Sind Kinder Treiber der Pandemie?

Mit der Öffnung der Grundschulen und Kitas flammt eine alte Diskussion wieder auf: Welche Rolle spielen Kinder in der Pandemie? Zwei große medizinische Fachverbände haben dazu vor wenigen Tagen Stellung genommen.

Von Beginn der Pandemie an ist die Diskussion über die Rolle der Kinder von widerstreitenden Interessenslagen geprägt. Entsprechend disparat ist die Debatte darüber. Schon in der Vergangenheit haben die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) nationale und internationale Studien ausgewertet und zur Rolle der Kindertagesstätten und Schulen in der Corona-Pandemie Stellung genommen. Seit dem 5. Februar liegt eine neue Stellungnahme vor.

Darin machen beide medizinischen Fachgesellschaften deutlich: Kinder in Kitas und Schulen nehmen am Infektionsgeschehen teil, sind aber selbst keine Treiber der Pandemie. Kinder würden selbst nur selten schwer an COVID-19 erkranken, seien aber grundsätzlich empfänglich für SARS-CoV-2 und könnten das Virus auch übertragen. Jüngere Kinder seien weniger anfällig für Infektionen. Wenn Kinder infiziert sind, scheinen sie seltener die Infektion weiterzugeben als Erwachsene. Infektionshäufungen an Schulen kämen zwar vor, meist seien es jedoch Lehrer und Erzieher gewesen, von denen die Übertragung ausgingen.

Auch die Folgen der neuen Virusvarianten für den Kita- und Schulbetrieb nahmen die Mediziner in den Blick. Danach hätten sich Medienberichte über eine im Vergleich zu Erwachsenen erhöhte Ansteckungsgefahr oder Übertragbarkeit für Kinder nicht bestätigt. Insofern gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Schutzkonzepte für Schulen und Kitas grundlegend geändert werden müssten. Die AHA+L-Regeln gelten uneingeschränkt weiter und sind effektiv, stellen die Infektiologen fest.

Vor diesem Hintergrund unterstreichen die Fachgesellschaften die Bedeutung von Bildungseinrichtungen für die Kinder. Schulen und Kitas sind für Kinder und Jugendliche systemrelevant, stellen die Mediziner fest. Jede Einschränkung der Grundrechte von Kindern und Jugendlichen bedürfe einer strengen ethischen Abwägung und wissenschaftlichen Rechtfertigung.

Die Stellungnahmen von DGPI und DGKH gibt es hier.

Dirk Reelfs, Pressesprecher im Sächsischen Staatsministerium für Kultus

7 Kommentare

  1. Werner 3 Wochen vor

    Um es mit dem Zitat vom Ministerpräsidenten Herrn Kretschmer zu sagen: „Wir bewegen uns auf sehr dünnem Eis!“
    Hoffentlich brechen wir nicht ein.

    Eine Frage bleibt: Welchen Inzidenzwert nimmt man zu Grunde um die Schulen wieder zu schließen?
    Die RKI Zahlen oder die Landkreiszahlen? Unser Landkreis ist seit Monaten über 100. theoretisch kann hier nichts geöffnet werden!

  2. Manuela Scharf 3 Wochen vor

    Ich habe das mal hochgerechnet. Wir hätten als Familie mit 3 Kindern von aktuellen 5 Kontakten pro Woche dann ab Montag fast 70 pro Tag. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das folgenlos bleibt. Egal, welche Forschung da zu differenzierten Ergebnissen kommt, bleibt doch der Fakt bestehen, dass Kinder das Virus übertragen.
    Wir sind als Eltern also folglich vor die Wahl gestellt, die Kinder weiter zu Hause zu beschulen, aber unter schlechteren Bedingungen als bisher, um unsere Familie und auch die Menschen um uns herum zu schützen. Grundsätzlich finde ich es gut, dass ich entscheiden kann. Wir haben da im Gegensatz zu manch‘ anderen Eltern zumindest rein organisatorisch wirklich eine Wahl. Aber ich habe mindestens 5 graue Haare mehr jetzt… Zusätzlich zum Grau vom Homeschooling😉.
    Es braucht in der neuen VO im Zusammenhang mit der Aussetzung der Schulpflicht aber auch eine Fortführung der bisherigen Betreuungsmöglichkeiten durch Eltern mit Entgeltersatz wie bisher im Lockdown. Sonst ist was wie eine Wahlmöglichkeit aussieht in Wahrheit keine Wahl für viele Eltern.
    Und was ich wirklich hoffe, ist, dass mit diesem riskanten Weg wirklich die Kinder erreicht werden, die vom sozialen Miteinander, vom Essen und von gewaltfreier Zone Schule profitieren.

  3. Leuchtfeuer 3 Wochen vor

    Sehr geehrtes SMK,

    interessante Ausführungen aber:
    Ich vermisse Bezugnahmen auf Empfehlungen des RKI.
    Es ist schade, dass noch immer ein Hin und Her zu den “ Treibern“ der Pandemie kommuniziert wird.
    Das Virus ist da, mit all seinen Facetten, sprich Möglichkeiten zur Mutation.
    Die Kinder brauchen Schule und Kontakte mit Gleichaltrigen. Das bezweifelt aktuell wohl kaum noch jemand.
    Aber das WIE ab kommender Woche bereitet Kopfzerbrechen.
    Frau Winkler zitierte hier vor einiger Zeit Kant wie folgt
    “ Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. “

    Ich möchte – auch mit Kant- wachrütteln:
    “ Die größte aller Torheiten ist, seine Gesundheit zu opfern“

    Bitte passen Sie die Öffnungsmodalitäten den regionalen Gegebenheiten an.

  4. Erzieherin 3 Wochen vor

    Will man jetzt damit die überstürzte Öffnung von Kitas und Schulen in Sachsen rechtfertigen? Es gibt genug gegenteilige Studien und Aussagen!
    Wie praxisfern ist das Kultusministerium? Man sollte sich mal vor Ort begeben in eine Kita. Aber ich möchte unserer Bundeskanzlerin danken, die gestern in der Pressekonferenz sagte, dass vor allem Erzieher keinen Abstand halten können ( endlich mal werden auch Erzieher wahrgenommen und nicht vorrangig die Lehrer) und deshalb Lehrer und Erzieher eher geimpft werden sollten. Es ist nur zu hoffen, dass es auch so umgesetzt wird.

  5. Josef Knecht 3 Wochen vor

    Warum wird hier nicht auf die 3. Stufe der Untersuchung der Infektionsentwicklung an sächsischen Schulen verwiesen, die das Pandemiegeschehen ab November in den Blick nahm?!
    „Danach hätten sich Medienberichte über eine im Vergleich zu Erwachsenen erhöhte Ansteckungsgefahr oder Übertragbarkeit für Kinder nicht bestätigt. Insofern gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Schutzkonzepte für Schulen und Kitas grundlegend geändert werden müssten.“
    Die Schlussfolgerung geht von einer falschen Prämisse aus: Das Ausreichen ebendieser Maßnahmen wurde postuliert, als man davon Ausging, dass sich Kinder nicht an Schulen anstecken. Lehrer treiben das Infektionsgeschehen natürlich stärker, da sie laut und viel in den UR-Räumen reden.
    Mich verärgert, dass hier nur Studien/ Äußerungen argumentativ herangezogen werden, die das Vorgehen rechtfertigen.

  6. Daniela 3 Wochen vor

    „Die AHA+L-Regeln gelten uneingeschränkt weiter“

    Und darum gehen ab Montag 25 Kinder in ein Klassenzimmer mit 60m²?
    Wo ist das AHA+L?
    Abstand?
    Hygiene (ok – das machen die)
    Alltagsmaske?
    L (bei -5 Grad – schwierig aber wird schon irgendwie)

    2 Grundpfeiler der Hygienemaßnahmen werden ignoriert!