Neue Wege in der Meinungsbildung: Kita-Umfrage gestartet

Neue Wege in der Meinungsbildung: Kita-Umfrage gestartet

Die Sächsische Staatsregierung will die frühkindliche Bildung in Kinderkrippen, Kindergärten und Horten verbessern. Doch wie? Um diese Frage zu klären, geht das Kultusministerium ganz neue Wege in der politischen Meinungsbildung.

Kultusminister Christian Piwarz gab heute (13. April 2018) den Startschuss für eine großangelegte Kita-Umfrage. „Wir bitten die Leiterinnen und Leiter von Kinderkrippen, Kindergärten und Horten, alle pädagogischen Fachkräfte dieser Einrichtungen und die Eltern aller dort betreuten Kinder um ihre Meinung. Sie alle können mitbestimmen, wie sich die Qualität der pädagogischen Arbeit in den Einrichtungen in Sachsen weiterentwickeln soll und welche Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden müssen. Die Ergebnisse werden der Entscheidung zum nächsten Doppelhaushalt 2019/2020 zugrunde gelegt“, so Kultusminister Christian Piwarz.

Wie wird die Umfrage durchgeführt?

Durchgeführt wird die Umfrage von der Technischen Universität Dresden. Prof. Lutz M. Hagen, Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden und sein Team haben dazu eine Online-Umfrage vorbereitet. Bis zum 1. Mai haben Eltern und Erzieherinnen und Erzieher Gelegenheit, ihre Wünsche und Interessen zu äußern. Dabei werden vier Vorschläge zur Wahl gestellt.

Foto: Martina Kirsche

Was wird gefragt?

  • Abgefragt wird die Haltung zur Anerkennung von Vor- und Nachbereitungszeiten.Diese Maßnahme betrifft alle Erzieherinnen und Erzieher in Krippen, Kindergärten und Horten. Sie würden neben der Zeit, die sie unmittelbar für die Arbeit mit den Kindern nutzen, zusätzliche Zeit bekommen, die der Vor- und Nachbereitung dient. Bei einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden je Woche sind davon zwei Stunden wöchentlich umfasst.
  • Vorgeschlagen wird ferner die Verbesserung der Personalschlüssel – in der Krippe von bisher 1:5 auf künftig 1:4,8, im Kindergarten von bisher 1:12 auf künftig 1:11,5 und im Hort von bisher 0,9:20 auf künftig 0,9:18,5
  • Zwei weitere Vorschläge sind die Unterstützung von Kitas mit besonderem Bedarf sowie die Gewährung eines frei verwendbaren Finanzbudgets für jede Kindertageseinrichtung. Darüber hinaus werden die Meinungen zu drei Zusatzfragen eingeholt.

Nicht alles auf einmal kann umgesetzt werden

„Es ist wichtig, dass sich alle, die an der Umfrage teilnehmen, klar positionieren. Wir können allerdings nicht alles auf einmal umsetzen, jedoch Ziele für die weitere Entwicklung formulieren“, stellt Kultusminister Christian Piwarz klar.

Begleitet wird die Befragung durch einen Beirat, in dem Vertreter der Koalitionsfraktionen, Gewerkschaften, Kommunen, der Liga der Freien Wohlfahrtspflege und der Graswurzelinitiative mitarbeiten. Parallel dazu findet ein Dialogprozess mit den kommunalen Spitzenverbänden, mit der LIGA der Wohlfahrtsverbände und mit dem Graswurzelbündnis statt.

Nähere Informationen zur Kita-Umfrage und zu den zur Wahl stehenden Vorschlägen der Staatsregierung gibt es unter www.kita.sachsen.de/kita-umfrage

Dirk Reelfs, Pressesprecher im Sächsischen Staatsministerium für Kultus

7 Kommentare

  1. Wiebke vor 4 Monaten

    Sehr geehrter HerReelfs,
    vielen Dank für Ihre ehrliche Antwort. Wenn man mal nachrechnet, heißt das 1420 Fachkräfte mehr für 3100 Kitas sind ca 2 mehr pro Kita. Auch die Umkehrrechnung 75 Millionen für 3100 Kitas macht ca. 24.200 pro Kita. Wenn dort – wie im Schnitt üblich – ca 10. ErzieherInnen arbeiten macht das einmalig 2.420€ pro ErzieherIn, durch 12 Monate geteilt also ca. 200€ mehr im Monat für ein Jahr.
    Ein Schritt in die richtige Richtung? Ja! Zuwenig? Auch ja. Kinder sind unsere Zukunft, hier muss investiert werden – auch über die üblichen Amtsperioden. Leider habe ich mittlerweile zu oft das Gefühl, dass die Verantwortlichen nur für 5 Jahre denken und dann „nach mir die Sintflut“. Auf Kritik wird wird oft populistisch und verletzend reagiert: siehe Aussage des Herrn Haß, der die enttäuschte Reaktion von 24.620 sächsischen Lehrern auf eine „Neiddebatte“ herabwürdigt. Das ist sehr traurig.
    Mit freundlichen Grüßen
    Wiebke Kasper

    • Autor
      Dirk Reelfs - SMK vor 4 Monaten

      Sehr geehrte Frau Kapser,
      zwischen uns entwickelt sich offenbar ein erfreulich interessanter Dialog. „Kinder sind unsere Zukunft, hier muss investiert werden“, schreiben Sie und ich stimme Ihnen unumwunden zu. Dass in diesem Punkt nie genug getan werden kann, auch darin sind wir uns sicher einig. Nur sind die finanziellen Möglichkeiten eines ostdeutschen Bundeslandes begrenzt. Das Steueraufkommen in westdeutschen Bundesländern ist dagegen ungleich größer. Zudem gibt es zahlreiche Politikfelder in die berechtigter Weise investiert werden will: Polizei, Justiz, freie Schulen, Schulhausbau, Krankenhäuser, Straßenbau, Breitbandversorgung usw.. Dennoch nimmt Sachsen viel Geld in die Hand, um die frühkindliche Bildung zu verbessern. Mit der Verbesserung des Personalschlüssels stieg der Landeszuschuss ab 1. Januar 2015 der von 1.875 auf 2.165 € im 31. August 2017. Ab 1. September 2018 wird der Landeszuschuss weiter auf 2.455 € erhöht. Rund 631 Mio. € wird das Land 2018 in die Kindertagesbetreuung investieren. Viel Geld, welches der Finanzminister Matthias Haß zur Verfügung stellt, der jetzt noch mal bereit ist, pro Jahr 75 Mio. € für die Kitas draufzulegen und kurz zuvor 1,7 Milliarden Euro zur Verbesserung der Lehrerversorgung locker gemacht hat.
      In einem Punkt möchte ich Ihnen abschließend noch zustimmen: Wir alle, Bürgerinnen und Bürger, Politiker und Medien sollten dem Populismus nicht huldigen.
      Viele Grüße
      Dirk Reelfs

  2. Wiebke vor 4 Monaten

    Sehr geehrter Herr Reelfs,
    1. Wie viele Kindergrippen, Kindergärten und Horte zusammen gibt es in Sachsen, die sich diese 75 Millionen teilen werden müssen? Wie viele Kinder werden sich diese 75 Millionen teilen müssen? Wie viele Erzieherinnen werden sich diese 75 Millionen teilen müssen. Was kommt also tatsächlich an der Basis an?
    2. „Wir bitten die Leiterinnen und Leiter von Kinderkrippen, Kindergärten und Horten, alle pädagogischen Fachkräfte dieser Einrichtungen und die Eltern aller dort betreuten Kinder um ihre Meinung. Sie alle können mitbestimmen, wie sich die Qualität der pädagogischen Arbeit in den Einrichtungen in Sachsen weiterentwickeln soll und welche Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden müssen.“ (Zitat) Bitte weisen Sie in Ihrem Blog-Beitrag daraufhin, dass es durchaus Teilnahmeeinschränkungen gibt: Teilnahme mit Zugangscode für einen geringen Prozentsatz, der in die „Datengesicherte Wertung“ eingeht, für die Mehrheit bleibt nur die Teilnahme ohne Code.
    3. Warum können nicht alle Erzieherinnen teilnehmen? Ich stimme den Aussagen von Katharina voll und ganz zu.
    4. Der Zeitraum ist zu kurz!!!
    Grüße Wiebke

    • Autor
      Dirk Reelfs - SMK vor 4 Monaten

      Sehr geehrte Wiebke,
      herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Ihre erste Frage drückt ein wenig aus, dass von den 75 Millionen Euro an der Basis nicht viel ankommen wird. Das kann man tatsächlich so sehen, wenn man die Summe auf die rund 3100 Kitas runterbricht. Aber immerhin können damit bis zu 1420 zusätzliche Fachkräfte an den Kitas beschäftig werden. Und bitte betrachten Sie die Zugangscodes nicht als Teilnahmeeinschränkung. Das sind sie nicht. Die vergebenen Codes dienen lediglich dazu, die wissenschaftliche Qualität der Umfrage zu sichern. Alle Leitungen, alle Kita-Eltern und eben auch alle Erziehrinnen haben die Möglichkeit, ihre Wünsche, ihre Prioritäten zu äußern. Alle Ergebnisse gehen in die Befragung ein – ob mit oder ohne Teilnahmecode.
      Viele Grüße
      Dirk Reelfs

  3. Katharina vor 4 Monaten

    Vielen Dank für Ihre Antwort. Natürlich finde ich es prinzipiell gut, dass Betroffene mitentscheiden dürfen. Nur befürchte ich, dass das Ganze mit einem freien Mittagessen in den Kindereinrichtungen endet. Und dann wären Sie ja fein raus, denn zusätzliche Erzieher oder Sozialarbeiter stehen ja eh nicht zur Verfügung.
    Viele Grüße

  4. Katharina vor 4 Monaten

    Da ich zu keiner der drei Gruppen gehöre, die an der Umfrage teilnehmen dürfen, aber einen Enkel im Kindergartenalter habe und den Artikel in der SZ vom 14./15. April gelesen habe, möchte ich mich auf diese Weise äußern.
    Ich empfinde diese Umfrage nach dem Handlungsprogramm „Nachhaltige Sicherung der Bildungsqualität im Freistaat Sachsen“ zur Verbeamtung der Lehrer als zweiten hilflosen Versuch, die Misere im sächsischen Bildungswesen zu entschärfen.
    Denn: 1. Wie kann es sein, dass so wichtige und längst fällige Entscheidungen von einer Umfrage abhängig
    gemacht werden? Das gehört in die Verantwortung der Politiker!
    2. Wie kann es sein , dass sich die Teilnehmer für EINEN von vier Vorschlägen entscheiden müssen?
    ALLE VIER Vorschläge müssen in Angriff genommen werden! (Da hilft auch der Satz „Nicht alles auf
    einmal kann umgesetzt werden“ nichts.)
    2. Wie können sich die Fachkräfte mit ihrer aus Erfahrungen und Fachkenntnis begründeten Meinung
    durchsetzen bei einem Verhältnis von 33 000 Erziehern zu 310 000 Eltern, bzw. 6600 (20%) Erzieher
    gegen 31000 (10%) Eltern mit einem speziellen Code?
    Und als Antwort bitte nicht wieder Goethes Ausspruch, man solle das Gute sehen.

    • Autor
      Dirk Reelfs - SMK vor 4 Monaten

      Sehr geehrte „Katharina“,

      Sie haben natürlich Recht. Das könnte die Politik allein entscheiden. Dafür werden Politiker in Sachsen schließlich alle fünf Jahre gewählt. Aber genau das genügt vielen Bürgerinnen und Bürgern nicht mehr. Sie misstrauen dem „System“, wollen mitbestimmen. Warum also nicht eine, wie Sie treffenderweise schreiben, „so wichtige und längst fällige Entscheidung“ in die Hände der direkt Betroffenen geben? Damit wird die Umfrage zu einem Element gelebter Demokratie. Was ist das Beste für die Kinder? Es wäre schön, wenn Eltern und pädagogische Fachkräfte die Umfrage zum Anlass nehmen, diese Frage vor Ort in den Kitas diskutieren würden. Umso größer wird die Chance, dass sich am Ende ein wohlüberlegtes Meinungsbild ergibt. Zum Wohle der Kinder!
      Sie fragen, warum sich die Teilnehmer für einen Vorschlag entscheiden müssen. Das hat einen einfachen Grund: Es liegt am begrenzt zur Verfügung stehenden Geld. Rund 75 Mio. € zusätzlich will sich die Landesregierung die Verbesserung der frühkindlichen Bildung kosten lassen. Damit kann man nicht alle vier vorgeschlagenen Maßnahmen auf ein Mal umsetzen. Aber die Teilnehmer können Prioritäten setzen und damit Ziele für die weitere Entwicklung in der frühkindlichen Bildung formulieren.

      Viele Grüße

      Dirk Reelfs

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