„Dranbleiben und kümmern.“ So helfen Praxisberater Schülern bei der Berufswahl

„Dranbleiben und kümmern.“ So helfen Praxisberater Schülern bei der Berufswahl

Susanna Stähnke ist eine von 123 Praxisberatern, die an öffentlichen und freien Oberschulen in Sachsen arbeiten. Ihr Auftrag: Den Schülerinnen und Schüler in den Klassenstufen 7 und 8 ganz individuell bei der Berufsorientierung zu helfen. Keine einfache Aufgabe, denn zuständig ist sie für insgesamt 130 Schüler an der 121. Oberschule in Dresden Prohlis. Ihre Devise lautet deshalb „Dranbleiben und kümmern“.

Susanna Stähnke

Susanna Stähnke, Praxisberaterin an der 121. Oberschule Dresden

Nur so erreicht sie auch wirklich jedes Kind, denn die müssen sich nicht beraten lassen. Das Angebot ist freiwillig. „Ich muss oft selbst die Schüler und Eltern ansprechen, nicht alle kommen von sich aus zu mir. Außerdem muss ich die Abläufe der Schule kennen, die Lehrer ansprechen und einbeziehen. Ich integriere mich in das Schulleben und nehme an Dienstberatungen teil, das ist enorm wichtig“, so die studierte Sozialpädagogin.

Auf die Stärken kommt es an

Oft haben die Schüler keine Ahnung von ihren Stärken. Von ihren Eltern erfahren viele nur wenig oder gar keine Unterstützung. Allein finden sie aber keine Antwort auf Fragen wie diese: Wo liegen meine Stärken und Interessen und welcher Beruf passt zu mir? Dort setzt Susanna Stähnke an. „Die Schüler staunen, wenn ich ihnen sage, dass sie zum Beispiel große Ausdauer haben oder super konstruieren können. Sie erfahren Wertschätzung und werden positiv wahrgenommen. Für viele eine neue Erfahrung.“

Potentialanalyse und Entwicklungsplan

Praxisberater Schild

Worauf es bei der Gesprächsführung mit Schülern ankommt – Susanna Stähnke schreibt es für die neuen Praxisberater auf

Grundlage ihrer Arbeit ist eine Potentialanalyse. Das ist ein spezielles Testverfahren mit schriftlichen und praktischen Aufgaben. Die Praxisberater beobachten bei jedem Einzelnen, wie er dabei mit vorhandenem Wissen umgeht und erworbene Fertigkeiten einsetzt. Ein spezielles Computerprogramm erstellt aus den Testergebnissen ein Kompetenzprofil. Das kann bereits auf bestimmte Berufsfelder hinweisen. Auf Grundlage der Analyse erarbeiten die Praxisberater gemeinsam mit Schülern und Eltern einen individuellen Entwicklungsplan.

Schnittstelle und Vertrauensperson

Mit der Zuwendung, die sie den Schülern gibt, ist Susanna Stähnke für viele zur Vertrauensperson geworden. Bei allen Problemen kann sie nicht helfen, dann verweist sie an die Schulsozialarbeiterin der Schule oder in schlimmen Fällen manchmal auch an das Jugendamt. Das ist die eine Seite. Auf der anderen ist die Praxisberaterin Schnittstelle für Schulleiter, Klassenlehrer, Berufsberater, Berufseinstiegsbegleiter und Eltern. Sie ist vernetzt mit der Stadt Dresden, den Unternehmen und vielen anderen Akteuren der Berufs- und Studienorientierung. Sie kümmert sich um Betriebserkundungen, zusätzliche Betriebspraktika, Erkundungen von Beruflichen Schulzentren und lädt ehemalige Schüler an die Schule ein, die nun eine Berufsausbildung absolvieren.

Und das ist ihr Erfolg: Wenn Schüler sich realistisch einschätzen können, Berufe kennen, sich selbst um den Praktikumsplatz kümmern, Lebenskompetenzen aufbauen und damit auch beginnen, ihren Weg selbstständiger als vorher zu gehen.

Fakten zum Projekt „Praxisberater an Oberschulen“

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80 neue Praxisberater beim Fachtag im Rahmen ihrer tätigkeitsvorbereitenden Fortbildung im Kultusministerium. Hier im Gespräch mit Schülern und Eltern, die am Projekt teilgenommen haben.

Die Praxisberater gibt es seit Februar 2014. Die Leistungen bereiten die Arbeit der Berufsberater der Arbeitsagenturen und der Berufsorientierungslehrer an den Schulen. Sie sind zusätzliches Personal und professionelle Verstärkung für die passgenaue Berufs- und Studienorientierung – verbunden mit der individuellen Förderung von Stärken der Schüler. Die Praxisberater sind Fachkräfte aus den Bereichen Pädagogik, Sozialpädagogik und Soziale Arbeit, die bereits auf ein breites Netzwerk von Partnern (Unternehmer, Vereine und Verbände) zurückgreifen können. Sie sind fest angestellte Arbeitnehmer eines Bildungsträgers, durch ihre Berufserfahrung für die Arbeit mit jungen Menschen geeignet und arbeiten ausschließlich an ihren jeweiligen Schulen. Sie übernehmen jedoch keine Pflichtaufgaben der Lehrer oder der Berufsberater der Agenturen für Arbeit.

Das Projekt wird jährlich mit 1 Mio. Euro vom Sächsischen Kultusministerium sowie mit 1 Mio. Euro von der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit finanziert. Für den weiteren Projektausbau stehen über die SMK-ESF-Förderrichtlinie (Europäischer Sozialfonds) bis 2020 insgesamt 28 Mio. Euro zur Verfügung.  14 Mio. Euro davon finanziert die Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit.

Manja Kelch, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

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