Integration: WIE schaffen wir das?

Integration: WIE schaffen wir das?

Die sächsischen Schulpsychologen und die Koordinatorinnen für Migration/Integration des Landesamtes für Schule und Bildung haben kürzlich in einer Klausurtagung am Thema „Gelingensbedingungen von Integration“ gearbeitet. Eingeladen dazu war der Psychologe, Autor und Extremismusexperte Ahmad Mansour.

An sich ist alles klar: Ein Handlungskonzept für alle Schularten, die sächsische Konzeption zur Integration von Migranten, sowie die Lehrpläne Deutsch als Zweitsprache für allgemeinbildende und berufsbildende Schulen dienen als Grundlage für die schulische Arbeit und die unterstützenden Strukturen.

An den Standorten des Landesamtes für Schule und Bildung stehen Koordinatoren und Referenten für Migration/Integration zur Verfügung.

In den Schulen arbeiten Betreuungslehrer als Berater, Mentoren und Integrationsbegleiter. Fachberater für Migration und Deutsch als Zweitsprache unterstützen die Arbeit der der Schulen und der Schulaufsicht.

Der Freistaat Sachsen hat damit umfangreiche Rahmenbedingungen für die chancengerechte Bildung und Erziehung geschaffen.

Und im Alltag? Bei der täglichen Arbeit in Schule und Klassenzimmer?

Nehmen Unsicherheiten zu. Und viele Fragen stehen im Raum, vor allem beim Umgang mit muslimischen Kindern und Jugendlichen und deren Familien.

Was mache ich als Lehrerin, wenn mir der Vater des Kindes das Gespräch verweigert? Dürfen Kinder im Ramadan trinken? Dürfen und sollen muslimische Kinder am Schwimmunterricht oder an der Klassenfahrt teilnehmen? Bin ich ein Rassist, wenn ich streng bin und auf das Einhalten von Regeln dringe? Was tue ich, wenn die Kinder nicht zur Schule kommen? Wie kann ich Spannungen zwischen Kindern verschiedener Ethnien abbauen?

Genau diese und weitere Fragen wurden im Gespräch mit Ahmad Mansour diskutiert.

Klar war am Ende der Gesprächsrunde, dass Schule zuerst einmal Sicherheit im Umgang mit Schülern und Eltern mit Migrationshintergrund ausstrahlen muss. Klare Strukturen und Regeln, an die sich alle, egal welcher Herkunft, halten müssen, sind Grundlage für ein gutes Miteinander. Demokratische Wertevermittlung in der Schule, die Etablierung einer respektvollen Streitkultur sind unabdingbar und momentan so wichtig wie lange nicht mehr. Konflikte müssen offen angesprochen werden, es gibt keine Tabus. Niemand darf Angst haben, deshalb als „links“ oder „rechts“ stigmatisiert zu werden. Und: Die Kinder und Jugendlichen müssen vom ersten Tag an Teil der Schulgemeinschaft sein. Das Wort der Stunde heißt „Respekt“. Respekt vor anderen und vor sich selbst.

Erfolge in der Integration sollten uns anspornen. Probleme dürfen aber nicht verschwiegen werden. Wer schweigt, tut sich selbst und anderen keinen Gefallen. Im Gegenteil.

Ahmad Mansour: „Und so sollte die Frage nicht sein, ob wir Probleme offen ansprechen können, sondern wie wir es tun können. Wie können wir Kritik üben, ohne uns gleich als rechts zu fühlen oder so bezeichnet zu werden? Wie können wir es schaffen, dass Radikale, egal welchem Lager zugehörig, weder vom Schweigen noch von irgendeiner Hysterie profitieren, die manche Kritik nach sich zieht? Wie kann man eine Debatte sachlich betreiben, ohne alle Menschen in einen Topf zu werfen und vorzuverurteilen, ohne sie pauschal zu Tätern oder Opfern zu machen? (…) Wir sollten voneinander verlangen, eine Gesellschaft von Demokraten zu sein, die Demokratie, Offenheit, Toleranz und Akzeptanz vermittelt und verteidigt. Grundsätzlich. Immer. Die Antwort ist auch, dass wir gegenseitig voneinander einfordern sollten, eine Integration zu schaffen, die Unterschiede nicht verurteilt, aber auch nicht zelebriert, sondern Regeln festhält, an die sich alle halten müssen. Und schließlich ist die Antwort, gegen beides zu sein: gegen falsche Toleranz und Panikmache.“ (Ahmad Mansour: Klartext zur Integration. Gegen falsche Toleranz und Panikmache. S. Fischer, 2018, S. 9 ff.)

Michaela Bausch, Zentrale Koordinatorin Migration/Integration am Landesamt für Schule und Bildung

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