vollendete Tatsachen gestellt!

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Richtig, es war eine Entscheidung der sächsischen Staatsregierung. So funktioniert ja aber repräsentative Demokratie.

    • Anne Lochschmidt 2 Jahren vor

      Wäre halt schön, wenn Volksvertreter wüssten, was das Volk eigentlich will. Warum wurde nicht nachgefragt? Furcht vor unangenehmen Nachrichten? Und nochmal die Frage: Wer hat das fachlich begleitet? Im Schulleiterbrief steht, dass das SMK und das SMJ (!) unter beteiligung der SBA und der Sächs. Rechtsanwaltschaft ein Konzept erarbeitet haben. Was haben SMJ und die Rechtsanwaltschft mit Bildung zu tun? Und welche Fachvertreter WTH waren beteiligt? Bei der SBA gibt’s meiner Meinung nach niemanden, der im Fach WTH involviert ist.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Was die Beteiligung von SMJus und Rechtsanwaltschaft angeht, das haben Sie offenbar falsch verstanden. Dabei geht es um ein Konzept, wie demokratische, politische und rechtliche Prozesse noch besser in den Unterricht einbezogen werden können. Mit WTH hat das in erster Linie nichts zu tun. Das Konzept wird mit Beginn des Schuljahres 2016/17 zur Verfügung stehen.

      Mit Entscheidungen wird man nie allen Meinungen gerecht. Das wird immer ein Kompromiss aus widerstreitenden Argumenten sein.

    • Isabel 2 Jahren vor

      Zitat vo Ihnen: Mit Entscheidungen wird man nie allen Meinungen gerecht. Das wird immer ein Kompromiss aus widerstreitenden Argumenten sein.
      –> Wer war denn dafür? Mit allen möglichen unterschiedlichen Leuten aus meiner Umgebung, mit denen ich darüber geredet habe, war keiner mit dieser Entscheidung zufrieden! Also wer war dafür?
      Ich finde es müsste auch das Volk mitzuentscheiden haben!!!!

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Sorry, aber das hab ich doch schon alles geschrieben. Entscheidung der Staatsregierung und so funktioniert repräsentative Demokratie. Dahinter steht immer ein Abwägen von für und wider. Aber das wir mehr Raum für politische Bildung an Schulen brauchen, steht außer Frage, oder? Und dei Stundenbelastung der Schüler kann nicht weiter nach oben gefahren werden. Sie ist bereits sehr hoch.

    • Anne Lochschmidt 2 Jahren vor

      Wer konkret dafür war, würde mich auch mal interessieren.
      Die politische Bildung finde ich persönlich sehr wichtig. Nur führt Wissen bekanntermaßen nicht unbedingt zu Verhaltensänderungen. Mehr theoretische politische Bildung wird also an dem Problem der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung nichts ändern.

    • Hedwig 2 Jahren vor

      Mehr Raum für politische Bildung wird nicht benötigt, sondern nur die Richtige.
      Außerdem werden härtere Durchgreifmöglichkeiten für Lehrer viel wichtiger als irgendwelche Abschaffung von Fächern, die den körperlichen Ausgleich der Schüler fördern.
      Außerdem wäre eine Anhebung der Stundenbelastung kein Problem.
      Da wir ja aber in einer indirekten Demokratie leben, wird wohl kein einziger Kommentar von hier verwertet und der Scheiß durchgesetzt.

    • Anne Lochschmidt 2 Jahren vor

      Und wer konkret hat es denn begleitet? Wer vom SMJ oder der Rechtsanwaltschaft ist denn Bildungswissenschaftler, oder zumindest Lehrer um wirklich beurteilen zu können, „WIE demokratische, politische und rechtliche Prozesse noch besser in den Unterricht einbezogen werden können“? (Ihr Zitat) Welche Fachvertreter waren in der Arbeitsgruppe?

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Da das Kultusministerium und die Bildungsagentur beteiligt sind, arbeiten natürlich auch Fachleute aus dem pädagogisch-didaktischen Bereich bzw. Lehrer und Lehrerinnen am Konzept.

    • Anne Lochschmidt 2 Jahren vor

      In stelle nicht in Frage, dass Fachleute am Konzept arbeiten. Ich frage mich nur, ob’s die passenden sind. Also wer konkret ist denn dabei?

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Aus Datenschutzgründen darf ich Ihnen keine Namen sagen.

  32. Luise 2 Jahren vor

    Den Lernenden der 10. Klassen wird somit offiziell ihr Wahlrecht genommen und damit auch die Chance sich entsprechend ihrer Berufswünsche und Interessen zu spezialisieren. Politische Bildung sollte in allen Fächern thematisiert werden- und das nicht nur an der Tafel, sondern vor allem im alltäglichen Umgang miteinander. Gerade die Fächer Gemeinschaftskunde bzw. Ethik bieten doch Raum dafür. Die Vertiefungskurse gaben den Lernenden die Möglichkeit, sich komplexer und umfassender mit verschiedenen Thematiken auseinander zu setzen. So war es für sie leichter, hinsichtlich ihrer Berufswahl abzuwägen, ob eine entsprechende Ausbildung möglicherweise in Frage kommt.
    Darüberhinaus ist diese Entscheidung noch weniger verständlich, wenn man weiß, dass beispielsweise das Fach WTH erst seit 2012 ausgebildet wird. Viele Studierende freuen sich bereits auf den Alltag als Lehrkraft für WTH und sind mit großem Engagement bei der Sache.
    Meiner Meinung nach ist diese Entscheidung zu vorschnell getroffen worden. Die politische Gesinnung in Sachsen ist tiefer in den Generationen verwurzelt. Hier müsste langfristig Möglichkeit zum Informieren und für den Diskurs geschaffen werden. Diese Reaktion auf die aktuelle politische Lage empfinde ich als „zu kurz gedacht“.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Da gebe ich Ihnen Recht: Jedes Fach bietet Ansatzpunkte für aktuelle Diskussionen und politische Bildung. Dennoch ist diese Änderung jetzt eine Möglichkeit, mehr Raum und Zeit dafür zu schaffen. Zum Thema Berufsorientierung und Berufswahl möchte ich gerne etwas länger ausholen. Die Vertiefungskurse in der 10. Klasse hatten eine, wie der Name schon sagt, vertiefende, begleitende Funktion. Das Fach WTH gibt es so wie bisher bis zur 9. Klasse weiter.

      Ein grundsätzliches Anliegen der pädagogischen Arbeit an den Oberschulen ist es, die Berufswahlkompetenz und die Ausbildungsreife der Schüler zu fördern und sie zu einer Berufswahlentscheidung zu befähigen, die sowohl ihren persönlichen Voraussetzungen als auch den Gegebenheiten des Arbeitsmarktes entspricht. Dieser Prozess ist ab der Klassenstufe 7 systemisch angelegt und durch das schuleigene Konzept konkret untersetzt.

      Alle Unterrichtsfächer leisten dafür kontinuierlich ihren Beitrag. Die zentrale Stellung nimmt in den Klassenstufen 7-9 das Schulfach Wirtschaft-Technik-Haushalt/Soziales (WTH) ein. Es ermöglicht den Erwerb einer praxisbezogenen ökonomischen Grundbildung, zu der das Sammeln von Erfahrungen in der Lebens- und Arbeitswelt gehört. Es leistet darüber hinaus Beiträge zur Auseinandersetzung mit Berufsbildern und Lebensentwürfen. Die Berufsorientierung ist bis zur 9. Klasse in ihren Grundzügen abzuschließen, weil Hauptschüler danach die Schule verlassen. Die Realschüler, welche in der Klassenstufe 10 einen entsprechenden Vertiefungskurs wählten, konnten hier bisher weitergehende Einsichten und Kompetenzen erwerben.
      Schülerbetriebspraktika an authentischen Lernorten sind der wichtigste Bestandteil einer systematischen Berufsorientierung. Sie geben Schülern Gelegenheit, sich mit den beruflichen Entwicklungschancen in ihrer Heimatregion auseinanderzusetzen, Berufsbilder kennenzulernen und hautnah zu erleben. Durch praktische Arbeit und das Kennenlernen von Arbeitsbedingungen wird das Verständnis für betriebliche Abläufe am besten entwickelt. Deshalb muss jeder Schüler mindestens ein Betriebspraktikum absolvieren.
      Die Berufsberater der Bundesagentur für Arbeit und gemeinsame Maßnahmen mit wie der „Praxisberater“ unterstützen Oberschulen dabei, die Berufs- und Studienorientierung zu optimieren und die individuelle Förderung für jeden einzelnen Schüler noch zielgerichteter auszugestalten.

    • Luise 2 Jahren vor

      Mir ist bewusst, dass das Fach WTH an sich wie gewohnt existieren wird. Jedoch stimmt diese Aussage nicht ganz. Die Lehrenden und Lernenden arbeiteten (aus eigener Erfahrung) gemeinsam auf die Vertiefungskurse hin. Somit wird sich automatisch eine Änderung für das Fach WTH ergeben.
      Es stimmt zwar, dass die BerufsORIENTIERUNG bis zur 9ten Klasse weitestgehend abgeschlossen wird, das bringt schon die Bewerbungsfrist für viele Ausbildungsplätze mit sich, dennoch wird in der 10ten Klasse in den Vertiefungsrichtung schon vorbereitend BerufsVORBEREITUNG betrieben. Davon profitieren nicht nur die Lernenden und somit die zukünftigen Auszubildenden, sondern auch die sächsische Industrie und Wirtschaft. Gerade Praktika alleine können dies eben nicht abdecken. Wir stellen im Studium immer wieder fest, dass gerade Studierenden, die ausschließlich ein Gymnasium besucht haben – und dort auch Praktika absolvierten, viele Kenntnisse in Technik und Hauswirtschaft fehlen. Das Praktikum kann ja immer nur Inhalte EINES Berufes abbilden. Wohingegen die Vertiefungsrichtung auf verschiedene Berufsfelder vorbereitet.

  33. Anne Lochschmidt 2 Jahren vor

    Na, da haben wir wohl mit der Ausbildung der WTH-Lehrer zu spät begonnen und nun fehlen sie uns vorn und hinten… praxisnahe und berufsorientierende Unterrichtsinhalte abzuschaffen, kann langfristig keine gute Idee sein.
    Ich frage mich, wer diese Entscheidungen fachlich begleitet hat… da fällt mir nur der Finanzminister ein.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Verstehe den Kommentar nicht, das Unterrichtsfach WTH bleibt doch wie gehabt bis zur 9. Klasse!

    • Anne Lochschmidt 2 Jahren vor

      … und wurde bisher von der Vertiefung (die von WTH-Lehrern unterrichtet wurde) gekrönt.

    • Isabel 2 Jahren vor

      Solange bis in diesen Klassenstufen ebenfalls andere Dinge wchtig sind und WTH einfach gestrichen wird. Denn auch die Vertiefungskurse haben ihre Berechtigung und wurden nun einfach so abgeschafft!

  34. Christian Gerlach 2 Jahren vor

    Wäre es nicht bedeutend sinnvoller, statt für Geschichte und Geografie die Wochenstundenzahl für Gemeinschaftskunde zu erhöhen oder besteht in diesen beiden Fächern die 10. Klasse dann komplett aus politischer Bildung? Warum entfällt die Komplexarbeit? Warum wurde sie bislang geschrieben, wenn es auch ohne geht? Sind Fächer wie Wirtschaft/Technik und Gesundheit/Soziales für die Schüler plötzlich nicht mehr wichtig? Oder kann man das auch den Geschichte- und Geografielehrern mit unterjubeln? Das wäre ja beim selbstgemachten sächsischen Lehrermangel gar nicht so schlecht, spart man doch so die eine oder andere Lehrkraft ein. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 2 Jahren vor

      Komplexarbeit entfällt, weil sie zum Lehrplan der Vertiefungskurse gehörte. Aber mit den Änderungen im Schulgesetz ist auch das Ziel verbunden, Freiräume für derartige Arbeitsformen zu schaffen und dafür weitere Unterrichtsbereiche zu öffnen.

      Das Fach WTH ist eine wichtige Säule der Oberschulen und gibt es weiter wie gehabt von Klasse 7 bis 9.

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  1. […] wurde die politische Bildung an Oberschulen verbessert. Empfehlungen für mehr Demokratiebildung erarbeitet derzeit ein […]

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