Schüler der gymnasialen Oberstufe werden entlastet

Schüler der gymnasialen Oberstufe werden entlastet

Ab dem Schuljahr 2017/18 gibt es für die Schüler der gymnasialen Oberstufe neue Regelungen und weniger Unterrichtsbelastung. So müssen sie nur noch drei Naturwissenschaften und eine Fremdsprache oder zwei Naturwissenschaften und zwei Fremdsprachen belegen. Bisher waren es drei Naturwissenschaften und zwei Fremdsprachen.

Auch die Gesamtqualifikation wird neu berechnet. Alle Schüler müssen künftig nur noch einheitlich 40 Kurshalbjahresergebnisse einbringen. Bisher waren es in Sachsen 52. In der Praxis bedeutet das, nicht mehr alle belegten Kurse fließen in die Gesamtqualifikation ein. Ebenfalls neu ist die Wiedereinführung des Leistungskurses Biologie. Kultusministerin Brunhild Kurth hatte bereits im Frühjahr 2016 angekündigt, im Rahmen der Schulgesetznovelle auch die Unterrichtsbelastung für die Schüler zu senken. Ein erster Schritt erfolgt nun in der gymnasialen Oberstufe.

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Wissenschaftliche Untersuchung kritisierte zu hohe Unterrichtsbealstung

Hintergrund für die Änderungen sind auch die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen. So hatte das Sächsische Bildungsinstitut in der Zeit von 2009 und 2014 wissenschaftlich begleitet von der Universität Tübingen und der Technischen Universität Dresden, die gymnasiale Oberstufe unter die Lupe genommen. Ein wichtiges Ergebnis der Untersuchung war, dass die Unterrichtsbelastung in den Klassenstufen 11 und 12 als zu groß empfunden wird. Die Schüler gaben an, dass angesichts der Gesamtbelastung weniger Freizeit verbleibe.

Höchste Unterrichtsbelastung bundesweit

Tatsächlich müssen Gymnasialschüler in Sachsen von der 5. bis zur 12. Klasse einen Unterrichtsumfang von 269 Jahreswochenstunden leisten. Das ist bundesweit der höchste Unterrichtumfang. Die Kultusministerkonferenz gibt lediglich 265 Jahreswochenstunden vor. In der 11. und 12. Klassenstufe umfasst die Stundentafel 35 Wochenstunden. 13 Unterrichtsfächer sind verpflichtend für die Schülerinnen und Schüler. Auch diese Werte sind bundesweit die höchsten. Kritisch sah die Studie auch, dass in Sachsen alle belegten Kurse auch in die Gesamtqualifikation eingebracht werden müssen. Damit lag der Freistaat weit über der Mindestforderung der Kultusministerkonferenz (KMK). Da die Länder hier sehr unterschiedliche Regelungen getroffen hatten, hat die KMK im Juni 2016 dann einheitlich geregelt, dass 40 Kurshalbjahresergebnisse in die Abi-Note einfließen sollten. Diese KMK-Vorgabe setzt der Freistaat nun um. Damit geht Sachsen auch einen weiteren Schritt zu einer größeren Vergleichbarkeit des Abiturs zwischen den Ländern.

Leistungskurs Biologie

Der Abschlussbericht der Wissenschaftler machte auf weitere Probleme aufmerksam. So wurde auch der Wegfall des Leistungskursfachs Biologie massiv kritisiert. Besonders an einem Studium der Biologie oder Medizin Interessierte, sehen sich benachteiligt. Im Übrigen, so stellen die Wissenschaftler fest, hat die Reform der gymnasialen Oberstufe weder zu einer besseren Studierfähigkeit geführt, noch wurde die Erwartung erfüllt, für mehr Nachwuchs in den Natur- und Ingenieurwissenschaften zu sorgen.

Anlass für die Evaluation war die Reform der gymnasialen Oberstufe, die im Schuljahr 2007/2008 in Kraft trat. Mit der Reform sollte den Anforderungen des Arbeitsmarktes, vor allem was den personellen Bedarf an Naturwissenschaftlern und Ingenieuren angeht, besser entsprochen werden. Zugleich sollte das Allgemeinwissen der Abiturienten vertieft und ihre Studierfähigkeit verbessert werden.

Manja Kelch, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

17 Kommentare

  1. Schülerin 8 Monaten vor

    Steht bereits fest, welche Fächer abgewählt werden können? Unsere Oberstufenberaterin scheint noch nicht wirklich mehr Informationen als ich selbst zu haben. Meine schlechtesten Punktzahlen befinden sich beispielsweise im Fach Sport. Heißt das, dass ich alle meiner 4 Punktzahlen im Fach Sport streichen könnte oder gilt das ausschließlich für andere Fächer?

  2. Schülerin 10 Monaten vor

    Was geschieht, wenn ich die Jahrgangsstufe 11 wiederhole; also mit dem Schuljahr 2017/1018 nochmals die Jahrgangsstufe 11 beginne? Gilt dann die neue Regelung?

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 10 Monaten vor

      Wahrscheinlich ja. Aber das ist alles noch im Entwurf und die endgültigen Regelungen kommen noch.

  3. Ines Sch. 10 Monaten vor

    Die Entlastung der gymnasialen Oberstufe finden ich richtig, bin als Mutter aber nur noch verwirrt. Über die Schule erfolgte eine schriftliche Information zur Kurswahl mit Infobroschüre „alt“, sowie dreiseitiger Ergänzung der geplanten Neuerungen.
    Trotzdem ist mir unklar, kann mein Sohn bei Wahl der Leistungskurse Ma und Physik und Grundkurse Bio, Chemie… eine Fremdsprache abwählen?
    Oder ist alles schon wieder hinfällig, da lt. LVZ von heute (07.12.) demnächst erst einmal kein neues Schulgesetz zu Stande kommt.

    • Dirk Reelfs - SMK 10 Monaten vor

      Sollte es Unklarheiten bei Ihrer Tochter hinsichtlich der Kurswahl geben, empfehle ich Ihnen, dass sich Ihrer Tochter an den Oberstufenberater der Schule wendet. In einem Punkt kann ich Sie beruhigen. Die Veränderungen in der gymnasialen Oberstufe bleiben ungeachtet der Diskussion über das Schulgesetz bestehen und werden mit dem neuen Schuljahr in Kraft treten. Mit dem Schulgesetz haben die neuen Wahl- und Anrechnungsmöglichkeiten in der gymnasialen Oberstufe nichts zu tun. Ihrer Tochter wünsche ich viel Erfolg in der gymnasialen Oberstufe.

      Viele Grüße
      Dirk Reelfs

  4. Schüler 10 Monaten vor

    Es wäre doch aber kein großes Problem, dass die jetzigen Elftklässler ein Fach abwählten. Auch die Einbringung der Ergebnisse wäre kein Akt, da diese ja wahrscheinlich erst am Ende erfolgt, wenn alle Ergebnisse feststehen. Wieso wird die Regelung dann trotzdem erst für die neuen Elften eingeführt?

    • Dirk Reelfs - SMK 10 Monaten vor

      Weil wir die Spielregeln während eines laufenden Abiturverfahrens nicht ändern. Das wäre ungerecht.

  5. Vater 10 Monaten vor

    Danke, Herr Reelfs, hier ware mir eine weiterführende Erklärung doch ganz lieb. Wenn Sie in der gymnasialen Oberstufe entweder eine Fremdsprache oder eine Naturwissenschaft wegfallen lassen, dann braucht man doch weniger Lehrer, oder? Die Schuler haben weniger Stunden, oder verstehe ich hier was völlig falsch?

    • Dirk Reelfs - SMK 10 Monaten vor

      Nein, völlig falsch verstehen Sie das nicht. Aber andererseits wird auch der Leistungskurs Biologie wieder eingeführt. Letztendlich ist das Wahlverhalten der Schüler entscheidend. In Erfahrung aus den vergangenen Jahren erwarten wir keine oder – wenn überhaupt – nur geringe Auswirkungen auf den Lehrerbedarf.
      Viele Grüße
      Dirk Reelfs

  6. Heike M. 10 Monaten vor

    Wann wird es denn genauere Informationen zu den Details geben?
    Die Schulen fragen schon die gewünschte Kursbelegung ab, aber noch scheint es offene Punkte zu geben.
    Unter welchen Bedingungen kann ich z.B. die 2.Fremdsprache oder eine Naturwissenschaft abwählen? Hängt das von der Leistungskurswahl ab?

    • Dirk Reelfs - SMK 10 Monaten vor

      Liebe Schülerin,
      danke für die Frage, aber für solche Fälle ist der/die Oberstufenberater/in an Deiner Schule der/die beste Ansprechpartner/in. Ich wünsche ein gutes Händchen bei der Kurswahl und viel Erfolg in der Schule.
      Viele Grüße
      Dirk Reelfs

  7. Vater 10 Monaten vor

    Und bitte schreiben Sie noch, das diese Unterrichtsreduzierung nichts, aber auch gar nichts, mit dem bestehenden Lehrermangel zu tun hat, sondern einzig und allein im Interesse der Schüler liegt. Bisher hat man die im Artikel dargelegten Vorteile für den Schüler schlichtweg übersehen, aber jetzt ist die Erkenntnis da. Ein zeitliches Zusammentreffen mit dem (hausgemachten) Lehrermangel ist rein zufällig.

    • Dirk Reelfs - SMK 10 Monaten vor

      Sehr geehrter „Vater“,
      wir gehen davon aus, dass die Veränderungen in der gymnasialen Oberstufe keine Auswirkungen auf den Lehrerbedarf haben, weder in die eine noch in die andere Richtung.
      Viele Grüße
      Dirk Reelfs

  8. Ronny 10 Monaten vor

    Hallo,
    Und wie sieht es das Gesetz für die derzeitige 11. Klasse vor? Gelten die Entlastungen dann auch ab nächstem Jahr und werden die neuen Schlüssel für die Gesamtnote schon rückwirkend angewendet? Wäre für eine Antwort sehr dankbar!

    • Dirk Reelfs - SMK 10 Monaten vor

      Lieber Schüler,
      so verständlich und nachvollziehbar die Frage ist, aber Änderungen im laufenden Verfahren wären nicht gut. Man ändert ja auch nicht während eines Fußballspiels die Spielregeln. Die neuen Regeln gelten für diejenigen, die ab dem Schuljahr 2017/2018 die 11. Klasse besuchen werden. Wie auch immer, ich wünsche viel Erfolg und drücke die Daumen für den weiteren Weg zum Abitur.
      Viele Grüße
      Dirk Reelfs

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  1. […] liegen die Anforderungen des sächsischen Abiturs auch mit den geplanten Änderungen der gymnasialen Oberstufe weiter deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Mit der Belegverpflichtung […]

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