Neue Prognose: Deutlich mehr Schüler an öffentlichen Schulen als erwartet

Neue Prognose: Deutlich mehr Schüler an öffentlichen Schulen als erwartet

Die neue Schülerprognose des Statistischen Landesamtes hat es in sich: Die Zahl der Schüler an den öffentlichen Schulen wird in den nächsten Jahren deutlich stärker steigen als bisher berechnet. Nach der neuen Prognose wird sie schon im nächsten Schuljahr auf mindestens 396.600 steigen. Das sind 6.700 Schüler mehr als noch im Jahr 2010 vorausberechnet wurde. In Auftrag gegeben hatte die neue Prognose das Kultusministerium beim Statistischen Landesamt. Grundlage ist die kürzlich veröffentlichte 6. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung.

Zwischen zwei Varianten wird die Realität liegen

Die neue Schülerprognose besteht aus zwei Varianten. So gibt es neben oben genannten Zahlen der Minimalvariante noch eine Maximalvariante. In der Maximalvariante rechnen die Statistiker mit der deutlich höheren Zuwanderung von Schutzsuchenden aus dem Jahr 2015. Dadurch entsteht ein „Korridor“, in dem die Zahlen in der Realität liegen werden.

Die Kurve geht steil nach oben

education, elementary school, learning, gesture and people concept - group of school kids and showing thumbs up in classroom

Geht man von der Maximalvariante aus, könnten die Zahlen im nächsten Schuljahr schon auf 404.600 Schüler steigen. Maximal wären es dann sogar 14.700 Schüler mehr als bisher erwartet. Auch in den darauffolgenden Schuljahren wird die Zahl der Schüler weiter stark ansteigen. So könnte es im Schuljahr 2019/20 laut Maximalvariante insgesamt 436.900 Schüler an öffentlichen Schulen geben. Das sind 43.700 Schüler mehr als noch vor sechs Jahren prognostiziert. Beide Varianten gehen auch danach von steigenden Schülerzahlen aus. Der unteren Variante zufolge nehmen die Schülerzahlen bis zum Schuljahr 2026/2027 auf 429.200 zu. Danach sinkt die Zahl der Schüler wieder. Die höchste Gesamtschülerzahl in der Maximalvariante soll es ein Schuljahr später mit 456.500 Schülern geben. Danach nehmen auch in dieser Vorausberechnung die Schülerzahlen wieder leicht ab.

Neue Prognose der Gesamtschülerzahlen an öffentlichen Schulen in Sachsen

2016_04_21_schülerzahlen_flaechen

Entwicklung der Schülerzahlen in den einzelnen Schularten

 

 

Aktuelle Entwicklung sorgt für neue Berechnung

portrait of cute babies on light background

In der Prognose von 2010 haben die Statistiker die Geburtenrate und den Zuzug nach Sachsen noch geringer eingeschätzt.  Im Wesentlichen gibt es damit zwei Ursachen für die deutlich höheren Schülerzahlen als bisher berechnet. Zum einen ist es die deutlich steigende Geburtenzahl. In der Folge sind erstmals wieder mehr Kinder im Schuljahr 2015/16 eingeschult worden als in den Vorjahren. Das wird sich in den nächsten Jahren auf alle Schularten auswirken.

Die zweite Ursache sind die nicht vorhersehbaren Flüchtlingsströme. Damit stieg vor allem in den letzten zwei Jahren die Zahl der Schüler in Vorbereitungsklassen. So sind die Statistiker 2010 noch von rund 800 Schülern pro Jahr in Vorbereitungsklassen an Grund- und Oberschulen ausgegangen. Aktuell sind es jedoch rund 5 900 Schüler an Grund- und Oberschulen, sowie knapp 2 300 Schüler an berufsbildenden Schulen (Stand: 7. April 2016).

Auf Grundlage der neuen Schülerzahlvorausberechnung erstellt das Kultusministerium das Lehrerpersonalentwicklungskonzept 2020, in dem die künftigen Lehrerbedarfe abgebildet sind.

Manja Kelch, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

13 Kommentare

  1. Babett Tauber 1 Jahr vor

    Liebe Frau Kelch,

    vielen Dank für die ausführliche Antwort. Das meiste kann ich nachvollziehen, auch dass das Studium Lehramt am Gymnasium häufiger studiert wird. Obwohl ich immer der Meinung bin, dass man als Arbeitgeber durch eine ansprechendes Arbeitsumfeld und eine gute Bezahlung genügend Mitarbeiter bekommen sollte und diese es dann nicht nötig haben, in angrenzende Bundesländer abzuwandern, in denen man Netto mehr verdient als Brutto in Sachsen. Auch konnte ich auch vor rund acht Jahren nicht verstehen, dass eine nicht geringe Anzahl Mittelschullehrer an Gymnasien versetzt wurde, weil es angeblich zu viele Mittelschullehrer gab und dann drei Jahre später angeblich zu wenige. Das wundert mich schon, wie sich Prognosen so plötzlich ändern können. Und irgendwie kann ich mir bei 3000 Schülern mehr nicht vorstellen, dass man da nur 70 neue Klassen einrichten muss, gerade weil man ja 7-jährige nicht durchs Land zur Verteilung schicken kann und sich diese sicherlich nur auf einige Stände beschränken werden und dabei auch auf spezielle Stadtteile. Aber das werden wir ja sehen, wenn das neue Schuljahr begonnen hat.

    Beste Grüße
    Babett Tauber

  2. Babett Tauber 1 Jahr vor

    Liebe Frau Kelch,

    vielen Dank für die schnelle Antwort. Ich nehme einmal an, dass ein Großteil der Grundschüler in den drei Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz neu in die Schulen kommen wird und sich nicht gleichmäßig auf das Flächenland verteilen wird. Was ja ein Verteilen eher schwierig machen wird. Auch kommen die ersten Klassen ja neu in die Schulen, da kann man nicht in bestehende Klassen verteilen, nur neue eröffnen. Ich glaube, wir reden aneinander vorbei. Ich nehme auch mal an, dass im letzten Jahr die Migration von 5 Jährigen nach Sachsen, egal ob aus dem Ausland oder aus anderen Bundesländern, nicht im dreistelligen Bereich lag, so dass innerhalb der letzten sechs Jahre ja diese Entwicklung, gerade in den Großstädten, gut eingeplant werden konnte. Innerhalb von sechs Jahren kann auch ein Grundschulstudium plus Referendariat abgeschlossen werden, so dass bei vorrausschauender Planung keine Probleme auftreten sollten.

    Beste Grüße

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 1 Jahr vor

      Liebe Frau Tauber,

      hmm, also ich finde nicht, dass wir aneinander vorbeireden;). Genau das habe ich geschrieben: Es werden zuerst die geplanten Grundschulklassen gefüllt (mit bestehend meinte ich die geplanten, ok, das war missverständlich). Durch den Schülerzuwachs von rund 3000 Schülern müssen dann aber voraussichtlich 70 Klassen mehr eingerichtet werden, als im Vorjahr. Dabei sind auch viele Schüler mit Migrationshintergrund. Es sind schon in diesem Schuljahr in den ersten Klassen Schülerzahlen von Schülern mit Migrationshintergrund im vierstelligen Bereich.

      Das Kultusministerium rechnet mit den Prognosen und Zahlen, die es vom Statistischen Landesamt bekommt. Die Prognose von 2011 hatte jedoch die Zuwanderung, auch innerhalb Deutschlands, niedriger eingeschätzt, die Wegzugsrate höher prognostiziert und die Geburtenrate niedriger eingeschätzt. (siehe Zahlen im Blogbeitrag) Und zum Thema Studium: Die meisten studieren Lehramt Gymnasium und so haben wir auch immer sehr viele Bewerber für die Gymnasien und weniger für Grund-, Förder- und Oberschulen. Die Studienanfängerplätze für das Lehramtsstudium hat das Wissenschaftsministerium in Abstimmung mit dem Kultusministerium vor kurzem ab 2017 auf 2.000 Plätze hochgesetzt, hier dazu mehr http://www.bildung.sachsen.de/blog/index.php/2016/03/16/lehrerbedarf-ab-2017-mehr-studienplaetze-fuer-lehramtsstudiengaenge/

      Viele Grüße

    • Vater 1 Jahr vor

      Zitat: „Die Prognose von 2011 hatte jedoch die Zuwanderung, auch innerhalb Deutschlands, niedriger eingeschätzt, die Wegzugsrate höher prognostiziert und die Geburtenrate niedriger eingeschätzt“.
      Damit hat mal alle Parameter, die eine wachsende Schülerzahl vermuten liese, falsch vorhergesagt. War da der Wunsch der Vater des Gedankens? 2016 eine Prognose von 2011 zu verwenden ist auch sehr gewagt, moderne Computertechnik dürfte da eine häufigere, z.B. jährliche, Auswertung ermöglichen.
      Und ich bleibe dabei: würde man im sächs. Bildungssystem nicht schon lange alles auf Kante nähen, würden uns oben beschriebene Schwankungen nicht solche Probleme bereiten, wie sie es offenbar tun. Problemlösung ist hier keine Frage des Könnens, sondern des Wollens. Trotz insgesamt sinkender Einwohnerzahl in Sachsen bleibt bspw. unser Landtag auch in großem Umfang bestehen und wird nicht eingedampft. Schulen hingegen wurden sofort geschlossen als sich eine sinkende Schülerzahl abzeichnete.

    • Babett Tauber 1 Jahr vor

      Sehr geehrter Vater,

      ich denke, dies ist der sächsischen Sparpolitik geschuldet, an der es schon seit 20 Jahren hier krankt. Wenn man gern mit Bayern mithalten will aber bei weitem nicht über Steuereinnahmen in diesem Maße verfügt und dann auch noch die wenigen Gelder mit der Sachsen LB an der Londoner Börse verzockt, ist es halt am einfachsten, am Personal zu sparen. Dies sieht man ja auch an an der Polizei, der Justiz und der Verwaltung, wo schon seit Jahren der Rotstift regiert. Vielleicht sollte man einfach die Personalkosten auf Null setzen, dann läuft es bestimmt am besten! Dies ist ein Spiel mit der Demokratie, da dadurch staatliche Aufgaben nicht mehr genügend erfüllt werden können. Wenn eine Schulpflicht besteht, dann muss dem Bürger, der seine Kinder in staatliche Obhut gibt, auch eine adäquate Betreuung garantiert werden.

      Beste Grüße
      Babett Tauber

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 1 Jahr vor

      Also aktuell ist die Planungsgrundlage natürlich die neue Prognose von 2016. Ab jetzt wird es aufgrund der demografischen Entwicklung übrigens aller zwei Jahre eine aktuelle Schülerzahlenprognose geben.
      Und zum Thema „auf Kante nähen“: Ich zitiere mal aus meiner Antwort vom 04.02.2016: „Dass die Altersstruktur der Lehrer heute so ist, wie sie ist, hat mehrere Gründe. In Sachsen haben sich die Schülerzahlen seit Mitte der 90er Jahre halbiert. Angesichts dieser deutschlandweit einmaligen Entwicklung musste man sich entscheiden, die nicht mehr benötigten Lehrer entweder zu entlassen oder im Schulsystem zu belassen. Für Letzteres hatte sich die Regierung gemeinsam mit den Gewerkschaften entschieden. Die Folge ist die jetzige Situation. Viele Jahre konnten kaum junge Nachwuchskräfte eingestellt werden, was dazu führte, dass heute, wie Sie treffend schreiben, die mittlere Lehrergeneration fehlt.“

    • Vater 1 Jahr vor

      gestatten Sie mir die Frage: Muss ich dafür Verständnis haben? Die Situation der fehlenden Junglehrer (jetzt „Mitte“) wurde wissentlich in Kauf genommen und ich erwarte von den Verantwortlichen deutlich mehr Weitblick. Wer garantiert mir, das die aktuellen Sichtweisen (neues Schulgesetz) nicht wieder so kurz gesprungen sind ? Ich hab da so meine Zweifel.

  3. Babett Tauber 1 Jahr vor

    Liebe Frau Kelch,

    „ein Zuwachs der Erstklässler von rund 3000 Schülern“ sollen rd. 70 Klassen sein? Entweder ist Ihre Formulierung falsch und Sie wollten „auf rund 3000 Schüler“ schreiben oder das Kultusministerium hat den Klassenteiler in Grundschulen auf 42 erhöht. Aber sicherlich liegt der Fehler auf meiner Seite. Im Ministerium können ja sicherlich alle rechnen, ansonsten würde es in der sächsischen Schulpolitik ja drunter und drüber gehen, nicht wahr?

    Beste Grüße

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 1 Jahr vor

      Liebe Frau Tauber,

      klar können wir rechnen, gar kein Problem :)! Sie hätten recht, wenn alle Grundschulklassen mit 28 Schülern gefüllt wären. Aber es werden ja erst alle bestehenden bzw. geplanten Klassen aufgefüllt und dann neue Klassen gebildet.
      Viele Grüße

  4. Vater 1 Jahr vor

    Lassen Sie mich noch folgendes anmerken: Der Schülernachwuchs kommt logischerweise nicht gleichverteilt über alle Klassenstufen, sondern in aller Regel in die erste Klasse. Damit haben Sie Recht. ABER Schüler fallen nicht vom Himmel, sondern sind in aller Regel schon mindestens 6 Jahre auf der Welt und an ihrem Wohnort statistisch erfasst. Diese kommen schonmal nicht überraschend, wenngleich Wanderungsbewegungen keine 100%ige Aussage, aber nahe dran, zulassen.
    Flüchtlinge kommen als Zuwanderer in der Tat recht plötzlich, hier haben wir aber eine Gleichverteilung sowohl über die Alterstufen (oder fliehen nur Erstklässler mit ihren Eltern?) als auch über die Fläche. Zumindest aber liegt deren Verteilung in sächsischer Hand. Hier gilt, das pro Klasse deutlich unter einem Schüler aufgenommen werden muss und unser Schulsystem nicht so labil (trotz Haushaltsdisziplin) sein sollte, so etwas nicht zu verkraften.
    Und ich bleibe bei meiner Meinung: Wir müssen bildungspolitisch nicht immer alles auf Kante nähen. Damit dürfte uns die neue Statistik nicht einen derartigen Schreck einjagen.

  5. Freilerner 1 Jahr vor

    Also wir würden gerne Plätze in den Schulen freimachen, dürfen aber wegen des Schulanwesenheitszwangs nicht.

  6. Vater 1 Jahr vor

    Rechnen Sie doch mal: Die zusätzlichen (unerwarteten) Schüler betragen je nach Szenario zwischen 1,x und 2,x % der Gesamtschülerzahl. Das ist pro Klasse bei 27 Schülern rein rechnerisch nicht mal ein Schüler. Und diese bringen unser Schulsystem in Bedrängnis? Vielleicht sollte man bei der anstehenden Bedarfsplanung mal nicht „auf Kante“ kalkulieren, sondern mit einigen Prozent Sicherheit agieren. Sollte dann – wider Erwarten – doch ein Klassenzimmer zuviel oder gar ein Lehrer überzählig sein, und damit die Klassen mal nicht rappelvoll, wäre das für unsere Schüler sich verkraftbar.

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 1 Jahr vor

      Im mathematischen Sinn haben Sie zwar recht, aber eine Gleichverteilung der zusätzlichen Schüler funktioniert leider nicht. Der „Schüleraufwuchs“ kommt doch zuerst in den Eingangsklassen an und das auch noch regional sehr unterschiedlich verteilt. In den Mittel- und Oberzentren ist die Klassen-Schüler-Relation deutlich höher als im ländlichen Raum. Bei einem Zuwachs der Erstklässler von rund 3000 Schülern für das neue SJ 2016/2017 sind das z.B. rund 70 Klassen der Klassenstufe 1 mehr als im laufenden Schuljahr. Klassen auf „Vorrat“ anzulegen verbietet uns leider das Prinzip der Wirtschaftlichkeit. Wir können nur in dem Rahmen des geltenden Haushalts planen.

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