Aktuell wird geprüft, ob besondere Rechenschwäche als Teilleistungsschwäche anerkannt werden soll.
»Es sind entscheidende Wochen für den künftigen Umgang mit besonderer Rechenschwäche. Ich freue mich über den offenen, parteiübergreifenden Diskurs. Uns alle verbindet das Ziel, betroffene Schülerinnen und Schüler zielgerichteter zu unterstützen. Wir hoffen auf eine breite Mehrheit im Landtag und werden das dann zügig umsetzen«, unterstreicht Kultusminister Conrad Clemens.
Was ist geplant?
Derzeit wird diskutiert, ob Schülerinnen und Schüler mit besonderer Rechenschwäche künftig einen Nachteilsausgleich – und damit eine besondere Unterstützung – erhalten sollen. Vorgesehen ist ein Stufenmodell für die Umsetzung. Demnach soll in einem ersten Schritt Kindern der Klassenstufe 1 bis 3 im Schuljahr 2026/27 und ab dem darauffolgenden Schuljahr 2027/28 betroffenen Schülerinnen und Schülern ab Klassenstufe 4 ein Nachteilsausgleich gewährt werden.
Eine schrittweise Umsetzung der geplanten Hilfe ist notwendig, da Lehrkräfte zunächst entsprechend geschult werden müssen.
Was bedeutet ein Nachteilsausgleich für Schülerinnen und Schüler?
Betroffene Schülerinnen und Schülern würden dann zum Beispiel mehr Zeit für Aufgaben, zusätzliche Hilfsmittel und eine gezielte Förderung bekommen.
Was ist Rechenschwäche?
Betroffene haben ausgeprägte Schwierigkeiten beim Erlernen des Rechnens. Sie haben beispielsweise ein Problem mit Mengenangaben und mit Rechenoperationen. Schätzungen zufolge soll in jeder Klasse mindestens eine Schülerin bzw. ein Schüler von dieser besonderen Rechenschwäche betroffen sein.

Ich finde es klasse das für die kids die eine mathe Schwäche haben auch ein Ausgleich kommt,allerdings darf der nicht nur für die Grundschule gelten.
Er muss auch ab klasse 5 in den weiterführenden Schulen gelten.
Ich finde es richtig und überfällig, dass Sachsen Rechenschwäche/„besondere Rechenschwäche“ endlich systematisch angehen will. Gleichzeitig macht mir das geplante Stufenmodell Sorge: Wenn Nachteilsausgleich erst ab 2026/27 für Klasse 1–3 und später erst ab Klasse 4 greift, bleiben ältere Schüler:innen in den wenigen verbleibenden Schuljahren weiterhin benachteiligt – gerade dort, wo Noten, Versetzungen und Abschlüsse am meisten zählen.
Mir ist klar: Spezielle Förderung, zusätzliche Kurse oder flächendeckende Diagnostik kann man nicht „aus dem Stand“ für alle aufbauen, und Lehrkräfte müssen geschult werden. Aber: Nachteilsausgleich ist oft sofort umsetzbar, weil er vor allem organisatorische und prüfungsbezogene Anpassungen betrifft.
Deshalb mein Appell: Nachteilsausgleich ab sofort für alle Altersgruppen (Klasse 1–12, gern auch Berufsschule) – mindestens als Übergangsregelung, bis das Stufenmodell voll greift. Konkret, was kurzfristig möglich wäre:
mehr Bearbeitungszeit / Zeitpuffer in Tests und Klassenarbeiten
Hilfsmittel (z. B. Anschauungsmaterial, Rechenrahmen, ggf. Taschenrechner, wenn fachlich vertretbar)
angepasste Aufgabenformate (klarere Struktur, weniger „Rechenlast“ bei gleicher Kompetenzabfrage)
alternative Leistungsnachweise (mündlich/praktisch), wo es passt
Notenschutz, wenn Rechenfertigkeit nicht Kernziel des Fachs ist (und transparent geregelt)
Wichtig wäre außerdem ein einheitliches, unbürokratisches Verfahren (klare Kriterien, wer entscheidet, welche Nachweise reichen), damit es nicht vom Wohnort oder der Schule abhängt. Wenn Sachsen spät reagiert, sollten wenigstens die älteren Jahrgänge jetzt in ihrer verbleibenden Schulzeit spürbar entlastet werden.
Sehr geehrter Herr Clemens,
wir sind grundsätzlich sehr froh und dankbar für diese Entscheidung, aber ebenso erschrocken über die Zeitschiene. Insbesondere weil Erfahrungswerte beim Thema Nachteilsausgleich durch LAS vorliegen, ist eine Einführung im Schuljahr 2027/2028 viel zu spät! Wir zahlen seit 5 Jahren privat eine Lerntherapie und sind extrem abhängig von der Empathie der Pädagogen, das Kind immer zwischen Demotivation und großen Selbstzweifeln. Auch unsere Grundschule hat uns bestens unterstützt in der weiterführenden Schule ist das Gegenteil der Fall. Wir möchten ganz dringend bitten, dass sie das Verfahren unbedingt beschleunigen und danken Ihnen dafür von ganzem Herzen.
Dyskalkulie müsste ebenso diagnostiziert werden wie bei einer LRS. Für Schüler mit Verdacht auf LRS gibt Stützpunktschulen zur Diagnostik und einen zweijährigen Besuch einer LRS-Klasse. Eine ähnliche Diagnostik und eine mehrjährige Unterstützung von Kindern mit Dyskalkulie sollte unbedingt ebenso erfolgen.
An unserer GS erhalten schon jetzt Schüler mit nachgewiesener Dyskalkulie Erleichterungen bei Leistungskontrollen ( mehr Zeit z B.) in Absprache mit den Eltern. J. Prager/ Schulleiter
Dieses Vorgehen finde ich sehr wichtig und zielführend für unsere Kinder!
In jeglicher Weise würde ich es unterstützen, denn mein Sohn (9 Jahre) ist auch betroffen.
Danke!!!
Sehr geehrter Herr Clemens! Das ist ein sehr wichtiger Schritt für die Bildungsgerechtigkeit in Sachsen. In diesem Zusammenhang hoffe ich als Lerntherapeutin, dass wir in multiprofessionellen Schulteams endlich unterrichtsintegriert unterstützen können. Mit unserer Arbeit entlasten wir Lehrkräfte und Familien. Herzlichen Dank für das Engagement! Conny Müller-Rampoldi
Ich bin begeistert, Herr Kretschmer hat sein Wort gehalten, dass die Anerkennung der Rechenschwäche in Sachsen auf dem Weg ist. Ich hoffe, dass die Diagnostik auch zentral erfolgen wird, so wie bei der LRS Überprüfung.
Bitte, bitte nicht erst ab 2026/2027 und dann auch nur gestaffelt. Es muss sofort und für alle Kinder, auch ab Klasse 5 bis hin zur Berufsausbildung, der anerkannte Nachteilsausgleich möglich sein. Das ist extrem wichtig. Sonst werden wieder Kinder benachteiligt weil sie jetzt schon Klasse 4 oder 5 oder in Berufsausbildung sind.
Sofort und für Alle muss es heißen!!!
Endlich. Es ist nur gerecht, auch Kindern mit Schwierigkeiten beim Erlernen des Rechnens Hilfen zu gewähren.
Wir warten als Familie schon lange auf Regelungen Wir warten als Familie schon einige Jahre auf die Anerkennung von Dyskalkulie. Die betroffenen Kinder und Jugendlichen haben ja in anderen Fächern durchaus akzeptable Leistungen.LRS und Dyskalkulie spielen in der Lehrerausbildung schon sehr lange eine Rolle. Warum nimmt eine Lösung so viel Zeit in Anspruch?