Erste Ergebnisse aus sprachwissenschaftlichen Untersuchungen an sorbisch-deutschen Schulen

Erste Ergebnisse aus sprachwissenschaftlichen Untersuchungen an sorbisch-deutschen Schulen

Wie ist es um die sorbische Sprachkompetenz von Schülerinnen und Schülern an Schulen in Sachsen bestellt, die nach dem Konzept 2plus arbeiten? Sprachwissenschaftler legen erste Ergebnisse vor.

Im Auftrag des Kultusministeriums untersuchen Sprachwissenschaftler des Sorbischen Institutes in Bautzen gemeinsam mit dem WITAJ-Sprachzentrum die sorbischen Sprachkompetenzen von Schülerinnen und Schülern von drei Schulen im sorbischen Siedlungsgebiet. Die Untersuchung ist ein Bestandteil der Evaluation des Konzeptes 2plus. An den Untersuchungen sind zudem Erziehungswissenschaftler der Universität Leipzig und Statistiker der Universität Jena beteiligt. Ziel ist es, unter anderem herauszufinden, ob sich das Konzept 2plus, wonach alle Schülerinnen und Schüler an sorbischen Schulen zweisprachig unterrichtet werden, bewährt hat.

Insgesamt 109 Schüler der 9. Klassen des Sorbischen Gymnasiums in Bautzen, der Sorbischen Oberschule in Räckelwitz und der Oberschule in Schleife werden getestet. Außerdem werden erstmals ausgewählte sprachenbiographische Daten erhoben, um die Ergebnisse einordnen zu können.

Ergebnisse zur Sprachbiographie

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die Sorbisch in der Familie und im Alltag anwenden, beträgt 45 Prozent (Sprachgruppe A). Der Anteil der Schüler aus gemischten Elternhäusern (Sprachgruppe B) beträgt 24 Prozent, und der Anteil der Schüler, bei der die Kontaktzeit meist auf den institutionellen Spracherwerb in der Schule beschränkt ist (Sprachgruppe C), 31 Prozent.

Ergebnisse zu den Sprachkompetenzen

Untersucht wurden die Sprachkompetenzen in den Bereichen Hören, Lesen, Sprechen und Schreiben. Dabei zeigten sich große Unterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern. Während der höchste Wert 79 von 80 Punkten betrug, lag der niedrigste Wert bei elf Punkten. Dennoch bewerteten die Sprachwissenschaftler den Mittelwert aller von 59,1 Punkten als solide. Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass die Schülerinnen und Schüler im verstehendem Hören am besten abschnitten, am schlechtesten hingegen beim verstehenden Lesen. Auch hier zeigten sich große Unterschiede zwischen den Schülern. Das Punktespektrum reichte von voller Punktzahl bis zu null Punkten.

Ergebnisse zum Sprachniveau B1

Die Sprachniveaustufen werden durch den Europäischen Referenzrahmen für Sprachen geregelt und definiert. Für jedes Niveau wird festgelegt, was Lernende in den vier Fertigkeiten Hören, Lesen, Sprechen und Schreiben beherrschen müssen, um das jeweilige Level ausweisen zu können. Schüler mit Sprachniveau B1 (fortgeschrittene Sprachverwendung) sind in der Lage, Situationen im Alltag zu bewältigen und sich zu vertrauten Themen zu äußern, können Argumente niederschreiben und dazu kurze Begründungen abgeben.

Nach den Untersuchungen bestanden insgesamt 71,74 Prozent der Schülerinnen und Schüler das Sprachzertifikat auf dem Niveau B1, davon 51,1 % mit dem Prädikat »sehr gut«, 9,8 % mit »gut«, und jeweils 5,4 % mit »befriedigend« und »ausreichend«. Außerdem zeigte sich bei den Untersuchungen, dass alle Muttersprachler (Sprachgruppe A), 80 % der Sprachgruppe B und aus der Sprachgruppe C 26,67 bestanden haben.

Fazit

Anhand der Ergebnisse der Evaluation betrachten die Sprachwissenschaftler das Konzept »2plus« als solides Modell zum deutsch-sorbischen beziehungsweise sorbisch-deutschen Spracherwerb.

Dirk Reelfs, Pressesprecher im Sächsischen Staatsministerium für Kultus

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