Die Tafeln bleiben analog: Wie die Grundschule in Schöpstal ihr Medienbildungskonzept erstellt

Die Tafeln bleiben analog: Wie die Grundschule in Schöpstal ihr Medienbildungskonzept erstellt

Im Rahmen des Digitalpakts besteht für sächsische Schulen die Möglichkeit, sehr viel Geld für die technische Ausstattung zu erhalten. Allerdings müssen sie zuvor ein Medienbildungskonzept erstellen. Die Grundschule Schöpstal ist dabei schon sehr weit, erste Punkte sind schon zu Papier gebracht.

Aber wie erstellt eine Schule so ein Medienbildungskonzept? Wir haben Steffen Kleint, Schulleiter der Grundschule Schöpstal, gefragt, wie er vorangegangen ist. Eine mögliche Anleitung in sechs Schritten.

1. Kompetenzen bündeln

Foto: Grundschule Schöpstal

Am Anfang stand die Bildung eines Medienbildungsteams, wie es auch die Handreichung „Empfehlung zur Entwicklung von schulischen Medienbildungskonzepten“ des Landesamts für Schule und Bildung empfiehlt. Das Team besteht in Schöpstal aus dem Schulleiter selbst sowie zwei Lehrerinnen. Schulleiter Kleint und seinem Kollegium war es sehr wichtig, auch die jüngere Lehrerinnen- und Lehrergeneration einzubinden, was gelungen ist. Im Idealfall bringen die eingebundenen Lehrkräfte, so die LaSuB-Empfehlungen, Erfahrungen aus Medienbildung und/oder Schulentwicklung mit.

Aber wie findet man die passenden Lehrkräfte? „Ich habe das Thema im vergangenen Schuljahr immer wieder im Kollegium angesprochen. Es ist ja allen klar: Über kurz oder lang müssen wir uns dem Thema stellen. Nicht nur, weil das Medienbildungskonzept für die Mittel aus dem Digitalpakt nötig ist, sondern vor allem für die Schülerinnen und Schüler“, sagt Steffen Kleint. Schließlich konnte er zwei Lehrerinnen gewinnen, eine davon noch sehr jung und erst kurz an der Schule. Zu Beginn des laufenden Schuljahres begann dann der Entwicklungsprozess für das Konzept ganz offiziell.

2. Zentrales Kommunikationsmittel: die Flipchart-Wand im Lehrerzimmer

Mitte September stellte das Team eine große Flipchart-Wand im Lehrerzimmer auf. Die wurde unter Einbezug des Kollegiums gestaltet und ist permanente Erinnerung und gleichzeitig zentrales Kommunikationsmittel, wenn es um die Entwicklung des Konzeptes geht.

Auf der Flipchart-Wand sind die wichtigsten, gemeinsam vereinbarten Ziele zu finden. Dort ist auch dokumentiert, wie man was wann erreichen will.

Die Wand wird vom Medienbildungsteam gepflegt. Schulleiter Kleint und seine beiden Kolleginnen bringen dort auch immer wieder Hinweise zu interessanten medialen Angeboten oder auch einen USB-Stick an, auf dem neues Medienmaterial zum Thema zu finden ist.

3. Zielstellungen erarbeiten: Wissen, was man will

Foto: Grundschule Schöpstal

Das inzwischen erste, vorliegende Papier umfasst derzeit neun Seiten ohne Anhänge. Es ist noch nicht fertig, wie Kleint betont.

Das Konzeptpapier der Schule gliedert sich in vier Teile: Zielstellungen, Fortbildungsplan, Ausstattungsplan und Aussagen zur künftigen digitalen Infrastruktur der Schule. Die Zielstellungen machen aktuell den größten Teil des Papiers aus: Dort ist zusammengetragen, was die Schule will. Viele der zur Zielfindung dienlichen Punkte stammen dabei aus Kompetenz- und Eckwertepapieren von Ministerium und Landesamt, die das Team zusammengetragen hat. Die zentralen, entscheidenden Punkte aber hat die Lehrerkonferenz der Grundschule Schöpstal besprochen.

So hat sich das Kollegium etwa darauf verständigt, Inhalte und nicht Technik in den Vordergrund zu stellen. Es gehe nicht darum, einfach die Tafeln von analog auf digital umzustellen oder sogar digitale Anzeigetafeln im Schulgebäude aufzuhängen, sagt Schulleiter Kleint. Vielmehr setzt man sich das Ziel, neben dem Grundwissen sehr elementare Fähigkeiten an die Schülerinnen und Schüler zu vermitteln. Dazu gehört etwa Wissen über Datenschutz und -sicherheit, sowie die Fähigkeit, Medieninhalte auszuwählen und kritisch zu bewerten. Vermittelt werden soll den Kindern aber auch die Chancen und Risiken der neuen Techniken sowie die Fähigkeit, Medieneinflüsse auf Gefühle, Vorstellungen und Verhaltensweisen erkennen und einschätzen zu können.

Oder, wie Schulleiter Kleint formuliert: „Wir wollten nicht nur die neuesten technischen Geräte. Wir wollen den Kindern grundlegende Kompetenzen für ihr Leben vermitteln. Das betrifft übrigens auch den Umgang mit den klassischen analogen Medien wie Bücher.“

4. Vorwissen abfragen und Fortbildungen planen

Widerstände aus der Lehrerschaft gab es durchaus auch, erzählt Schulleiter Kleint. Mancher frage sich, ob es denn wie bisher nicht auch funktionieren würde. Da gelte es dann, die Kolleginnen und Kollegen zu motivieren: „Wir haben keine Alternative. Die Technik gehört mittlerweile zum Alltag der Kinder, darauf muss Schule reagieren“, sagt Kleint. Allen Beteiligten müsse klar sein: Es handelt sich um einen langen Prozess, der nicht von heute auf morgen umgesetzt werden könne. Daran wird auch deutlich, dass die Inhalte, die für die Antragstellung im DigitalPakt benötigt werden, auch nur aktuelle Auszüge aus dem entsprechenden Schulentwicklungsprozess sein können.

Als wichtigen Baustein betrachtet Kleint den Einsatz des SELFIE-Systems: Das ist ein Befragungstool, bei dem Vertreterinnen und Vertreter von Schulleitung, die Lehrerschaft sowie Schülerinnen und Schüler (in Schöpstal die der 4. Klasse) einschätzen sollen, wie weit die Schule schon in der digitalen Medienbildung ist und wo etwa noch Fortbildungsbedarfe bestehen. Die Ergebnisse des freiwilligen Tests, der pro Person im Schnitt 30 bis 40 Minuten dauert, hängen seit diesem Montag an der Schöpstaler Flipchart-Wand. „Daraus können wir jetzt ableiten, welcher Fortbildungsbedarf besteht – sicherlich sind da auch Fortbildungen dabei, die erst noch entwickelt werden müssen“, sagt Kleint.

5. Technische Planung

Ein ziemlicher Brocken ist die Planung der Technik, die ebenfalls Teil des Medienbildungskonzeptes ist. „Wir haben uns entschieden, die grundsätzlichen Strukturen nicht anzufassen“, sagt Kleint. Es bleibt also bei einem Medienraum und Medienecken in allen Klassenzimmern. Auch ein Intranet und ein W-Lan, das noch ausgebaut werden soll, sind in der Schule schon vorhanden. Neu hinzukommen wird allerdings das mobile Arbeiten und der Einsatz von Tablets. „Hier ist noch offen, wie viele Tablets wir anschaffen und wie wir die Verteilung regeln werden“, sagt der Schulleiter. Außerdem sollen alle Zimmer dauerhaft mit einem interaktiven Display ausgestattet werden, ohne die analogen Tafeln abzuschaffen.

Auch wenn Schulleiter Kleint schon Vorwissen hatte, hat er sich für die technische Seite Unterstützung organisiert. Wichtige Hinweise zur technischen Infrastruktur etwa kamen vom technischen Dienstleister, der jetzt schon die Geräte wartet.

„Wenn man sich nur oberflächlich mit dem Thema Technik beschäftigt, sieht man gar nicht, wie vielfältig die technischen Möglichkeiten sind“, sagt Kleint. Er empfiehlt daher, alle angebotenen Beratungsmöglichkeiten von Ministerium, Landesamt und Medienpädagogischen Zentren anzunehmen. Wichtig ist ihm auch der permanente Austausch mit anderen Schulleitern.

„Wir haben alle individuelle Ziele oder Gegebenheiten“, sagt er. „Aber es gibt auch eine Menge Dinge, die an anderen Schulen gleich oder ähnlich laufen werden.“

6. Herausforderung: Überfachliches Bildungsziel im Fachunterricht

Foto: Grundschule Schöpstal

Als nächster Schritt steht der Grundschule Schöpstal noch bevor, die eigenen Ziele in einer Gesamtübersicht begreifbar machen. Sie orientiert sich dabei an der Medienbildungsmatrix, wie es in der Handreichung des Landesamtes empfohlen wird. Diese ist zwar nicht zwingend für das Medienbildungskonzept, bietet aber aus Sicht der Schule eine gute Möglichkeit, den Schulentwicklungsprozess in dieser Hinsicht weiter zu entwickeln.

Die Matrix soll die Fragen beantworten: Was leistet welches Fach in welcher Stufe, damit die Schülerinnen und Schüler am Ende alle Ziele erreicht haben und sich der Beiträge der einzelnen Fächer zu einer gesamtheitlichen Bildung bewusst werden?

Die einzelnen Fachlehrerinnen und Lehrer haben dafür, teilweise in Gruppen, die Lehrpläne auf Hinweise zu digitaler und Medienbildung durchforstet. Die müssen jetzt mit den anfangs formulierten Zielen der Schule übereinander gebracht werden. Das Beispiel Medienbildungsmatrix zeigt: Es gibt längerfristige Arbeitsprozesse, die für die Schulentwicklung tragend sind, für die Antragstellung im DigitalPakt jedoch nicht übers Knie gebrochen werden können und sollten.

Schulleiter Kleint schwebt vor, die Matrix noch dieses Schuljahr fertigzustellen; dazu muss nur erst die richtige Methode gefunden werden. Im Frühjahr 2020 plant er außerdem, den Eltern das bestehende Konzept in einem offenen Elternabend vorzustellen. Der Elternrat ist ohnehin schon über die Plattform LernSax einbezogen.

Kleint ist davon überzeugt, dass das Medienbildungskonzept die Schule ordentlich nach vorne bringt. Im Fokus stehen für ihn die Kinder, die die Geräte häufig schon besser bedienen könnten als manche Lehrerin oder Lehrer. „Das viele Geld und die moderne Technik sind ja schön“, sagt er, „aber wir Lehrerinnen und Lehrer sind die, die sagen müssen, was im Unterricht sinnvoll ist und was nicht.“

Das Medienbildungskonzept der Grundschule Schöpstal gibt es hier.

Bei weiteren Fragen zur Medienbildung und Digitalisierung stehen sachsenweit das Referat 33 Medienbildung und Digitalisierung des Landesamtes für Schule und Bildung Standort Chemnitz und das zuständige Medienpädagogische Zentrum zur Verfügung.

Lynn Winkler, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

2 Kommentare

  1. Marco Grewes 2 Monaten vor

    Hallo Frau Winkler.
    Danke für den Blog. So kann ich mir ein Bild über die Digitalisierung auch in Grundschulen machen.
    Muss sich jede Schule einzeln für den DigitalPakt bewerben? Wer ist hier erster Ansprechpartner?
    Können Sie mir bitte noch Informationen zum Strahlenschutz zukommen lassen. Ich sehe eher mit Sorge in einen Klassenraum mit 25Kindern, LehrerIn und einem dauernden wlan. Wie denken Sie darüber?

    https://mobilfunkstuttgart.de/studienergebnisse-wlan-darf-in-schulen-nicht-eingesetzt-werden/

    Mit freundlichen Grüssen
    Marco Grewes

    • Autor
      Lynn Winkler - SMK 2 Monaten vor

      Lieber Marco Grewes,

      gern. Weitere Informationen und Ansprechpartner zum DigitalPakt Schule finden Sie hier: https://www.schule.sachsen.de/23789.htm.

      An allen Schulen in Sachsen wird WLAN (auch zukünftig) verantwortungsbewusst und im Interesse der Schülerinnen und Schüler eingesetzt. Zum Thema WLAN in Schulen gibt die „Orientierungshilfe zur grundlegenden Digitalinfrastruktur an Schulen 2019 – 2021“ weitere Informationen: https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/33100).

      Eine gute Woche
      Lynn Winkler