Höchstleistungen

Höchstleistungen

Die Ergebnisse von Sachsens Grundschülerinnen und ­-schülern gehören zu den besten in Deutschland, wenn es um die Leistungen im Unterrichtsfach Deutsch und Mathematik geht. Doch für die Grundschulen Sachsens wird es zunehmend schwerer, dieses hohe Niveau zu halten. Mit guten Konzepten und einem hohen Maß an Engagement stellen sich die Lehrerinnen und Lehrer den Herausforderungen.

»Bitte kommt nach vorne und bildet einen Sitzkreis«, sagt Stella Zöllner. Das letzte Wort betont sie deutlich. Während sie es ausspricht, zeichnet sie mit ihrem rechten Zeigefinger Kreise über ihrer ausgestreckten linken Hand – die Gebärde für »Sitzkreis«. Die Lehrerin der Klasse 1 c der 6. Grundschule »Am Großen Garten« in Dresden nutzt Handsignale wie diese, damit auch wirklich alle Kinder sie verstehen können. Von den 24 Schülerinnen und Schülern sprechen vier Kinder nicht oder nur wenig Deutsch, ihre Eltern sind zum Teil Analphabeten.

Erst seit rund einem Dreivierteljahr besuchen Kinder mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ) die Grundschule. »Uns wurde kurz vor den Winterferien mitgeteilt, dass wir direkt nach den Ferien eine DaZ-Vorbereitungsklasse bekommen. Wenige Wochen später haben wir zusätzlich eine Klasse mit ukrainischen Kindern bei uns eröffnet«, sagt Schulleiterin Verona Balać. Die neue Situation bringt ihr Kollegium an die Belastungsgrenze: »Wir Grundschullehrer wollen unsere Arbeit gut machen. Wir können gar nicht anders – das liegt in uns. Doch plötzlich können wir nicht mehr sicherstellen, dass unser Unterricht auch tatsächlich bei jedem Kind ankommt. Das bringt manche im Team dazu, an sich selbst zu zweifeln.«

Vielfältige Herausforderungen

Die Dresdner Grundschule kämpft mit Herausforderungen, vor denen nahezu alle Schulen in Sachsen stehen: Die Heterogenität in den Klassenzimmern nimmt weiter zu, gleichzeitig trägt der anhaltende Lehrkräftemangel dazu bei, dass sich viele Lehrerinnen und Lehrer überlastet fühlen. Trotzdem leisten die Grundschulen des Landes herausragende Arbeit. Die sächsischen Grundschülerinnen und -schüler belegen im Ländervergleich des IQB-Bildungstrends 2021 Spitzenplätze – wie schon in den Jahren 2011 und 2016. Sie erreichen in den Bereichen Lesen, Zuhören und Mathematik Leistungen, die deutlich über dem deutschen Mittelwert liegen. Außerdem ist der Anteil der Kinder, die in den Kompetenzbereichen Lesen und Zuhören den Mindeststandard verfehlten, in keinem Land niedriger als in Sachsen.
Doch das Bildungsmonitoring macht auch negative Veränderungen sichtbar. Die Anzahl der Viertklässlerinnen und -klässler, die die Mindestanforderungen verfehlen, ist in den meisten Bundesländern gestiegen – auch in Sachsen. Vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien oder mit Zuwanderungshintergrund schnitten im Bildungsvergleich schlechter ab. Für die Grundschulen wird es zunehmend schwerer, gute Ergebnisse zu halten und vor allem auch schwache Ergebnisse zu steigern.

Eine Einschätzung, die Heike Peter teilt. Sie ist Leiterin der Grundschule »Juri Gagarin« in Königsbrück, einer Kleinstadt im ländlichen Raum 25 Kilometer nördlich von Dresden. Neben den bereits genannten Herausforderungen sieht sie die Ursache für die sich verschärfenden Bedingungen in der sich verändernden Lebenswelt und nicht zuletzt in den Folgen der Pandemie: »Corona hat uns hart getroffen. Wir merken, dass diese Zeit nicht spurlos an den Kindern vorbeigegangen ist.« So beobachtet sie, dass Vorschulkinder in der sprachlichen Entwicklung häufiger Defizite zeigen hinsichtlich des sprachlichen Handelns, des Wortschatzes, der Aussprache und der Grammatik. »Auch die fein- und grobmotorischen Fähigkeiten sind Veränderungen unterworfen, dem muss Schule heute Rechnung tragen«, sagt sie.

Den kompletten Beitrag können Sie in der aktuellen KLASSE, ab Seite 6, nachlesen.

 

Text: Antje Tiefenthal; Bilder: Matthias Rietschel

Lynn Winkler, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

2 Kommentare

  1. Familie Grund 2 Monaten vor

    Diese Mängel werden wir nur im realen sozialen menschlichen Miteinander bessern bzw. lindern können. Eine weitere Verlagerung in Digitalisierung schafft nur noch mehr die „unpersönlichen“ Probleme die in der Pandemie geschaffen wurden.

  2. Praxis 2 Monaten vor

    Wenn Sachsen die Spitze darstellt, möchte ich mir gar nicht vorstellen, wie das in anderen Bundesländern aussieht. Es mangelt inzwischen, trotz hohen Engagements der Lehrkräfte, in so vielen Bereichen. Lassen Sie mal Schüler etwas ausschneiden oder sich über längere Zeit konzentrieren und einfach nur zuhören. Von der Schrift ganz zu schweigen. Das sind Grundvoraussetzungen, auf die man heute nicht mehr bauen kann. Das Schriftbild eines Schülers zeigt genau, wo seine Probleme liegen. Und diesen lassen sich nicht allein mit dem Zauberwort Digitalisierung lösen.