„Politik ist nicht nur ja oder nein“ – Schüler beim Landeswettbewerb „Jugend debattiert“

„Politik ist nicht nur ja oder nein“ – Schüler beim Landeswettbewerb „Jugend debattiert“

Wäre es tatsächlich sinnvoll Fleisch teurer zu machen, um den Fleischkonsum einzuschränken und für mehr Tierschutz zu sorgen? Hochkonzentriert diskutierten darüber gestern jeweils zwei Schüler der achten Klasse pro und contra in den Klassenräumen des Gymnasiums Bürgerwiese in Dresden. Die Debatte folgt exakt definierten Regeln und Zeitvorgaben: Eröffnungsrunde, freie Aussprache und Schlussrunde. Die Schülerjury verfolgt die Diskussion aufmerksam, während eine Lehrerin als „Zeitwächter“  immer dann eine Glocke läutet, wenn die Redezeit zu Ende geht. Die Schüler gehören zu den 24 Besten des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ aus ganz Sachsen und beweisen vor Publikum und Jury nun ihr ganzes Können.

Jugend debattiert- Jonas

Jonas Riedel vom Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium Chemnitz (Foto: Manja Kelch)

In vielen Stunden haben sich die Debattanten in extra Seminaren vorbereitet und an ihren Schulen qualifiziert, um es letztendlich in die Landesqualifikation am 6. April in Dresden zu schaffen. Einer von ihnen ist Jonas Riedel vom Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium Chemnitz, der geschickt argumentiert, warum wir lieber weniger, aber dafür teureres Bio-Fleisch essen sollten. Seine Deutschlehrerin hat den Achtklässler für das Debattieren begeistert und da er wie er sagt „von Haus aus gerne redet“, war sein Interesse sofort geweckt. Und debattieren kann er, mit klaren Argumenten und einer geschliffenen Rhetorik besticht er in der halbstündigen Debatte um den Fleischkonsum. Alle 24 Debattanten müssen bis zum Mittag jeweils zwei Debatten führen. Danach entscheiden die Jurymitglieder welche acht Schüler es in das Finale am Nachmittag in den Sächsischen Landtag schaffen.

Politische Bildung durch Debattieren

Sarah und benedict am besten

Benedict Fuchs und Sarah Jazik hochkonzentriert mitten in der Debatte (Foto: Manja Kelch)

Sarah Jazik vom Beruflichen Gymnasium Pirna und Benedict Fuchs vom Landesgymnasium St. Afra gehören zu den Debattanten der Jahrgangsstufe 11 bis 13. Sie liefern sich mit ihren Kontrahenten eine Diskussion zur Frage, ob Hilters „Mein Kampf“ als Pflichtlektüre an Sachsens Schulen eingesetzt werden sollte. Und damit tauchen die Schüler tief in die Materie der politischen Bildung ein. „Die Auseinandersetzung mit dem lange verbotenenen Buch kann dem Rechtsextremismus vorbeugen. Die Schüler müssten sich intensiv mit den Thesen auseinandersetzen und erkennen dabei die menschenverachtende Ideologie“, argumentiert Benedict.  Bei dieser Diskussion offenbaren sich die zwei Dimensionen von „Jugend debattiert“.

Einerseits ist es die inhaltliche Auseinandersetzung mit kontrovers diskutierten Themen und andererseits ist das Debattieren selbst ein wichtiger Bestandteil von Demokratie.  Benedict ist sich dessen genau bewusst. Der Elftklässler debattiert schon seit der achten Klasse und ist bereits seit der neunten Klasse beim Wettbewerb dabei. „Wenn man viel Zeit zum Debattieren hat, dann sieht man auch wie vielschichtig die Dinge sind. Die Fähigkeit Themen zu diskutieren, sorgt mit Sicherheit für mehr politische Bildung“, so Benedict.

 

Vor der Jury (Foto: Manja Kelch)

Das bekräftigt auch die Landesbeauftragte des Wettbewerbs Martina Jahn, selbst Lehrerin für gesellschaftswissenschaftliche Fächer am Gymnasium Bürgerwiese in Dresden. „Die Lehrer und Schüler, die sich an den Seminaren von „Jugend debattiert“ beteiligen, tun sehr viel mehr für politische Bildung als viele andere“, so die Lehrerin. Politik, das ist mehr als nur „ja“ oder „nein“, bringt Jonas Riedel den Zusammenhang zwischen Politik und Debatte auf den Punkt. Sarah sieht währenddessen auch den praktischen Aspekt: „Debattieren ist etwas Nützliches und baut nebenbei das Selbstbewusstsein auf. Das kann ich in jedem Fall für meine Zukunft gebrauchen.“

3.300 Schüler allein in diesem Schuljahr dabei

Jugend debattiert im Landtag

Finale im Landtag (Foto: Ralf-Thomas Schiebel)

Jonas und Benedict schaffen es letzendlich nicht nur in das Finale im Sächsischen Landtag, sondern gehören auch zu den vier Schülern, die Sachsen am 18. Juni 2016 in Berlin beim Bundeswettbewerb vertreten werden.

Als Anerkennung gibt es für die vier Erst- und Zweitplatzierten ein mehrtägiges professionelles Rhetorik-Training gemeinsam mit den Gewinnern der anderen Bundesländer. Insgesamt haben in diesem Schuljahr allein in Sachsen rund 3.300 Schüler aus 34 Schulen im Rahmen einer Unterrichtsreihe, im fächerverbindenden Unterricht oder in Arbeitsgemeinschaften an „Jugend debattiert“ beteiligt.

Jugend debattiert im Landtag 2

Finale im Landtag (Foto: Ralf-Thomas Schiebel)

Beim Wettbewerb handelt es sich um ein gemeinsames Projekt der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, der Robert-Bosch-Stiftung, der Stiftung Mercator und der Heinz Nixdorf Stiftung in Kooperation mit der Kultusministerkonferenz, den Kultusministerien und Landtagen der Länder.

 

Gewinner Jugend debattiert

Die Finalisten (Foto: Ralf-Thomas Schiebel)

Die komplette Übersicht zu den Platzierungen der Finalisten gibt es in der heutigen Pressemitteilung zum Landeswettbwerb.

 

 

 

Manja Kelch, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

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