App gegen Fake News?!

Absichtliche Falschmeldungen sind im Internet und vor allem in den sozialen Medien ein Problem. Gerade Kindern und Jugendlichen fällt es oft schwer, diese einzuordnen. Wie eine App nun sächsischen Schülerinnen und Schülern im Umgang mit Fake News helfen soll.

Fake News beschreiben umgangssprachlich Falschmeldungen, die in den Medien, im Netz und vor allem in den sozialen Medien in manipulativer Absicht verbreitet werden. Dahinter kann die Beeinflussung von Meinungen und Debatten stecken oder aber auch der Versuch, Aufmerksamkeit zu lenken und Klickzahlen zu erhöhen. Es handelt sich demnach um ein breitgefächertes Phänomen, welches zahlreiche Risiken mit sich bringt. In der Vergangenheit kursierten schon häufig Falschmeldungen im Internet und gerade Plattformen wie Facebook eignen sich zur Verbreitung gezielter Desinformationskampagnen. Doch die weltweite Corona-Pandemie bietet den Fake News einen besonderen Nährboden: Die anhaltende Krisensituation und die vorherrschende Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung wird zur Verbreitung von Falschmeldungen und Verschwörungsmythen über das Virus ausgenutzt.

Auch die Arbeit des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus wurde in der Pandemie-Zeit durch Fake News beeinträchtigt. Immer wieder tauchten Falschinformationen über das Coronavirus selbst sowie über Maßnahmen gegen die Verbreitung dessen auf: Angefangen beim Zweifel an der Existenz des Virus, über Behauptungen, dass das Virus nicht schlimmer als eine Grippeerkrankung sei bis hin zu falschen Aussagen über die vermeintliche Gefährlichkeit eines Testabstriches oder des Tragens eines Mund-Nasen-Schutzes. Immer wieder versuchen Userinnen und User, derartige Fake News auch unter Beiträgen des SMK zu aktuellen Schutzmaßmaßnahmen zu verbreiten, was eine zeitaufwändige Moderation der Kommentarspalte erfordert. Die Falschmeldungen führen dazu, dass relevante Maßnahmen zur Virusbekämpfung angezweifelt werden und der Umgang mit der ohnehin herausfordernden Ausnahmesituation zusätzlich erschwert wird.

Die Corona-Krise zeigt erneut, wie wichtig eine fundierte Medienkompetenz im Umgang mit sozialen Medien und der Beschaffung von Informationen im Internet allgemein ist. Das Netz und die sozialen Medien sind auch fester Bestandteil der Lebens- und Alltagswelt von Kindern und Jugendlichen. Gerade im jungen Alter fällt es oft schwer, sich im Informationsfluss des Internets, welcher zum Teil über das eigene Smartphone hereinströmt, zurechtzufinden. Die entsprechende Medienkompetenz sollte daher sowohl zu Hause als auch im schulischen Umfeld vermittelt werden.

Einen besonderen Weg, auf diesem Feld aktiv zu werden, geht die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig in der Zusammenarbeit mit einem App-Start-up aus Leipzig. Die App soll Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher sächsischer Schulen dabei helfen, Fake News und Verschwörungsmythen zu identifizieren und Filterblasen zu erkennen und liefert dabei unterschiedliche Perspektiven auf aktuelle Themen. Der Projektauftakt fand Mitte April an der Oberschule Kitzscher statt. In den Klassen neun und zehn fanden Workshops mit den App-Entwicklern zur Benutzung der App statt.

Die Oberschule Kitzscher widmet sich seit längerem der Vermittlung von Medienkompetenz. Die Schule verfügt über ein Schülerradio und ein Schülerfernsehen. Dennoch verlieren die alten Medien bei den Schülerinnen und Schülern an Relevanz, während die neuen Medien immer mehr in den Fokus rücken. Das weiß auch die Schulleiterin Dagmar Schulz. Den Kindern würde es oftmals schwerfallen, sich im digitalen Mediendschungel zu orientieren. Dabei soll nun die App Abhilfe schaffen. Die App gibt einen Nachrichten-Überblick und hilft den Schülerinnen und Schülern, wahre Nachrichtenmeldungen von Fake News zu unterscheiden. Im Workshop wurden den Schülern drei Nachrichtenmeldungen vorgelegt, zwei davon waren Falschmeldungen. Durch eine kurze Recherche mithilfe der App zu den Autoren und dem Inhalt der Nachrichten konnten die Falschmeldungen entlarvt werden.

Zukünftig soll die App an der Oberschule Kitzscher vielfältig im Unterricht eingesetzt werden. Die Schulleiterin sieht eine breite Verwendungsmöglichkeit in unterschiedlichen Fächern. Beispielsweise kann sie im Fach Deutsch bei Erörterungen helfen, Pro- und Kontraargumente zu finden und zu einer Thematik fundiert zu recherchieren. Auch bei Fremdsprachen oder Geographie kann die App eingesetzt werden, um sich mit einem bestimmten Land näher zu beschäftigen. Insgesamt kann die App aufgrund ihrer thematisch breiten Aufstellung in fast alle schulischen Bereiche integriert werden und die Lernzeit abwechslungsreicher gestalten.

Das Feedback der Schülerinnen und Schüler nach dem Workshop fiel insgesamt sehr gut aus, weiß Schulleiterin Dagmar Schulz. Gerade nach der langen häuslichen Lernzeit sei es eine willkommene Abwechslung im Schulalltag gewesen, sich mit der App und der Thematik von Fake News und Filterblasen auseinanderzusetzen. Die Schülerinnen und Schüler konnten sich außerdem aktiv in die Weiterentwicklung der App einbringen. So hätte ein Schüler vorgeschlagen, die Suchfunktion in der App mittels sogenannter Tags bzw. Hashtags zu verfeinern. Neben den Schülerinnen und Schülern profitieren jedoch auch die Lehrkräfte vom Einsatz der App. Durch die Auseinandersetzung mit Fake News und anderen Medieneffekten konnte ein neues Themenfeld erschlossen werden, in welches sich die Lehrerinnen und Lehrer aktiv einbringen können und welches zudem Raum für persönliche Entwicklungsmöglichkeiten gibt.

Die Oberschule Kitzscher hat den Anfang gemacht. Weitere Sächsische Schulen, an denen die neue App gegen Fake News zum Einsatz kommt, sollen folgen.

Fake oder Fakt – Tipps zum Erkennen von Falschmeldungen

Hinterfragen Bei einer zweifelhaften Nachricht zunächst einmal innehalten und rational überlegen: Kann das wirklich sein? Welche Absicht könnte dahinterstecken?
Quelle überprüfen Woher kommt diese Nachricht? Handelt es sich um eine bekannte und seriöse Website? Gibt es ein Impressum? Dabei beachten: Quelle ist nicht gleich Quelle. Stammt eine Meldung von staatlichen Institutionen, Ministerien oder Behörden, ist die Glaubhaftigkeit generell höher. In Deutschland sind Behörden gesetzlich verpflichtet, gegenüber der Presse wahrheitsgemäß Auskunft zu geben.
Accounts überprüfen Oftmals werden Fake News in den sozialen Medien verbreitet. Dann macht es Sinn, sich den Account genauer anzusehen. Was wird hier sonst geteilt?

Seriöse Accounts haben meist einen blauen Haken hinter ihrem Namen.

Vergleichen Berichten andere Seiten bzw. Quellen auch über das Thema?
Bilder

bzw. Videos überprüfen

Ein Bild oder Video lässt sich einfach fälschen. Vielleicht gibt es hier Ungereimtheiten? Ist eine Bild- bzw. Videoquelle angegeben?
Formalitäten beachten Beim »Clickbaiting« soll Aufmerksamkeit erregt werden. Oft enthalten diese Nachrichten daher viele Großbuchstaben und Ausrufezeichen. Seriöse Quellen würden so jedoch nicht berichten. Auch viele Rechtschreibfehler weisen auf

Fake News hin.

Generelle Vorsicht bei Kettenbriefen Auch wenn Kettenbriefe von Freunden oder Bekannten weitergeleitet werden, sollte man hier generell vorsichtig sein. Dahinter verbergen sich oft Fake News.

 

In Bezug auf das Coronavirus erhalten Sie verlässliche Informationen beispielsweise auf den Seiten der Bundes- und Landesregierung, beim Robert Koch-Institut (RKI) oder bei der World Health Organization (WHO). Weitere Informationen dazu gibt es hier.

 

Über die Autorin:

Eltje Kunze studiert Kommunikationswissenschaft an der Technischen Universität Dresden und wird in Kürze ihr Studium mit dem Bachelor abschließen. Im Rahmen ihres Studiums absolvierte sie ein Praktikum in der Pressestelle des Kultusministeriums.

Eltje Kunze, Praktikantin in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

0 Kommentare