Auf Sorbisch unterrichten – wuznaće ke korjenjam

Matej Mark studiert im vierten Semester Mathematik und Physik auf Lehramt an der Universität Leipzig – und ist mit Leidenschaft Sorbe.

Text: Björn Sievers

Entweder man ist stark in den Naturwissenschaften. Oder im Bereich der Sprachen. Oder man verbindet einfach beides auf ganz natürliche Weise – so wie der 22-jährige Matej Mark. Der gebürtige Lausitzer kann definitiv gut mit Zahlen umgehen. Und seine Muttersprache ist Sorbisch. Beste Voraussetzungen für aktive Kulturvermittlung: als Gymnasiallehrer für Mathe und Physik – auf Sorbisch, versteht sich.

Mathe und Physik auf Lehramt: anspruchsvoll, wenn auch nicht ganz so selten. Mit der Aussicht, beide Fächer später auf Sorbisch zu unterrichten, wird daraus eine noch attraktivere Kombination. Wir sprachen mit Matej Mark über Mathematik, Physik und die Möglichkeiten seiner Muttersprache.

Matej, Mathematik und Physik – zwei spannende Fächer, noch dazu auf Lehramt. Ein Wunschstudium?

Das war ein längerer Weg. Nach dem Abi steht man ja vor der Entscheidung: Ausbildung, Studium, freies Jahr, ins Ausland. Dass ich studieren wollte, war recht früh klar, dass Mathematik dabei sein würde, auch. Lehramt stand im Raum, aber ich habe dann doch den Diplomstudiengang Mathematik angefangen. Und dann war alles anders. Für mich war vorher Mathe immer etwas, das mir viel Spaß macht, logisch aufgebaut und leicht zugänglich ist. Das hat sich dann mit dem Studienstart doch etwas verändert. Mathe in der Schule und Mathe im Studium sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Ich bin da vier Semester lang wirklich gescheitert.

Was passierte dann?

Nach der Erfahrung habe ich mich nach einem neuen Studium umgesehen. Und bin wieder bei der Mathematik gelandet, aber eben im Lehramt, zusammen mit Physik, welche eng mit der Mathematik verbunden ist. So lässt sich schön zeigen, was man mit Mathe so alles machen kann. Im Lehramt wird die Weitergabe des Stoffs, auch im Hinblick auf die eigene spätere Wissensvermittlung, ganz anders angepackt. Es geht eben auch um die Begeisterung für die Mathematik und darum, andere damit anzustecken. Das hat mir sofort gefallen. Mathe und Mathelehrer sind ja bei den meisten nicht sonderlich beliebt. Ich würde genau das gern ändern, Leute mitreißen und ihnen die Attraktivität dieses Fachs zeigen.

Bei dir kommt auch noch das Sorbische ins Spiel?

Genau, ich stamme aus Neu-Lauske in der Lausitz. Ich wollte einfach nie so richtig dort weg, das war mir immer schon wichtig. Die ganze Kultur, die Volksverbundenheit, das Miteinander – die sorbische Sprache spielt da eine ganz zentrale Rolle, auch im normalen Alltag. Dazu gehört natürlich auch die Wissensvermittlung in der Schule. Auf diese Weise lässt sich gerade auch an den Schulen die Sprache und damit die Kultur lebendig halten, das wird dann bei mir in den Fächern Mathe und Physik hoffentlich der Fall sein.

Brauchst du später für das Unterrichten eine Art Nachweis über deine sorbische Sprachkompetenz?

Als Muttersprachler brauche ich keinen Nachweis, aber spätestens in einem Bewerbungsgespräch muss man seine eigene Sprachkompetenz nachweisen und mit dem Fachlichen zusammenbringen. Es gibt außerdem Bemühungen des Sorbischen Schulvereins, sich gezielt in bestimmte Gegenden versetzen zu lassen, ein wenig Steuerung ist da aufgrund der besonderen Stellung der sorbischen Minderheit auch möglich. Außerdem können Quereinsteiger aus dem slawischen Sprachraum Sorbisch mit einem entsprechenden Nachweis unterrichten. Dafür gibt es spezielle Kurse vom Landesamt für Schule und Bildung.

Wie oft sprichst du sorbisch?

(lacht) Das kommt auf mein Gegenüber an. Aber schon oft. In der Familie definitiv sorbisch, im Studium meist deutsch, weil wir da zu wenige sind, die Sorbisch können. In Leipzig gibt es aber noch einen Studentenverein, die Sorabija, da sprechen wir untereinander sorbisch. Das ist dann so ein schönes kleines Stück Heimat. Hier in Leipzig an der Uni sind wir so ungefähr 45 Leute, das ist schon gar nicht schlecht. Wir haben sogar zwei sorbische Etagen in einem Wohnheim.

Hast du Verbindungen zum Institut für Sorabistik an der Uni Leipzig?

Wir tauschen uns auf alle Fälle aus, aber eher informell, zwischen interessierten Studierenden, da geht es um Sprachentwicklung und -geschichte, das ist spannend. Aber durch den dortigen Fokus auf Sorabistik gibt es da keine offiziellen Verbindungen.

Gibt es eigentlich auch neue sorbische Worte, zum Beispiel für digitale Technologien?

Schon, aber das braucht alles viel zu lange Zeit, um sich durchzusetzen, da sind auch die Sorben pragmatisch und nutzen eher die international üblichen, englischen Bezeichnungen. Es gab im letzten Jahr „Das sorbische Wort des Jahres“, ein Begriff für Smartphone (das umgangssprachliche „šmóratko” hergeleitet vom Wort „šmórać” (schmieren) – Anm. d. Redaktion). Das Problem ist, es nutzt einfach niemand – und wenn, dann eher als Fingerzeig, dass es da doch auch ein eigenes Wort gäbe. Das hat aber mit dem Alltag nichts zu tun.

Wie gefällt dir Leipzig?

Das ist schon so, wie ich es mir vorgestellt hatte: recht groß, aber doch überschaubar und es gibt hier (wie in Dresden auch) sorbische Vereine. Es gibt natürlich auch Leute, die wollen sich ihren Kreis komplett neu aufbauen, das geht hier mit Sicherheit prima. Ich wollte die Verbindung zur Heimat beibehalten, das klappt ebenfalls richtig gut.

Weitere Informationen zum Lehrerberuf in Sachsen und Schulfächern auf Sorbisch

Lehrerinnen und Lehrer mit Sorbisch als Muttersprache können verschiedene Schulfächer auf Sorbisch unterrichten. Ansprechpartner ist hier das Landesamt für Schule und Bildung in Bautzen.

Quereinsteiger aus dem slawischen Sprachraum können unter gewissen Bedingungen ebenfalls auf Sorbisch unterrichten. Hier bietet das Landesamt für Schule und Bildung Weiterbildungsangebote im Rahmen seiner Sorbischen Sprachschule an.

Alle Informationen zum #LehrerwerdeninSachsen gibt es auf unserer Webseite: www.lehrer-werden-in-sachsen.de.

Lynn Winkler, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

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