Pilotstudie in Ostsachsen: Drei Gymnasien erproben Hybridunterricht

Pilotstudie in Ostsachsen: Drei Gymnasien erproben Hybridunterricht

Ein Leistungskurs für nur zwei Schüler, geht das überhaupt? Normalerweise nicht. Doch in Ostsachsen gehen drei Gymnasien neue Wege und starten das Pilotprojekt »Hybridunterricht«.

Mindestens zehn Schülerinnen und Schüler müssen zusammenkommen, damit überhaupt ein Leistungskurs in der gymnasialen Oberstufe angeboten werden kann. Das wird in ländlichen Regionen und vor allem im grenznahen Raum aufgrund rückläufiger Schülerzahlen zunehmend schwerer. Darunter droht das Kursangebot für Schüler zu leiden. Das Problem wird vermutlich sogar noch größer.

Nach der aktuellen Schülerprognose des Statistischen Landesamtes steigt die Anzahl der Schülerinnen und Schüler bis zum Schuljahr 2035/36 voraussichtlich nur in der Region Leipzig und in den Kreisfreien Städten Chemnitz und Dresden an. Alle übrigen Landkreise müssen hingegen mit sinkenden Schülerzahlen rechnen.

Biologie Leistungskurs in Niesky: Schüler des Gymnasiums Weiswasser sind live zugeschaltet.

In Ostsachsen suchen nun drei Gymnasien und der Landkreis Görlitz als Schulträger mit Unterstützung der Kultusverwaltung nach Wegen aus dem Dilemma. Hybride Unterrichtsformen könnten eine Antwort sein. So starten in diesem Schuljahr in Niesky, Weißwasser und Görlitz drei Gymnasien ein gemeinsames Piloprojekt. Etwas sperrig heißt es »Pilotstudie zur Durchführung von Hybridunterricht – parallele Durchführung von Kursen an mehreren Schulen durch Kopplung von Präsenz- und Fernunterricht via Liveübertragungen an andere Schulstandorte«.

Zuvor hatte der Landkreis Görlitz mit finanzieller Unterstützung aus dem Digitalpakt für die technischen Voraussetzungen an den beteiligten Gymnasien gesorgt. Für die Pilotstudie erhielt der Landkreis Fördermittel in Höhe von rund 44.500 Euro. Hiervon wurden mobile Endgeräte sowie Präsentations- und Aufnahmetechnik beschafft, die den besonderen Anforderungen von digitalem Liveunterricht gerecht werden.

Vor Ort im Gymnasium in Niesky: Zu sehen ist die Catch Box. Sie ist das Mikro, in welches die Schülerinnen und Schüler sprechen, wenn sie der zugeschalteten Klasse oder der Lehrkraft etwas sagen möchten oder Fragen des Lehrers beantworten. Die Catch Box wandert von Hand zu Hand.

Die Idee klingt auf den ersten Blick ganz einfach. Während im Friedrich-Schleiermacher-Gymnasiums in Niesky elf Schülerinnen und Schüler im Biologie-Leistungskurs von einer Lehrkraft in Präsenz unterrichtet werden, sind zwei weitere Schüler vom Landau-Gymnasium in Weißwasser per Video live zugeschaltet. Die fachpraktischen Unterrichtsteile unterrichtet die Lehrkraft jeweils vor Ort an den einzelnen Schulen. Nach dem gleichen Muster gibt es auch in Görlitz und Niesky einen gemeinsamen Leistungskurs im Fach Physik. Am Joliot-Curie-Gymnasium in Görlitz entschieden sich immerhin 17 Schülerinnen und Schüler für einen Physik-Leistungskurs, in Niesky waren es hingegen nur vier Schüler. Durch den Hybridunterricht erhalten nun alle Schüler ein gleichwertiges Bildungsangebot.

»Wir müssen die Chancen des Hybridunterrichtes nutzen, um das Bildungssystem auch in Zeiten sinkender Schülerzahlen zukunftsfähig zu machen«, so Kultusminister Christian Piwarz zum Vorhaben des Pilotprojektes. So sei Hybridunterricht eine Möglichkeit, um auch in Zukunft allen Schülerinnen und Schülern ein breites Kursangebot zu ermöglichen. Das sei besonders wichtig in den naturwissenschaftlichen Fächern, für die dringend Nachwuchs benötigt werde. Der Kultusminister ist von der Idee begeistert: »Ohne das Projekt würde es an den beteiligten Gymnasien diese Leistungskurse aufgrund der Schülerzahl nicht geben. Die drei Gymnasien können damit beweisen, dass auch bei kleineren Schulen im ländlichen Raum eine breite und gute Bildung angeboten werden kann und die Schülerinnen und Schüler die gleichen Chancen haben wie in der Großstadt.«

Leistungskurs Physik

Bis es jedoch so weit ist, sollen in der Pilotstudie grundlegende pädagogische Fragen beantwortet werden. Eignet sich die Flexibilisierung der Unterrichtsangebote im ländlichen Raum, um ein breites Kursangebot erhalten zu können? Können Schüler im Online-Unterricht in MINT-Fächern die im Lehrplan gesteckten Lernziele erreichen und damit erfolgreich eine Abiturprüfung bestehen? Werden die in den Lehrplänen formulierten Ziele zur Methoden- und Sozialkompetenz auch im Online-Unterricht erreicht?

Die drei ostsächsischen Gymnasien werden nun Antworten auf diese Fragen bekommen.

Dirk Reelfs, Pressesprecher im Sächsischen Staatsministerium für Kultus

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