Ihre Mission ist noch nicht zu Ende: Der Wert der älteren Lehrerkollegen.

Ihre Mission ist noch nicht zu Ende: Der Wert der älteren Lehrerkollegen.

Eigentlich könnte Ute Puhl sich im Juni von ihrer Schule verabschieden. Doch das wird sie nicht tun, denn ihre Mission ist noch nicht erfüllt. Die 62jährige ist Schulleiterin an der 41. Grundschule in Dresden. Bald kommt ihr neuer Stellvertreter und diesen möchte sie unbedingt noch einarbeiten. Damit der Übergang gut klappt, will sie noch ein bis zwei Jahre dranhängen.

 

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Schulleiterin Ute Puhl: Unterrichtet seit 40 Jahren und hat große Freude daran.

Ute Puhl ist nicht die einzige ältere Lehrerin, die sich so engagiert. Viele Lehrerinnen und Lehrer in Sachsen sind schon über 60 Jahre alt. Bis 2025 werden deshalb voraussichtlich 15.000 Lehrer aus dem Schuldienst ausscheiden. Für einen gelungenen Generationswechsel sind sie deshalb wichtiger denn je.

So funktioniert die Zulage für ältere Lehrer

Der bundesweite Lehrermangel verschärft die Situation an sächsischen Schulen zusätzlich. Um mehr Lehrer für Sachsen zu gewinnen und zu halten, hatte die Sächsische Staatsregierung beschlossen, zusätzliche finanzielle Anreize für Lehrer zu schaffen. Dazu zählt auch, die älteren Lehrer mit weniger Unterrichtsverpflichtung zu entlasten und denjenigen, die nach Vollendung des 63. Lebensjahres keine vorgezogene Altersrente beziehen, sondern weiter arbeiten möchten, eine Zulage zu zahlen. Die gibt es besonders in den Fällen, wo ein entsprechender Bedarf an Weiterbeschäftigung besteht und eine Nachbesetzung der Stelle schwierig ist. Die betreffende Lehrkraft und der Schulleiter sollten das besprechen, dokumentieren und an die Sächsische Bildungsagentur weiterleiten. Diese prüft die Voraussetzungen und leitet die Gewährung der Zulage anschließend in die Wege. Darüber und wie die anderen Neuregelungen aus dem Maßnahmenpaket umgesetzt werden,  sind die Schulleiter in einem Brief vor kurzem informiert worden.

Das Feuer auf andere übertragen

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66 Jahre und immer noch im Dienst. Reinhild Becher. Foto:André Forner

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Ausgezeichnet: 2011 erhielt Reinhild Becher den „Deutschen Lehrerpreis“ für innovativen Unterricht. Foto: André Forner

An manchen Tagen klingelt ihr Wecker noch zeitiger als zu ihren aktiven Schuldienstzeiten. Reinhild Becher ist 66 Jahre alt und will sich noch lange nicht zur Ruhe setzen. Ihre Erfahrungen als Lehrerin will sie weitergeben: „Der Lehrer, der für seinen Beruf brennt, überträgt das Feuer auf andere – Schüler wie auch Kollegen.“ Deshalb arbeitet Reinhild Becher mittlerweile in der Lehrerfortbildung. „Die Erfahrungen der älteren Kollegen sind eine Goldgrube! Auch die Werte, die sie prägen sind für die jungen Lehrer wertvoll. Aber es muss  eine Austausch geben zwischen jung und alt, beide können voneinander lernen“, sagt sie.  Regelmäßig tourt Reinhild Becher durch den Freistaat und gibt Seminare. Auch für Seiteneinsteiger. Dafür hat sie extra Fachliteratur gewälzt und selbst Fortbildungen besucht.

 

 

Aus ihrer Sicht sind die Seiteneinsteiger eine Bereicherung, weil sie mit einem anderen Blick auf Schule und auf die Kinder kommen. Allerdings sollten sie die Liebe zum Kind mitbringen und die Lust auf das Unterrichten.  „Wir waren alle keine „fertigen“ Lehrer, als wir vom Studium kamen. Auch mir haben viele „das Laufen im Lehrerberuf“ gelehrt. Ich erlebe in dem Kurs „Seiteneinsteiger“, den ich betreue, wie engagiert diese Menschen sind.“

 

Mehr zum Thema ältere Lehrer gibt es im Titelthema „Aus Berufung. Wie wichtig ältere Lehrer für den Generationswechsel an Schulen sind.“ in der aktuellen Ausgabe der KLASSEklasse_1-jpg

 

Manja Kelch, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

4 Kommentare

  1. Dr. KHH 1 Tag vor

    Sachsen hat ein choatisch agierendes Kultusministerium. Da erzwingt diese Woche die Grünen-Bildungspolitikerin Petra Zais im Landtag eine Antwort vom Kultusministerium bzgl. der honorierten Dienstverlängerung rentenreifer Lehrer, wie sie im Maßnahmenpaket vom Oktober 2016 vorgestellt wurde. Antwort: Bisher (nach 5 Monaten) haben nur 3(!) Lehrer (Bautzen) eine Dienstzeitverlängerung laut Maßnahmepaket abgeschlossen. Meine Frau (Grundschullehrerin) geht diesen Sommer regulär in den Ruhestand. Ihre Direktorin hat wegen dringendem Bedarf einen Antrag auf ihre Weiterbeschäftigung gestellt. Im November hat schriftlich sie ihre Bereitschaft erklärt. Diese Woche hatte sie einen Termin bei der Bildungsagentur Dresden wo man ihr mitteilte, eine Entscheidung könne dauern, evtl bis zum Sommer. Soll man mit der privaten Jahresplanung so lange warten? Ergo: Es gibt keinen dringenden Bedarf !!!

    • Autor
      Manja Kelch - SMK 17 Stunden vor

      Eine Ferndiagnose zum Fall Ihrer Frau können wir leider nicht stellen. Dafür gibt es zu viele Faktoren, die bei der Gewährung der Zulage eine Rolle spielen. Wir kennen die Voraussetzungen und die Umstände nicht. Die Zahl der Lehrer, die die so genannte „Bindungszulage“ ab Vollendung des 63. Lebensjahres erhalten, ist bereits wieder gestiegen. Diese Zahlen verändern sich derzeit laufend. Wir werden in nächster Zeit ein erstes Fazit ziehen.

  2. Joachim 2 Tagen vor

    Diesen Lehrern, die noch bleiben kann man nur hohen Respekt zollen. Leider ist der Lehrermangel weit verbreitet, und finanzielle Anreize werden auch von anderen Bundesländern geboten. Hoffentlich entscheiden sich viele junge Menschen für den Lehrerberuf, es gibt schließlich kaum etwas wichtigeres als eine gute Bildung für die Gesellschaft. Vielleicht sollte man auch darüber nachdenken, wie man Seiteneinsteiger noch besser einbinden kann, um dem Lehrermangel zu begegnen.

  3. Frau O. 5 Tagen vor

    Der Titel des Beitrags ist für die meisten älteren Lehrerinnen ein Hohn. Die sächsische Finanzpolitik hat in den letzten 27 Jahren den Lehrerberuf in Sachsen wertlos und lächerlich gemacht. Wer das Betteln satt hat, geht mit 63.

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