Sachsen stellt mehr Lehrer ein als ausscheiden

Sachsen stellt mehr Lehrer ein als ausscheiden

In den zurückliegenden Schuljahren sind deutlich mehr Lehrkräfte eingestellt worden als altersbedingt ausgeschieden sind. Das geht aus einer aktuellen Datenerhebung des Kultusministeriums hervor.

Wie viele Lehrinnen und Lehrer sind in den vergangenen Jahren in den wohlverdienten Ruhestand getreten, wie viele sind demgegenüber neu eingestellt worden? Einer aktuellen Datenanalyse des Kultusministeriums zufolge wurden in den Schuljahren 2015/2016 bis 2021/2022 insgesamt 10.734 Stellen oder Vollzeitäquivalente (VzÄ) durch ausscheidende Lehrkräfte frei. Demgegenüber wurden im selben Zeitraum 12.166 Vollzeitäquivalente mit Nachwuchslehrkräften und Seiteneinsteigern neu besetzt. Das bedeutet ein Plus von 1.432 Vollzeitäquivalenten (s. Abbildung »Abgänge und Einstellungen je Schuljahr«).

Leichtes Plus bei Schüler-Lehrer-Relation

Allerdings sind in dem genannten Zeitraum auch die Schülerzahlen um rund 27.600 Schülerinnen und Schüler an öffentlichen S­­chulen gestiegen. Setzt man die Zahl der Schüler ins Verhältnis zu den Lehrkräften (VzÄ), ergibt sich ein leichter Zuwachs. So stieg die Schüler-Lehrer-Relation im Schuljahr 2015/2016 von 14,2 auf 14,7 im Schuljahr 2021/2022. Zum Vergleich. Die größte Schüler-Lehrer-Relation gab es mit 18,1 im Schuljahr 1997/1998, die geringste mit 13,9 im Schuljahr 2010/2011.

Mehr Lehrkräfte notwendig

So positiv diese Aspekte der Einstellungsbilanz auf den ersten Blick erscheinen mögen, zufriedenstellen kann das Gesamtergebnis dennoch nicht. Es werden dringend mehr Lehrerinnen und Lehrer gebraucht. Bei weitem nicht alle freien Stellen konnten in den vergangenen Jahren und auch in Vorbereitung des aktuellen Schuljahres besetzt werden.

Früher Renteneinritt

Wie die Datenanalyse ebenso ergab, gehen lediglich zehn Prozent der Lehrerinnen und Lehrer mit Erreichen der Regelaltersgrenze in den wohlverdienten Ruhestand, 90 Prozent scheiden hingegen früher aus dem Schuldienst. Betrachtet man diesen Personenkreis genauer, wird deutlich, dass 60 Prozent der ausscheidenden Lehrkräfte ein Alter zwischen 63 Jahren und der Regelaltersgrenze haben. 30 Prozent scheiden vor dem 63. Lebensjahr aus.

Durchschnittsalter der Lehrkräfte sinkt

Da in den vergangenen Jahren mehr Lehrer eingestellt wurden, als in den Ruhestand gingen, sank das Durchschnittsalter der sächsischen Lehrerschaft von 50 Jahren im Schuljahr 2016/2017 auf 48 Jahren im letzten Schuljahr.

Studienkapazitäten fürs Lehramt mehr als verdoppelt

Um den wachsenden Lehrerbedarf besser decken zu können, wurden die Studienplatzkapazitäten an Sachsens Universitäten in den vergangenen Jahren mehrfach erhöht. Standen im Jahr 2011 für Studienanfänger lediglich 1.000 Studien­plätze für die Lehramtsausbildung zur Verfügung, so wuchs diese Zahl im Jahr 2017 auf 2.420 Plätze. Eine weitere Steigerung auf 2.610 Plätze gab es vier Jahre später. Im Wintersemester 2022/2023 stehen in Sachsen 2.700 Studienplätze für das Lehramt zur Verfügung.

Dirk Reelfs, Pressesprecher im Sächsischen Staatsministerium für Kultus

4 Kommentare

  1. Michael Krause 1 Woche vor

    Die Zahlen könnten zuversichtlich stimmen, wenn da nicht die erlebte Realität entgegenstehen würde.

    Wir haben nach 4 Wochen Unterricht in den Grundschulen immer noch keinen Stundenplan, weil die Lehrersituation nicht klar ist, d.h. wer wann und wo unterrichtet.

    Das ist nicht nur für die Lehrer nervig sondern auch vor allem für die KLEINSTEN Schüler eine untragbare Situation. Und die Situation verschärft sich von Jahr zu Jahr! Was wird dagegen getan?

  2. Lehrerin 1 Woche vor

    Die Realität derzeit bildet die schönen Zahlen nicht ab, auch nicht das Interview des Kultusministers vom 19.9.22.
    In den nächsten 10 Jahren fehlen Lehrer, man wird wöchentlich um Vertretungen gebeten, die Stundentafel ist gekürzt in z.B. Sport, Ma, Ethik. Es fällt wegen Krankheit und Schwangerschaft viel Unterricht aus. Referendare werden um Mehrarbeit gebeten. Teilzeit wird infrage gestellt, auch Anrechnungsstunden. Vielleicht wären ja an Ämter, Behörden und Ausbildungsstätten abgeordnete Lehrer bereit, beim Löcherstopfen zu helfen, bevor das Eltern übernehmen?! Man muss vielleicht auch von fertig ausgebildeten Lehrern verlangen, einige Jahre ihre vorfinanzieren Fähigkeiten real zur Verfügung zu stellen.

  3. Marc 1 Woche vor

    Toll, da kann man sich nur noch freuen!

  4. Doris 2 Wochen vor

    Das sind doch ermutigende Zahlen;)