Eine neue Broschüre zeigt, wie Gesundheit an Schule konkret und wirksam verankert werden kann. Der Katalog »von Schule für Schule« verbindet systemische Erkenntnisse mit zahlreichen Beispielen aus der schulischen Praxis.
»Der vorliegende Katalog mit Beispielen guter Praxis zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass viele Schulen in Sachsen längst begonnen haben, das Thema Gesundheit als festen Bestandteil ihrer Schulkultur zu verankern. Dabei geht es nicht allein um individuelle Resilienz, sondern um strukturelle Lösungen, kollegiale Unterstützung und eine Führungs- und Arbeitskultur, die auch auf Fürsorge, Wirksamkeit und Augenmaß setzt«, betont Kultusminister Conrad Clemens.
Die neue Broschüre
Gesunde Schulen brauchen gesunde Beschäftigte: Die Broschüre »Betriebliches Gesundheitsmanagement. Handlungsempfehlungen aus den Gesundheitszirkeln. Innerschulische Maßnahmenvorschläge und Praxisbeispiele sächsischer Schulen« ist ein Ergebnis aus den Gesundheitszirkeln und enthält rund 20 Empfehlungen für alle Schularten und Regionen. Wo immer möglich, sind ganz konkrete Beispiele guter Praxis aufgenommen worden. Sie zeigen, wie sich Fragen der Arbeitsmenge, Erholungsmöglichkeiten, Informationsweitergabe, Heterogenität und Führung im schulischen Alltag praktisch lösen lassen. Mit der Handreichung erhalten Schulen Anregungen und erprobte Ideen, die helfen können, ein gesundheitsförderndes Arbeitsumfeld weiterzuentwickeln – für die gesamte Schulgemeinschaft.

Die erarbeitete Handreichung steht im Zusammenhang mit dem Projekt Bildungsland Sachsen 2030 und lässt sich im Strategiepapier unter der Maßnahme Professionalisierung 3.2 »Etablierung innovativer betrieblicher Reize und gesundheitsförderlicher Maßnahmen« verankern.
Ein Einblick in ausgewählte Handlungsempfehlungen
Begleitung fach- und schulartfremden Einsatzes
Ziel: Der fach- und schulartfremde Einsatz von Lehrkräften wird gezielt begleitet und unterstützt, um die Anpassung an die neuen Herausforderungen sowie die Einarbeitung zu erleichtern und somit die Unterrichtsqualität und Lehrkraftmotivation zu sichern.
Maßnahmen
– Abfrage zur freiwilligen Bereitschaft
– kollegiale Unterstützung
– Austausch, Feedback und Netzwerke
– Materialsammlung und digitale Angebote
– Unterstützung durch Fachberater
– positives Arbeitsklima
Faire Aufgabenverteilung im Team
Ziel: Es wird eine transparente, gerechte und nachhaltige Verteilung von Zusatzaufgaben im Kollegium etabliert, um die Arbeitsbelastung zu regulieren, Überlastung zu vermeiden und gleichzeitig die Effizienz und Zufriedenheit im Kollegium zu erhöhen.
Maßnahmen
– frühzeitige Bekanntgabe von anstehenden Zusatzaufgaben
– (digitale) Einschreibelisten für Zusatzaufgaben
– klare Kommunikation darüber, wer aktuell besondere Aufgaben übernimmt, ohne dass dafür Anrechnungsstunden gewährt werden können
– klare Kommunikation darüber, in welchem Umfang Zusatzaufgaben von jeder Lehrkraft in Anlehnung an ihr individuelles Stundendeputat erbracht werden sollten
– Kompetenzteams für die Bearbeitung spezifischer Themen schützen vor der Überlastung einzelner Lehrkräfte
– Einbezug aller Lehrkräfte bei gesamtschulischen Veranstaltungen
– individuelle Gegebenheiten entsprechend berücksichtigen (z. B. Betreuung von Kindern vs. Klassenfahrt)
– regelmäßige Evaluation der Teamarbeit
Einigung auf ein einheitliches pädagogisches Handeln
Ziel: Ein schulischer Handlungsleitfaden hat das Ziel, Orientierung und klare Vorgaben für das Handeln von Lehrkräften, Schulleitung, Schülern sowie weiteren Beteiligten an einer Schule zu bieten. Er dient dazu, das gemeinsame Arbeiten an der Schule zu strukturieren und sicherzustellen, dass alle Beteiligten in ähnlichen Situationen konsistent und nachvollziehbar handeln.
Maßnahmen
Ein guter Handlungsleitfaden ist praxisnah und wird regelmäßig überprüft und angepasst, um aktuellen Entwicklungen gerecht zu werden.
– klare Richtlinien und Strukturen schaffen
– Rechtssicherheit und Transparenz fördern
– Prävention und Problemlösung unterstützen
– Qualitätssicherung und Schulentwicklung
– Unterstützung für alle Beteiligten
Verbesserung der schulinternen Kommunikation und Kooperation
Ziel: Die schulinterne Kommunikation und Zusammenarbeit werden optimiert, indem digitale Lösungen und klare Strukturen den Austausch erleichtern.
Maßnahmen
– Einplanen fester Kollaborativzeiten
– Möglichkeit zum digitalen Zuschalten zu Konferenzen/Besprechungen schaffen für Lehrkräfte, die sich in anderen Schulteilen befinden oder sich von Zuhause zuschalten wollen (z. B. aufgrund späteren Unterrichtsbeginns/früheren Endes)
– digitale schulinterne Kommunikationsplattform festlegen, zur Nutzung motivieren, Anwenderschulungen durchführen
– Plattform zum Dokumentenaustausch nutzen
– Konferenzen sollten nicht vordergründig zum Verkünden von Informationen genutzt werden. Diese sollten in der Regel schon im Vorfeld zugesendet und die Kenntnisnahme (ggf. durch Unterschrift) bestätigt werden. Die Konferenzen sollten vorrangig für Absprachen/Diskussionen/Abstimmungen genutzt werden.
Umgestaltung des Lehrerzimmers/Pausenraum (Praxisbeispiel)
Ziel: Die räumliche Gestaltung des Lehrerzimmers wird an die verschiedenen Bedürfnisse des Kollegiums angepasst.
Maßnahmen
Am Gymnasium Wilsdruff wurde aus dem Lehrerkollegium heraus der Wunsch nach einer Umgestaltung des Lehrerzimmers geäußert. Diese wurde von den Lehrkräften eigenverantwortlich realisiert. Verschiedene Nutzungsbereiche sollten voneinander getrennt werden und somit die Aufenthaltsqualität im Lehrerzimmer verbessern. Das Lehrerzimmer des Gymnasiums Wilsdruff liegt in einem abgetrennten Verwaltungsbereich. An dessen Eingangstür hängt ein Briefkasten, welcher von den Schülerinnen und Schülern vorrangig genutzt werden soll, um Anfragen zu stellen, damit gehäuftes Klopfen in der Pause vermieden wird. Grundsätzlich ist das Lehrerzimmer hell und geräumig. Ursprünglich gab es eine Arbeitsecke und zwei große Tische im Raum. Die großen Tische wurden in kleinere Tischgruppen für je acht Personen umgewandelt. Im Zuge der Umgestaltung wurden zwei große Stehtische (1 m × 2 m) in unmittelbare Nähe zur Teeküche gestellt. Diese werden vom Kollegium zur Einnahme des Frühstücks, aber auch für die Kaffee- und Teepause genutzt. Weiterhin wurde eine Sitzecke mit Sofas eingerichtet, neben welcher sich die pädagogische Bibliothek befindet. Einerseits wurden so neue Orte für Kommunikation geschaffen, andererseits wurde die Qualität als Pausenraum erhöht. Der Kopierer befindet sich im Kopierraum nebenan, so dass eine negative Beeinflussung der Luftqualität vermieden wird. Das Gymnasium Wilsdruff verfügt weiterhin über einen vom Schulhof abgetrennten, nicht einsehbaren Personalbereich mit Sitzecke, welcher über den Lehrereingang erreichbar ist. Dieser kann ebenfalls für die Erholungspause im Freien genutzt werden. Am BSZ für Gesundheit, Technik und Wirtschaft des Erzgebirgskreises »Erdmann Kircheis« an den Standorten Oelsnitz und Aue-Bad Schlema wurden alle Lehrerzimmer mit einem Pausentisch und einer Kaffeemaschine ausgestattet. Der Schulleiter empfiehlt dem Kollegium, die Frühstückspause bewusst dort abseits der Vorbereitungsräume zu verbringen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Diese Maßnahme hat sich bereits positiv auf das Miteinander im Team ausgewirkt.
Hier gibt es die neue Broschüre!
Die Handreichung ist online verfügbar und gern können auch gedruckte Exemplare bestellt werden: https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/49313.
Hintergrund
In den Gesundheitszirkeln, die von Januar 2023 bis Juli 2024 mit Teilnehmenden aus allen Schularten stattfanden, sind Schulleitungen und Lehrkräfte sowie Vertreterinnen und Vertreter der Personal- und Schwerbehindertenvertretungen auf Grundlage der Auswertung der Beschäftigtenbefragung 2021/22 in den intensiven Austausch zu ihren Erfahrungen in der Praxis des Schulalltags getreten.
Noch mehr zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement
Wichtige Informationen, Unterstützungsangebote und Ansprechpartner für Lehrerinnen und Lehrer rund um das Thema Gesundheit bietet die Webseite zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM): www.bgm-schulen.sachsen.de.
