Kultusminister will Demokratiebildung an Schulen ausbauen

Kultusminister will Demokratiebildung an Schulen ausbauen

Die Demokratiebildung an Sachsens Schulen wird weiter ausgebaut. Das sieht das neue Handlungskonzept »W wie Werte« vor, das im Auftrag von Kultusminister Christian Piwarz von einem 16-köpfigen Expertengremium überarbeitet wurde.

»Demokratie muss gelernt werden. Genau deshalb ist Demokratiebildung in der Schule auch so wichtig. Demokratie darf aber nicht nur konsumiert werden, sondern sie lebt vom Mitmachen und Mitgestalten aller. Demokratie funktioniert als Staatsform nur mit der aktiven Beteiligung von Menschen. Schulische Demokratiebildung kann nur erfolgreich sein, wenn wir alle unser gesellschaftliches Zusammenleben gestalten und uns damit für Freiheit und Menschenrechte einsetzen. In diesen Tagen braucht es mehr denn je Menschen, die sich für unsere freiheitliche Demokratie einsetzen, für sie streiten. Mit dem weiterentwickelten Konzept wollen wir Schulleitungen und Lehrkräften ein zeitgemäßes Unterstützungsinstrument an die Hand geben, das sie bei der Demokratie- und politischen Bildung ihrer Schülerinnen und Schüler stärkt und Handlungssicherheit bietet. Ich danke den Expertinnen und Experten für ihre wichtige geleistete Arbeit«, unterstreicht Kultusminister Christian Piwarz die Bedeutung des überarbeiteten Konzepts.

Womit beschäftigt sich das neue Konzept im Detail?

Das Papier »W wie Werte. Handlungskonzept zur Stärkung der demokratischen Schulentwicklung und politischen Bildung an sächsischen Schulen« umfasst insgesamt fünf Qualitätsbereiche: 1) »Schulkultur«, 2) »Management und Führung«, 3) »Kooperation«, 4) »Entwicklung der Professionalität« und 5) »Lehren und Lernen«. Darin werden 25 Handlungsfelder definiert und jeweils Handlungsziele beschrieben, die mit 76 Handlungsempfehlungen untersetzt sind.

In das neue Konzept flossen die Neufassung des Schulgesetzes für den Freistaat Sachsen, die Eckwerte zur politischen Bildung, das Gesamtkonzept gegen Rechtsextremismus der Sächsischen Staatsregierung, die Empfehlungen und Beschlüsse des Europarates und der Kultusministerkonferenz, die Leitgedanken zu einer Kultur der Digitalität in der Schule sowie die Prozesse zum »Bildungsland Sachsen 2030« ein.

Wie das Ministerium mit den Expertenvorschlägen umgeht

Ein Großteil der Maßnahmen, die das Expertengremium empfiehlt, wird sofort umgesetzt. So wird das Programm »Starke Lehrer – Starke Schüler« uneingeschränkt fortgeführt. Ebenso wird die Empfehlung aufgegriffen, die Schulen durch eine Landesservicestelle »Lernorte des Erinnerns und Gedenkens« dauerhaft bei der Planung, Durchführung und Finanzierung von historisch-politischen Fahrten zu unterstützen. Auch werden Medienbildungsprojekte zur Aufklärung, Sensibilisierung und Stärkung bei Cyber-Mobbing, Hassrede und Desinformation fortentwickelt. Zudem werden Beratungsangebote geschaffen, um schulische Hausordnungen diskriminierungssensibel zu gestalten. Ferner wird eine bereits bestehende Übersicht zu Beratungsangeboten zur politischen Bildung, Demokratiestärkung und Radikalisierungsprävention aktualisiert.

Viele Maßnahmen, die von dem Expertengremium empfohlen werden, sind auch Bestandteil der Bildungsstrategie »Bildungsland Sachsen 2030«. Dazu gehört etwa das Ziel, die Schülermitwirkung zu stärken. Schülerinnen und Schüler sollen aktiv Verantwortung für die Klassen- und Schulgemeinschaft übernehmen, in zentrale schulische Entscheidungen einbezogen werden, Verhaltensregelungen mitgestalten und pädagogische Ziele und Visionen diskutieren. U. a. dafür soll künftig eine fachunterrichtsfreie Stunde als »Klassenrat« im Stundenplan ausgewiesen werden. Die Klassenratsstunde soll schrittweise eingeführt werden, wenn die dafür notwendigen Personalressourcen zur Verfügung stehen.

Das überarbeitete Handlungskonzept »W wie Werte« ist auf der Website des Kultusministeriums unter www.politische.bildung.sachsen.de abrufbar.

Wie das Papier entstanden ist

Bereits 2017 erarbeitete ein vom Kultusministerium beauftragtes Expertengremium das Papier »W wie Werte«. Ausgehend von den dort benannten Handlungsempfehlungen wurden mit Kabinettsbeschluss vom 27. Februar 2018 über 60 Prozent der Maßnahmen zur Stärkung der politischen Bildung und Demokratiebildung an Schulen im Freistaat Sachsen bereits initiiert, entwickelt und teilweise systemisch verankert. Das 2023 berufene Expertengremium reflektierte nun die Arbeit der vergangenen fünf Jahre und erarbeitete unter Beachtung der Ergebnisse einer von der Hochschule Mittweida* durchgeführten Wirksamkeitsuntersuchung die neue Fassung des Handlungskonzepts.

Das sind die Mitglieder des Expertengremiums

  • Nadine Eichhorn, LandesElternRat Sachsen
  • Amy Kirchhoff, LandesSchülerRat Sachsen
  • Marina Limperska, Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden
  • Johanna Fabel, Theologisch-Pädagogisches Institut
  • Nancy Aris, Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
  • Rüdiger Unger, Deutsches Rotes Kreuz
  • Roland Löffler, Sächsische Landeszentrale für Politische Bildung
  • Marion Reimann, Landesamt für Schule und Bildung
  • Antje Thiersch, Sächsisches Staatsministerium für Kultus
  • Dr. Anja Besand, Technische Universität Dresden, Institut für Politikwissenschaft
  • Dr. Markus Tiedemann, Technische Universität Dresden, Institut für Philosophie
  • Peggy May, Ludwig-Richter-Schule Oberschule Radeberg
  • Frank Wehrmeister, BSZ für Technik und Wirtschaft »Julius Weisbach« Freiberg
  • Ralf Ballmann, Käthe-Kollwitz-Gymnasium Zwickau
  • Jana Kalinofski-Karsch, Grundschule Schönfeld
  • Stefan Lustig, Schule mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung » Heinrich-Hoffmann« Pirna

 

*Ausgewählte Maßnahmen des bisherigen Handlungskonzeptes »W wie Werte« wurden im Auftrag des Kultusministeriums durch die Fakultät für Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida hinsichtlich ihrer Wirksamkeit untersucht. Mithilfe von Interviews wurden 674 Personen im Zeitraum vom 1. August bis 20. Oktober 2023 befragt. Zusammenfassend zeigte sich, dass sich bestimmte Maßnahmen wie das Programm „Starke Lehrer – Starke Schüler“ oder die Koordinierungsstelle „Lernen durch Engagement“ uneingeschränkt weiterempfehlen lassen, während andere in Teilen angepasst oder grundsätzlich überdacht werden sollten.

Lynn Winkler, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

3 Kommentare

  1. Ulrike Kahl 5 Tagen vor

    „An sächsischen Schulen haben Abwertung, Ausgrenzung und Diskriminierung keinen Platz!“ – Wäre zu schön, um wahr zu sein… Ich glaube, wir müssen der Realität ins Auge sehen – noch gibt es jede Menge Raum für antidemokratisches Gedankengut an sächsischen Schulen. Vor allem muss der erste Schritt sein, dass wir die traurige Wahrheit, auch wenn sie unangenehm ist, klar zu benennen.

  2. Immerhin bemerkenswert! Dennoch bleiben Fragezeichen!
    Ich möchte darauf hinweisen, dass das Versagen der Oberschule Beierfeld 2019 gegenüber schwerwiegenden rechtsextremen Ausfällen während meinem Demokratie-Projekt, sowie die Reaktion des Bildungsministeriums in Sachsen diesem Vorfall gegenüber, so einige Fragen aufwirft, bei Letzterem zur Glaubwürdigkeit.
    Nachdem sich mir gegenüber als Projekteiterin Schüler extrem rechtsradikal geäußert und gezeigt haben, u.a. mit dem Feedbackkommentar: „Gehen Sie in’s KZ und machen Sie die Gaskammer an“ , wurde dieser Vorfall sogar nach einer diesbezüglichen Anfrage an das Bildungsministerium während der Landtagssitzung der Partei ‚Bündnis 90/Die Grünen“ zu rechtsextremen Vorfällen an Schulen ausgespart, also bei der Antwort unterlassen.
    Meine Gesprächsbereitschaft zur Aufarbeitung wurde durchgehend von allen Beteiligten nicht erwünscht!
    Das von der Schulleitung nach dem Vorfall uns verordnete Stillschweigen war folgenlos, ohne jegliche Konsequenz!
    Wie die empfohlene bundesweit empfohlene (oder wie auch immer) „Demokratie-Förderung“ an Schulen aussehen soll, habe ich inzwischen selbst erkannt.
    Meine Projekte „Mit bunten Farben gegen braune Parolen“ in (bis auf eine Ausnahme dem Saarland) allen Bundesländern seit nunmehr 23 Jahren waren bis auf ganz wenige einzelne extreme Vorfälle wie in Sachsen, MVP und Brandenburg voll erfolgreich!
    Es zeigte sich aber auch, wie das Verhalten einiger Lehrkräfte auf die Schüler „abfärbt“!
    Empathie ist durchaus übertragbar!

    • Autor
      Lynn Winkler - SMK 1 Woche vor

      Liebe Irmela Mensah-Schramm,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. An den Vorfall an der Oberschule Grünhain-Beierfeld können wir uns noch sehr genau erinnern. Unser Kultusminister Christian Piwarz besuchte damals umgehend die Schule und kam ins Gespräch mit den Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern. Auch das zuständige Landesamt für Schule und Bildung begleitete die Schule bei der Aufarbeitung. Ein „von der Schulleitung (…) verordnetes Stillschweigen“ ist uns hingegen nicht bekannt.

      Seitdem ist sehr viel passiert. In der Lehrkräftebildung, in den Lehrplänen, in den Beratungsnetzwerken, in der Schulaufsicht. Sie können sich gern darüber auf unserer Website http://www.politische.bildung.sachsen.de informieren.

      Mit der Fortschreibung des Handlungskonzeptes „W wie Werte“, die auf der Grundlage einer Wirksamkeitsuntersuchung und mehrerer Anhörungen von außerschulischen Bildungsträgern durch ein 16-köpfiges Expertengremium erfolgte, haben wir nunmehr weiteren Handlungsbedarf identifiziert und Umgangsweisen damit entwickelt. Trotz der vielfältigen Krisen, Konflikte und Kriege hoffen wir damit, unsere Schülerinnen und Schüler in aufgeregten gesellschaftlichen Zeiten zu stärken und klar für die Werte unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung Stellung zu beziehen. An sächsischen Schulen haben Abwertung, Ausgrenzung und Diskriminierung keinen Platz!

      Herzliche Grüße
      Lynn Winkler

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