Das Ehrenfried-Walther-von-Tschirnhaus-Gymnasium Dresden bietet als eine von zwei Schulen in ganz Sachsen Chinesisch als Fremdsprache an. Nun hat die Schule als erste im Freistaat einen Schüleraustausch mit China gestartet. Das haben wir uns genauer angeschaut.
»An unserem Gymnasium ist Chinesisch inzwischen ein fester Bestandteil des Fremdsprachenangebots. Schülerinnen und Schüler können die Sprache ab Klasse 8 im sprachlichen Profil erlernen«, erzählt Schulleiter Jörg Beirich sichtlich stolz. »Doch das war nicht immer so. Bei meinem Amtsantritt im Schuljahr 2022/2023 war das Angebot kaum noch existent. Das wollte ich ändern und holte Jun Rößler, Lehrerin für Englisch, DaZ und Chinesisch, an unsere Schule. Mit ihrem Engagement hat sie Chinesisch in neue Sphären gehoben. Wir können uns im Moment vor Anmeldungen für diese Fremdsprache kaum retten.«
Attraktiv für Fachkräfte der internationalen Chipindustrie
Das Tschirnhaus-Gymnasium bietet als einziges Gymnasium in Dresden Chinesisch an – das ist nicht nur einmalig, sondern auch »ein großer Pluspunkt für internationale Fachkräfte, die ihren Nachwuchs hier zur Schule schicken möchten. Unser breit gefächertes Bildungsangebot kommt auch der Halbleiterindustrie zugute«, weiß Schulleiter Beirich. Denn mit der Ansiedlung globaler Chiphersteller wie dem taiwanesischen TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Company Limited) in Dresden gewinnt auch die asiatische Fremdsprache an Bedeutung.
Der erste sächsische Schüleraustausch mit China – ein voller Erfolg
»Anfang 2024 erreichten uns Anfragen für einen Schüleraustausch aus China. Wir zögerten nicht lang – und so reisten Jun Rößler und ich im September 2024 selbst ins Reich der Mitte. Dort haben wir uns zwei Schulen angeschaut, mit denen wir seit diesem Schuljahr nun im Wechsel Austausche durchführen. Das ist sachsenweit übrigens einzigartig«, berichtet der Schulleiter.
Im ersten Schulhalbjahr 2025/26 reisten 23 Schülerinnen und Schüler der 10. und 11. Klassenstufe mit zwei Begleitlehrkräften für 13 Tage nach China, genauer in die beiden Städte Xiamen und Nanjing der Partnerschulen.






Vier Tage in Xiamen, eine Woche in Nanjing
Während der 11 Tage an den chinesischen Partnerschulen hatten die Jugendlichen Gelegenheit, das chinesische Bildungssystem kennenzulernen und intensiv in die chinesische Kultur und den Alltag der Menschen einzutauchen. Sie hospitierten in regulären Unterrichtsstunden, zum Beispiel in Deutsch, Chinesisch und Kunst, sprachen mit Lehrkräften und besuchten kulturelle Einrichtungen wie Tempel, Gedenkstätten und die historische Altstadt von Xiamen. Es fanden Workshops zu traditioneller chinesischer Kultur, wie Kalligrafie, Musik und Tanz, statt. Darüber hinaus beschäftigten sich die Gymnasiasten in internationalen Projektteams mit moderner Stadtentwicklung und den Herausforderungen und Zukunftsstrategien nachhaltiger Städte. Auch gemeinsame Sport- und Freizeitangebote, wie zum Beispiel Badminton, ein Musikabend und ein Kochworkshop, bereicherten den Aufenthalt. Vor Ort wohnten sie in Gastfamilien.
Was sagen die Schülerinnen und Schüler?
»Mein Austausch in China war eine unglaublich schöne Erfahrung. Zwei Wochen lang direkt in eine neue Kultur einzutauchen, war etwas ganz Besonderes. Etwas, das man so wahrscheinlich nicht noch einmal erlebt. Besonders unvergesslich war, dass ich dort meinen 17. Geburtstag feiern konnte. In einem Land, in dem man noch nie vorher war, seinen Geburtstag zu verbringen, war wirklich etwas Außergewöhnliches und hat die Reise noch besonderer gemacht. Die Menschen waren überall sehr gastfreundlich, unglaublich lieb und offen, sodass ich mich jederzeit wohl und willkommen gefühlt habe. Und auch der Fakt, dass ich diese Zeit zusammen mit meinen Freundinnen, Freunden und Klassenkameraden erleben durfte, hat alles noch schöner gemacht, einfach weil man diese besonderen Momente mit Menschen teilen konnte, die einem sehr am Herzen liegen. Insgesamt war es eine wunderbare Zeit, die ich immer in Erinnerung behalten werde.«
Darine Chaib, 11. Klasse
»Meine chinesische Austauschreise nach Xiamen und Nanjing war eine ganz besondere und unvergessliche Erfahrung. Gemeinsam mit meinen Freunden und meinen Austauschpartnern habe ich viele coole Erlebnisse gesammelt und tolle Momente erlebt. Während der Reise konnte ich neue soziale Kontakte knüpfen und Freundschaften schließen. Außerdem habe ich viel über die chinesische Kultur, Traditionen und den Alltag vor Ort gelernt, was meinen Blick auf das Land sehr bereichert hat.«
Emil Töpfer, 10. Klasse


Mehrwert des Austauschs für alle
Der internationale Schüleraustausch bringt nicht nur die Jugendlichen in ihrer Bildung und persönlichen Entwicklung – mehr Selbstständigkeit, Teamfähigkeit und Aufgeschlossenheit – voran, sondern birgt auch Vorteile für die Lehrkräfte und die Schulen selbst. Er stärkt konkret:
– Die internationale Ausrichtung der beteiligten Schulen.
– Die Attraktivität des Bildungsstandortes Dresden im Bereich der europäischen und außereuropäischen Schulkooperationen.
– Den kulturellen Dialog zwischen sächsischen und chinesischen Bildungseinrichtungen.
– Die Vernetzung mit anderen Schulen in Sachsen und bundesweit: Es ist ein breites Netzwerk mit weiteren Schulen im Freistaat und in anderen Bundesländern entstanden, die ebenfalls Austauschprogramme mit China pflegen. Die beteiligten Lehrkräfte profitieren von gegenseitigen Erfahrungen, Materialien und organisatorischen Hinweisen. Das verbessert die Qualität internationaler Bildungsangebote in der gesamten Region.
Fazit
»Der erste Schüleraustausch war ein erfolgreiches und wirkungsvolles Bildungsprojekt, das sowohl auf persönlicher als auch auf institutioneller Ebene nachhaltige Effekte erzeugt hat. Die Durchführung verlief reibungslos, die Zusammenarbeit mit den Partnerschulen war äußerst konstruktiv und die Schülerinnen und Schüler profitierten erheblich von den kulturellen, fachlichen und sozialen Erfahrungen. Eine Fortsetzung des Austauschs wird ausdrücklich empfohlen«, resümiert Lehrerin Jun Rößler.
»Der erste Austausch war ein voller Erfolg – und die Planungen für den nächsten laufen bereits. Im September 2026 soll es weitergehen«, freut sich Jörg Beirich.
Sprachliches Profil: die dritte Fremdsprache Chinesisch
Der sprachliche Profilunterricht ist gleichzusetzen mit einer dritten Fremdsprache, in Fall des Tschirnhaus-Gymnasiums ist es Chinesisch. Schülerinnen und Schüler erhalten die einzigartige Möglichkeit, ihren Horizont über den europäischen Tellerrand hinaus zu erweitern und eine der bedeutendsten Kulturen der Welt kennenzulernen. »Durch das Erlernen der chinesischen Sprache fördern wir einen Perspektivwechsel, der zu globalem Denken sowie zu mehr Empathie und Toleranz beiträgt«, unterstreicht Jun Rößler.
Das Sprachprofil umfasst drei Unterrichtsstunden pro Woche. Im Unterricht steht nicht das perfekte Beherrschen der Sprache im Vordergrund, sondern das Eintauchen in den faszinierenden Kulturraum Chinas. Die Lernenden beschäftigen sich mit dem komplexen Schriftzeichensystem, üben Kalligrafie und lernen die korrekte Aussprache des 4-Ton-Systems. Aktuelle Themen wie Politik, Gesellschaft, Kunst und Alltag in China werden diskutiert und durch praxisnahe Aktivitäten wie Teezeremonien, chinesisches Kochen und kulturelle Exkursionen erlebbar gemacht.
Mehr dazu gibt es auf der Webseite der Schule.

Ich finde das eine hervorragende Sache. Mittlerweile war ich selbst schon dreimal in China, im nächsten Jahr erneut. Es zieht mich immer wieder dort hin. Toll, wie ihr da ran geht. Die Sprache will ich jetzt mal besser angehen.
Toll, bleibt auf dem eingeschlagenem Pfad!