Judentum bedeutet viel mehr als Religion – es steht für Werte wie Gemeinschaft, Dankbarkeit und Freundschaft. Genau das können Schulen ihren Schülerinnen und Schülern mit dem Sukkot-Projekt, dem jüdischen Laubhüttenfest, vermitteln. Gemeinsam mit der Grundschule Zwenkau haben wir es ausprobiert.
Ähnlich zum Erntedankfest feiern Jüdinnen und Juden jedes Jahr Ende September/Anfang Oktober Sukkot, das Laubhüttenfest. Sie erinnern damit an die 40-jährige Wüstenwanderung ihres Volks. Doch es ist weit mehr als ein traditionelles Fest – es ist lebendiger Ausdruck von Gemeinschaft, Gastfreundschaft und Erinnerung daran, wie kostbar Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung sind. Diesen besonderen Brauch und die damit verbundenen Werte können Schulen mit dem Projekt »Sukkot – unterwegs mit leichtem Gepäck und großen Zielen« zum Beispiel im Rahmen eines Projekttags oder von fächerverbindendem Unterricht im Herbst 2026 zelebrieren. Geeignet ist das niedrigschwellige Angebot für alle Schularten bis Klassenstufe 6.


Kultusminister Conrad Clemens hat die Schirmherrschaft für das besondere Vorhaben übernommen. »Ich freue mich, dass wir gemeinsam mit dem Notenspur Leipzig e.V. im Tacheles-Themenjahr für Schulen diese einmalige Erfahrung mit unserem Sukkot-Projekt ermöglichen. Schülerinnen und Schüler lernen so jüdische Kultur und jüdisches Leben in Vergangenheit und Gegenwart kennen. Das Angebot verbindet kulturelle Vielfalt, gemeinschaftliches Engagement und lebendige Tradition in einer Weise, die unsere Schulen im Freistaat Sachsen bereichern kann. Sukkot steht für den Übergang vom Sommer zum Herbst, aber auch für das Innehalten und die Reflektion über das, was wir im Leben erreicht haben und welche Werte wir weitertragen wollen. Ich lade alle Schulen herzlich ein, Sukkot zu feiern. Sei es durch Musik und Tanz in einer gebauten Laubhütte oder den Besuch einer solchen Hütte.«
Wir feiern Sukkot mit den Kindern!
Wie die Umsetzung des Projekts aussehen kann, haben wir gemeinsam mit den Kindern der Klasse 3d von der Grundschule Zwenkau ausprobiert. Verraten können wir schon vorab: Es hat mehr als nur Spaß gemacht.
An einem Donnerstagmorgen sind Werner Schneider, Vorstandsvorsitzender des Notenspur Leipzig e.V., und die jüdische Cellistin Ayala Levi im Musikzimmer der Grundschule schon mitten in den Vorbereitungen für unsere Sukkot-Vorfeier. Die Sukka (hebräisch für Laubhütte) steht bereits. Die temporäre Hütte, die von Juden jährlich zum einwöchigen Laubhüttenfest, dem Sukkot, im Freien errichtet wird, ist der Mittelpunkt des Projekts. Sie erinnert an die Wüstenwanderung der Juden nach dem Auszug aus Ägypten. Das mobile Übernachtungshäuschen besteht aus drei Wänden und einem durchlässigen Dach aus Zweigen oder Laub. Für unser Projekt werden Palmenblätter genutzt.



Kurze Zeit später treffen die 19 Kinder der Klasse 3d mit ihrer Klassenlehrerin Theresa Schnabel ein. Auch Musiklehrerin Dorothea Hoffmann ist dabei. Nach einer Vorstellungsrunde erzählt Werner Schneider von der Geschichte und der Aussage hinter dem Fest: »Wir feiern Sukkot, um zu zeigen, was das für ein tolles jüdisches Fest ist. Es bringt nicht nur viel Spaß und kann spielerisch umgesetzt werden – dahinter steht auch eine schöne Geschichte. Es geht um den schwierigen Weg, den das Volk Israels zurückzulegen hatte. Die Kinder erfahren, dass man ein großes Ziel erreichen kann, wenn man zusammenhält und sich nicht mit Gepäck überlastet. Diese Erfahrung aus der Wüstenwanderung wollen wir auch in unser sesshaftes, heutiges Leben mitnehmen. Auch der sparsame Umgang mit natürlichen Ressourcen spielt eine Rolle. Das sind alles Fragestellungen, die uns auch heute beschäftigen und für unsere Gesellschaft wichtig sind.«


Im Anschluss lernen die Schülerinnen und Schüler die 44-jährige Musikerin Ayala aus Israel genauer kennen. »Vor vier Jahren bin ich mit meinen zwei Katzen und meinem 100 Jahre alten Cello nach Leipzig gezogen. Heute möchte ich euch die jüdische Musik näherbringen.« Begleitet vom Cello singen die Kinder Haida, einen Kanon aus Israel, bevor es zum praktischen Teil des Tages geht: das Schmücken der Sukka. Was braucht es dafür? Jüdische Motive und Girlanden zum Beispiel. Diese malen und basteln die Mädchen und Jungen nun gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin und Ayala. Werner Schneider unterstützt beim Aufhängen der »bunten Mamba« in der Laubhütte. Das bereitet allen sichtlich Freude – und vermittelt gleichzeitig positive Erfahrungen mit der jüdischen Kultur. Auch das Thema Dankbarkeit findet in der Sukka Platz. Die Kinder schreiben auf buntes Papier, wofür sie dankbar sind: »Ich bin dankbar für meine Familie.«, »Ich bin dankbar für genug Essen und Trinken.«














Nach der Mittagspause folgt das Finale: Zuerst eine kleine Stärkung. Es gibt getrocknete und für Israel typische Südfrüchte wie Mangos und Cashewnüsse. Denn auch das gemeinsame Essen gehört zur traditionellen Sukkot-Feier. Zum Abschluss singen alle noch einmal den Haida-Kanon – und tanzen dazu.
Fazit
Die leuchtenden Kinderaugen sagen mehr als Worte – und auch Schulleiterin Maja Tucholke kann das Projekt nur empfehlen: »Ich freue mich sehr, dass das Sukkot-Projekt bei uns in Zwenkau stattfinden konnte. Unsere Schülerinnen und Schüler sind sehr neugierig und haben viel Interesse, Vielfalt kennenzulernen. Es ist eine sehr schöne Abwechslung und ich kann es anderen Schulen nur empfehlen.«

Wie kann das Sukkot-Projekt an Schule umgesetzt werden?
»Wir lassen die Schulen nicht allein. Wir bieten Fortbildungen und Workshops für Lehrkräfte an. Dort bauen wir gemeinsam eine Sukka und schauen uns zum Beispiel mögliche Spiele für den Unterricht an«, betont Werner Schneider.
Interessierte Schulen können sich bis zum 27. März 2026 hier anmelden:
sukkot-an-schulen@smk.sachsen.de
Tacheles 2026 – das Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen
Während »Tacheles – jüdisch-sächsisch-mentshlich« werden ein Jahr lang die jüdische Kultur und gegenwärtiges jüdisches Leben in Sachsen im Fokus stehen.
Weitere Informationen zum Themenjahr stehen auf der Webseite bereit: tacheles.sachsen.de.
