Neue Maßnahmen für mehr Lehrer an sorbischen Schulen

Auch an den sorbischen Schulen in Sachsen steigt der Bedarf an Lehrern. Bis 2025 werden insgesamt 99 Lehrerinnen und Lehrer aus dem Dienst ausscheiden. Besonders in den Jahren 2017 und 2018 sowie 2024 und 2025 wird es deutliche Abgänge geben. Die Schülerzahlen an den sorbischen Schulen sind zudem leicht gestiegen von 811 im Schuljahr 2013/14 auf 878 Schüler im vergangenen Schuljahr. Doch Lehrer für das Fach Sorbisch sind Mangelware.

2015 studierten 20 angehende Lehrer das Fach Sorbisch, im Vorjahr waren es 22. Im Jahr 2014 verließen 13 Absolventen die Uni mit der abgeschlossenen Lehramtsausbildung für Sorbisch, im Jahr 2013 waren es 7 Absolventen. sorb2

Um mehr Lehrer für das sorbische Siedlungsgebiet zu gewinnen, hat das Sächsische Kabinett deshalb heute (23. August 2016) das „Maßnahmenpaket zur Gewinnung von Lehrkräften für Schulen im sorbischen Siedlungsgebiet“ verabschiedet. Für die Umsetzung sind das Kultusministerium und das Wissenschaftsministerium in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sorabistik an der Uni Leipzig zuständig. Das Paket enthält insgesamt sieben Maßnahmen.

Werbung an sorbischen Schulen

Bisher schon wurde am Sorbischen Gymnasium Bautzen und am Lessing-Gymnasium Hoyerswerda für ein Lehramtsstudium im Fach Sorbisch geworben.  Das wird nun ausgeweitet. So werden jetzt auch Schüler der Beruflichen Gymnasien in Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda sowie Schüler der binationalen Bildungsänge am Schiller-Gymnasium Pirna und am Augustum-Annen-Gymnasium Görlitz einbezogen. Außerdem werden verstärkt leistungsstarke Schüler der Oberschulen im sorbischen Siedlungsgebiet darüber informiert, dass es auch für sie einen Weg zum Lehramtsstudium gibt, wenn sie das Abitur zum Beispiel über das Berufliche Gymnasium ablegen.

Erleichterter Zugang zum Studium wird geprüft

Bisher ist der Nachweis über Sprachkenntnisse in Ober- oder Niedersorbisch eine fachspezifische Zugangsvoraussetzung für das Fach Sorbisch. Jetzt wird geprüft, ob auf die sprachlichen Anforderungen verzichtet werden kann, um Bewerbern mit Sprachkenntnissen in anderen slawischen Sprachen den Zugang zum Lehramtsstudium mit dem Fach Sorbisch zu ermöglichen. Über die Änderung der Studien- und Prüfungsordnung entscheidet die Fakultät der Uni Leipzig selbstständig.

Stipendien sollen für mehr Anreiz sorgen

Neben dem bereits etablierten Sachsenstipendium sollen gezielte Stipendien für Abiturienten der binationalen Gymnasien bei Aufnahme eines Lehramtsstudiums am Institut für Sorabistik gewährt werden. Beim Sachsenstipendium wird es weiter den Bonus für sorbisch sprechende Bewerber geben.

Lehrer aus dem Ausland

Lehrer aus der Republik Polen, der Tschechischen Republik und der Slowakischen Republik sollen für einen Einsatz an Schulen im sorbischen Siedlungsgebiet gewonnen werden, da die sorbische Sprache eng mit den westslawischen Sprachen Polnisch, Tschechisch und Slowakisch verwandt ist. Dies wird vorab mit den Verbindungsbüros des Freistaates Sachsen in Breslau (Polen) und Prag (Tschechische Republik) und den dortigen Kultusbehörden abgestimmt.

Werbung in sorbischer Sprache für Seiteneinsteiger

Im sorbischen Siedlungsgebiet sollen verstärkt Seiteneinsteiger gewonnen werden. Als Seiteneinsteiger kommen Personen mit einem nichtlehramtsbezogenen universitären Masterabschluss oder einem diesem gleichgestellten Hochschulabschluss, zukünftig auch Fachhochschulabschluss, in Frage. Sie haben dann die Möglichkeit, die Lehrbefähigung für ein Fach oder das entsprechende Lehramt berufsbegleitend zu erwerben.

Berufsbegleitende Qualifizierung von Lehrern im Fach Sorbisch

Für Lehrer werden berufsbegleitende Qualifizierungsmaßnahmen im Fach Sorbisch angeboten:

• Kurse zum Spracherwerb der sorbischen Sprache oder
• berufsbegleitende Weiterbildungsmaßnahmen zum Erwerb der Lehrbefähigung im Fach Sorbisch auf der Grundlage der Lehrer-Qualifizierungsverordnung in der jeweils geltenden Fassung.

Die Qualifizierungsmaßnahmen werden nach Möglichkeit im sorbischen Siedlungsgebiet angeboten.

Potential sorbischsprachiger Lehrer besser ausschöpfen

Den Anträgen von sorbischsprachigen Lehrkräften, die in den Bereich der Regionalstelle Bautzen der Sächsischen Bildungsagentur bzw. innerhalb der Regionalstelle Bautzen an Schulen mit sorbischsprachigem Angebot versetzt werden möchten, soll vorrangig entsprochen werden.

 

Vertiefende Informationen zum Unterrichtskonzept und eine Übersicht zu den sorbischen Schulen in Sachsen gibt es auf unserem Bildungsserver.

Manja Kelch, Pressereferentin und Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

0 Kommentare