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Lese- und Diskussionsreise: Gunda Trepp spricht mit Schülern über Antisemitismus

Lese- und Diskussionsreise: Gunda Trepp spricht mit Schülern über Antisemitismus

Zuhören, fragen, diskutieren: Gunda Trepp kommt sachsenweit mit Schülerinnen und Schülern an allgemein- und berufsbildenden Schulen ins Gespräch. Ziel der Lesereise: über Judentum und Antisemitismus aufklären, Wissen vermitteln und Stereotype aufbrechen.

»Ich möchte, dass Sie hier etwas mitnehmen«, erklärt Gunda Trepp den zehn angehenden Erzieherinnen und Erziehern der Freien berufsbildenden Schule Dresden – Fachschule für Sozialwesen zu Beginn ihrer Lesereise. Die Klasse von Lehrerin Anne Siedentopf soll heute »in eine andere Lebenswelt hineinschauen«. »Wir sind eine ›Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage‹ – das Thema ist uns sehr wichtig. Ich finde den Perspektivwechsel und Empathie für andere Lebensmodelle wichtig«, unterstreicht die Lehrerin.

Pro Schultag kommt Gunda Trepp mit bis zu drei Lerngruppen bzw. Schulklassen ins Gespräch. Die mit einer Lesung beginnenden Diskussionsrunden dauern jeweils 90 Minuten und werden ab Klassenstufe 8 empfohlen.

Wie wichtig ist es heute, über jüdisches Leben und Antisemitismus aufzuklären?

Gunda Trepp: Es ist ungemein wichtig, dass Schülerinnen und Schüler zumindest ansatzweise verstehen, was das Judentum ausmacht – dass es nicht nur eine Religion ist, sondern eine Kultur – dass die Juden eine gemeinsame Geschichte haben, eine Sprache, die sie verbindet. Ich erzähle etwas über die Diversität im Judentum. Sie hören über die mizrachischen Juden im Nahen Osten genauso wie über die aschkenasischen und sephardischen Jüdinnen. Zudem hören sie, dass Reformjuden nicht weniger religiös sein müssen als die Orthodoxen, dass sie aber andere Schwerpunkte setzen und die aktive Rolle der Frauen betonen. Wichtig ist es, weil die meisten Schüler zwar keine jüdischen Menschen kennen, aber Stereotype in ihren Köpfen haben, die bei vielen durch die sozialen Medien noch verstärkt werden. Diesen Stereotypen möchte ich die Realität entgegenhalten.

Was geben Sie Schülerinnen und Schüler für ihren Alltag an die Hand, um stereotype Vorstellungen aufzubrechen und Vorurteile zu entkräften?

Gunda Trepp: Ich erzähle ihnen ein wenig über das jüdische Denken. Sie staunen oft, wie viele Werte, die ihnen vertraut sind, aus dem Judentum stammen. So ruft die Tora an mehreren Stellen dazu auf, den Fremden zu schützen und zu lieben, den Menschen also, dessen Denken uns nicht vertraut ist, der uns als anders und fremd erscheint. Ich erzähle von den Ansätzen des Umwelt- und Tierschutzes in der Tora, die im Talmud weiter ausgebaut werden. Und natürlich, dass wir das, was in der Tora, den fünf Büchern Mose, steht, ohne die Interpretation der Gelehrten im Talmud nicht verstehen. Denn viele Stereotype sind darauf zurückzuführen, dass die Kirche den jüdischen Gott des »Alten Testaments« als rückständig, rachsüchtig und unnachgiebig dargestellt hat. Das ist der Antijudaismus, der sich heute »modernisiert« hat, also in neuem Gewand lebendig ist.

Was liegt Ihnen bei Ihrer Lesereise besonders am Herzen? Was motiviert Sie?

Gunda Trepp: Ich möchte die Schüler für die Offenheit einer liberalen Demokratie begeistern. Auch darum erzähle ich ihnen ein wenig über die Rabbiner des Talmuds. Die haben eine Streitkultur begründet, die uns heute noch Vorbild sein kann. Wir können verschiedener Meinung sein. Auseinandersetzungen über den richtigen Weg sind nicht nur interessant, sondern notwendig in einer Demokratie. Es wäre schön, wenn zumindest ein Teil der Schüler versteht, dass die jüdischen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland etwas Wertvolles zu dieser Diskussion beitragen können. Schülerinnen und Schüler sollten, wenn sie an Jüdinnen und Juden denken, nicht nur Antisemitismus und die Shoah einfallen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Gunda Trepp: Dass wir es in Deutschland schaffen, die Verschiedenheit der Bürgerinnen und Bürger als Bereicherung wahrzunehmen und nicht als Bedrohung. Ich wünsche mir, dass wir uns gemeinsam für etwas einsetzen, anstatt gegeneinander zu kämpfen. Davon profitieren nämlich nur die Feinde der Demokratie. Und davon gibt es ohnehin schon zu viele. Wenn Demokratinnen und Demokraten darüber streiten, wie große Probleme am besten gelöst werden können, ohne sich zu bekriegen und zu canceln, sind wir auf dem richtigen Weg. Das Judentum hat dazu einiges zu sagen.

Hintergrund

Gunda Trepp ist gelernte Juristin und Journalistin. 2022 erschien ihr Buch »Gebrauchsanleitung gegen Antisemitismus«. Die in Berlin und San Francisco lebende Autorin engagiert sich auf verschiedene Weise für ein diskriminierungsfreies Miteinander in der Gesellschaft.

Die Lesereise ist eine Maßnahme des Landesamtes für Schule und Bildung und wird vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus und dem Beauftragten der Sächsischen Staatsregierung für das Jüdische Leben unterstützt.

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