Bildungsstudie belegt hohes Leistungsniveau für Sachsens Schüler

Bildungsstudie belegt hohes Leistungsniveau für Sachsens Schüler

Sachsens Neuntklässler gehören zu den besten in Deutschland. Insgesamt sind die Leistungen der Schülerinnen und Schüler deutschlandweit jedoch deutlich zurückgegangen, in Sachsen jedoch weniger stark. Das sind die Ergebnisse des sogenannten IQB-Bildungstrend 2022, der im Auftrag der Kultusministerkonferenz vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen erstellt und heute in Berlin vorgestellt wurde.

»So erfreulich das Abschneiden der sächsischen Schülerinnen und Schüler insgesamt ist, so sehr müssen uns die Ergebnisse im Einzelnen beunruhigen. Sachsens Schülerschaft wird immer heterogener. Desto mehr bin ich den Lehrerinnen und Lehrern dafür dankbar, dass es ihnen immer noch vergleichbar gut gelingt, alle Schülerinnen und Schüler leistungsgerecht zu fördern und zu fordern«, kommentierte Kultusminister Christian Piwarz den Bildungsbericht.

Ergebnisse im Fach Deutsch

Im Unterrichtsfach »Deutsch« gehören Sachsens Neuntklässler zur Spitzengruppe in Deutschland, hinter Bayern und vor Hamburg und Baden-Württemberg. Sächsische Schülerinnen und Schüler erreichen in fast allen Bereichen Kompetenzstände, die signifikant über dem Mittelwert in Deutschland liegen. Während allerdings die durchschnittlich erreichten Kompetenzen zwischen 2009 und 2015 in den untersuchten Bereichen in Sachsen eine Verbesserungstendenz aufweisen, sind zwischen 2015 und 2022 für Sachsen wie auch für andere Bundesländer deutlich negative Veränderungen in allen Kompetenzbereichen feststellbar.

Dennoch gelingt es hiesigen Lehrkräften recht gut die Gruppe der leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern im Fach Deutsch gering zu halten. Der Anteil der Kinder, die in dem Kompetenzbereich Lesen den Mindeststandard verfehlen, ist in keinem Land niedriger. 23,1% der Schülerinnen und Schüler der neunten Klassenstufe erreichen nicht den Mindeststandard. Auch in den Kompetenzbereichen Zuhören und Orthografie belegt Sachsen mit Rang zwei hinter Bayern einen Spitzenplatz. Auch hier liegen die Werte mit 28,2% und 18,3% deutlich unter dem gesamtdeutschen Wert.

Ergebnisse im Fach Englisch

Im Fach Englisch haben sich die Leistungen der sächsischen Schülerinnen und Schüler leicht verbessert. Sachsen liegt im Mittelfeld der Bundesländer. Dabei rangiert der Freistaat im Kompetenzbereich Lesen im oberen und für den Kompetenzbereich Hörverstehen im unteren Mittelfeld.

Wie in den meisten Ländern auch ist in Sachsen der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die die Mindestanforderungen im Fach Englisch verfehlen, zwischen 2015 und 2022 etwas geringer geworden. Der Anteil der Neuntklässler, die im Kompetenzbereich Leseverstehen des Fachs Englisch den Mindeststandard nicht erreichten, lag bei 24,0% und damit minimal unter dem deutschen Gesamtwert. Im Hörverstehen lag der Wert mit 17,2% leicht über dem deutschen Gesamtwert. Beide Werte stellen eine leichte Verbesserung im Vergleich zu 2015 dar.

Sachsen im Ländervergleich

2022

Deutsch

Lesen

Deutsch

Zuhören

Deutsch

Orthografie

Englisch

Leseverstehen

Englisch

Hörverstehen

503 Punkte 476 Punkte 485 Punkte 523 Punkte 507 Punkte
Rang 1 Rang 2 Rang 2 Rang 5 Rang 13

2015

Deutsch

Lesen

Deutsch

Zuhören

Deutsch

Orthografie

Englisch

Leseverstehen

Englisch

Hörverstehen

528 Punkte 519 Punkte 507 Punkte 502 Punkte 481 Punkte
Rang 1 Rang 1 Rang 2 Rang 3 Rang 14

2009

Deutsch

Lesen

Deutsch Zuhören Deutsch Orthografie Englisch

Leseverstehen

Englisch

Hörverstehen

508 Punkte 492 Punkte 492 Punkte 489 Punkte 466 Punkte
Rang 2 Rang 6 Rang 6 Rang 8 Rang 13

Unterschiede unter den Geschlechtern

Bereits seit einigen Jahren zeichnet sich im schulischen Bereich ab, dass nicht länger – wie in früheren Jahren – die Mädchen, sondern zunehmend die Jungen benachteiligt sind.

Die Ergebnisse des Berichtes zeigen für Deutschland, dass in allen untersuchten sprachlichen Kompetenzbereichen der Fächer Deutsch und Englisch Mädchen besser abschneiden als Jungs. An den Gymnasien fallen die Kompetenzvorsprünge der Mädchen geringer aus als in der Gesamtpopulation.

Soziale Unterschiede

Auch in diesem Bildungsbericht wird deutlich, dass in Deutschland eine signifikante Koppelung zwischen dem familiären sozioökonomischen Hintergrund und den erreichten Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler besteht.

In Sachsen ist die soziale Disparität zwar angewachsen, aber der gemessene Zusammenhang des sozioökonomischen Status der Familie auf den Kompetenzgewinn der Schülerinnen und Schüler ist im Freistaat geringer als im deutschen Durchschnitt.

Zuwanderungsbedingte Unterschiede

Im Jahr 2022 weisen insgesamt 38% der Neuntklässler in Deutschland einen Zuwanderungshintergrund auf. Mit über 50% ist ihr Anteil in Berlin, Bremen und Hessen am höchsten und in Sachsen wie den anderen ostdeutschen Flächenländern trotz gestiegener Zahlen mit maximal 15% am niedrigsten. Die Ergebnisse weisen aufgrund geringer Stichproben jedoch nicht unbedingt eine statistische Relevanz auf.

Es gilt auch für Sachsen, dass bei Jugendlichen mit Zuwanderungshintergrund die Kompetenzeinbußen am stärksten ausfallen, so dass sich die Kompetenznachteile dieser Gruppe im Vergleich zu Jugendlichen ohne Zuwanderungshintergrund erheblich verstärkt haben.

Was wurde untersucht?

Im IQB-Bildungstrend 2022 wurde nach 2009 und 2015 zum dritten Mal das Erreichen der Bildungsstandards der KMK in der Sekundarstufe I in den Fächern Deutsch und Englisch durchgeführt. Im Fach Deutsch wurden Testaufgaben zu den drei in den Bildungsstandards definierten Kompetenzbereichen »Lesen – mit Texten und Medien umgehen«, »Sprechen und Zuhören« sowie »Schreiben« eingesetzt. Die Erhebung beschränkte sich dabei auf die Teilbereiche »Lesen«, »Zuhören« und »Orthografie«. Im Fach Englisch wurden Aufgaben zum »Leseverstehen« und zum »Hörverstehen« vorgelegt.

Wie viele Schüler und Schulen nahmen teil?

Am IQB-Bildungstrend 2022 nahmen deutschlandweit im Fach Deutsch 32.990 Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe aus 1.610 Schulen und im Fach Englisch 31.159 Schülerinnen und Schüler aus 1.542 Schulen in Deutschland teil. In jeder der nach einem Zufallsverfahren gezogenen Schulen wurden ebenfalls per Zufall eine Klasse bestimmt, die an der Testung teilnahm. An den Förderschulen wurde davon abweichend eine größere Testgruppe gebildet, die in der Regel mehrere Lerngruppen umfasste.

In Sachsen waren insgesamt 83 öffentliche Schulen und elf freie Schulen beteiligt. Insgesamt nahmen 40 Oberschulen, 44 Gymnasien und zehn Förderschulen teil.

Wann fanden die Tests statt?

Der Zeitraum der Datenerhebung erstreckte sich von April bis Juli 2022. Neben den Testaufgaben zur Ermittlung der Kompetenzen in Deutsch und Englisch beinhaltete die Erhebung für die Schülerinnen und Schüler auch Aufgaben zu kognitiven Grundfähigkeiten sowie einen Fragebogen, um schulische und außerschulische Lernbedingungen zu erfassen. Darüber hinaus wurden auch deren Eltern, die Fachlehrkräfte in den einbezogenen Fächern sowie die Schulleiterinnen und Schulleiter mittels Fragebogen befragt.

Für Schülerinnen und Schüler öffentlicher Schulen war die Teilnahme an den Leistungstests verpflichtend. Die Teilnahme an der begleitenden Schülerbefragung erfolgte wie auch die Befragung der Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen jedoch auf freiwilliger Basis mit Einwilligung der Eltern. Für Schülerinnen und Schüler an Schulen in freier Trägerschaft war die Teilnahme an den Testungen und der Befragung freiwillig.

Wo gibt es den vollständigen IQB-Bildungstrend 2022?

Der Bericht und weitere Materialien zur Untersuchungen gibt es auf der Homepage des IQB (www.iqb.hu-berlin.de/bt/BT2022/).

Dirk Reelfs, Pressesprecher im Sächsischen Staatsministerium für Kultus

3 Kommentare

  1. Paul Schmidt 2 Monaten vor

    Hallo,
    das Thema zuwanderungsbedingte Unterschiede beschäftigt mich ganz persönlich. Meine Pflegetochter kommt aus der Ukraine und hatte in ihrer schulischen Laufbahn kein Englisch. Nun lernt sie hier einen dualen Beruf. Soweit alles gut. Nun soll sie aber an regulären Englischunterricht teilnehmen – auch noch in Ordnung – ihre Leistungen sollen aber wie die aller anderen Schüler benotet werden. Das kann ich so nicht nachvollziehen. Ich stelle es mir auch für den Englischlehrer sehr schwer vor, einen derart differenzierten Unterricht zu gestalten.
    Kann man hier wirklich keine Lösung finden, die für beide Seiten akzeptabel ist?
    Ein Besorgter grüßt und hofft auf ein Einsehen. Danke!

  2. Lehrkraft 2 Monaten vor

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    gestatten Sie mir bitte Frage, ob Sie diesen Text mit diesem Unterton in der Wirkung so geplant haben?
    Feiern Sie sich ernsthaft dafür, dass Sachsen der Einäugige unter den Blinden ist?
    Ist es für Sie ein Aushängeschild, dass nur „23,1% der Schülerinnen und Schüler der neunten Klassenstufe erreichen nicht den Mindeststandard“ als Erfolg gilt? Das ist gerundet ein Viertel, runtergebrochen auf eine durchschnittliche Klasse mit 28 SuS also 7 von 21. Vor allem, wenn der Anteil an Migranten bei 15% liegt, sollten die Alarmglocken noch schriller klingen.
    Es sollte also keine neue Erkenntnis sein, dass die Sprache als Grundlage für das Lernen das wichtigste Element ist.

    Ich komme für mich zum Schluss, dass die Zahlen inakzeptabel hoch sind. Hier sollten Sie ganz schnell sinnvolle Lösungen anbieten, begonnen mit einer klaren Aussage zur Perspektive v.a. der Ukrainier, aber eben aller DaZ.SuS im sächsischen Schulsystem. Und das geht nur mit Personal und entsprechenden Vorbereitungsklassen.

    Ich möchte Ihnen Rückmelden, dass diese Jubelmeldung im Stil „schaut, die anderen sind noch schlechter“ mich wütend macht. Noch resigniere ich nicht, weil ich immer noch hoffe, dass endlich die Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt stehen und wir als Gesellschaft ein Bein rausreißen werden, ihnen einen Chance zu geben und NICHT AKZEPTIEREN werden, dass diese Zahlen (mit jedem Schicksal dahinter) für Sie ein Grund zu feiern sind: „Sachsens Neuntklässler gehören zu den besten in Deutschland.“

  3. Jörn Bohn 2 Monaten vor

    Ich empfinde den Umgang mit den Ergebnissen nicht ehrlich. Offen gesagt, wir haben auch riesige Defizite-nur sind die anderen halt noch schlechter. Für die Deutschprüfung im letzten Jahr (Das Thema: Mein schönstes Schulerlebnis!!) habe ich mich geschämt.