Mehr Deutsch- und Sachunterricht für Kinder in der Grundschule

Mehr Deutsch- und Sachunterricht für Kinder in der Grundschule

Als Reaktion auf Bildungsstudien lässt Sachsens Kultusminister Christian Piwarz in einem ersten Schritt in diesem Schuljahr erstmalig an öffentlichen Grundschulen und Förderschulen verbindlich Lernstandserhebungen durchführen. Nun folgt ein weiterer Schritt.

Damit sächsische Grundschüler sowie lernzielgleich unterrichtete Förderschüler künftig besser lesen und schreiben können, gibt es ab dem nächsten Schuljahr 2024/2025 mehr Deutschunterricht. Zudem soll mit zusätzlichem Sachunterricht das Wissen der Schülerinnen und Schülern in Natur, Technik und Gesellschaft gestärkt werden. Mit den zusätzlichen Stunden in Deutsch und Sachunterricht sind jedoch keine Streichungen in anderen Fächern verbunden. Schulen im sorbischen Siedlungsgebiet können die zusätzlichen Stunden auch für Sorbischunterricht nutzen.

Kultusminister Christian Piwarz reagiert mit der Maßnahme auf ein sinkendes Leistungsniveau der Schüler in den sogenannten basalen Kompetenzen Lesen und Schreiben. Das belegten Bildungsstudien, wie zum Beispiel der IQB Bildungstrend 2021. Ein Grund ist die zunehmende Heterogenität der Schülerschaft. »Die Kinder kommen heutzutage mit Entwicklungsunterschieden von bis zu drei Jahren in die Schule. So wird es immer schwerer, allen Schülerrinnen und Schülern die basalen Kompetenzen zu vermitteln. Deshalb brauchen wir für die Kinder ein Stück mehr Unterrichtszeit«, begründete Kultusminister Christian Piwarz die Maßnahme. Zuvor hatte der Minister bereits entschieden, in diesem Jahr unter den Zweitklässlern verbindlich zentral gestellte Lernstandserhebungen in Deutsch und Mathematik durchführen zu lassen. Sie dienen dazu, geeignete Fördermaßnahmen abzuleiten.

In einem ersten Schritt wird die Wochenstundenzahl in Deutsch und Sachunterricht zum nächsten Schuljahr 2024/2025 erhöht: in Klassenstufe 1 um eine zusätzliche Stunde Sachunterricht und in Klassenstufe 2 um eine zusätzliche Stunde Deutsch. Damit wird der Stundenumfang im Fächerblock Deutsch/Sachunterricht in den Klassenstufen 1 und 2 um je eine Wochenstunde von neun auf zehn erhöht. Die bislang zur Verfügung stehenden zwei Stunden für den sogenannten Anfangsunterricht in den Klassenstufen 1 und 2 werden dafür verwendet. Die zusätzlichen Stunden Deutsch und Sachunterricht kommen somit allen Kindern zugute. Die neue Stundentafel für das Schuljahr 2024/2025 (s. Abbildung) wird mit der Veröffentlichung im Ministerialblatt rechtzeitig vor dem neuen Schuljahr in Kraft treten. »Mit dieser Lösung geben wir der sprachlichen Bildung mehr Raum, um die Grundlagen zu sichern. Wir brauchen das tägliche Üben in Lesen und Rechtschreiben. Lese- und Textverständnis sind das A und O für jedes weitere Lernen – egal in welchem Fach«, sagte Kultusminister Christian Piwarz. Ein zweiter Schritt soll mit je einer Stunde mehr Deutsch und Sachunterricht in den Klassenstufen 3 und 4 ab dem Schuljahr 2025/2026 umgesetzt werden.

Stundentafel für die Grundschule für das Schuljahr 2024/2025 

a: Die Anteile der einzelnen Fächer innerhalb des Fächerblockes können je nach didaktischen Erfordernissen epochal flexibel verwendet werden. Innerhalb des Schuljahres müssen die Zeitanteile jedes Faches gewahrt bleiben.

b: Wahlmöglichkeit zwischen Evangelischer Religion oder Katholischer Religion oder Ethik

c: Angebot Intensives Sprachenlernen an ausgewählten Grundschulen mit genehmigter Konzeption: in den Klassenstufen 3 und 4 unter Einbeziehung der Stunden für Angebote zur individuellen Förderung insgesamt je drei Wochenstunden

Fällt der Anfangsunterricht damit ab dem Schuljahr 2024/2025 weg?*

Nein. Die pädagogische Einheit der Klassenstufen 1 und 2 ist Teil der Schuleingangsphase. Das heißt, der gesamte Unterricht in Klassenstufe 1 und 2 ist als Anfangsunterricht zu verstehen. Das bleibt so.

Nur die darüber hinaus in der Stundentafel Grundschule verankerten zwei Stunden zur differenzierten Förderung in der Schuleingangsphase (in der bisher gültigen Stundentafel als »Anfangsunterricht« bezeichnet) werden mit der neuen Stundentafel ab dem Schuljahr 2024/25 in den Klassenstufen 1 und 2 allerdings dem Fächerblock Deutsch/Sachunterricht zugeordnet.

Damit ist der Fokus auf eine differenzierte Förderung im Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler insbesondere zur Förderung sprachlicher Kompetenzen gesetzt.

Wie gestaltet sich mit der neuen Stundentafel die individuelle Förderung?

Für die individuelle Förderung stehen wie bisher für ein flexibel nutzbares, abgestimmtes und effektives Förderkonzept der Schule je Klasse zwei Wochenstunden zur Verfügung. Das heißt:

  • Für die individuelle Förderung stehen in den Klassenstufen 1 und 2 weiterhin insgesamt vier Wochenstunden zur Verfügung.
  • Weiterhin kann ein Teil der Stunden für kooperativen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Schuleingangsphase eingesetzt werden.
  • Die Ganztagsangebote sollen für unterrichtsergänzende, leistungsdifferenzierte Lernangebot genutzt werden.
  • Unterstützung bietet auch das flexible Lernbudget.

 

* Aktualisiert am 13. März 2024

Dirk Reelfs, Pressesprecher im Sächsischen Staatsministerium für Kultus

5 Kommentare

  1. Billi 4 Monaten vor

    Niro und W. Kasper sprechen mir aus der Seele. Die 2 Stunden im Anfangsunterricht waren Gold wert und hätten meiner Meinung nach eher auf Klasse 2 ausgeweitet werden müssen. Eine Klasse aus 28 Kindern, davon 10 mit Migrationshintergrund, 6 mit Inklusionsstatus von Lernen, Sprache und em-soz., dazu Kinder aus Kindergärten mit offenem Konzept, Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern,….muss ein Lehrer stemmen – bis jetzt mit zusätzlicher Unterstützung mit Unterricht. Hier konnten Defizite Schritt für Schritt verringert werden.
    Ab dem nächsten Schuljahr ist dieser Lehrer zum Einzelkämpfer aufgestiegen. An Schulen in sogenannten Brennpunkten wird dies zu einer breiteren Schere an Wissen und Können führen und eher zur Verschlechterung der Bildungsstandards beitragen. Der Stundenausfall durch einen höheren Krankenstand ausgebrannter Lehrkräfte wird nicht mehr abgefedert werden können.
    Ich bin von dem Schritt sehr enttäuscht und sehe das Engagement der Lehrer wieder nicht gewürdigt.

    „Für die individuelle Förderung stehen in den Klassenstufen 1 und 2 weiterhin insgesamt vier Wochenstunden zur Verfügung.“

    Sind wir mal ehrlich. Welche Schule kann noch Förderunterricht flächendeckend anbieten. Diese Einzelförderung fällt, ebenso wie die fürs Kind wichtigen Inklusionsstunden, meistens zugunsten der Abdeckung kranker Lehrkräfte weg.

  2. Niro 4 Monaten vor

    Die Argumente des Kultusministers sind nur teilweise nachvollziehbar.
    Bedauerlich ist, dass für die zusätzlichen Stunden der Anfangsunterricht in Klasse 1 (zwei Stunden) verwendet/ gestrichen wird. Diese Stunden, sprich die Besetzung mit einem Zweitlehrer, ist ein hervorragendes Instrument, um der „zunehmenden Heterogenität der Schülerschaft“ Rechnung zu tragen.
    Ein interessanter Gedanke wäre, statt diese Stunden zu streichen bzw. für Deutsch und Sachunterricht zu opfern, sie auf die Klasse 2 auszuweiten.
    Außerdem geben uns diese Stunden die Möglichkeit (bei Krankheit), Unterricht fachgerecht zu vertreten.
    Nicht die fehlenden Stunden in Deutsch und Sachunterricht wirken sich negativ auf das „Leistungsniveau“ aus, sondern die durch Lehrermangel nicht gehaltenen Stunden und die ausfallenden Stunden. Wir haben zwar Mittel und Kräfte, um gerade in der Grundschule für eine Betreuung zu sorgen, doch dadurch wird kein Wissen vermittelt.
    Erst wenn der Unterricht nach der regulären Stundentafel gehalten werden kann und auch Fachpersonal für Vertretungsstunden da ist, werden sich diese zusätzlichen Stunden auszahlen können.

    • Lynn Winkler - SMK 4 Monaten vor

      Hallo Niro,

      wir bedanken uns für Ihren Beitrag und Ihre Gedanken zum Thema.

      Herzliche Grüße
      Lynn Winkler

  3. W. Kasper 4 Monaten vor

    Entwicklungsunterschiede von bis zu drei Jahren können nicht mit dem Gießkannenprinzip – sprich für alle eine Stunde mehr – aufgefangen werden. Um möglichst gleiche Startvoraussetzungen zu ermöglichen, sollte darüber nachgedacht werden, eine Vorschule einzuführen wie es z. B. in Frankreich üblich ist. Das könnte unter Voraussetzung einer entsprechenden Personaldecke an die Kindergärten gekoppelt werden. Und das ist die Crux – in Bildung investieren geht nur mit der entsprechenden personellen Absicherung oder – deutlicher formuliert – Aufstockung nicht aber mit erneuter Umverteilung der Arbeit auf den eh schon schmalen Schultern der Lehrkräfte.

    • Lynn Winkler - SMK 4 Monaten vor

      Hallo W. Kasper,

      vielen Dank für Ihr Feedback.

      Herzliche Grüße
      Lynn Winkler