Jung, talentiert und engagiert: START-Stipendiaten im Interview – Teil 3

Mit einem dreijährigen Stipendium fördert die START-Stiftung herausragende Schülerinnen und Schüler mit Einwanderungsgeschichte. Wie sind sie zum Stipendienprogramm gekommen? Warum engagieren sie sich? Und was gefällt ihnen in Sachsen eigentlich am besten? Drei von ihnen haben es uns erzählt. Zum Abschluss haben wir mit Pisana gesprochen.

Hallo Pisana! Stell dich bitte kurz vor.

Mein Name ist Pisana, ich bin 16 Jahre und in der 11. Klasse. Ich wurde in Deutschland geboren, lebe in Leipzig, komme aber ursprünglich aus Syrien.

Wie lang bist du schon bei START dabei und wie bist du dazu gekommen?

Ich bin seit diesem Jahr bei START dabei. Meine Schulsozialarbeiter haben mir START vorgestellt und mich dazu motiviert, mich hier zu bewerben.

Warum engagierst du dich?

Ich engagiere mich, um etwas zur Gesellschaft beizutragen. Seit Dezember 2019 arbeite ich ehrenamtlich bei den Stadtpfadfindern in Leipzig. Das ist ein Verein für Kinder und Jugendliche. Wir bieten sowohl Projekte als auch Lernförderung an. Unsere Projekte enthalten häufig gesellschaftlich aktuelle Themen – das kann Umwelt, Politik oder Rassismus sein. Dazu gehören meistens auch Ausflüge. Ich helfe bei der Planung und Organisation der Projekte und Ausflüge, gebe aber auch nebenbei Nachhilfe in unterschiedlichen Fächern

Letztes Jahr war ich auch bei Bemmchen-Leipzig e. V. ehrenamtlich tätig. Das ist ein Verein an meiner alten Schule, der kostenloses Frühstück anbietet – mit  dem Ziel, das soziale Miteinander zu stärken und die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler zu steigern. Ich half dabei, das Frühstück vorzubereiten, die Brötchen und das Obst zu schneiden usw.

Außerdem engagierte ich mich letztes Jahr auch noch als Schülersprecherin. Ich habe mich dafür eingesetzt, dass unsere Turnhalle neu gestrichen wird und habe sowohl eine Mottowoche als auch den  letzten Schultag der Abschlussklassen geplant und organisiert.

Was würdest du an unsere Gesellschaft verändern wollen? Was schätzt du daran?

Ich würde gerne die Vorurteile gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund ändern.

Mit welchen Herausforderungen warst du bisher konfrontiert und wie hat dir START dabei geholfen, diese zu überwinden?

Mir fällt es unglaublich schwer, neue Menschen in einer Gruppe kennenzulernen, da ich immer Angst davor habe, ausgeschlossen und verurteilt zu werden. Aber schon der erste Tag bei START hat sich so angefühlt, als würde ich die Leute schon eine Ewigkeit kennen. Die Gemeinschaft bei START ist super herzlich und offen, das half mir schon meine Angst vor dem ersten Schultag an meiner neuen Schule zu überwinden. Ich habe mich automatisch gestärkt gefühlt.

Du lebst aktuell in Leipzig. Was findest du, ist typisch sächsisch? Oder typisch  deutsch?

Eine Sache, die ich noch nie in einem anderen Land gesehen habe, ist der Fahrradführerschein in der Grundschule. Ich glaube, das würde ich als typisch deutsch bezeichnen.

Gibt es hier einen Lieblingsplatz für dich? Was schätzt du besonders an Sachsen?

Mein Lieblingsplatz ist das Waldbad in Schmannewitz. Ich verbinde mit dem Ort einfach sehr viele schöne Erinnerungen. An Sachsen schätze ich aber am allermeisten die Eierkuchen. Die schmecken hier am besten.

Thema Schule: Hast du ein Lieblingsfach? Vielleicht sogar schon Pläne für deine (berufliche) Zukunft?

Zu meinen Lieblingsfächern gehören Englisch und Kunst. Nach der Schule möchte ich aber gerne Architektur studieren, da ich ein sehr kreativer und gestaltungsfähiger Mensch bin. Später würde ich   aber auch in die Politik gehen wollen, da es mir sehr am Herzen liegt, etwas zu verändern.

Zum Abschluss: Würdest du START weiterempfehlen? Warum?

Definitiv! START ist ein Ort, an dem man seine Ideen entfalten und verwirklichen kann. Außerdem trifft man unglaubliche Menschen und lernt aus sich herauszukommen.

Das START-Stipendium

START ist ein Bildungs- und Engagementprogramm für Jugendliche mit Migrationserfahrung. Über drei Jahre fördert und begleitet die START-Stiftung die Heranwachsenden dabei, Verantwortung für eine lebendige Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu übernehmen. Auf dem Weg zu ihrem Schulabschluss erwarten die Stipendiatinnen und Stipendiaten Workshops, Akademien, Ausflüge, erlebnispädagogische Angebote und ein digitaler Campus. Am Ende des Programms steht ein eigenes gemeinnütziges Projekt, das jede und jeder Jugendliche während des Stipendiums selbst entwickelt und umgesetzt hat. Zusätzlich erhalten alle Teilnehmenden jährlich 1.000 Euro Bildungsgeld. Die Einwanderungsgeschichte der Jugendlichen sieht START dabei als wertvolle Ressource für eine lebendige Demokratie.

Mit Partnern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ist START deutschlandweit tätig. Aktuell werden von START rund 675 junge Menschen aus mehr als 50 Herkunftsnationen gefördert. Acht Jugendliche aus Sachsen wurden in diesem Jahr neu in das Programm aufgenommen. Weitere Informationen unter gibt es unter: www.start-stiftung.de.

Beitrag »Jung, talentiert und engagiert: START-Stipendiaten im Interview – Teil 1«

Beitrag »Jung, talentiert und engagiert: START-Stipendiaten im Interview – Teil 2«

Lynn Winkler, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

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