Ein Jahr Maßnahmenpaket: Wirkung voll entfaltet

Ein Jahr Maßnahmenpaket: Wirkung voll entfaltet

Vor genau einem Jahr beschloss die Sächsische Staatsregierung das Maßnahmenpaket „Zukunftsfähige Schule für Sachsen“.  Ziel war es, den Lehrerberuf in Sachsen attraktiver zu gestalten und die Lehrerversorgung zu verbessern. Nach einem Jahr lässt sich feststellen: Das Maßnahmenpaket hat seine volle Wirkung entfaltet.

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Über 214 Millionen Euro umfasst das Maßnahmenpaket. „Das ist gut angelegtes Geld“, resümiert Sachsens neuer Kultusminister Frank Haubitz. Oberschullehrer würden mehr Geld bekommen, Hunderte von Lehrerinnen und Lehrern erhielten Zulagen, ältere Lehrkräfte würden entlastet und Schulen könnten flexibler auf Engpässe in der Unterrichtsversorgung reagieren. „Diese Maßnahmen haben geholfen, die Situation an den Schulen zu entschärfen“, so der Kultusminister.

Was hat das Lehrerpaket im Einzelnen gebracht? Der Blick auf einige Maßnahmen gibt die Antwort.

Mehr Geld für Lehrer an Oberschulen

Seit Jahresbeginn 2017 werden Oberschullehrer mit abgeschlossener grundständiger Lehrerausbildung wie ihre Kollegen am Gymnasium in die Entgeltgruppe 13 eingruppiert. Freie Stellen an Oberschulen können damit leichter besetzt werden. 917 Lehrkräfte wurden, wie es heißt, „von Amts wegen“ höhergruppiert. Damit sind alle Oberschullehrer, die nach dem 1. August 2015 eingestellt worden sind, den Gymnasiallehrern gleichgestellt. Lediglich Lehrkräfte, die vor dem August 2015 den Dienst antraten, müssen einen Antrag auf Höhergruppierung stellen. Bis heute nutzten insgesamt 455 Lehrkräfte diese Möglichkeit.

Die Höhergruppierung bedeutet eine monatliche Einkommensverbesserung von rund 460 Euro brutto*. Mit der Einkommensverbesserung steigen übrigens auch die Ausbildungsbezüge für Lehramtsanwärter an Oberschulen und die Gehälter von Seiteneinsteigern.

Zulagen für Mangelfächer, ländlichen Raum und Rückkehrer

Um Lehrer für Mangelfächer zu gewinnen und offene Stellen im ländlichen Raum besser besetzen zu können, wurden bisher 497 Lehrkräften Gewinnungszulagen gezahlt. Das bedeutet für die Pädagogen ein monatliches Plus von etwa 550 bis rund 600 Euro brutto*.

In etwa gleicher Höhe erhalten auch Lehrkräfte eine Rückkehrerzulage, wenn sie aus einem Arbeits- oder Beamtenverhältnis eines anderen Bundeslandes nach Sachsen wechseln. Bislang erhielten 14 Lehrkräfte die Zulage.

Bindungszulage und Entlastungen für ältere Lehrer

Die Mehrheit der Lehrkräfte im sächsischen Schuldienst will vor dem Eintritt der Regelaltersgrenze ab 63 Jahren in Rente gehen. Doch die Erfahrung dieser Lehrerinnen und Lehrer wird dringend gebraucht. Wer trotzdem länger unterrichtet, erhält deshalb nach Vollendung des 63. Lebensjahres eine Bindungszulage in Höhe von etwa 700 bis 800 Euro brutto* mehr im Monat. Bisher nahmen 546 Lehrer diese Möglichkeit in Anspruch.

Ältere Lehrkräfte werden zudem durch die Absenkung des Regelstundenmaßes entlastet. Der Umbau der Altersermäßigungen trat mit Änderung der Lehrkräfte-Arbeitszeitverordnung im August 2017 in Kraft. Danach reduziert sich das Regelstundenmaß mit 58 Jahren um eine, mit 60 um eine weitere und mit 61 um insgesamt drei Wochenstunden.

Arbeitserleichterungen für Lehrer an Grundschulen

Mit der neuen Lehrkräfte-Arbeitszeitverordnung wurde auch das Stundendeputat der Grundschullehrer von 28 Stunden pro Woche auf nunmehr 27 Stunden abgesenkt, was einer Gehaltserhöhung von etwa vier Prozent entspricht.

Vergütung der Mehrarbeit ab der ersten geleisteten Stunde

Um kurzfristig auftretenden Unterrichtsausfall besser kompensieren zu können, sieht das Maßnahmenpaket vor, Überstunden bereits ab der ersten geleisteten Stunde abzugelten. Die Auszahlung der Mehrarbeit ist rückwirkend zum 1. Januar 2017 angelaufen. So haben allein im Monat September 2017 rund 5.570 Lehrkräfte insgesamt circa 18.270 Überstunden geltend gemacht und wurden dafür entlohnt.

Freiwillige Erhöhung des Beschäftigungsumfangs

Fast 650 Lehrkräfte haben seit Schuljahresbeginn 2017/18 ihren Beschäftigungsumfang freiwillig auf über Vollzeit erhöht – bei vollem Entgeltausgleich in Form einer übertariflichen Zulage zum Tabellenentgelt entsprechend der Arbeitszeiterhöhung.

Zulage für Lehramtsanwärter und Studienreferendare

Mit dem Maßnahmenpaket zahlt Sachsen bundesweit die höchsten Gehälter für Referendare. Von der Zulagenzahlung von 390 Euro profitieren bisher gut 900 Lehramtsanwärter und Studienreferendare in Sachsen.

Die Auszahlung der Zulage für Lehramtsanwärter und Studienreferendare erfolgte erstmals im Oktober 2017 und wird rückwirkend zum 1. Februar 2017 geleistet.

Qualifizierung von Seiteneinsteigern

Seiteneinsteiger in Sachsen werden durch ein mehrjähriges, auf mindestens fünf Jahre ausgelegtes Programm qualifiziert werden. Dazu gehört seit Januar 2017 auch eine dreimonatige Einstiegsfortbildung. Diese Maßnahme hat gewirkt: Stiegen im Schuljahr 2015/2016 rund 20 Prozent der Seiteneinsteiger wieder aus dem Schuldienst aus, halbierte sich die Zahl im darauffolgenden Schuljahr.

Modellprojekt „Schulverwaltungsassistent“

Mit Schulverwaltungsassistenten erhalten Schulleitungen personelle Unterstützung und werden dadurch entlastet. Dazu wurde das Modellprojekt „Schulverwaltungsassistent“ ins Leben gerufen.

Gleichstellung von Ein-Fach-Diplomlehrern

Ein-Fach-Diplomlehrer werden Lehrern mit Lehrbefähigung für zwei Fächer oder Fachrichtungen gleichgestellt. Die finanzielle Gleichstellung der Lehrkräfte erfolgt bei Vorliegen der Voraussetzungen nun im laufenden Schuljahr.

 

* Zu allen aufgezeigten Verbesserungen der Lehrergehälter muss man Folgendes beachten: Den Angaben zu den Gehaltserhöhungen, Höhergruppierungen und Zulagen liegen allgemeine Grundannahmen zugrunde (Berufsanfänger) und sie berechnen sich nach den tabellenmäßigen Entgelten. Die persönliche Höhe der Zulage variiert aufgrund der jeweiligen persönlichen Verhältnisse, wie z.B. Personenstand (ledig, verheiratet), Anzahl der Kinder, Erfahrungsstufe in der Entgeltgruppe, Steuerklasse.

Bianca Schulz, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

9 Kommentare

  1. Praxis vor 7 Monaten

    Sehr geehrter Herr Reelfs,
    Ihre Antwort erscheint mir ausweichend. Auch ohne Flüchtlingskrise und Inklusion wäre der Lehrermangel nicht ausgeblieben. Natürlich bleiben Fehler im Leben nicht aus,aber hier wurden so gut wie alle Warnhinweise ignoriert- politisch verantwortlich handeln,heißt für mich auch,Mahnungen von z.B. Gewerkschaften nicht von Vornherein als unangebracht darzustellen. Ein Besuch in den Schulen und Gespräche mit den Lehrern vor Ort hätte jedem Schulpolitiker die Augen geöffnet. Lehrer zu sein hat etwas mit Berufung zu tun und daher kann mich die jetzige Schadensbegrenzung nicht beruhigen.Die Arbeit mit den Schülern erfordert viel Kraft von allen,aber besonders von den langjährigen Lehrkräften.Welche zeitnahen Maßnahmen sind dafür geplant?

    • Dirk Reelfs - SMK vor 7 Monaten

      Sehr geehrte „Praxis“,

      was an der Antwort ausweichend gewesen sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Sie fragen nach weiteren Maßnahmen? Wenn die Entscheidungen dazu gefallen sind, werden wir darüber im SMK-Blog selbstverständlich informieren.

  2. Vater vor 7 Monaten

    Das der Steuerzahler jetzt soviel Geld in die Hand nehmen muss, um wenigstens die schlimmsten Auswirkungen der Nichteinstellung von Bewerbern über Jahre hinaus zu heilen, ist eine Tragödie, insb. da die Auswirkungen vorhersehbar waren. Eine Frage: Was sagt Ihr Controlling dazu? Wäre es rein monetär nicht billiger gewesen, Lehrer „auf Vorrat“ einzustellen? Die hätte man zwar die ganzen Jahre über bezahlen müssen (sie hätten auch gearbeitet, halt eben nicht vor grenzlastig gefüllten Klassen), man hätte aber jetzt eine ausgewogenere Altersstruktur und müsste keine 214 Millionen zur Linderung der Misere berappen. Hat das mal jemand ausgerechnet?

    • Dirk Reelfs - SMK vor 7 Monaten

      Sehr geehrter „Vater“,
      zurückblicken sollte man, um einmal gemachte Fehlsteuerungen für die Zukunft zu vermeiden. Der jetzige Lehrermangel hat viele Ursachen. Manche davon konnte man nicht genau abschätzen. So stiegen die Schülerzahlen stärker als vor Jahren noch prognostiziert. Hinzu kamen Flüchtlingsbewegungen, die niemand voraussehen konnte. Auch bildungspolitische Entscheidungen, die im nachhinein getroffen wurden, wie etwa die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, wirken auf die Lehrerbedarfe. Frühzeitig bekannt war allerdings die Altersstruktur der Lehrer und sich damit abzeichnende Lehrerbedarfe. Die Hauptstellschraube um Bedarf an Lehrkräften und Angebot auf dem Arbeitsmarkt in Einklang zu bringen, sind die Ausbildungskapazitäten an den Universitäten. Die Erhöhung der Studienkapazitäten zum Wintersemester 2012/2013 von 1000 auf 1700 Plätze kam leider etwa zwei bis drei Jahre zu spät. Doch genau diesen Fehler hat die Staatsregierung korrigiert. Zum aktuellen Wintersemester 2017/2018 sollen 2375 Plätze für das Lehramt besetzt werden. Ein Nachjustieren in den folgenden Jahren ist nicht ausgeschlossen.

    • Vater vor 7 Monaten

      Guten Tag Herr Reelfs, mit Verlaub, Ihre Ausführungen beantworten meine konkrete Frage nicht. Die Frage war, ob sich jemand mal rein monetär mit der Frage der jahrelangen Nichteinstellung und des jetzigen Maßnahmepakets beschäftigt hat.
      Sie tun so, als wären Inklusion, Fluchtbewegungen und steigende Schülerzahlen Schuld an der aktuellen Situation. Hier wäre es gleichfalls schön, mal ein paar Zahlen zu hören. Ich glaube nämlich nicht, das die paar in Sachsen verbliebenen Flüchtlingskinder und die paar zu inkludierenden Schüler ein fest aufgestelltes Schulsystem derart an den Abgrund führt. Schülerzahlen sind mindestens 6 Jahre zuvor bekannt (Grundschule). Wer hat schon derartige Planungszeiträume in der freien Wirtschaft? Warum musste Herr Wöllner eigentlich den Hut nehmen? Doch nicht etwa. weil er schon frühzeitig die Entwicklung vorausgesagt hat? Das war weit vor Inklusion und Flüchtlingen.

    • Dirk Reelfs - SMK vor 7 Monaten

      Sehr geehrter „Vater“,
      Ihre Frage nach Zahlen zu den „paar in Sachsen verbliebenen Flüchtlingskindern“ hat mich auf die Idee gebracht, dazu einen Beitrag im Blog zu veröffentlichen. Sie werden dazu in nächster Zeit an dieser Stellen etwas lesen. Ich bitte noch um etwas Geduld. Im Übrigen verweise ich auf meine vorangegangene Antwort: „Die Hauptstellschraube, um Bedarf an Lehrkräften und Angebot auf dem Arbeitsmarkt in Einklang zu bringen, sind die Ausbildungskapazitäten an den Universitäten.“ An dieser Schraube wurde zu spät gedreht. Dafür hatte sich die ehemalige Kultusministerin Brunhild Kurth Anfang August öffentlich entschuldigt.

  3. Buchardt, Kerstin vor 7 Monaten

    Sehr geehrte Frau Schulz,
    seit 1980 arbeite ich als Förderschullehrerin und unterrichte seit 1991 in allen Klassen Chemie, bin immer Klassenlehrerin und unterichte in meiner Klasse immer Deutsch und Mathematik.
    Ich bin ein Diplom- Einfach- Lehrer und habe von 1989 bis 1991 ein postgraduales Studium zum Lehrer
    an Hilfsschulen absolviert, was nicht anerkannt wird.
    Anträge auf Höhergruppierung wurden von mir regelmäßig gestellt und regelmäßig abgelehnt.
    So soll ich nach 26 Dienstjahren (gesamt eigentlich 36) nun in einem Gleichstellungsverfahren beweisen,
    dass ich in diesen Jahren alles richtig in Mathematik und Chemie gemacht habe, um endlich von der Tarifgruppe 11 in die Tarifgruppe 13 gestuft zu werden.
    So sieht Anerkennung für langjährige Lehrertätigkeit in Sachsen aus.
    Mit freundlichen Gruß K. Buchardt

  4. Sven vor 7 Monaten

    Richtig das Maßnahmenpaket hat sein Wirkmaximum erreicht.
    Das Maßnahmenpaket war sicher nicht falsch aber es hat kaum nennenswerte Effekte beim Halten (höchstens dass nicht noch mehr flüchten) und Gewinnen von Lehrkräften. Um aber überhaupt annähernd wettbewerbsfähig zu werden ist eine Verbeamtung der Lehrer unabdingbar.
    Rundherum heißt es „Guten Morgen Frau Oberstudienrätin“.
    Darunter könnte höchstens noch ein westdeutscher Kündigungsschutz und ein mindestens ebenbürtiges Nettogehalt etwas bewirken.

  5. Praxis vor 7 Monaten

    Sehr geehrte Frau Schulz,
    es ist ja erfreulich,dass erste Maßnahmen Erfolge zeigen.Ich warne aber aber vor zuviel Überschwang,denn das Maßnahmepaket ist aus der Lehrermangelnot geboren. Noch sind grundsätzliche Probleme nicht annähernd gelöst. Eine Besetzung der Stellen ist die Grundvoraussetzung,um Schule gewährleisten zu können. Didaktik spielt zurzeit so gut wie keine Rolle. Es ist aber so wichtig,dass z.B.vor einer ersten Klasse ein bestens ausgebildeter Lehrer steht,der um die Besonderheiten des Anfangsunterrichts weiß.Und so sieht es auch in allen anderen Jahrgängen aus. Von den Arbeitserleichterungen im Arbeitsalltag eines Klassenleiters wäre auch zu reden,sonst brauche ich über eine Aufstockung gar nicht erst nachdenken…ein Mensch ist über viele Arbeitsjahre nicht unendlich belastbar! Und welcher Lehrer wird in Zukunft mit 50 Jahren 30 Dienstjahe haben? Mit frdl.Gruß I.Herrmann

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