»Wir nehmen Lehrkräften vieles ab«

»Wir nehmen Lehrkräften vieles ab«

Guter Unterricht ohne Vorbereitungszeit? Daran arbeitet Martina Adler, die am Landesamt für Schule und Bildung das Referat Qualitätsentwicklung an allgemeinbildenden Schulen leitet. Sie ist Teil des Teams, das speziell auf die sächsischen Lehrpläne abgestimmte eLearning-Module entwickelt hat. Im Interview erklärt sie, welche Entlastung die Module bieten.

Martina Adler, Referatsleiterin des Referats Qualitätsentwicklung an allgemeinbildenden Schulen am Landesamt für Schule und Bildung, Foto: Matthias Rietschel

Wie überzeugen Sie eine skeptische Lehrkraft, die digitalen Module selbst einmal auszuprobieren?

Die Lehrkraft kriegt von uns wunderbar auf den sächsischen Lehrplan angepasstes, fachlich sicheres Unterrichtsmaterial – mit schön aufbereiteten Inhalten in digitaler Form. Sie muss nicht danach suchen, wenige Klicks genügen, um genau das passende Modul zu finden.

Was aber ist, wenn eine Lehrkraft lieber ganz klassisch an der Tafel unterrichtet?

Ich finde es vollkommen legitim und richtig, dass Lehrerinnen und Lehrer gern an der Tafel stehen. Wir sollten bei der Diskussion um digitale Unterrichtsmedien nicht vergessen, dass auch althergebrachtes, traditionelles analoges Lernen weiterhin eine ganz große Berechtigung haben wird. Das Lernen mit digitalen und analogen Medien muss ineinandergreifen – beides hat Vorteile und ergänzt sich jeweils dort, wo das andere an seine Grenzen kommt.

Was unterscheidet die Module von anderen Unterrichtsmaterialien, die im Internet frei verfügbar sind?

Tatsächlich ist das Netz voll von zahlreichen Inhalten und Angeboten. Ein großes Problem dabei ist aber, dass manche Seiten datenschutzrechtlich unsauber sind und zum Beispiel die Daten von Schülerinnen und Schülern beim häuslichen Lernen sammeln. Bei unseren Modulen können sich die Lehrkräfte darauf verlassen, dass sie datenschutz-konform sind. Auch beim Thema Urheberrecht sind sie bei uns auf der sicheren Seite. Oftmals sind die Internetseiten anderer Anbieter so gefüllt, dass es für die Lehrerinnen und Lehrer auch Arbeit bedeutet, sich zurechtzufinden und die passenden Inhalte zusammenzustellen. All das nehmen wir ihnen ab: Wir bieten maßgeschneiderte Inhalte für Unterrichtseinheiten von vier bis sechs Stunden, die genau zum jeweiligen Lehrplanziel passen.

Wie lässt sich beides kombinieren – die eLearning-Module und herkömmliche Unterrichtsmaterialien?

Das ist kein Problem. Jede Lehrerin oder jeder Lehrer kann die Module um eigene Materialien erweitern und zum Beispiel Arbeitsblätter hochladen und sie direkt den jeweiligen Schülerinnen und Schülern zuweisen.

Könnten auch Lehrkräfte anderer Schulen die hochgeladenen Materialien nutzen?

Nein, das ist nicht möglich. Das gibt zum einen die bislang vorhandene technische Infrastruktur nicht her, und zum anderen würde dies wieder schnell zu einer Überforderung führen. Denn als Lehrkraft hat man in der Regel nie zu wenig Material, sondern steht eher vor der Frage, wie man einen für die Schülerinnen und Schüler gut nachvollziehbaren Weg zum Lernziel gestaltet. Dabei ist nicht die Quantität der Materialien entscheidend, sondern die Vielfalt und Qualität. Deshalb konzentrieren wir uns genau darauf. Wir bieten gut vorbereitete Unterrichtseinheiten an und versuchen dabei, diese bewusst schlank zu halten.

Müssen Lehrerinnen und Lehrer digital affin sein, um mit der Benutzeroberfläche gut zurechtzukommen?

Die Module und die dazugehörige Website sind aus unserer Sicht wirklich selbsterklärend. Ganz salopp formuliert: Man muss einen Rechner ein- und ausschalten sowie den Internetbrowser öffnen können. Um allen Interessierten aber wirklich maximale Sicherheit geben zu können, haben wir auf der Startseite ein kurzes Erklärvideo veröffentlicht. Der Film zeigt genau, wie sich Lehrerinnen und Lehrer auf der Seite zurechtfinden und wie sie die Module für ihren Unterricht nutzen können.

Die Module gibt es erst seit 2022. Sind weitere Sequenzen geplant?

Ja, wir entwickeln das Angebot kontinuierlich weiter. Seit diesem Schuljahr haben wir auch Module zum Selbstlernen der Schülerinnen und Schüler ohne Lehrkraft entwickelt – für die Fächer Biologie, Chemie, Physik und Mathematik an Oberschulen. Regelmäßiges Vorbeischauen lohnt sich also.

Wie entstehen die Module? Wie stellen Sie sicher, dass sie den Anforderungen der Lehrerinnen und Lehrer in Sachsen gerecht werden?

Dafür arbeiten wir eng mit dem eLearning-Anbieter »Digitale Lernwelten« zusammen. Im ersten Schritt identifizieren wir im Landesamt für Schule und Bildung Themen, die Bestand haben. Denn die Lehrpläne sind lebendige Systeme – es verändert sich immer mal wieder etwas. Auch mit Blick auf das Projekt »Bildungsland Sachsen 2030« wird es künftig sicherlich Änderungen geben. Deshalb wählen wir Themen aus, die durch Veränderungsprozesse vermutlich weniger betroffen sind. Dann erarbeiten wir ein Minikonzept und definieren die Lernziele mit Blick auf den jeweiligen Lernplan. Dieses Konzept übergeben wir an die »Digitalen Lernwelten« und deren Autorinnen und Autoren der Module. Von dort aus denken wir rückwärts: Was brauchen die Schülerinnen und Schüler, damit sie das Lernziel erreichen? Wie kann ein für alle möglichst nachvollziehbarer Lernweg aussehen? Was benötigen sie, um die damit verbundenen Kompetenzen zu erwerben? Dies ist ein langer und spannender Prozess, an dem verschiedene Fachleute gemeinsam arbeiten.

Welches Feedback haben Sie bislang zu dem neuen Angebot erhalten?

Da wir nicht aktiv danach fragen, haben wir bislang kaum Rückmeldungen von Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis erhalten. Ich vermute, dass einige Lehrkräfte sich auch erst mal dazu äußern würden, dass sie nicht genügend Endgeräte zur Verfügung haben. Deshalb hoffen wir, dass die Digitalisierung der Schulen weiter voranschreitet und die Lehrkräfte ihre wertvolle Arbeitszeit nicht damit verbringen müssen, sich um die Technik zu kümmern – damit bald möglichst viele Lehrerinnen und Lehrer in Sachsen die Module für ihren Unterricht nutzen können. Dann freue ich mich natürlich auch über Feedback.

Hier geht es zu den eLearning-Modulen.

Noch mehr zu den digitalen Modulen lesen Sie in unserer neuen KLASSE in der Rubrik »Fortbildung« auf Seite 14.

 

Text: Antje Tiefenthal

Lynn Winkler, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

2 Kommentare

  1. Frau S. 6 Monaten vor

    Ich geb gern mein Feedback.

    Vielen Dank für die Module und Ihre Mühe dahinter!

    Die Module, die ich bisher nutzte, finde ich gut. Die genutzten Operatoren finde ich mitunter jedoch schwierig, z.B. „Überlege…“

    Zudem ist aufgrund der aktuell geringen Auswahl der Module und der Tatsache, dass sie grundsätzlich gut, jedoch nicht herausragend sind, die Plattform bisher noch wenig interessant für mich. Das ändert auch nicht der direkte Bezug zum sächsischen Lehrplan.

    Des Weiteren ist es für mich unverständlich, dass für die Module eine weitere Plattform erstellt wurde, statt die Module so zu generieren, dass sie in das vom Land bereitgestellte LMS integriert werden können.

    Wird darüber bereits nachgedacht?

    • Autor
      Lynn Winkler - SMK 6 Monaten vor

      Liebe Frau S.,

      dafür bedanken wir uns herzlich. Das Feedback aus der Praxis ist wichtig, wir geben es gern an die Kolleginnen und Kollegen weiter.

      Es ist geplant, dass die Seite für die Module an VIDIS und Schullogin angebunden wird, sodass Lehrkräfte nur einmal ein Login mit Identitätsmanagement für alle digitalen Angebote und Dienste durchlaufen müssen und dann direkt auf die Seite mit den Modulen geleitet werden. Damit entfällt eine erneute Anmeldung. Eine Integration in in Sachsen verwendete LMS ist noch nicht geplant.

      Herzliche Grüße und schon einmal einen schönen 2. Advent
      Lynn Winkler