»Ach, rutscht mir doch den Buckel runter!«

»Ach, rutscht mir doch den Buckel runter!«

… am besten auf der Dresdner Rüsselrutsche. Für ihr Engagement in der Denkmalpflege sind in diesem Jahr Schülerinnen und Schüler der 32. Oberschule der Stadt Dresden mit dem Sächsischen Kinder- und Jugenddenkmalpreis ausgezeichnet worden. Vom nicht immer einfachen, aber lohnenswerten Weg zum Ziel erzählen die Jugendlichen selbst.

Zuerst einmal, wer sind wir eigentlich? Wir – das ist die PEGASUS-Gruppe aus der 32. Oberschule in Dresden.

Für uns begann das Abenteuer »PEGASUS – Schulen adoptieren Denkmale« 2019 mit elf Schülerinnen und Schülern aus zwei damaligen siebten Klassen. Derzeit sind noch acht dabei: Zwei Zeichnerinnen, zwei Fotografen, zwei sind fit am Rechner, aber alle sind historisch interessiert und furchtbar neugierig. Wir sind ordentlich stolz, dass wir für unser Projekt den Sächsischen Kinder- und Jugenddenkmalpreis erhalten haben.

Doch welches Denkmal wurde unser Projekt? Nun, es ist fast zwei Meter hoch, grau, schwer, lädt kleine Kinder zum Spielen ein und erweckt bei dem einen oder anderen an einer bestimmten Stelle raue Erinnerungen – es ist der bekannte Spielplatzrutscheelefant der DDR.

Foto: Ulrike Wolf

Rutschen wir drei Jahre in der Zeit, zum Beginn unseres Projektes, zurück: Als unsere Lehrerin Frau Wolf uns damals die Idee vorstellte, musste sie uns nicht lange überzeugen. Ein Spielgerät als Denkmal! Es war für uns ungewöhnlich, dass man auf einem Denkmal toben, klettern und rutschen durfte – wir haben es natürlich sofort selbst ausprobiert – und so adoptierten wir unseren Elefanten mit viel Begeisterung.

Einst waren diese Betonelefanten auf Spielplätzen in der ganzen DDR zu finden – heute existieren nur noch wenige der originalen Rutschelefanten, zum Beispiel in Eisenach, Neubrandenburg, Leipzig und Dresden. Ihre Erfinder waren der Bilderhauer Johannes Peschel und seine Kollegen Egmar Ponndorf und Vinzenz Wanitschke von der Dresdener Produktionsgenossenschaft »Kunst am Bau«.

Die ersten zwei Prototypen aus dem Jahre 1962 bestanden noch aus einem Guss und sind bis heute erhalten geblieben. Einer befindet sich im Leipziger Palmengarten und der andere wird in der Dresdener Altstadt von den Kindern der Nachbarschaft kräftig bespielt.

Danach wurden die Figuren vereinfacht und aus 14 Betonteilen zusammengesetzt. Ab 1965 wurde der kleine Elefant in Serie produziert und in der ganzen DDR verteilt. Als Schmuck erhielten die Ohren kleine Mosaiksteinchen und der Rüssel wurde mit einer Messingplatte ausgekleidet. Fehlte sie, musste der Beton erst durch viele Kinder glatt gerutscht werden. Somit hätten wir am Anfang vielleicht nicht sagen sollen »Rutscht mir doch den Buckel runter«, sondern besser »Rutscht mir doch den Rüssel runter«.

Für uns als Mitglieder der PEGASUS-Gruppe wurde der Elefant ein Herzensprojekt – leider mussten wir bedingt durch die Corona-Pandemie unsere Arbeit zweimal pausieren. Doch davon ließen wir uns nicht unterkriegen. Wir arbeiteten nur noch härter, um an unser Ziel zu kommen. Nach der Schule recherchierten wir für unsere Informationstafeln, erforschten die Skulptur als Teil der Kunstgeschichte der DDR. Unsere erste Exkursion nach Corona führte uns in den Leipziger Palmengarten, wo wir den Rutschelefanten von seinem Dresdner Zwilling grüßten. In der Schule fertigten wir Tonmodelle unsere eigenen kleinen erdachten Spielgeräte an – und freuen uns besonders, dass wir diese zum Abschluss unseres Projektes auf der kommenden Denkmalmesse Ende November vorstellen dürfen.

Wir sind jetzt in der zehnten Klasse und werden die Schule bald verlassen – da stellt sich die Frage: Wird es weiterhin eine PEGASUS-Gruppe an der 32. Oberschule geben? Ja, wird es! Mit dem nächsten Projekt haben wir bereits begonnen. Diesmal steht ein Brunnenhaus in der Dresdner Neustadt aus den 30er Jahren des 19. Jahrhundert im Mittelpunkt.

Wir möchten natürlich nicht zu viel verraten, aber wir wollen es in ein kleines Museum verwandeln. Dieses Projekt werden wir an interessierte und wissbegierige Achtklässler übergeben.

Wir freuen uns sehr, dass unser Projekt solche Anerkennung gefunden hat und bedanken uns vielmals. Wir werden den Preis in Ehren halten.

Das Projekt: »PEGASUS – Schulen adoptieren Denkmale«

Mit dem Programm »PEGASUS – Schulen adoptieren Denkmale« sollen sächsische Schülerinnen und Schüler für das Kulturerbe und die Denkmalpflege begeistert werden. Kindern und Jugendlichen soll der Wert von Denkmalen vermittelt werden. Patenschaften können für anerkannte Bau- und Bodendenkmale übernommen werden.

Weitere Informationen dazu gibt es hier.

 

Gastbeitrag der Schülerinnen und Schüler der 32. Oberschule Dresden

Lynn Winkler, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

2 Kommentare

  1. Wow, die ist ja toll! Und ich erinnere mich gar nicht an diese Rutschen…. aber vielleicht war ich doch zu jung. Auf jeden Fall ist Euer Engagement eine wunderbare Sache, die den Preis ganz sicher verdient hat. Herzlichen Glückwunsch!

    • Autor
      Lynn Winkler - SMK 1 Woche vor

      Liebe Sandra,

      dem können wir uns nur anschließen: tolles Engagement!

      Herzliche Grüße
      Lynn Winkler