Kriege bringen Schulen an Kapazitätsgrenzen

Kriege bringen Schulen an Kapazitätsgrenzen

Weltweite Konfliktherde gehen auch an Sachsens Schulen nicht spurlos vorüber. So hat sich in den vergangenen Jahren infolge von Flüchtlingsbewegungen die Zahl der Schüler mit Migrationshintergrund mehr als verdoppelt. Eine Übersicht.

Bewaffnete Konflikte und humanitäre Versorgungskrisen sorgen immer wieder für größere Fluchtbewegungen, die auch für hiesige Schulen nicht folgenlos bleiben. Wurden im zweiten Schulhalbjahr 2014/2015 noch rund 19.500 Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund an öffentlichen Schulen unterrichtet, waren es Ende des Schuljahres 2016/2017 bereits mehr als 31.000 (siehe Abbildung 1). Der Bürgerkrieg in Syrien, die Terroranschläge des Islamischen Staates und der Krieg in Afghanistan haben maßgeblich zu dieser Entwicklung geführt.

Auch in den Folgejahren hielten die Flüchtlingsbewegungen an. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine ließ die Flüchtlingszahlen 2022 innerhalb nur weniger Monate noch mal deutlich steigen. Bis Mitte Oktober dieses Jahres wuchs die Zahl der Schüler mit Migrationshintergrund auf knapp 54.000. Das bedeutet gegenüber dem Schuljahr 2014/2015 eine Steigerung um mehr als das Zweieinhalbfache. Rund 9.300 Kinder und Jugendliche kommen aus der Ukraine. Aber auch aus Syrien und Afghanistan halten die Flüchtlingsbewegungen weiter an. Zahlreiche Asylsuchende unter ihnen sind unbegleitete Kinder und Jugendliche, die zum Teil jahrelang auf der Flucht waren.

44.600 und damit ein Großteil der zugewanderten Schülerinnen und Schüler durchlaufen die etablierten drei Etappen der schulischen Integration, erlernen »Deutsch als Zweitsprache« (DaZ) und werden schrittweise in die Regelklassen integriert. Davon sind bereits über 28.000 voll in den Regelklassen integriert (Schüler in Etappe 3; DaZ-3), nehmen komplett am dortigen Unterricht teil und werden lediglich begleitend im Fach »Deutsch als Zweitsprache« (siehe Abbildung 2) unterrichtet. Etwas über 16.500 Schüler besuchen Vorbereitungsklassen (DaZ-Etappen 1 und 2; siehe Abbildung 3). Die Zahl dieser Klassen, die sprachlich und fachlich auf die Integration in den Regelunterricht vorbereiten, wuchs in den vergangenen acht Jahren von 200 auf 927 fast auf das Fünffache (siehe Abbildung 4). Immer mehr Schulen stoßen dabei an räumliche und personelle Kapazitätsgrenzen. Das hat unter anderem zur Folge, dass derzeit ca. 7.000 Schüler (Stand 13. Oktober 2022) in rein ukrainischen Vorbereitungsklassen unterrichtet werden, was für die Integration von Nachteil ist, aber zunächst ein schulisches Angebot darstellt, den Alltag der Kinder und Jugendlichen strukturiert und Orientierung in der neuen Umgebung gibt. Für den Unterricht ukrainischer Kinder und Jugendlicher sind aktuell zusätzliche 627 Personen, vor allem Pädagogen aus der Ukraine, befristet eingestellt worden, davon 491 als Lehrkräfte und 136 als Schulassistenten. Für sie gilt es ebenso, Sprachkurse für Deutsch anzubieten und Perspektiven aufzumachen, solange keine Aussicht auf Frieden und Rückkehr besteht.

Dirk Reelfs, Pressesprecher im Sächsischen Staatsministerium für Kultus

2 Kommentare

  1. Familie Michael Krause 2 Wochen vor

    Ich möchte Sie loben, dass so viel für diese Schüler getan wird und trotzdem gleichzeitig die berechtigte Frage aufwerfen, warum sich über Jahrzehnte hinweg nicht ebenso eifrig um eigenen Schüler gekümmert wird?
    Unsere eigenen Schüler verkümmern seit Jahren durch Ausfallstunden und sinnlose Digital-Verlagerung des Unterrichts in ihren wichigen Basis-Grundlagen. Es ist zum Schreiben für Eltern, Lehrer und vor allem die Schüler. Kaum einer lernt noch anständig lesen und schreiben, weil wir alles Digital machen, aber damit die Kognitiven Fähigkeiten durch das erlernen der Schriftsprache durch Gebrauch von Hand und Füller vollständig verkümmert.
    Es ist so gruselig, diese Entwicklung mit ansehen zu müssen!

    • Lynn Winkler - SMK 2 Wochen vor

      Liebe Familie Michael Krause,

      vielen Dank für Ihren Beitrag. Stimmt, Lesen und Schreiben sind grundlegende Kompetenzen, die für lebenslanges Lernen und Teilhabe an der Gesellschaft wichtig sind. Der Erwerb der Schriftsprache und deren sichere Beherrschung ist Aufgabe der Grundschule. Dabei geht die Grundschule von den individuellen Voraussetzungen der Kinder aus. Lesen- und Schreibenlernen sind eng verknüpft. Es ist im Lehrplan verbindlich festgelegt, dass die Schülerinnen und Schüler eine verbundene Handschrift – in Sachsen die Schulausgangsschrift – erlernen. Zeitgemäßer Unterricht im Handschreiben bezieht auch digitales Schreiben ein, um der Funktion der Schrift jeweils flexibel gerecht zu werden.

      Der Erwerb der Schriftsprache ist ein Teil des Deutschunterrichts, der wie Mathematik und Sachunterricht zum inhaltlichen Kernbereich in der Grundschule gehört. Mit dem Blick auf Ganzheitlichkeit standen die Fächer gerade in der Pandemiezeit und stehen auch weiterhin besonders im Fokus.

      Zum Thema empfehle ich Ihnen gern einen aktuellen Blog-Beitrag: https://www.bildung.sachsen.de/blog/index.php/2022/09/26/lesen-schreiben-und-rechnen-so-wichtig-wie-nie/.

      Herzliche Grüße
      Lynn Winkler

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