TU Dresden startet Studie zur Verbreitung des Coronavirus an Schulen

TU Dresden startet Studie zur Verbreitung des Coronavirus an Schulen

Nachdem bereits das Leipziger Uni-Klinikum eine Studie gestartet hat, wollen auch Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät und des Universitätsklinikums der TU Dresden die Ausbreitung des Coronavirus kontrollieren. Sie testen dafür 1000 Ober- und Berufsschüler sowie Gymnasiasten in Dresden und im Landkreis Bautzen. Eine zweite Testreihe ist in Kindergärten geplant.

Seit dem 25. Mai 2020 ist ein Ärzteteam der Medizinischen Fakultät und des Universitätsklinikums der TU Dresden an sächsischen Schulen unterwegs. In insgesamt zehn Einrichtungen wurden rund 1500 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 8 bis 11 angeschrieben, um sich freiwillig nach Rücksprache mit ihren Eltern an der Studie zu beteiligen. „Wir planen mit rund 1000 Studienteilnehmern“, sagt Professor Reinhard Berner von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. Er betreut gemeinsam mit Dr. Jakob Armann die Studie.

Den Jugendlichen werden von dem Ärzteteam jeweils fünf Milliliter Blut entnommen. Das Serum soll in dem Institut für Mikrobiologie, das ebenfalls dem Universitätsklinikum angeschlossen ist, auf Antikörper gegen das Sars-CoV-2-Virus untersucht werden. „Wir erhoffen uns davon einen Aufschluss über die Durchseuchungsrate in der Altersgruppe der 14- bis 18-Jährigen“, so Professor Berner. Parallel besteht für die Lehrerschaft der jeweiligen Schulen die Möglichkeit, sich testen zu lassen. Nach einer ersten Blutentnahme, die für alle Schulen voraussichtlich Mitte Juni abgeschlossen sein wird, soll es voraussichtlich noch vor den Sommerferien eine zweite Testreihe geben. Der Vergleich der beiden gewonnenen Datenreihen liefert Erkenntnisse darüber, ob und wie stark sich das Virus in den einzelnen Altersgruppen verbreitet. Zu der Studie, die in Abstimmung mit den Sächsischen Staatsministerien für Kultus sowie für Wissenschaft, Kultur und Tourismus erfolgt, gehört eine dritte Testreihe, die je nach Infektionsgeschehen im Herbst beziehungsweise vor den Weihnachtsferien stattfinden soll.

Abgeleitet von den aktuellen Zahlen der in Sachsen bisher diagnostizierten Covid-19-Patienten rechnet Professor Berner mit einer derzeitigen Durchseuchungsrate von rund einem bis drei Prozent. „Überraschungen sind aber durchaus möglich. Wir wissen es einfach nicht. Das macht die Studie so spannend“, so der Wissenschaftler. Die Altersgruppe der 14- bis 18-Jährigen habe man deshalb bewusst ausgewählt, weil sich diese Schülerinnen und Schüler in größerem Maße unabhängig von ihrem Elternhaus und Schule und vielleicht auch den Vorgaben der Allgemeinverfügung bewegen. Sie haben damit auch eine entsprechend große Zahl von Kontaktpersonen. Professor Berner warnt aber ausdrücklich, ein positiver Antikörpertest sei kein Freibrief. „Es gibt bei jedem Test auch sogenannte falsch positive Befunde, die vermeintliche Antikörper anzeigen, die tatsächlich gar nicht vorhanden sind. Aufgrund der geringen Durchseuchungsrate kann deren Anteil derzeit sogar noch höher liegen als der der richtig positiven. Entscheidend sei daher, sich die Antikörperentwicklung im Verlauf anzusehen“, so der Kinder- und Jugendmediziner.

Er möchte mit seinem Team auch die Virusausbreitung bei jüngeren Kindern untersuchen. Dazu wird es in Absprache mit den Sächsischen Staatsministerien für Kultus sowie für Wissenschaft, Kultur und Tourismus eine zweite Studie geben, die in den kommenden Wochen startet. In Kindergärten sollen in regelmäßigen Abständen Stuhlproben entnommen und mikrobiologisch untersucht werden. Das SARS-CoV-2-Virus lässt sich in den Ausscheidungen nachweisen, wenn eine Infektion bereits abgelaufen ist. „Der große Vorteil ist dabei, dass wir bei den Kindern durch regelmäßige Untersuchungen eine vorangegangene Infektion ganz ohne Blutentnahme nachweisen können“, so Professor Berner. Der Zeitraum für beide Studien erstreckt sich über insgesamt etwa zwei Jahre. Die Finanzierung stellt der Freistaat Sachsen zur Verfügung.

Die Daten der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer werden mit einem Nummern- und/oder Buchstabencode pseudonymisiert. Nur das Daten erhebende Zentrum in Dresden kann die Proben zurückverfolgen, um der Teilnehmerin beziehungsweise dem Teilnehmer – wenn von ihr oder ihm gewünscht – ihr beziehungsweise sein Testergebnis zu übermitteln. Werden die Daten weitergegebenen, beispielsweise für vergleichende Forschung zwischen den Bundesländern, sind sie komplett anonymisiert. Alle Vorschriften des Datenschutzes werden entsprechend eingehalten.

Liste der beteiligten Schulen (vorläufig):

Dresden

Marie-Curie-Gymnasium

Gymnasium Dresden-Plauen

  1. Oberschule Dresden
  2. Oberschule Dresden

Berufliches Schulzentrum für Gastgewerbe

Berufliches Schulzentrum für Elektrotechnik Dresden

Landkreis Bautzen

Sorbische Gymnasium, Bautzen

Oberschule Gesundbrunnen, Bautzen

Oberschule „Geschwister Scholl“, Krauschwitz

Oberschule Elstra

Dirk Reelfs, Pressesprecher im Sächsischen Staatsministerium für Kultus

2 Kommentare

  1. Lehrerin 5 Monaten vor

    Kann man ab 1.6. als Lehrer einfach zum Hausarzt gehen um sich testen zu lassen oder gibt es dafür eine Art Bescheinigung oder Ähnliches?