Das Digitale Mobile Klassenzimmer »DigiMoK« bringt moderne Technik, Robotik und Künstliche Intelligenz direkt auf sächsische Schulhöfe. Das rollende Klassenzimmer macht die Potenziale von digitalen Medien und Künstlicher Intelligenz beim schulischen Lernen sichtbar und erfahrbar.
Von Antje Tiefenthal
Ein schwüler Sommervormittag. Große Laubbäume spenden Schatten, durch geöffnete Glaswände zieht ein leichter Wind ins Klassenzimmer. Nur: Dieses Klassenzimmer befindet sich nicht in einem Schulgebäude, sondern steht mitten auf dem Gelände des Zentrums für Medienproduktion der Universität Leipzig. Es ist ausziehbar wie eine Ziehharmonika, transportabel per Lkw – und prall gefüllt mit digitaler Technik. Willkommen im DigiMoK, dem Digitalen Mobilen Klassenzimmer. Eigentlich steht das DigiMoK Woche für Woche auf sächsischen Schulhöfen, doch heute ist es anders: Die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse der Freien Oberschule Gohlis sind zu Besuch. Ihr eigener Hof wird gerade saniert. Die Aufregung ist trotzdem groß. In kleinen Teams erstellen sie Bilder, schreiben Texte, entlarven Fake News – und arbeiten dabei mit Künstlicher Intelligenz.
Lernen mit KI
Jolina und Luana sitzen nebeneinander, ein Tablet vor ihnen. Sie sollen ein Bild zu einer kuriosen Schlagzeile generieren: »Hunde testen Laufband vor Supermarkt«. Der erste Versuch scheitert: Der Hund sieht aus »wie ein Roboter«, sagt Luana und lacht. Die beiden passen ihren Prompt an, korrigieren Details. Das nächste Bild ist besser. »Das ist voll cool, was wir hier machen«, meint sie. Und: »KI entwickelt sich immer weiter. Es ist wichtig, dass man davon heute Ahnung hat.« Auch Jannik und August sind konzentriert bei der Sache. Ihre Aufgabe: eine Nachricht zu einem neu entdeckten Giftfrosch mit Leopardenmuster schreiben – inklusive KI generiertem Bild. Die Präsentation überzeugt. Erst glauben nur wenige, dass diese kuriose Meldung echt ist. Doch sie stimmt tatsächlich. Dozentin Antonia Valotis lobt: »Das habt ihr gut gemacht, tolles Bild, gut vorgestellt.«
Workshops für Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler
Die Workshops sind Teil des Projektes DigiMoK, das Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern der 5. bis 10. Klasse gleichermaßen die Möglichkeit gibt, innovative Lehr- und Lernszenarien zu erleben und zu gestalten. Medienpädagogin und Projektkoordinatorin Peggy Reinelt erklärt: »Wir wollen KI nicht nur erklären, sondern erfahrbar machen – über kreative Aufgaben, die Spaß machen, aber auch zum Nachdenken anregen.« Besonders wichtig sei dabei der altersgerechte Zugang: »Mit den jüngeren Klassen starten wir zum Beispiel mit Fantasiewesen, die gemeinsam mit KI erstellt werden. Bei den Älteren geht es dann um berufliche Orientierung: Was möchte ich später machen – und wie verändert sich mein Wunschberuf durch KI?«
Jede Woche eine andere Schule
Das DigiMoK ist vor allem in ländlichen Regionen unterwegs. »Wir wollen genau dorthin, wo Schulen seltener Zugang zu solchen Angeboten haben«, so Reinelt. Die Technik ist beeindruckend: Der Container ist zusammenklappbar, passt auf einen Sattelzug, hat hydraulische Füße zum Aufstellen – ein Hightech-Klassenzimmer zum Mitnehmen.
Dass das Konzept funktioniert, bestätigen die Lehrkräfte. Klassenlehrerin Juliane Alex sagt: »Die Kinder benutzen KI im Alltag, oft ungefiltert. Hier lernen sie, wie man verantwortungsvoll und kreativ damit umgeht.« Informatiklehrer Imanuel Rau ergänzt: »Wir sehen, wie motiviert die Kinder sind. Sie arbeiten aktiv mit, und selbst wenn einige mal unruhiger sind – sie reden über das Thema. Das ist ein gutes Zeichen.« Reinelt freut sich über die positive Resonanz, auch bei den Lehrkräften: »Im letzten Jahr war teils noch Zurückhaltung da, jetzt ist durchgehend echtes Interesse spürbar. Sie haben Lust, sich auszuprobieren, sich mit dem Kollegium auszutauschen, und schätzen es, Tools kennenzulernen, die sie selbst im Unterricht nutzen können.« Im neuen Schuljahr ist das DigiMoK bis November nahezu ausgebucht – dann endet die bisherige Finanzierung. »Wir stellen im September einen neuen Antrag. Und dann heißt es: Daumen drücken!«, sagt Peggy Reinelt. Sie ermutigt interessierte Schulen trotzdem zur Kontaktaufnahme. »Manchmal gibt es eine Lücke, manchmal fällt ein Termin aus. Wir versuchen, alles möglich zu machen.« Schulen können sich außerdem melden, wenn sie sich für einen Platz im kommenden Jahr interessieren. Lehrerin Juliane Alex hofft, dass noch mehr Schulen das DigiMoK entdecken können: »Kinder müssen lernen, in dieser neuen digitalen Welt, die sich ständig weiterentwickelt, zurechtzukommen. Und genau darum geht es hier.«

Mehr über DigiMok
Das DigiMoK ist ein Angebot von Helliwood media & education im Förderverein für Jugend und Sozialarbeit und wird im Rahmen der Initiative Digitale Schule Sachsen durch das Sächsische Staatsministerium für Kultus gefördert. Es bringt digitale Bildung dorthin, wo sie oft fehlt – vor allem in ländliche Regionen Sachsens. Das Digitale Mobile Klassenzimmer bietet Workshops zu Themen wie KI, Coding, Robotik oder Fake News. Interessierte Schulen können sich über die Website bewerben.
Auf dem Gelände des Zentrums für Medienproduktion ist auch die Professur für Medienkompetenz- und Aneignungsforschung der Uni Leipzig zu Hause – Praxispartner von DigiMok. Studentinnen und Studenten der Medienpädagogik begleiten das Projekt, unterstützen Workshops und gehen mit auf Tour.

»Kinder müssen lernen, in dieser neuen digitalen Welt, die sich ständig weiterentwickelt, zurechtzukommen. Und genau darum geht es hier.«
Und das mit keinen oder Lehrer:innen die vehement gegen Handys an Schulen sind und natürlich auch sonstige Technik verteufeln.
Viel Erfolg Sachsen.