Krisen, Kriege, Terroranschläge, Umweltzerstörung – der Welt geht es so schlecht wie noch nie, und in Zukunft wird alles noch schlimmer. Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn wir uns in den Medien über den Zustand der Welt informieren.
Die Neurowissenschaftlerin Maren Urner warnt vor den Folgen dieser Art von Berichterstattung, zeigt Wege aus dem mentalen Krisenmodus auf und welche Rolle Schulen dabei spielen können.
Kategorie: Interview
Hass, Beleidigungen, Drohungen – Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler sehen sich zunehmend auch im Netz damit konfrontiert. Unter Betroffenen herrscht oftmals Hilflosigkeit. Seit Beginn des Jahres gibt es mit der »Zentralen Meldestelle für Hasskriminalität im Internet« ein neues Bürgerportal zur Bekämpfung von Hass im Netz. Wir haben darüber mit Pascal Ziehm, Leiter der Stabsstelle Kommunikation der Polizei Sachsen, gesprochen.
Manche kennen sie bereits: Susan Neubert war 2019 ein Gesicht in unserer »Lehrer werden in Sachsen«-Kampagne mit Hendrik Duryn. Heute, zwei Jahre später, steht die Seiteneinsteigerin kurz vor ihrem Ziel: Lehrerin werden in Sachsen.
Hallo Susan! Stell dich doch bitte zunächst einmal kurz vor.
Ich heiße Susan Neubert, bin 40 Jahre alt, Vierfachmama und seit 2018 begeisterte Seiteneinsteigerin für die Fächer Informatik und Mathematik an einer Leipziger Oberschule. Seit vielen Jahren spiele ich in zwei Bandprojekten Schlagzeug, nähe gern und bin ein totaler Serienjunkie. Die Mitwirkung an der »Lehrer werden in Sachsen«-Kampagne von und mit Schauspieler Hendrik Duryn war daher damals eine besondere Ehre für mich.
Was hast du vorher beruflich gemacht und warum wolltest du wechseln?
Bevor ich in den Lehrerberuf gewechselt bin, war ich sowohl als Sales Coordinator im IT- Bereich, als auch als Software Consultant tätig. Die Tätigkeiten gefielen mir, erfüllten mich aber nie richtig vollständig. Zudem komme ich aus einer Lehrerfamilie. Mein Opa beispielsweise war Schulleiter an einer Zwenkauer Schule. Meine Mutti unterrichtet ebenfalls an einer Leipziger Oberschule. Es gibt keine Generation ohne nicht zumindest einen Lehrer in unserer Familie, zum Leidwesen aller familiären Nicht-Lehrer.
Die Arbeit macht mir viel Spaß. Sie ist, wie erwartet, unheimlich abwechslungsreich, fordert, bringt aber gleichzeitig auch viele einmalige und schöne Momente mit sich. Das möchte ich nicht mehr missen.
Wie bist du zum Seiteneinstieg gekommen?
Vor fünf Jahren war immer wieder von Lehrermangel die Rede. Der Seiteneinstieg war jedoch lange Zeit für FH-Absolventeninnen und Absolventen, wie mich, nicht freigegeben. Ich habe tatsächlich regelmäßig die Presse zu dem Thema verfolgt. 2017 gab es dann eine Anpassung zugunsten von FH-Absolventen. Diese Gelegenheit habe ich beim Schopf gepackt und mich beworben. Alle Informationen dafür fand ich auf der Webseite www.lehrerbildung.sachsen.de/lehrerwerden.htm.
Ich hatte das große Glück, einer tollen Schule in Wohnortnähe zugeteilt zu werden. Mit Annahme des Arbeitsvertrages war für mich von Anfang an klar, dass ich das Qualifizierungsprogramm für Seiteneinsteiger zügig und vollumfänglich durchlaufen möchte, um möglichst schnell die erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse für den Lehrerberuf zu erlangen und am Ende eine uneingeschränkte berufliche Anerkennung zu erhalten.
Wie lief das Studium ab? Was waren dabei deine persönlichen Highlights oder Herausforderungen?
Im Seiteneinsteigerprogramm gibt es verschiedene Qualifizierungsstufen. Mir wurde ein Fach anerkannt, ein zweites Fach musste ich also nachstudieren. So startete ich im Herbst 2018 meine wissenschaftliche Ausbildung (wAL) im Fach Mathematik an der Uni Leipzig. Die wAL dauerte insgesamt vier Semester, fand zweimal wöchentlich statt und umfasste eine Ausbildung in höherer Mathematik sowie Mathedidaktik.
Ich möchte das Leipziger wAL-Team für Mathematik sowie Mathedidaktik an dieser Stelle ausdrücklich loben. Das Studium war eine große Herausforderung, für beide Seiten. Dennoch erfuhren wir durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Uni vom ersten Tag an eine große Unterstützung und viel Engagement.
Dreizehn Jahre nach meinem ersten Studienabschluss noch einmal vier Semester die Universität in Leipzig als offiziell immatrikulierte Studentin besuchen zu dürfen, habe ich tatsächlich als Highlight empfunden.
Ehrlicherweise muss ich aber auch sagen, dass es aufgrund des enormen Pensums nicht möglich war, das Gleichgewicht zwischen Arbeit, Schule, Studium und Familie zu halten.
Lehrerin bzw. Lehrer wird man nicht mal eben nebenbei, egal auf welchem Qualifizierungsweg.
Aktuell befinde ich mich in der letzten Qualifizierungsstufe, der schulpraktischen Ausbildung. Das kann man dem Referendariat gleichsetzen. Im Februar 2022 habe ich alle Qualifizierungsstufen komplett durchlaufen und sollte dann auch die berufliche Anerkennung erhalten.
Erinnere dich einmal an deine erste Unterrichtsstunde. Wie war das für dich? Worauf schaust du gern zurück?
Meiner ersten Unterrichtsstunde und den Schülerinnen und Schülern bin ich mit Aufregung, aber auch Vorfreude begegnet. Ich muss heute noch lachen, wenn ich daran denke.
Ein Schüler sollte etwas vorlesen, bekam aber vor Stottern kaum ein Wort heraus. Die ganze Klasse lachte ihn aus. Ich – als absolute Neulehrerin – habe den armen Schüler nach allen Kräften verteidigt, was nur noch mehr Lacher hervorrief. Am Ende stellte sich heraus, dass er ganz wunderbar lesen konnte. Willkommen im Schulleben. Ich hätte keinen realistischeren Einstieg haben können.
Was sind schöne Momente und Herausforderungen im Schulalltag? Welche Erfahrungen hast du bisher gesammelt?
Ich freue mich, wenn eine Stunde gut läuft und die Schülerinnen und Schüler begeistert mitarbeiten. Es ist außerdem schön, wenn man von Eltern ein positives Feedback bekommt, dass sie ihre Kinder gut aufgehoben wissen. Jedes Kind an unserer Schule hat seine eigene Geschichte, viele lassen uns daran teilhaben. Dieses oft sehr vertrauensvolle Miteinander ist eine wichtige Basis für unsere Arbeit als Lehrer und gleichzeitig die größte Herausforderung im Schulalltag. Es macht mir großen Spaß unsere Kleinen und Großen auf einem Teil ihres Weges ins Erwachsenenleben zu begleiten und ihnen dabei eine Orientierung zu geben.
Hast du die Entscheidung, als Lehrerin zu arbeiten, schon mal bereut?
Nein! Ich kann mit großer Gewissheit sagen, dass ich beruflich angekommen bin und meinen Traumberuf gefunden habe.
Dennoch gibt es mit der immer noch ungleichen Behandlung von Lehrkräften in Sachsen einen großen Wermutstropfen. In meinem Fall ist das die fehlende Perspektive für eine Verbeamtung der Seiteneinsteiger mit einem FH-Diplom im Erststudium.
Was würdest du anderen empfehlen, die über einen Seiteneinstieg nachdenken?
Ein Seiteneinstieg bedeutet gerade am Anfang eine ganze Menge Zusatzarbeit und viel Verzicht. Ich habe während des Studiums nahezu jedes Wochenende für schulische und studientechnische Vor- und Nachbereitungen nutzen müssen. Das war zeitweise sehr kräftezehrend. Dessen sollte man sich zu Beginn eines Seiteneinstiegs bewusst sein. Das funktioniert in meinen Augen nur, wenn man den Lehrerberuf als klares Ziel vor Augen hat und mit ganzem Herzen dabei ist.
Was wünschst du dir für die schulische Zukunft?
Nach allen gesammelten Erfahrungen während der Coronapandemie wünsche ich mir, dass sowohl das deutsche Schulsystem, als auch Deutschland im Allgemeinen, einen riesigen Sprung in Richtung Digitalisierung vollziehen. Wir wurden alle wachgerüttelt, haben uns an der Startlinie versammelt und sind nach eigenem Ermessen losgelaufen. Diesen Zustand gilt es nun zu optimieren und zu vereinheitlichen.
Liebe Susan, herzlichen Dank für deine Zeit und diesen authentischen und tollen Einblick. Wir wünschen dir weiterhin alles Gute.
Unseren Nutzerinnen und Nutzern wünschen wir an dieser Stelle frohe Ostern.
Lehrer werden in Sachsen!
Neugierig? Egal, ob grundständig ausgebildete Lehrerin bzw. ausgebildeter Lehrer oder Seiteneinsteigerin bzw. Seiteneinsteiger: Alle Informationen zum #LehrerwerdeninSachsen gibt es auf unserer Webseite: www.lehrer-werden-in-sachsen.de.
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