Gestreckte Fachoberschule: Leistungssport und Hochschulzugang unter einem Hut

Die „gestreckte Fachoberschule“ gibt jungen Talenten die Chance, sich einerseits auf ihren Leistungssport zu konzentrieren und gleichzeitig einen bestmöglichen Schulabschluss zu erwerben. Eine Zwischenauswertung bestätigt den Schulversuch als gute Alternative in der dualen Karriere des Spitzensports.

Seit drei Jahren wird der bundesweit einmalige Schulversuch „Gestreckte Fachoberschule für Leistungssportler“ (gFOS) am Beruflichen Schulzentrum für Technik „Gustav Anton Zeuner“ in Dresden durchgeführt. Er bietet jungen Leistungssportlerinnen und Leistungssportlern optimale Rahmenbedingungen, um ihr sportliches Talent zu fördern und die Fachhochschulreife zu erreichen.

Mehr Zeit für den Sport

Dazu wird die Fachoberschule von regulär zwei auf drei Jahre gestreckt. So haben die Athleten in der zwölften Klasse nur eine halbierte Schulstundenzahl und mehr Freiraum für den Sport. Dies ist eine erhebliche Erleichterung vor allem in Hinblick auf die zeitlichen Belastungen durch das Training, die zu bewältigenden Wegstrecken und die sportliche Regeneration.

Für einen gelingenden Start ins Berufsleben können die Sportler nach ihrer Sportkarriere auf eine optimale schulische Basis zurückgreifen – sogar mit der Option zum Studium. Regulär geht das in Sachsen bisher nur am Sportgymnasium.

Positive Zwischenergebnisse

Thomas Weise, Leiter des Olympiastützpunktes Chemnitz/Dresden (Mitte), sowie die Leistungssportlerinnen Tina Punzel (links) und Jenny Elbe (rechts) beim Fachtag

Auf der Fachtagung „Leistungssport und Hochschulzugang vereinen?! – Heute an morgen denken“ wurden nunmehr Zwischenergebnisse des Schulversuches vorgestellt. Die Studie ergab, dass die Schüler der gFOS insgesamt zufriedener mit ihren Noten als Lernende der regulären Fachoberschule sind. Die Nachwuchsspitzensportler schätzen vor allem, dass ihre Lehrkräfte auf ihre speziellen Anforderungen eingehen können und mittlerweile ein sehr sensibilisiertes Ohr für ihre Bedürfnisse entwickelt haben. Verbesserungspotenzial sehen die Schüler jedoch in der Kooperation von Lehrern und Trainern.

Simon Zienert wird im kommenden Jahr einen Abschluss der gestreckten Fachoberschule erwerben. Der Weitspringer und Schüler des ersten Jahrgangs stand vor einer schweren Entscheidung: Abitur oder Leistungssport. Beide Ziele intensiv zu verfolgen, gelang dem ehemaligen Sportgymnasiasten immer weniger. Für Simon Zienert bietet die gestreckte Fachoberschule eine echte Alternative. Die gewonnene Zeit nutzen er und seine Mitschüler vor allem für intensives Training. Sie loben zudem die Möglichkeit der beruflichen Orientierung, die ihnen die gFOS im Rahmen des fachpraktischen Teils der Ausbildung eröffnet.

Berufliche Basis und Orientierung

Die jungen Sportler sehen die gestreckte Fachoberschule so zum einen als Bildungsinvestition und berufliche Basis. Zum anderen betrachten einige Talente den Bildungsgang als zeitliche Pufferstrategie, da sie zwar leistungssportliche Wünsche, aber keine konkreten Berufswünsche jenseits der Sportkarriere haben. In der gestreckten Fachoberschule biete sich nicht nur Zeit für die leistungssportliche, sondern auch für die persönliche Reife.

Bewerbungsphase läuft

Interessierte regionale Sporttalente mit sportfachlicher Empfehlung des Olympiastützpunktes Chemnitz/Dresden können sich bis 31. März 2018 formlos für das Schuljahr 2018/19 am Beruflichen Schulzentrum für Technik „Gustav Anton Zeuner“ in Dresden bewerben.

Der seit drei Jahren durchgeführte Schulversuch wurde vom Olympiastützpunkt Chemnitz/Dresden initiiert. Er wird durch das Sächsische Kultusministerium unterstützt und von der Universität Leipzig wissenschaftlich begleitet.

Bianca Schulz, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

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