»Es gibt nicht den einen schönen Moment. Jeder Moment ist schön.« Das Förderzentrum »Georg Götz« Chemnitz

»Es gibt nicht den einen schönen Moment. Jeder Moment ist schön.« Das Förderzentrum »Georg Götz« Chemnitz

Lehrer werden in Chemnitz? Wir haben das Förderzentrum »Georg Götz« Chemnitz besucht. Es ist spezialisiert auf den Förderschwerpunkt Hören. Hier trifft jede Menge Fachkompetenz auf größte Herzlichkeit. Einladende Gemütlichkeit auf eine besondere Ausstattung. Wir sind überzeugt.

»Es gibt nicht den einen schönen Moment. Es ist einfach jeden Tag schön, hierher zu kommen«, erzählt die stellvertretende Schulleiterin Romy Schlag begeistert über ihren Schullalltag. Zusammen mit Schulleiterin Anja Wünsche und ihren 33 Kolleginnen und Kollegen unterrichten sie am Förderzentrum »Georg Götz« in Chemnitz rund 100 Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Hören.

»An unserer Schule gibt es die Klassen eins bis zehn. Wie in den Regelschulen können die Kinder hier ihren Schulabschluss erlangen: Nach Klasse neun den Hauptschulabschluss und nach Klasse zehn den Realschulabschluss«, erklärt Anja Wünsche. »Und wir haben auch Kinder hier, die neben dem sonderpädagogischen Förderbedarf im Hören auch sonderpädagogischen Förderbedarf im Lernen haben. Auch sie können bei uns ihren Abschluss ihrem Förderschwerpunkt entsprechend erwerben.«

»Uns ist es ganz wichtig, dass wir die Kinder und Jugendlichen, die unsere Schule besuchen, zur Teilhabe an der Gesellschaft befähigen. Dass sie mit ihrer Hörbeeinträchtigung, die oftmals mit Artikulationsschwierigkeiten und Auffälligkeiten im Sprachgebrauch verbunden sind, zu Menschen heranwachsen, die auch nach ihrer Schulzeit selbstständig im Leben zurechtkommen.«

Was macht die Schule so besonders?

Kleine Klassen

Im Vergleich zu Regelschulen sind die Klassen sehr klein. Das heißt: Es lernen etwa fünf bis zehn Kinder in einer Klasse. »Das liegt am Förderschwerpunkt Hören. Denn in unseren Klassen gibt es ganz unterschiedliche Kinder, mit unterschiedlichen Ausprägungsgraden von Hörschädigungen«, erklärt die Schulleiterin.

Es gibt die Schallempfindungschwerhörigkeit oder die Schallleitungsschwerhörigkeit. »Diese Kinder sind meist mit Hörgeräten versorgt oder mit CIs, also mit Cochlea-Implantaten. Nehmen sie den Überträger des CIs ab, sind sie gehörlos.«

»Unsere Schule besuchen auch Mädchen und Jungen, die an Taubheit grenzend schwerhörig bzw. gehörlos sind und die aus Familien kommen, die in ihrer Muttersprache kommunizieren – in der DGS, der Deutschen Gebärdensprache. Sie unterscheidet sich in ihrem Aufbau und der Grammatik sehr von unserer Lautsprache.«

Außerdem gibt es die Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung. Das heißt: Das Hören ist organisch gesehen in Ordnung, aber die Verarbeitung im Gehirn schafft Probleme.

5 Jahre Grundschulzeit

Besonders ist auch, dass die Grundschulzeit fünf Jahre anstatt vier Jahre umfasst. »Die Kinder, die zu uns kommen, zeigen – bedingt durch ihre Beeinträchtigungen im Hören – große Auffälligkeiten im Wortschatz, in der Artikulation, in der Grammatik und dann später auch beim Schriftspracherwerb, in der Rechtschreibung. Das bedarf besonders intensiver Förderung«, erzählt die Schulleiterin. »Und Schulen mit dem Förderschwerpunkt Hören haben in Sachsen den großen Vorteil, dass sie bis Klasse zehn acht Stunden Deutsch pro Woche anbieten können.«

Schallmindernde Ausstattung

Im Förderzentrum »Georg Götz« ist jedes Klassenzimmer mit einem Teppichboden ausgestattet, die Decken sind herabgehängt, es gibt Regal- und Schranksysteme – diese spezielle Ausstattung hilft dabei, störende Geräusche zu minimieren. »Denn unsere Kinder und Jugendlichen benötigen ein erhöhtes Maß an Konzentration und Aufmerksamkeit. Deshalb ist es wichtig, dass die Lernumgebung für die Schülerinnen und Schüler so schallarm wie möglich gestaltet ist«, erklärt Anja Wünsche.

Zusätzlich gibt es Klassenhöranlagen in den Klassenzimmern. Das heißt: Die Lehrerstimme, der sogenannte Nutzschall, gelangt direkt auf das Ohr der Kinder und der »Störschall« wie zum Beispiel das Straßenbahngeräusch oder das Rascheln der Mitschüler wird so minimal wie möglich gehalten.

»Unterstützt wird das Verständnis unserer Kinder auch dadurch, dass wir sehr viel visualisieren. Wir haben in den letzten Jahren viele interaktive Tafeln angeschafft, wir verwenden zahlreiche Materialien wie Piktogramme, Schriftstreifen und Ausdrucke. Damit wird bei den Schülerinnen und Schülern der ›Kanal‹ Hören ein Stück weit entlastet, sie werden auch visuell erreicht – und können somit besser lernen.«

Vielfältige (Ganztags-)Angebote

Es gibt Angebote im Bereich Sport, Schach und Musik. »Wir haben einen Chor. Ja, auch Hörgeschädigte können musizieren! Und das ist auch etwas ganz Besonderes. Außerdem haben wir ein Ganztagsangebot im Bereich Keramik. Unsere Kinder basteln sehr gern und werden dadurch auch in der Feinmotorik gefördert.«

»Ein weiteres, besonderes Ganztagsangebot bietet seit Kurzem ein Gebärdensprachdozent für alle gebärdensprachnutzenden Schülerinnen und Schüler an«, freut sich die Schulleiterin. »In dem Gebärdensprachkurs wird die DGS vermittelt. Dazu gehört zum Beispiel der Wortschatzaufbau. Hier wird aber auch die Gehörlosenkultur an die Schülerinnen und Schüler weitergegeben. Die Mädchen und Jungen lernen auch, was es bedeutet, im späteren Leben einen Dolmetscher zu organisieren und wie sie Kontakt zum Gehörlosenverband aufnehmen können.«

Die Audiologie

Das Förderzentrum verfügt über eine pädagogische Audiologie. Sie ist besonders für die hausinterne Diagnostik wichtig. »Sie ist aber auch für die Diagnostik von Kindern, die später in Regelschulen beschult werden, von Bedeutung, um den Förderbedarf festzustellen.«

Die Beratungsstelle

»Wir sind ein Team aus acht speziell ausgebildeten Pädagoginnen«, erzählt die Leiterin der Beratungsstelle, Sylvia Arras. Sie und ihr Team sind für die Diagnostik und inklusive Betreuung hörgeschädigter Schülerinnen und Schüler verantwortlich. Das heißt: Sie besuchen die Kinder und Jugendlichen vor Ort in ihrer Heimatschule im Regierungsbezirk Chemnitz und beraten dort Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern zu allen Fragen, die sich aus der Hörschädigung der Kinder ergeben. Dieser mobile Dienst kann sowohl von Schulen als auch von Eltern angefordert werden. Nach Feststellung des Förderbedarfs werden die Kinder und Jugendlichen kontinuierlich betreut. Außerdem bietet das Team der Beratungsstelle Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer an Regelschulen an.

Noch mehr zum Förderzentrum Georg Götz gibt es auf unserem SMK-YouTube-Kanal und auf der Webseite der Schule.

Lehrer werden in Sachsen!

Neugierig? Egal, ob grundständig ausgebildete Lehrerin bzw. ausgebildeter Lehrer oder Seiteneinsteigerin bzw. Seiteneinsteiger: Alle Informationen zum #LehrerwerdeninChemnitz gibt es beim Landesamt für Schule und Bildung Chemnitz:

Kontakt:

Rainer Fuhrmann, Personalreferat
Telefon: 0371 53 66 220

Kerstin Fechert, Seiteneinstiegskoordinatorin
Telefon: 0371 53 66 312

Alle Informationen zum #LehrerwerdeninSachsen auf unserer Webseite: www.lehrer-werden-in-sachsen.de.

Lynn Winkler, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

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