Sachsen als Vorbild: EU-Kommission schaut sich schulische Integration von Flüchtlingskindern an

Sachsen als Vorbild: EU-Kommission schaut sich schulische Integration von Flüchtlingskindern an

Aus fünfzehn Ländern kommen EU-Bildungsexperten am 1. Juni nach Sachsen, um sich anzusehen, wie bei uns schulische Integration funktioniert. Dabei haben sich die Experten den Freistaat für ihren Erfahrungsaustausch ganz bewusst ausgesucht. Sachsen ist deutschlandweit das einzige Bundesland, das seinen Lehrern wissenschaftlich geprüftes Material zur Verfügung stellt, mit dem sie die Sprachentwicklung ihrer Schüler beobachten können. Auf dieser Basis können die Schüler ganz gezielt in jedem Unterrichtsfach gefördert werden.

European Union flags in front of the blurred European Parliament in Brussels, Belgium

Bei den Schulexperten handelt es sich um Schulleiter oder Vertreter von Schulbehörden bzw. Ministerien. Sie stammen aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Kroatien, Lettland, Luxemburg, Malta, den Niederlanden, Österreich, Portugal, Schweden, der Slowakei, Slowenien und Tschechien. Sie werden sächsische Schulen besuchen und  sich außerdem zu ihren Erfahrungen im Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden und deren Betreuung austauschen. Das erste EU-Expertenseminar zur schulischen Integration von Flüchtlingskindern fand bereits im April dieses Jahres in Stockholm statt.

Analyse macht zielgenaue Förderung möglich

Das Besondere in Sachsen: Alle Deutsch-als Zweitsprache-Lehrer erhalten einen Ordner mit praxistauglichen Arbeits- und Informationsblättern, mit denen sie die Sprachfähigkeiten der Schüler genau erfassen und analysieren können. Die Ergebnisse werden dann auf einem Beobachtungsbogen festgehalten, der sich ebenfalls im Ordner befindet. Vermerkt wird unter anderem, inwieweit der Schüler Freude und Interesse am Sprechen zeigt, wie gut die Aussprache ist, welchen Umfang der verwendete Wortschatz hat und mit welchen Strategien der Schüler seine Sprachentwicklung vorantreibt. Auf dieser Basis ist dann eine gezielte Stärkung der Kompetenzen durch eine entsprechend angepasste Unterrichtsgestaltung möglich. Auch dafür steht den Lehrern die Handreichung „Durchgängige Sprachbildung. Qualitätsmerkmale für den Unterricht“ zur Verfügung. Fachliche Unterstützung und Beratung erhalten die Pädagogen von den Koordinatoren für Migration/Integration der jeweiligen Regionalstelle der Sächsischen Bildungsagentur, den Fachberatern für Migration/Deutsch als Zweitsprache oder von den Kompetenzzentren Sprachliche Bildung.

Das sächsische Konzept: Mehr als nur Deutsch lernen

Ministerin DaZ Apollonia OS Leipzig

Kultusministerin Brunhild Kurth mit DaZ-Schülern der Apollonia OS Leipzig

In der aktuellen Situation besitzt Sachsen einen großen Vorteil: Hier gibt es bereits seit über 20 Jahren ein Integrationskonzept für Schüler mit Migrationshintergrund. Die Schüler lernen aber dabei nicht nur Deutsch, sondern nehmen von Anfang an auch am gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben der Schule teil. Sie sind sofort in das Regelsystem der Schule integriert und lernen damit gleichzeitig Werte und Normen unserer Gesellschaft kennen. Das Fach „Deutsch als Zweitsprache“ gehört hier zu den regulären Unterrichtsfächern. Damit alle Schüler individuell und flexibel in das Schulsystem einsteigen können, gibt es einen dreistufigen Integrationsprozess. Dieser verläuft über die Vorbereitungsklassen, die schritteweise Integration in den Regelunterricht  und die komplette Teilnahme am Regelunterricht in der dritten Phase. In der dritten Phase erhalten die Schüler weiterhin begleitend Deutsch-als-Zweitsprache-Unterricht. Zudem werden sie die gesamte Zeit intensiv durch ihre Betreuungslehrer begleitet und beraten. Weitere Informationen zum Integrationskonzept sind hier abrufbar.

Aktuell gibt es an öffentlichen Schulen 509 Vorbereitungsklassen mit 8.703 Schülern.

Manja Kelch, Redakteurin für Social Media in der Pressestelle des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus

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