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So gelingt nachhaltige Medienbildung: der Kompass für die pädagogische Praxis

So gelingt nachhaltige Medienbildung: der Kompass für die pädagogische Praxis

Der Kompass Medienbildung und Nachhaltigkeit bietet Medienpädagoginnen und Medienpädagogen sowie interessierten Lehrkräften Orientierung, um Nachhaltigkeit systematisch in ihre Angebote einzubeziehen. Wir stellen das digitale Reflexions- und Wissenstool vor und sprechen mit Projektleiterin Kirsten Mascher darüber, warum Medienbildung überhaupt nachhaltig sein muss und wie der Einstieg gelingt.

Text: Antje Tatter

Ein Medienprojekt ist schnell geplant: Tablets sind reserviert, die Methode steht, das Thema auch. Doch nachhaltige Medienbildung beginnt schon früher. Sie zeigt sich in in der Auswahl von Materialien, in der Sprache, in der Frage, wer mitmachen kann und welche Zukunftsbilder vermittelt werden sollen. Genau hier setzt der Kompass Medienbildung und Nachhaltigkeit an. 

Der Kompass Medienbildung und Nachhaltigkeit ist ein digitales Reflexions- und Wissenstool. Er bietet Orientierung, bündelt Wissen und erleichtert den Weg zu einer nachhaltigeren Medienbildungsarbeit. Das Angebot richtet sich in erster Linie an Medienpädagoginnen und Medienpädagogen, unterstützt aber ebenso Lehrkräfte und andere pädagogische Fachkräfte, die sich mit Medienbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) beschäftigen.

Entwickelt wurde der Kompass von der Arbeitsgruppe »Bildung für nachhaltige Entwicklung und Medienbildung« der Koordinierungsstelle Medienbildung (KSM) in Sachsen. Die KSM macht medienpädagogische Angebote in Sachsen sichtbar und vernetzt Akteurinnen und Akteure der Medienbildungslandschaft. Der Kompass ist ein Beispiel dafür, wie aus dieser Vernetzung konkrete Unterstützung für die pädagogische Praxis entstehen kann.

Wie funktioniert der Kompass?

Der Kompass basiert auf fünf Perspektiven, mit denen pädagogische Fachkräfte ihre Bildungsangebote reflektieren können. Jede Perspektive lenkt den Blick auf einen anderen Aspekt nachhaltiger Medienbildungsarbeit und enthält Reflexionsfragen, Wissensimpulse sowie konkrete Handlungsempfehlungen für die Praxis:

Perspektive »Inhalte, Methoden, Sprache«

Die Perspektive hilft dabei, Inhalte und Methoden bewusst an den Prinzipien der Bildung für nachhaltige Entwicklung auszurichten und die eigene Sprache reflektiert einzusetzen.

Perspektive »Inhalte, Methoden und Sprache«

Perspektive »Rahmenbedingungen«

Diese Perspektive regt dazu an, nachhaltiges Handeln von Anfang an mitzudenken – von der Planung über die Umsetzung bis hin zur Nachbereitung eines Projektes. Sie widmet sich organisatorischen Rahmenbedingungen wie Mobilität, Beschaffung, Veranstaltungsort, Verpflegung oder Kommunikation und zeigt Möglichkeiten auf, Bildungsangebote nachhaltiger zu gestalten.

Perspektive »Rahmenbedingungen«

Perspektive »Zugänglichkeit«

Damit Medienbildungsangebote möglichst viele Menschen erreichen, müssen sie zugänglich gestaltet sein. Die Perspektive stellt dar, wie Barrieren abgebaut und die unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse der Teilnehmenden mitgedacht werden können.

Perspektive »Zugänglichkeit«

Perspektive »Ressourcen«

Medienbildungsarbeit kommt nicht ohne Materialien, Technik und weitere Ressourcen aus. Diese Perspektive verdeutlicht, wie sich diese möglichst nachhaltig einsetzen lassen, und gibt praktische Anregungen, um Ressourcen im Arbeitsalltag zu sparen. Dabei gilt: so viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Perspektive »Ressourcen«

Perspektive »Visionsorientierung«

Die Perspektive rückt positive Zukunftsbilder und konkrete Gestaltungsmöglichkeiten in den Mittelpunkt. Sie nimmt einen wichtigen Gedanken der Bildung für nachhaltige Entwicklung auf: Menschen zu ermutigen, ins Handeln zu kommen, Zuversicht zu entwickeln und nachhaltige Entwicklung aktiv mitzugestalten.

Perspektive »Visionsorientierung«

»Nachhaltige Entwicklung ist kein fertiger Zustand, sondern ein Prozess«

Kirsten Mascher ist Projektleiterin der Koordinierungsstelle Medienbildung. Im Interview erklärt sie, warum nachhaltige Medienbildung nicht perfekt sein muss, wie Lehrkräfte direkt loslegen können und welche Perspektive des Kompasses ihr besonders am Herzen liegt.

Warum braucht Medienbildung überhaupt einen Nachhaltigkeitskompass?

Wir stehen vor großen gesellschaftlichen Herausforderungen – vom Klimawandel über das Artensterben bis hin zur Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz. Bildung für nachhaltige Entwicklung und Medienbildung sind deshalb heute als Querschnittsaufgaben in Bildungsplänen und Richtlinien verankert. Nachhaltige Entwicklung sollte also auch in der medienpädagogischen Arbeit mitgedacht werden.

Mit dem Kompass wollen wir dabei helfen, die eigene Praxis zu reflektieren, und Impulse für die Weiterentwicklung geben. Niemand hat den Masterplan für nachhaltige Medienbildung. Den braucht man auch nicht. Es geht darum, loszulegen, auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und Schritt für Schritt den eigenen Weg zu finden. Nachhaltige Entwicklung ist kein fertiger Zustand, sondern ein Prozess.

Wo erleben Sie in der Praxis die größten Aha-Momente?

Wir haben den Kompass in Workshops, Vorträgen und anderen Veranstaltungen vorgestellt und durchweg positives Feedback erhalten. Viele Teilnehmende stellen beim Bearbeiten der Reflexionsfragen fest: Eigentlich mache ich schon vieles richtig. Gleichzeitig erhalten sie neue Ideen und konkrete Anregungen, wie sie ihre medienpädagogische Arbeit weiterentwickeln können.

Der Kompass lebt davon, dass man sich auf diesen Reflexionsprozess einlässt. Die Fragen allein verändern noch nichts – entscheidend ist, die Impulse auszuprobieren und Schritt für Schritt in die eigene Praxis zu übertragen.

Welchen Rat geben Sie Menschen mit, die sich mit Medienbildung beschäftigen und sich angesichts der vielen Herausforderungen manchmal überfordert fühlen?

Besonders ans Herz legen möchte ich die Perspektive »Visionsorientierung« – eine der fünf Perspektiven des Kompasses. Das Konzept stammt aus der Bildung für nachhaltige Entwicklung, und wir haben es für die Medienbildung weitergedacht. Statt bei den Herausforderungen stehen zu bleiben, geht es darum, positive Zukunftsbilder zu entwickeln und Menschen zu ermutigen, ins Handeln zu kommen.

Mir persönlich hat diese Perspektive sehr geholfen. Sie funktioniert nicht nur in der medienpädagogischen Arbeit, sondern auch im Team: gemeinsam neue Möglichkeiten zu denken und sich zu fragen, wie eine gute Zukunft aussehen könnte. Das mildert die Überforderung etwas und schafft Raum für Zuversicht und Gestaltung.

Gerade wenn die vielen Herausforderungen zunächst überwältigend wirken, hilft es, klein anzufangen. Die fünf Perspektiven funktionieren unabhängig voneinander. Man kann einfach mit der Perspektive beginnen, die gerade am besten zur eigenen Arbeit oder Fragestellung passt – und von dort aus Schritt für Schritt weitergehen.

Was wäre ein guter erster Schritt?

Lehrkräften empfehle ich, mit den Perspektiven »Inhalte, Methoden, Sprache« sowie »Visionsorientierung« zu beginnen. Beide machen deutlich, dass nachhaltige Medienbildung nicht nur Wissen über Krisen vermitteln sollte. Genauso wichtig ist es, Schülerinnen und Schüler zu ermutigen, eigene Ideen zu entwickeln, Selbstwirksamkeit zu erleben und ins Handeln zu kommen.

Spannend finde ich aber auch die Perspektive »Ressourcen«. Sie lenkt den Blick auf ganz praktische Fragen: Muss es immer neue Technik sein? Wie lässt sich die vorhandene Ausstattung länger nutzen? Wo kann Energie gespart werden? Oft sind es gerade diese kleinen Entscheidungen im Alltag, die eine nachhaltige Haltung sichtbar machen.


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