Lernen mittels einer digitalen Pinnwand

Lernen mittels einer digitalen Pinnwand

Claudia Käthner ist Lehrerin für Englisch und Ethik am Julius-Ambrosius-Hülße-Gymnasium in Dresden. Derzeit unterrichtet sie – wie alle Lehrer und Lehrerinnen in Sachsen – von zuhause aus. Denn trotz der Schulschließungen muss der Unterricht weiterlaufen. In Heimarbeit. Das erfordert flexible und kreative Lösungen der Unterrichtsgestaltung. Wie zum Beispiel die Arbeit mit der virtuellen Pinnwand des Anbieters Padlet.

Text: Ulrike Polster

Ortsunabhängige Lösungen finden

„Ich habe Padlet in den vergangenen Sommerferien während einer Weiterbildung in England kennengelernt. Da ging es um den Einsatz von digitalen Medien im Fremdsprachenunterricht“, erzählt Claudia Käthner. Im Fach Englisch bearbeitet Käthner mit ihrer neunten Klasse gerade das Buch „Coast to Coast“ von David Fermer. Über die Pinnwand stellt sie ihren Schülerinnen und Schülern Lektüreaufgaben, die diese dann zweimal wöchentlich und möglichst zur gewohnten Unterrichtszeit von zuhause aus erledigen. „Die Klasse kann gleichzeitig – also ortsunabhängig und in Echtzeit – arbeiten, Änderungen werden sofort aktualisiert“, erklärt Käthner. „So erleben sich die Lerner auch während der Zeit des Social Distancing als Lerngemeinschaft.“ Ein großes Plus: Egal ob Smartphone, Tablet oder Laptop – Padlet kann von jeglichen digitalen Geräten genutzt werden.

Kreativität von daheim

Bei der Bearbeitung der Aufgaben kann die Schülerschaft richtig kreativ werden: Neben normalen Textdateien können die Schüler nämlich auch Fotos, Zeichnungen, Video- und Sprachaufnahmen, Spotify- und YouTube-Links, Autocad-Dateien etc. anpinnen. Die Beiträge lassen sich sammeln, kommentieren, teilen (falls die Lehrkraft dies in den Einstellungen festgelegt hat) und strukturieren. Die Pinnwand dient damit sowohl der Ideensammlung als auch der Ergebnissicherung.

Käthner empfindet die Erstellung einer Padlet-Pinnwand nicht als aufwändiger als das Vorbereiten von herkömmlichen Unterrichtsmaterialien. „Da ich hier Bilder, Links und Karten einbinden kann, ist das Arbeiten mit der digitalen Pinnwand unglaublich vielfältig und anschaulich“, lautet ihr Resumée. Besonders für kreative Aufgaben, den Austausch von Meinungen und persönliche Aussagen ist die Plattform geeignet. Da die Funktionen übersichtlich angeordnet und intuitiv bedienbar sind, kann schon mit Beginn der Sekundarstufe mit dem Pinnwand-Tool gearbeitet werden.

Kostenlose Nutzung und Schulaccount

„Bis zu drei Pinnwände können bei Padlet kostenlos genutzt werden, nur die Lehrkraft benötigt einen Account“, erklärt Käthner weiter. Hat der Lehrer oder die Lehrerin dann „seine“ Pinnwand  aus der Fülle an Anordnungsmöglichkeiten und Hintergründen erstellt, teilt er oder sie den Schülern den Link zur Pinnwand bzw. den QR-Code mit. Diese können die Pinnwand dann sehen und damit arbeiten, ohne sich extra einloggen zu müssen. Kostenpflichtig wird Padlet dann, wenn die Schule einen Schulaccount anlegen möchte. Neben dem Erstellen von Portfolios und der Übersicht über alle schulinternen Padlet-Aktivitäten bietet ein kostenpflichtiger Schul-Account die Möglichkeit, den Namen der Schule als Subdomain zu nutzen und das Schullogo einzubinden. Auch ein Kundenservice, höhere Sicherheitsfeatures und ein Sprachfilter stehen Schul-Accounts zur Verfügung.

Positives Feedback von Schülerseite

Bei den Schülern scheint die digitale Pinnwand gut anzukommen. „Sie können ihre Ergebnisse auf ganz unterschiedlich Weise präsentieren, wobei die inhaltliche und sprachliche Qualität aber nicht zu kurz kommt“, so Käthner. Haben die Schüler Fragen, besteht immer die Möglichkeit, die Lehrerin per E-Mail zu erreichen.

Die erarbeiteten Ergebnisse sind für alle, die zugriffsberechtigt sind, sofort einsehbar. Käthner wertet die erledigten Aufgaben auf der Pinnwand als „sonstige Note“. Die Schüler sind darüber informiert. Eine weitere Note wird es ganz klassisch im Anschluss in Schriftform geben, nachdem Käthner und ihre neunte Klasse die digitale Zusammenarbeit inhaltlich besprochen haben und Raum für Rückfragen und Unklarheiten gegeben wurde.

Lynn Winkler, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

5 Kommentare

  1. Al Klecks 6 Monaten vor

    Ähmm, Lehrinhalte per Whatsapp? Das ist legitim? Wie wird sichergestellt, dass alle Schüler gleichermaßen Zugriff darauf haben? (Datenschutz mal kurz beiseite gestellt)

    Kurze Anmerkung zu den Methoden an einer 6. Klasse eines Gymnasiums in Sachsen: jeder Lehrer stellt irgendwelche Arbeitsblätter an beliebigen Stellen im Lernsax bereit und erwartet am Ende der Woche die Ergebnisse „hochgeladen“. Mal abgesehen davon, daß das Auffinden der Arbeitsblätter reine Glückssache ist, werden die Eltern gleich mitbeschäftigt, denn die Arbeitsblätter enthalten Aufgaben mit neuen Stoffgebieten, deren Vermittlung wiederum die Mitarbeit der Eltern erfordert. Neben Beruf, Haushalt, Animation jetzt auch noch Stoffvermittlung. Danke liebe Lehrer für die tolle Vorbereitung.

  2. Gute Frage 7 Monaten vor

    Eine wirklich gute Idee verschiedene Tools und Möglichkeiten mal auszuprobieren und es gibt viele die es wert wären…
    Aber wer schaut hier nach dem Datenschutz? Wo werden die Informationen der Pinnwand gespeichert? Sind diese Tools mit den Datenschutzbestimmungen der Schule konform? Wen kann man als Lehrkraft fragen, bevor man solche Tools einsetzt? Wer unterstützt hier?

  3. Mirko Schiller 7 Monaten vor

    Hallo,
    das ist ein tolles Tool – zu mindestens was den Funktionsumfang angeht, sehe ich das genauso.
    Kritisch möchte ich aber anmerken, dass dieser Dienst nicht nur Daten von den registrierten Benutzern speichert, sondern auch zahlreiche andere Daten der Gäste, die ohne Registrierung Padlet benutzen (Cookies etc.). Das lässt sich dauerhaft pauschal nicht mit dem Schuldatenschutz vereinbaren (diese Krise ist sicherlich eine Ausnahme). Auf Dauer müsste eine andere Lösung gefunden werden.
    Kritisch sehe ich ebenso, dass hier im SMK-Blog ausschließlich ein einziges Tool vorgestellt wird. Ich bin selbst verbeamteter Lehrer und bin dazu angehalten, wettbewerbsneutral zu unterrichten bzw. zu posten. An diese Anweisung sollte sich auch das SMK halten. Außerdem würde es zahlreichen Kollegen helfen, abzuwegen, welches Tool für sie geeignet ist und welches nicht.
    Zusammenfassend möchte ich sagen, dass es nicht verstehen kann, wie man seitens SMK ein solches Tool pauschal anpreist.

    Viele Grüße
    Mirko Schiller
    ————————–
    Lehrer am Gymnasium Markneukirchen
    Informatik · Gemeinschaftskunde/Recht/Wirtschaft
    Vorstand Netzwerk SüdWestSachsen Digital e.V.
    Regionalvorstandsmitglied PVS

    • Autor
      Lynn Winkler - SMK 7 Monaten vor

      Lieber Mirko Schiller,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir haben eine Sondersituation in der Lehrkräfte schnell und flexibel entsprechend der technischen Möglichkeiten vor Ort entschieden haben, wie das Lernen zu Hause organisiert werden kann. Aus den Rückmeldungen wissen wir, dass Lehrerinnen und Lehrer ganz unterschiedliche Wege gefunden haben, um mit ihren Schülerinnen und Schülern in Kontakt zu bleiben. So werden YouTube-Clips produziert, Unterrichtsinhalte über WhatsApp ausgetauscht usw.

      Mit unserem Blogbeitrag soll keinesfalls für eine bestimmte digitale Möglichkeit geworben werden. Es soll lediglich deutlich gemacht werden, wie kreativ unsere Lehrkräfte in dieser Sondersituation agieren. Der Beitrag soll in erster Linie Ausdruck der Wertschätzung für die Kreativität der Lehrerinnen und Lehrer sein.

      Selbstverständlich darf der Datenschutz dabei nicht hintenanstehen. Ihr Hinweis ist deshalb verständlich. Nicht von ungefähr werben wir auch deshalb nur für die unter http://www.medienbildung.sachsen.de genannten Möglichkeiten des Online-Lernens.

      Herzliche Grüße
      Lynn Winkler

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