Lernen zu Hause: Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick

Lernen zu Hause: Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick

Seit knapp zwei Wochen sind die sächsischen Schulen geschlossen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Lernen zu Hause haben wir hier zusammengestellt.

Nicht alle Schülerinnen und Schüler verfügen über die technischen Voraussetzungen für das digitale Lernen zu Hause. Wie kann der Unterricht trotzdem funktionieren?

Es ist allen bewusst, dass die Bedingungen für das Lernen zu Hause während der Schulschließungen sehr unterschiedlich sind. Das betrifft die technischen Möglichkeiten der einzelnen Schule ebenso wie das Lernumfeld. Und es betrifft die Angebote der Schulen ebenso wie Ihre persönlichen Unterstützungsmöglichkeiten. Deshalb darf es keine überzogenen Forderungen und keinen Leistungsdruck geben.

Grundsätzlich gilt, dass Lehrerinnen und Lehrer in dieser absoluten Ausnahmesituation bei der Auswahl und dem Umfang der Aufgaben mit Bedacht vorgehen sollten. Sie müssen wissen, dass die Bedingungen für das Lernen sehr unterschiedlich sind. Ist den Lehrerinnen und Lehrern bekannt, dass die technischen Voraussetzungen nicht gegeben sind, sollten sie den Schülerinnen und Schülern die Aufgaben auf analogem Weg übermitteln.

Lernstoff vermitteln: Was ist das richtige Maß?

Die Erfüllung des Lehrplans im verbleibenden Schuljahr steht nicht im Vordergrund. Dafür wird es im nächsten Schuljahr Möglichkeiten zur Aufarbeitung geben. Auch für Schülerinnen und Schüler am Übergang in weiterführende Schulen wird das berücksichtigt. Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen erhalten zeitnah einen Brief, der verdeutlicht, wie sie auf dem Weg zu ihrem Abschluss unterstützt werden. An die Abiturienten wurde dieser Brief schon versandt, denn deren Prüfungen beginnen nach gegenwärtigem Stand nach den Osterferien.

Zusätzlich haben wir die Lehrkräfte gebeten, Augenmaß zu beweisen und sich vor allem mit dem Kollegium abzustimmen. Es sollten in diesen Zeiten im Lehrerkollegium abgestimmt pädagogisch sinnvolle Schwerpunkte gesetzt werden.

Bewertung oder Benotung: Was ist angemessen?

Wir sollten zunächst einmal unterscheiden zwischen Bewertung und Benotung. Bewertung ohne Noten ermöglicht den Schülerinnen und Schülern, ein Feedback für ihre Leistungen zu bekommen. Diese Rückmeldungen sind wichtig. Die Bewertung sollte wertschätzend und ermutigend sein und Hinweise für das weitere Lernen enthalten. Überzogene Forderung sind unangebracht. Von einer Benotung raten wir jedoch ab. Noten sollten in der jetzigen Situation für Schülerinnen und Schüler in der Grundschule grundsätzlich nicht gegeben werden. Auch an Oberschule sollte auf eine Benotung weitgehend verzichtet werden, ebenso bei Förderschulen. An den Gymnasien ist eine Benotung mit Blick auf höhere Klassenstufen zunehmend möglich. Die Lehrkräfte sollten allerdings die Bewertung in der gegenwärtigen Situation mit Augenmaß, hoher Sensibilität und unter Berücksichtigung der individuellen Lerngegebenheiten vornehmen.

Grundsätzlich gilt für alle:

  • Die Bewertung von Leistungen liegt in der pädagogischen Verantwortung der Lehrerin bzw. des Lehrers.
  • Die Erfüllung der Lernaufgaben sollte generell durch die Lehrkräfte mit den Schülerinnen und Schülern ausgewertet und bewertet werden. Die Einschätzung der Lehrkraft kann auch durch eine Selbsteinschätzung der Schülerin bzw. des Schülers ergänzt oder ersetzt werden.
  • Die Bewertung soll wertschätzend und ermutigend sein und Hinweise für das weitere Lernen enthalten.
  • Sensibilität ist auch gefragt, wenn der reguläre Unterricht an den Schulen wiederaufgenommen wird. Überzogene Forderungen sind zu vermeiden.

Wie kann der Lernalltag gestalten werden?

Wichtig ist, den Kindern eine regelmäßige Zeit zum Lernen ermöglichen. Sie sollte sich keinesfalls über den üblichen Unterrichtstag hinaus erstrecken und natürlich kann sich der Familienalltag nicht nach den Unterrichts- und Pausenzeiten der Schule richten.

Bitte motivieren Sie Ihre Kinder, an den Aufgaben dranzubleiben. Geben Sie Ihrem Kind Anerkennung und Zuspruch, wenn es eine Aufgabe geschafft hat. Sie sollen sich nicht in die Rolle der Lehrerin bzw. des Lehrers begeben, fördern Sie altersangemessen die Selbstständigkeit.

Wie können Medien sinnvoll genutzt werden?

Das Fernsehen, der Hörfunk und das Internet bieten derzeit interessante Sendungen und Angebote in vielen Bildungsbereichen an. Über Gesehenes, Gehörtes, Gelesenes lässt sich gut austauschen. So kann die Weltsicht der Kinder erweitert werden. Hier gibt es gute Angebote im Überblick.

Die Abschlussprüfungen stehen kurz bevor. Wie soll es für Schülerinnen und Schüler weitergehen?

Wir wissen, dass die derzeitige Situation auch für die Schülerinnen und Schüler, insbesondere diejenigen, die kurz vor ihrem Abschluss stehen, alles andere als leicht ist. Wir prüfen täglich die aktuelle Lage und mögliche Szenarien. Ohne jede Frage muss der Gesundheitsschutz der Schülerinnen und Schüler (genauso wie der Lehrerinnen und Lehrer) bei den Prüfungen gewährleistet sein. Sollten daran Zweifel bestehen, denken wir selbstverständlich über eine Verschiebung nach.

 

Darüber hinaus hat sich Kultusminister Christian Piwarz in einem Brief an alle Eltern von Schülerinnen und Schülern in Sachsen gewandt. Er bedankte sich unter anderem für das breite Verständnis und für die Kreativität, die es ermöglicht, dass der Unterricht aus der Ferne funktioniert. Hier gibt es den vollständigen Brief.

Lynn Winkler, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

6 Kommentare

  1. Carmen 2 Monaten vor

    Hallo,wir Eltern können die Lehrer nicht ersetzten.
    Mein Sohn mit ADHS und Pflegestufe 2 ,geht in einer Förderschule. Mit den Aufgaben, ist er ohnehin schon überfordert. Der geplante Förderunterricht, findet durch die Schulschließung jetzt nicht statt. Stattdessen sollen die Eltern, nun mit viel zu vielen Aufgaben und unterschiedlichen Fächern,die Lehrer ersetzen. Es darf nicht vergessen werden,das wir z.Bsp.ganz andere Rechenwege hatten. Was zur Folge hat,das wir mit unseren Kindern ,einiges neu erlernen müssen. Das bedeutet, Stunden langes sitzen für Eltern und Kinder um den Kindern eine Hilfe zu sein. Gerade bei den Förderschulkindern,ist die Schulschließung , eine Herausforderung für die Eltern. Die Lehrer haben meiner Meinung nach,bei der Aufgabenverteilung den Überblick verloren . Lehrer sollten nicht vergessen,wir sind keine Lehrer und können diese auch nicht ersetzen .Ein Lehrer kümmert sich in der Schulzeit ,nur um die Schulischen Erledigungen. Eltern haben wehrend der Kinderbetreuung ,aber zusätzliche Pflichten zu erledigen. Mein Sohn erhellt ständig neue Aufgaben. Die Lehrer müssen angehalten werden, angemessen die Aufgaben zu vergeben. Es sollte nicht vergessen werden,das betroffene Eltern mit Kurzarbeitergeld,Arbeitslosigkeit usw. ohnehin schon mit Belastungen und neuen Herausforderungen umgehen lernen müssen.

  2. K. Bergmann, Gymnasiallehrerin 2 Monaten vor

    Ich hoffe wirklich sehr und bitte wirklich darum, dass bei allen Bemühungen die Prüfungen stattfinden zu lassen, auch die Gesundheit beachtet wird, der Schüler, als auch der Lehrer. Wenn man die Berichterstattungen verfolgt, Erkranken und Sterben auch immer mehr junge Menschen am Coronavirus. Man kann auch so keine Prüfungsvorbereitung in kleinen Gruppen durchführen. Es muss doch möglich sein, einen finalen anerkannten Abschluss zu erteilen, ohne zumindest den schriftlichen Teil der Prüfungen. Die Abiturienten dieses Jahr sind ganz klar benachteiligt,warum haben sie kein Recht auf ein gutes Abitur?
    Ich kann durch meine Tätigkeit und engen Zusammenarbeit mit den Schülern wirklich bestätigen das sie wollen, aber an ihre Grenzen ganz klar stoßen. Sich den fehlenden Stoff, gerade in Mathematik,im Selbststudium anzueignen, ist für den größten Teil einfach unmöglich und wie schon gesagt, diesen dann zu prüfen ist im höchsten Maße ungerecht.

  3. Mandy Wehner 2 Monaten vor

    Wie soll man als Elternteil denn Lehrer für alle Fächer ersetzen? Wie sollen denn Eltern Kinder “zum Lernen motivieren“ die arbeiten gehen. Wie soll denn eine geeignete Lernumgebung geschaffen werden wenn Geschwisterkinder zuhause betreut werden? Wie sollen Eltern denn nachvollziehen können ob ihre Kinder die Aufgaben selbstständig gemacht haben,oder am Ende doch nur abgeschrieben haben. Eltern haben ja weder eine pädagogische Ausbildung noch Kenntnisse von Didaktik. Natürlich müssen die Kinder auf dem laufenden bleiben, allerdings finde ich es eine extrem große Last die den Eltern hier aufgebürdet wird. Das ganze soziale Leben steht ja ja still und vieles leider auch wirtschaftlich ist ein großer Stillstand zu verzeichnen, aber die Kinder sollen wie gehabt weiter machen? Unsere Kinder müssen sich Stoffgebiete erarbeiten von denen sie noch nie etwas im Unterricht gehört haben und in den Arbeiten, Klassenarbeiten und Prüfungen dann abrufen können. Auch wenn immer betont wird, dass all der “versäumte Unterrichtsstoff“ nachgeholt wird, denke ich nicht das Schulunterricht von 4 Wochen einfach nachgeholt werden kann,ohne das es Einbußen, Abkürzungen oder übersprungene Teilgebiete geben wird. Ich finde es schon sehr viel was die Kids an Aufgaben bekommen. Zu wiederholender Stoff war jetzt tatsächlich nur einmal in unserem Fall dabei. Sogar in Mathe geht man ganz normal im Unterricht weiter. Völlig ohne Lernkontrolle. In einem digitalisiertem Land wie unserem sollten Schulen viel besser mit neuen Technologien ausgestattet sein. Viele Kinder sind auch so auf den Frontalunterricht getrimmt, dass sie Probleme haben sich Themen selbst zu erarbeiten.

  4. Olav Schwarz 2 Monaten vor

    Liebe Kolleginnen und Kollegen,
    mit Interesse habe ich den Brief des SMK an die Eltern unserer Schülerinnen und Schüler gelesen. Und obwohl ich mich eigentlich nie an Diskussionen auf Social-Media-Kanälen beteilige, haben mich jüngste Erfahrungen mit der Situation von schulpflichtigen Eltern dazu bewogen, mit meiner Gewohnheit zu brechen. Vorab: Ich bin mir, gerade als ehemaliger Lehrer, bewusst, dass die derzeitig außergewöhnlichen Umstände große Anforderungen an die Toleranz und Flexibilität aller Beteiligten stellen und sich nicht ohne Friktionen bewältigen lassen. In den letzten Tagen habe ich eine sächsiche Oberschülerin aktiv bei der Bewältigung ihres Lernstoffs unterstützt und parallel von vielen anderen Eltern Rückmeldungen erhalten. Der Grundtenor dabei wird von einer erheblichen Überforderung der Kinder und Eltern bestimmt. Das bezieht sich vor allem auf den Umfang der Aufgaben, aber auch den Modus der Unterstützung durch die Lehrer. Es versteht sich doch von selbst, dass es nicht ausreichen kann, Seitenzahlen und Aufgabennummern en masse online zu stellen und dann auf das didaktisch-methodische Talent von Eltern, Großeltern und Freunden der Familie zu vertrauen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich hier erhebliches Potenzial für die Vertiefung sozialer Benachteiligung von Kindern sehe, die in besonderem Maße auf beziehungsorientieres Lernen und die Erklärungen der Pädagogen angewiesen sind.
    Ich hoffe sehr, dass der oben erwähnte Brief auch in geeigneter Weise die „Frontkämpfer“ an den Schulen erreicht und durch das SMK sichergestellt wird, dass den Kindern und Jugendlichen keine Nachteile aus dieser Krise erwachsen.
    Dank und Respekt an die Lehrer, die mit Maß und Mitte versuchen, gemeinsam mit ihren Schülern durch diese schwere Zeit zu kommen!

    Mit freundlichen Grüßen
    O. Schwarz

  5. Rico Nestler 2 Monaten vor

    Sehr geehrte Damen und Herren des Ministeriums,

    mit Wohlwollen habe ich die Zeilen Ihres Artikels, als auch die des Briefes förmlich inhaliert. Leider muss ich anmerken, dies wurde scheinbar in der Eile vergessen den Schulen und explizit den Lehrern als ausführende Instanzen mitzuteilen. Es wäre wirklich sehr schön, wenn dies noch nachgeholt werden würde.

    Ich spreche hier auch nicht von einer einzelnen Schule oder separaten Vorfällen, sondern einem generellem eher „globalem“ Problem. Ich weiß das der Druck den Stoff zu vermitteln, respektive vermitteln zu wollen trotz Krise hoch ist, was in gewissem Maße auch anzurechnen ist, es gilt aber trotz allem zu bedenken, das wir als Eltern weder die Kapazität an Zeit, noch an Wissen und Vermittlungsweise haben, wie der Stoff vermittelt werden muss, denn wie Ihnen als oberste Instanz des Bildungswesens besser als jedem anderem bekannt sein dürfte, haben wir als Generation „DDR-Schule“ den Stoff und Lösungswege auf andere Arten vermittelt bekommen, welche heute als nicht mehr erwünscht (nicht negativ gemeint) deklariert ist. Ich bitte Sie stellvertretend im Namen der meisten Eltern hier bitte mal etwas die Bremse zu ziehen, hier gehen trotz Krise viele weiter ihrer Tätigkeit nach und müssen mit den widrigen Umständen nach einem vollen Arbeitstag noch Stoff bewältigen, an dem sogar studierte Kollegen Ihrer Riege gescheitert sind und das in Klasse 6!!!!! Des weiteren, was sollen Sportaufgaben im Hygienenotzustand bringen, die O-Ton kriechend im Treppenhaus stattfinden sollen?! BITTE tun Sie etwas gegen diesen Wahnsinn.

    Mit freundlichem Gruß

    R. Nestler

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