Jung, talentiert und engagiert: START-Stipendiaten im Interview – Teil 1

Mit einem dreijährigen Stipendium fördert die START-Stiftung herausragende Schülerinnen und Schüler mit Einwanderungsgeschichte. Wie sind sie zum Stipendienprogramm gekommen? Warum engagieren sie sich? Und was gefällt ihnen in Sachsen eigentlich am besten? Drei von ihnen haben es uns erzählt. Los geht es mit Artem.

Hallo Artem! Stell dich bitte kurz vor.

Guten Tag. Mein Name ist Artem Abrosimow. Ich bin 17 Jahre alt. Ich bin in einer kalten Umgebung in Sibirien, Russland, geboren und lebe seit fünf Jahren in Dresden. Zurzeit besuche ich die 11. Klasse an einem beruflichen Gymnasium.

Wie lang bist du schon bei START dabei und wie bist du dazu gekommen?

Ich wurde im Jahr 2019 in der Stiftung aufgenommen und bin somit ein Stipendiat des dritten Jahrganges. Die Begegnung mit START bedeutet mir viel, denn das war das erste Mal, dass mein Engagement und Wille zur Entwicklung bemerkt wurden. Über die Teilnahme und Mitgestaltung der Projekte an meiner alten Schule kontaktierte mich meine Sprachlehrerin, die mir die deutsche Sprache beigebracht hat. Lobend drückte sie mir einen Flyer in die Hände. Seit dem Tag fing meine »START-Journey« an.

Warum engagierst du dich?

Dieses Land hat mir gezeigt, wie viele Möglichkeiten zur Selbstentwicklung und Weiterbildung existieren. Durch engagierte Gleichgesinnte und viele offene Türen gelang es mir, meine Stimme zu stärken und als Teil meiner Generation zu agieren. Mein Ziel ist es, Meinungen und Vorstellungen der Jugendlichen zu äußern, diese zu vertreten. Es ist unfassbar wichtig, einen Abdruck in der Weltentwicklung zu hinterlassen. Wir sind als eine Gemeinschaft erschaffen worden, um gemeinsam die Hürden zu überwinden und unser Engagement umzusetzen.

All das hat mich dazu gebracht, der START-Familie beizutreten, ein Schülervertreter zu  werden und die Gedanken sowie Vorstellungen der jungen Generation weiterzubringen.

Was würdest du an unserer Gesellschaft verändern wollen? Was schätzt du daran?

Ich bin ein junges Mitglied unserer Gesellschaft. Jedoch erlebte ich unsere Vergangenheit, ich erlebe unsere Gegenwart und möchte ebenfalls unsere Zukunft erleben. Die Krisen vergangener und laufender Jahre haben der Menschheit gezeigt, wie wichtig der weltweite Zusammenhalt ist. Als ein Bürger, ein Stipendiat, ein Schüler, ein Kind, ein Mensch wünsche ich mir, dass die Welt und unsere Gesellschaft das Wissen des gegenwärtigen Lebens dazu einsetzen, ein gemeinsames Miteinander weiterzuentwickeln und die Zusammenarbeit weiterzubringen. Darin sehe ich einen enorm wichtigen Punkt und ich glaube daran, dass ein Netzwerk und die menschliche Verbundenheit einen riesigen Beitrag zur Ausbreitung und Konstruktion der Zukunft leisten kann.

Mit welchen Herausforderungen warst du bisher konfrontiert und wie hat dir START dabei geholfen, diese zu überwinden?

Wenn ich auf mein Leben vor START zurückblicke, realisiere ich, dass diese Stiftung mein starkes »Ich« erschuf. Eine der größten Herausforderungen, die mir einfällt, war die fehlende Offenheit und die Möglichkeit, meine Interessen der Welt zu zeigen. Vor START habe ich immer davon geträumt, eine Stimme innerhalb unserer Gesellschaft zu erlangen und mein Engagement umzusetzen, meine Meinung zu äußern und die eigenen Stärken zu zeigen. Ich besaß den Willen, aber mir fehlte die Unterstützung. Die START-Stiftung hat nicht nur meine wahre Persönlichkeit offenbart, sondern mir die Sicherheit verliehen, ein wichtiger Teil der Gemeinschaft zu sein. START wies mir die Richtung und ließ mich die gewollten Schritte zur Weiterentwicklung machen.

Du lebst aktuell in Dresden. Was findest du, ist typisch sächsisch? Oder typisch deutsch?

Aus meiner Perspektive, als Junge mit einem Migrationshintergrund, der dieses Land kennenlernen konnte, faszinierte mich immer die »Systematik« der deutschen Lebensweise. Eine gewisse Ordnung, Zielstrebigkeit, Zuverlässigkeit. Diese Eigenschaften sind vielen Aspekten des Lebens in Deutschland zuzuschreiben: ständige Weiterentwicklung, starke Wirtschaft, Einbeziehen der Meinungen der eigenen Bürgerinnen und Bürger. Der  Aufbau dieser Systematik des Landes ermöglicht die Existenz einer starken Gesellschaft, deren Teil ich bin. Das bezeichne ich als »typisch deutsch«.

Gibt es hier einen Lieblingsplatz für dich? Was schätzt du an Sachsen?

Das Leben in Sachsen hat eine meiner Freizeitaktivitäten von Grund auf gebildet: Das Wandern. Ein Lieblingsplatz in Sachsen für mich ist die sächsische Schweiz, deren Natur und ihre Aussichten zu einem Seelen-Ort für mich geworden sind. Die Sorge um Natur und ihre Langlebigkeit schätze ich an Sachsen. Die wunderschönen Ortschaften, das schätze ich.

Thema Schule: Hast du ein Lieblingsfach? Vielleicht sogar schon Pläne für deine (berufliche) Zukunft?

Als engagierter Jugendlicher mit vielen Interessen und vielfältigem Engagement ist es oft  eine schwierige Frage. Mein Lieblingsfach ist Mathematik. Das hat sich von meinem Opa auf meinen Vater und später auch auf mich verlegt.

Die berufliche Zukunft ist ein riesiges und spannendes Thema. Ich setzte mich mit Gefallen  dafür ein. Sohn eines Ingenieurs zu sein und zeichnen zu können, haben meine Gedanken über Architektur gebildet. Die Möglichkeit, als Schüler, in diesem Land Praktika zu absolvieren, halfen mir, diese Gedanken ins Leben zu rufen.

Das Leben und die Berufswelt sind jedoch unendlich groß. Als engagierter Mensch erträume ich jedoch, einen Weg der Selbständigkeit zu gehen und setzte mich für meine Ziele und Träume Schritt für Schritt ein.

Zum Abschluss: Würdest du START weiterempfehlen? Warum?

START ist nicht nur eine Organisation und eine Stiftung. START sind Menschen, Engagement, Interessen, Wissen, Identitätsbilder und Entwickler. Es ist ein Phänomen, ein kleiner Teil der großen Welt, der danach schreit, diese große Welt verändern und verbessern zu wollen. START ist eine Familie für starke Menschen der jungen Generation, die große Schritte nach vorne machen wollen.

Das START-Stipendium

START ist ein Bildungs- und Engagementprogramm für Jugendliche mit Migrationserfahrung. Über drei Jahre fördert und begleitet die START-Stiftung die Heranwachsenden dabei, Verantwortung für eine lebendige Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu übernehmen. Auf dem Weg zu ihrem Schulabschluss erwarten die Stipendiatinnen und Stipendiaten Workshops, Akademien, Ausflüge, erlebnispädagogische Angebote und ein digitaler Campus. Am Ende des Programms steht ein eigenes gemeinnütziges Projekt, das jede und jeder Jugendliche während des Stipendiums selbst entwickelt und umgesetzt hat. Zusätzlich erhalten alle Teilnehmenden jährlich 1.000 Euro Bildungsgeld. Die Einwanderungsgeschichte der Jugendlichen sieht START dabei als wertvolle Ressource für eine lebendige Demokratie.

Mit Partnern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ist START deutschlandweit tätig. Aktuell werden von START rund 675 junge Menschen aus mehr als 50 Herkunftsnationen gefördert. Acht Jugendliche aus Sachsen wurden in diesem Jahr neu in das Programm aufgenommen. Weitere Informationen unter gibt es unter: www.start-stiftung.de.

Lynn Winkler, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

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