Wie kommt Begabtenförderung wissenschaftlich fundiert und nachhaltig in Schule? Das erproben ausgewählte Schulen noch bis Ende 2027 im Rahmen der zweiten Phase der Bund-Länder-Initiative »Leistung macht Schule – LemaS«. Wie das konkret in der schulischen Praxis aussieht, haben Teilnehmerschulen und Wissenschaftler jetzt vorgestellt.
Ziel der Bund-Länder-Initiative LemaS ist es, die Förderung von Begabungen und Leistungen im Schulalltag zu verankern. Seit 2023 befindet sich das Projekt in der Transferphase. Dabei arbeiten 56 sogenannte Transferschulen (30 Gymnasien, 6 Oberschulen, 20 Grundschulen, https://www.leistung-macht-schule.de/de/Schulnetzwerke-1943.html) mit 15 Hochschulen zusammen und erproben die Ergebnisse aus der ersten Projektphase an ihren Einrichtungen. Ihnen stehen dafür praxiserprobte Konzepte, Strategien und Materialien zur Verfügung, mit denen der Unterricht und die Schulkultur mit Blick auf Leistungs- und Begabungsförderung weiterentwickelt werden können. Prozessbegleitend evaluiert der Forschungsverbund das Projekt.
Warum braucht es Begabungsförderung?
»Es ist ein Herzensanliegen. Wir haben die individuelle Förderung in unser Schulprogramm geschrieben. Es ist kein einfacher Prozess, aber ein lohnenswerter Weg«, unterstreicht Andreas Känner, Schulleiter vom Humboldt-Gymnasium Radeberg, die Bedeutung der Begabtenförderung. Die Schule ist eine der 56 Einrichtungen, die an der zweiten Phase von »Leistung macht Schule« teilnimmt.



Das Etablieren und Entwickeln begabungsförderlicher Strukturen an allen Schulen ermöglicht nicht nur (hoch-)begabten Schülerinnen und Schülern eine Potentialentfaltung, sondern schafft die Voraussetzungen für das Erkennen und passgenaue Fördern von individuellen Begabungen aller Lernenden.
Jahrestagung 2025 – der aktuelle Stand
Wie finden Schulen interessierte und potentiell begabte Kinder? Wie werden die Schülerinnen und Schüler konkret gefördert? Welche konkreten Unterstützungsangebote gibt es? Die teilnehmenden Schulen haben in Posterpräsentationen das aktuelle Geschehen an ihrer Einrichtung und im Netzwerk festgehalten und individuelle Wege zur »Begabungsförderlichen Schule« gezeigt.
Beispiel 1: Johannes-Kepler-Gymnasium Chemnitz
Beispiel 2: Anton-Philipp-Reclam-Gymnasium Leipzig
Exzellente sächsische Voraussetzungen
Sachsen verfügt über ein differenziert ausgebautes und gut etabliertes System der Begabungs- und Begabtenförderung auf verschiedenen Ebenen, Schulstufen und Schulformen, das sich durch starke, stabil nachhaltige Strukturen, umfangreiche Erfahrungen und hohe Expertise auszeichnet. Schulische Begabtenförderung im Freistaat ist dabei im Schulgesetz verankert (§1, 7 und 35a Schulgesetz) und hat eine lange Tradition.
Die Transfernetzwerke in Sachsen wurden in Anknüpfung an bereits bestehende begabungsförderliche Schulstandorte gebildet. So sind vier regionale, schulartübergreifende Netzwerke entstanden, die von den fünf Kompetenzzentren für Begabungs- und Begabtenförderung gesteuert werden. Die einzelnen Schulnetzwerke in den Regionen Bautzen, Chemnitz/Zwickau, Dresden und Leipzig werden von Netzwerkkoordinatorinnen und -koordinatoren sowie Fachberaterinnen und Fachberatern für Begabungs- und Begabtenförderung unterstützt.
Eine Besonderheit in Sachsen stellt die Verknüpfung mit einem weiteren sächsischen Projekt »Karg Campus Sachsen« dar. Dabei wurden bereits die Kindertagesstätten in die LemaS Transfernetzwerke erfolgreich einbezogen.






Fachkundige Beratung
Eine zentrale Rolle spielt die Beratungsstelle zur Begabtenförderung (BzB). Siebietet seit ihrer Gründung 2008 ein landesweit operierendes und vernetztes Angebot zur Einzelfallberatung, systemischen Beratung und Förderung über alle Bildungsstufen hinweg. Die Referentinnen und Referenten der BzB unterstützen sowohl Eltern bei der Suche nach individuell passfähigen Lösungen für ihre Kinder als auch Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher bei der Begleitung begabter Kinder und Jugendlicher.Dazu gehören zum einen konkrete Impulse für ein begabungsförderliches Unterrichten, bezogen auf die Bedürfnisse des einzelnen Kindes, zum anderen die systemische Schulberatung sowie bedarfsorientierte Fortbildungen auf zentraler, regionaler und schulinterner Ebene.
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