Maschinenbauverband: Sachsen punktet bei Technikausbildung

Maschinenbauverband: Sachsen punktet bei Technikausbildung

Informatik und Technik/Computer als Pflichtfächer an Oberschule und Gymnasium: Damit punktet Sachsen im bundesweiten Ländervergleich der schulischen Technikbildung. Doch es gibt auch Schwachstellen. Dies zeigt eine Lehrplananalyse des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Im Ranking der Bundesländer belegt Sachsen Rang 5.

Technikwissen sei heute ein fundamentaler Bestandteil der Allgemeinbildung, so der VDMA. Doch eine umfangreiche Analyse der Lehrpläne an allgemeinbildenden Schulen, die der VDMA in allen Bundesländern durchgeführt hat, zeige: Die überwiegende Mehrheit der jungen Leute könne die Schule abschließen, ohne je mit ausgewiesener Technikbildung in Berührung zu kommen.

„Während der Busfahrt mit Freunden per Smartphone chatten, zu Hause ein Kühlschrank-frisches Getränk genießen oder nach der Schule das Mittagessen in der Mikrowelle aufwärmen: All das ist für viele Jugendliche selbstverständlich. Wie aber die Technik funktioniert, wissen immer weniger junge Leute“, sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA-Landesverbandes Ost.

Da künftige technische Innovationen ausbildungsfähige Nachwuchskräfte erfordern, hat der VDMA den Stellenwert der schulischen Technikbildung an allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufen 1 und 2 in den einzelnen Bundesländern untersucht. Als Grundlage dienten die Lehrpläne (Stand 31. Mai 2018).

Stärken und Schwächen für Sachsen

Danach erreicht Sachsen im Ländervergleich mit 76.8 von 100 Punkten den fünften Platz –Spitzenreiter ist Baden-Württemberg (87.9) vor Sachsen-Anhalt (86.5) und Thüringen (80.7). Der Mittelwert beträgt 73.6 Punkte.

Laut VDMA für Sachsen besonders positiv: Informatik ist an Oberschulen und Gymnasien ein Pflichtfach. Das gebe es nur in drei weiteren Bundesländern. Auf dem Stundenplan aller sächsischen Schüler – unabhängig von der Schulform – steht zudem das technikorientierte Fach „Technik/Computer“. Oberschüler werden ebenso verpflichtend in „Wirtschaft – Technik – Haushalt/Soziales“ unterrichtet. Im Realschulzweig können sich Jugendliche darüber hinaus für den „Vertiefungskurs Technik“ entscheiden. Außergewöhnlich sei auch das Wahlpflichtfach „Biotechnologie/Bionik“ in der gymnasialen Oberstufe.

Auf dem Lehrplan der gymnasialen Oberstufe insgesamt finden sich jedoch weniger Technikinhalte. Eine weitere Schwachstelle sei, dass weder Gymnasiasten noch Hauptschülern ein eigenständiges Fach Technik angeboten wird.

Gute Praxisanwendung von Technikinhalten

Gut positioniert in Sachsen sei hingegen die Praxis- und Berufsorientierung. In den Lehrplänen sind unter anderem Pflichtpraktika und weitere berufsorientierte Maßnahmen verankert.

Nachholbedarf sieht der VDMA noch in der fächerübergreifenden Zusammenarbeit. Vor allem in Mathematik ließen sich mehr technische Fragestellungen aufgreifen. Schüler könnten so besser den Bezug zum Alltag und der beruflichen Praxis herstellen. Das wiederum fördere das generelle Verständnis naturwissenschaftlich-technischer Zusammenhänge und erhöhe die Motivation, sich weiter mit technischen Themen zu befassen.

Außer Acht gelassen haben die Autoren der Studie, dass bundesweit nur im Freistaat Sachsen das Absolvieren einer schriftlichen Prüfung in Biologie, Chemie oder Physik Voraussetzung ist, um den Realschulabschluss zu erwerben. Diese Forderung hat sehr grundlegende Auswirkungen auf den Unterricht, weil dadurch experimentelles Denken und Handeln einen großen Stellenwert bekommen und entsprechende Kompetenzen frühzeitig entwickelt werden.

Im VDMA sind rund 3.200 vorrangig mittelständische Unternehmen organisiert. Der VDMA vertritt die gemeinsamen wirtschaftlichen, technischen und bildungspolitischen Interessen des Maschinen- und Anlagenbaus und versteht sich als eine nationale und internationale Plattform für seine Mitgliedsunternehmen. Der Maschinen- und Anlagenbau ist mit über 1,3 Millionen Beschäftigten der größte industrielle Arbeitgeber Deutschlands. Der VDMA setzt sich daher für ein eigenes Fach Technik und generell mehr Technik in den Curricula allgemeinbildender Schulen ein.

Mehr Informationen zur Lehrplananalyse gibt es hier.

Dirk Reelfs, Pressesprecher im Sächsischen Staatsministerium für Kultus

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