So gesund sind Sachsens Lehrer – Sächsische Bildungsagentur stellt Gesundheitsbericht 2016 vor

So gesund sind Sachsens Lehrer – Sächsische Bildungsagentur stellt Gesundheitsbericht 2016 vor

Steht es mit der Gesundheit der sächsischen Lehrerschaft tatsächlich so schlecht? Vorangegangene Untersuchungen hatten den Lehrern attestiert, häufig durch psychische und körperliche Erkrankungen betroffen zu sein. Die Aussagekraft dieser Studien ist allerdings fragwürdig, da sich die Lehrkräfte zumeist selbst einschätzten oder Daten aus fremden Studien verwendet wurden. Der neu erschienene Gesundheitsbericht der Sächsischen Bildungsagentur bringt jetzt Klarheit. Mittels neu erhobenem Datenmaterial wird der Gesundheitszustand der sächsischen Lehrer erstmals objektiv dargestellt.

Unbenannt

Im Rahmen des Berichtes untersuchten Mitarbeiter und Mediziner des „Zentrum Arbeit und Gesundheit Sachsen“ sowie der TU-Dresden knapp 2600 Lehrkräfte. Dabei erhob man Daten zur Persönlichkeit, zur Einstellung zur Arbeit sowie zur körperlichen und geistigen Gesundheit der Lehrer. Zur Auswertung der Daten verglich man die Lehrkräfte untereinander und mit der sächsischen Bevölkerung.

Lehrer zufriedener als der Bevölkerungsdurchschnitt

Beim Vergleich von Lehrkräften mit der sächsischen Bevölkerung fällt positiv auf, dass Lehrer über einen etwas geringeren BMI („Body-Mass-Index“) als der Bevölkerungsdurchschnitt verfügen. Auch sind sie durchschnittlich zufriedener mit ihrem Beruf, treiben mehr Sport und geben öfter an Nichtraucher zu sein. Das Burn-Out-Syndrom tritt bei Lehrern nicht öfter auf als bei der Allgemeinbevölkerung.  Nur ein Drittel gab einige Burn-Out-Symptome an. Auf Seiten der Lehrer sind außerdem seltener Arbeitsausfälle zu verzeichnen. Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass Lehrer teilweise trotz Krankheit arbeiten und nur aus diesem Grund nicht als krank registriert werden. Trotz dieser positiven Ergebnisse haben Sachsens Lehrer auch gesundheitliche Probleme.

So verfügen sie im Vergleich mit dem sächsischen Durchschnittsbürger über einen höheren Blutdruck und leiden öfter unter Herz-Kreislauf-Beschwerden sowie Problemen mit dem Bewegungsapparat. Krankenkassendaten zufolge haben Lehrer zudem überdurchschnittlich oft Probleme mit Atemwegserkrankungen und der Psyche.

Close up photo of blood pressure measurementAuffälligkeiten im Bereich der Oberschule

Weitere auffällige Ergebnisse zeigen sich beim Vergleich von Oberschullehrkräften mit den Lehrern anderer Schularten. So empfinden Oberschullehrer ihre Arbeit als am wenigsten zufriedenstellend und neigen dazu, sich übermäßig zu verausgaben. Auch fallen sie sowohl durch den höchsten BMI, als auch durch den höchsten Blutdruck sowie den höchsten Cholesterinspiegel auf. Weiterhin berichten Oberschullehrkräfte häufiger über körperliche und psychische Beschwerden als Lehrer anderer Schularten. Allerdings sind es auch die Oberschullehrer, die am wenigsten rauchen. Die Autoren des Berichtes gehen aufgrund der Ergebnisse davon aus, dass die Oberschullehrer psychisch und sozial am meisten belastet werden.

Unterschiede zwischen Alter und Geschlecht

Zusätzliche Unterschiede zeigen sich beim Vergleich verschiedener Altersgruppen. Ältere Lehrer haben tendenziell einen höheren Blutdruck, einen höheren BMI und sind öfter von Herz-Kreislauf-Beschwerden betroffen als jüngere. Vor allem ältere Lehrerinnen verfügen über ein höheres Herzinfarktrisiko und deutlich höhere Gesamtcholesterinwerte. Zudem geben sie eine geringere Berufszufriedenheit und Erholungsfähigkeit an. Im Vergleich mit den Lehrern fällt auf, dass die Lehrerinnen öfter zu übermäßiger Verausgabung tendieren und öfter krank sind. Allerdings rauchen die Lehrerinnen auch weniger.

Empfehlungen der Autoren

Die Verfasser des Berichtes kommen zu dem Schluss, dass der Gesundheitsschutz an Schulen noch stärker an die individuellen Bedürfnisse der Lehrkräfte angepasst werden sollte. Dies gilt besonders für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Lehrer in verschiedenen Altersphasen. Auch empfehlen sie, vermehrt auf psychische Belastungen einzugehen und den Arbeits- und Gesundheitsschutz stärker an die jeweilige Schule anzupassen. Offensichtlich braucht beispielsweise ein Oberschullehrer eine andere arbeitsmedizinische Betreuung als ein Lehrer, der an einer Grundschule unterrichtet. Weiterhin setzen sich die Autoren dafür ein, einheitliche Maßstäbe für die Gesundheit von Lehrern für alle Bundesländer zu entwickeln, damit Lehrer in Bezug auf ihre Gesundheit deutschlandweit verglichen werden können. Auch halten sie es für wichtig, die Zusammenarbeit zwischen Schulpsychologen, Hausärzten, Arbeitsmedizinern und anderen für die Gesundheit der Lehrer wichtigen Akteuren zu vertiefen. Zudem ist es wichtig, die Zusammenhänge zwischen Arbeitsbelastungen und gesundheitlichen Folgen zu untersuchen. Bei der Einstellung von Lehrern empfehlen die Verfasser auf das hohe Durchschnittsalter und den Lehrermangel vermehrt einzugehen. Auch sollten Strategien entwickelt werden, die dabei helfen die Gesundheit der Lehrer bis zum Rentenalter zu erhalten und zu fördern.

Einmalige arbeitsmedizinische Vorsorge in Sachsen

Nicht von ungefähr wird die betriebsärztliche Betreuung in Sachsen groß geschrieben. So ist es einmalig in Deutschland, dass Lehrerinnen und Lehrer alle drei Jahre eine allgemeine arbeitsmedizinische Vorsorge am Arbeitsplatz angeboten wird. Dabei werden Lehrkräfte nicht nur ärztlich untersucht, sondern die Betriebsärzte bewerten auch die Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz, die psychische Belastung und geben eine Präventionsberatung. 2015 nahmen in sächsischen Schulen mehr als 3000 Beschäftigte an dieser arbeitsmedizinischen Vorsorge teil. Auch sind in Sachsen die Schulleiter per Gesetz verpflichtet, langzeiterkrankte Lehrerinnen und Lehrer beim Wiedereinstieg in den Beruf zu unterstützen.

Ludwig Paeth ist als Praktikant in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus tätig.

4 Kommentare

  1. Oberschullehrer 7 Monaten vor

    Nun denn (Schule im Leipziger Land): ZIEL: KONZENTRATION AUF DAS KERNGESCHÄFT: Kleinere Klassen, schallgedämmte Räume (nach eigenen Messungen herrschen in einer normalen Pause (keine schwierige Klasse) bis zu 90db im Raum), ordentliche Ausstattung der Zimmer, weniger Verwaltung (Stichwort: Inklusion), Inklusionsstunden / Förderstunden die diesen Namen auch verdienen (nicht 30min/Woche – was soll das?) , Auslagerung von Tätigkeiten, die nicht das Lehren betreffen (Statistik, Klassenfahrtverwaltung, Geld einsammeln, Feste organisieren, mit eigenem Geld alles vorfinanzieren und das volle Risiko tragen) usw.

    Wohlgemerkt, hier geht es nicht darum mehr Geld zu bekommen, sondern die Qualität der Arbeit zu erhöhen!
    Das mit der besseren medizinischen Betreuung kann man sich dann schenken, ich glaube viele Kollegen wären sehr zufriedener und erfolgreich bei ihrer Arbeit – und damit gesünder.

    Viele Grüße!

    • Manja Kelch - SMK 7 Monaten vor

      Vielen Dank für Ihre Antwort! Vieles davon, was Sie nennen, zum Beispiel die Verwaltungsangelegenheiten sowie Statistik usw., sind im Lehrermaßnahmenpaket geändert bzw. werden überprüft. Bei Ausstattung und Lärmschutz wäre der Schulträger gefragt. Hier mehr Einzelheiten zum Lehrermaßnahmenpaket: http://www.bildung.sachsen.de/blog/.

      Viele Grüße

  2. Oberschullehrer 7 Monaten vor

    Vielleicht brauchen Oberschullehrer eher bessere Arbeitsbedingungen, als eine bessere medizinische Betreuung ?!

    • Manja Kelch - SMK 7 Monaten vor

      Was wären denn bessere Arbeitsbedingungen aus Ihrer Sicht?

      Viele Grüße

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